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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2025

Zurück in Leipzig

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Dies ist der vierte Band aus der Feder von Kai Meyer, der rund um das Graphische Viertel in Leipzig spielt. Und auch wenn man die Bücher unabhängig voneinander lesen kann, hat es doch auf jeden Fall einen ...

Dies ist der vierte Band aus der Feder von Kai Meyer, der rund um das Graphische Viertel in Leipzig spielt. Und auch wenn man die Bücher unabhängig voneinander lesen kann, hat es doch auf jeden Fall einen Mehrwert wenn man sie in Folge liest - Personen, die wieder dabei sind, Orte oder Ereignisse, auf die, wenn vielleicht auch nur als Nebenschauplatz, Bezug genommen wird. So habe ich mich sehr gefreut, Cornelius Frey erneut begegnen zu dürfen, auch wenn ich mir insgeheim eine grössere Rolle für ihn gewünscht hätte. Aber auch die Geschichte um die Freunde, die sich regelmässig zum Gedankenaustausch und Bücherklau treffen und schliesslich nach einer folgenreichen Nacht und in den Kriegswirren getrennter Wege gehen, hat mich zu fesseln gewusst. Die Mischung aus historischem Roman mit Krimi-Anteilen, alles eingebettet in einen literarischen Hintergrund, ist einfach perfekt ausbalanciert. Ein wenig überrascht hat mich der geradezu humorvolle Einstieg, aber auch im Verlauf des Buches blitzen immer wieder feine Kommentare vor allem in den Dialogen auf, die die überwiegend dramatische Schwere der Handlung und durchaus heftigen Schicksalsschläge etwas auflockern. Für mich eine gelungene Fortsetzung und ein absolut lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Hat mir gut gefallen

Je tiefer der Wald
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Eigentlich bin ich nicht so ein großer Fan von psychologischen Thrillern, aber die Kurzbeschreibung an diesem Buch hat mich neugierig gemacht. Und schon nach kürzester Zeit hat mich die Geschichte total ...

Eigentlich bin ich nicht so ein großer Fan von psychologischen Thrillern, aber die Kurzbeschreibung an diesem Buch hat mich neugierig gemacht. Und schon nach kürzester Zeit hat mich die Geschichte total gefesselt und ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Auch wenn einige Wendungen nicht ganz glaubwürdig wirken und vor allem die Polizei mehrfach unfähig erscheinen lässt, wurde die Spannung konstant hochgehalten und meine Vermutungen wurden ein ums andere Mal über den Haufen geworfen, weil der Autor äußerst geschickt falsche Fährten legt und in die Irre führt. Am besten hat mir die Figur des Psychologen Vinzenz Reker gefallen, der das Mädchen Leni betreut und versucht sie zum Sprechen zu bringen, um die Umstände ihres Verschwindens vor zehn Jahren herauszufinden und wie sie jetzt plötzlich wieder auftauchen konnte. Dabei hat Lenis Wohl für ihn immer höchste Priorität, während alle anderen Beteiligten manchmal zu sehr auf ihr eigenes Schicksal und ihre eigenen Wünsche fixiert waren. Die Mutter Julia reagierte mehrfach leicht hysterisch, was aber angesichts der Situation nicht verwunderlich war. Auch ihre eigene Kindheit blitzte immer wieder durch und lieferte plausible Erklärungen für ihr Verhalten sowohl in der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Der Vater Sebastian wirkte wie ein wandelndes Pulverfass, war in seiner Verzweiflung für mich aber absolut überzeugend. Der neue Partner der Mutter, machte auf mich einen fast übergriffigen, unangenehm einnehmenden Eindruck und wirkte daher von Anfang an dubios und teils auch verdächtig. Gelungen fand ich die Konstellation aus Vinzenz, seiner "Fahrerin", die fast wie eine Privatdetektivin Ermittlungsarbeiten für ihn übernahm, und der Ermittlerin, die zwischen Staatsanwalt, Eltern und Vinzenz immer wieder vermitteln musste. Hier gab es auch fast humorvolle Momente in den Dialogen, die die vorherrschende Anspannung etwas auflockerten. Die Auflösung war schlüssig und schockierend, aber letztlich nicht wirklich überraschend, da dieser Handlungsstrang zuletzt immer mehr Raum einnahm und somit die Bedeutung vorwegnahm. Insgesamt hat mir dieser Thriller ausgesprochen gut gefallen, zeigt er doch dass es immer noch neue Ideen abseits der ausgetretenen Pfade im Bereich Psycho-Thriller gibt. Einer Fortsetzung, in der vor allem Vinzenz wieder in Erscheinung tritt, wäre ich nicht abgeneigt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Leiser Horror

Zeitloses Grauen
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Das Buch fängt wie ein Krimi an: zwei Freunde nehmen an einem Motto-Wochenende im Stil der zwanziger Jahre teil. Doch irgendetwas ist merkwürdig an dem Hotel, das wie aus der Zeit gefallen scheint, und ...

Das Buch fängt wie ein Krimi an: zwei Freunde nehmen an einem Motto-Wochenende im Stil der zwanziger Jahre teil. Doch irgendetwas ist merkwürdig an dem Hotel, das wie aus der Zeit gefallen scheint, und auch das Personal wirkt irgendwie unheimlich. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und Manu und Dorian werden in einen fortwährenden Kampf kosmischen Ausmasses hineingezogen. Dabei ist lange Zeit unklar, wer die Fäden zieht und was das Motiv sein soll.
Cosmic Horror ist normalerweise nicht mein Genre, auch wenn mir der Urvater H.P. Lovecraft natürlich nicht unbekannt ist. Doch meist habe ich so meine Probleme mit den verschiedenen Dimensionen, Zeiten und Parallelwelten, die oft sehr verwirrend sein können. Und ich muss zugeben, so ging es mir über weite Strecken auch in diesem Buch. War der erste Teil noch ein glatter 5-Sterne Anfang, der mich sofort mitgerissen hat, wurde es im Mittelteil diffus und schwer greifbar, wer was wie denn jetzt genau vor sich geht. Mir wurden auch zu viele, zugegebenermaßen aber gut durchdachte Elemente hineingepackt, die das ganze sehr unübersichtlich und verworren machten und meine Wertschätzung auf 3 Sterne sinken ließen. Dafür hat der Schluß, der nicht nur dem Freund von Dorian, sondern auch mir eine ausführliche Erklärung der Geschehnisse lieferte, das ganze noch einmal herumgerissen und mich mit den vielen offenen Fragen, die vorher in meinem Kopf schwirrten, ausgesöhnt. Letztlich fühlte ich mich von der Komplexität der Geschichte sowohl überfordert/genervt als auch mitgerissen, da ich doch immer unbedingt begreifen wollte was denn genau hier los ist. Genau dieses diffuse Gefühl hält mich üblicherweise davon ab, zu Cosmic Horror zu greifen, aber wie schon gesagt hat die Auflösung am Ende des Buches die vorherrschende Verwirrung gut aufgelöst und ich bleibe diesmal nicht auf einem Haufen offener Fragen sitzen. Daher vergebe ich letztlich vier kosmische Sterne für diesen zugleich herausfordernden und beeindruckenden Roman.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Unheimlich

Schneegrab
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Die Handlung liest sich wie ein Tagebuch-Bericht, der aus der Sicht von Stephen, einem der Teilnehmer, erzählt wird. Dabei fängt die verwendete Sprache bzw. das Vokabular oder auch Beschreibungen des Verhaltens ...

Die Handlung liest sich wie ein Tagebuch-Bericht, der aus der Sicht von Stephen, einem der Teilnehmer, erzählt wird. Dabei fängt die verwendete Sprache bzw. das Vokabular oder auch Beschreibungen des Verhaltens der privilegierten Engländer gegenüber den einheimischen Trägern der Expedition die historische Zeit, in der die Geschichte spielt, hervorragend ein und vermittelt ein gutes Bild der damals herrschenden Ansichten. Und obwohl lange Zeit nichts gruseliges passiert, haben mich Stephens Beobachtungen total gefesselt, denn der Kampf der Männer gegen die eisige Witterung und den Berg an sich war unglaublich spannend. Als vor allem Stephen dann merkwürdige Beobachtungen macht, schleicht sich langsam, fast unbemerkt, das Grauen in die Gruppe. Was ist damals bei einer früheren Expedition, die dem jetzigen Vorhaben als großes Vorbild dient, tatsächlich auf dem Berg passiert, als nur zwei Männer lebend zurückkehrten? Bis zuletzt habe ich mitgefiebert, ob die Gruppe um Stephen ein ähnliches Schicksal erleiden wird oder ob die Männer den Berg unbeschadet wieder verlassen können. Und dabei war es irgendwann unmöglich, den Aberglauben abzuschütteln, der sich im Lager breitgemacht hat - zu mysteriös sind die Ereignisse, die man anfangs noch als Trugbilder abtut, die sich dann aber nicht mehr leugnen lassen.
Fazit: auf beeindruckend subtile Weise erzählt die Autorin eine Geistergeschichte, die einem nicht nur aufgrund der eisigen Kälte in die Knochen fährt.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Eiskalte Spannung

Das kalte Schweigen der See
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Der Titel ist leider ein wenig nichtssagend, mich hat vor allem das Coverbild angesprochen, das Buch zu lesen. Die Geschichte erzählt von einem grausigen Leichenfund am Nordpolarmeer: eine Studentin wurde ...

Der Titel ist leider ein wenig nichtssagend, mich hat vor allem das Coverbild angesprochen, das Buch zu lesen. Die Geschichte erzählt von einem grausigen Leichenfund am Nordpolarmeer: eine Studentin wurde anscheinend von einem Eisbären getötet. Während die Ermittlungen der Polizei sowohl in das von den Russen bewachte Pyramiden als auch an die Universität führen, untersucht andernorts ein Journalist den angeblichen Selbstmord seiner ehemaligen Kollegin, die sich vehement für den Tierschutz eingesetzt und damit Feinde vor allem bei den Fischern gemacht hat. Lange Zeit werden so zwei Geschichten parallel erzählt, aber man ahnt natürlich, dass die beiden Fälle wohl irgendwie zusammenhängen. Die Auflösung bringt einige Überraschungen mit sich, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Dies ist ein Krimi, der vor allem vom spannenden Geschehen lebt, da ich die Charaktere trotz aller persönlichen Einblicke etwas farblos fand. Interessant dagegen waren die vielen Einblicke in das Leben am Nordpolarmeer, die unterschiedlichen Ansichten der Menschen und auch geschichtliche Hintergründe. Auch das eiskalte Lokalkolorit trug zur ein oder anderen Gänsehaut bei.

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