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Veröffentlicht am 01.08.2018

Ich habe noch viel gelernt!

111 Orte in der Provence, die man gesehen haben muss
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Südfrankreich ist wunderschön und daher bin ich fast jedes Jahr dort. Daher ist es an der Zeit, mal was neues zu entdecken, die Augen auf kleine, feine Details zu richten.

Die 111 Orte sind alphabetisch ...

Südfrankreich ist wunderschön und daher bin ich fast jedes Jahr dort. Daher ist es an der Zeit, mal was neues zu entdecken, die Augen auf kleine, feine Details zu richten.

Die 111 Orte sind alphabetisch geordnet und sie beginnen daher mit den größten Städten des hier dargestellten Teils der Provence: Aix-en-Provence (3 Orte) , Arles (6 Orte) und Avingnon (4 Orte). Arles bildet dabei den Schwerpunkt. Es ist auch wirklich wunderschön, allerdings sollte man vorher wissen, daß das Parken dort nicht sehr leicht ist, wir haben dort inzwischen unseren speziellen Parkplatz gefunden, da die Durchfahrt der Altstadt mit großen deutschen Limousinen an einigen Stellen fast unmöglich ist. So schön Arles auch ist, es ist im Sommer unglaublich heiß, man benötigt unglaublich viel Wasser, viele Ruhepausen oder einen der seltenen bewölkten Tage. Als Kind habe ich dort fast immer befürchtet verdursten zu müssen und meinen Kindern geht es heute auch bisweilen noch so. Sehr schön finde ich Ort Nr. 4 „Die Alycamps“ eine alte römische Begräbnisstätte von der Rilke und Hugo von Hoffmannsthal bereits schwärmten. Klingt jetzt erst mal nicht so spektakulär, allerdings sollte man wissen und das verschweigt der Autor, daß es sich um von der UNESCO anerkanntes Weltkulturerbe handelt. Dort wird übrigens die Modeschau des Hauses Gucci 2019 stattfinden, da es sich um die Geburtsstadt des legendären Designers Christian Lacroix handelt. Die Zahlungen von Gucci für dieses Privileg an die Stadt, soll für den Erhalt der Vielzahl römischer Stätten verwendet werden. (Diese Info stammt aus einer aktuellen frz. Frauenzeitschrift, nicht diesem Buch).
Da Frankreich außer Mode natürlich auch noch Kunst, Musik und Kultur zu bieten hat, gefiel mir der Blick in das Internierungslager in der Ziegelei von Les Milles bei Aix-en-Provence in welcher bedeutende Exilkünstler wie Lionel Feuchtwanger, Max Ernst und Golo Mann interniert waren. Dank der Vichy-Regierung sind auch im unbesetzten, freien Süden zeitweise bis zu 3.000 Menschen jüdischer Herkunft dort interniert und teilweise von dort mit Zügen nach Auschwitz deportiert worden. Die wenigsten haben dies überlebt. Gegenüber der Ziegelei kann man noch einen der historischen Eisenbahnwaggons sehen, die zur Deportation nach Auschwitz genutzt worden.
Dieser Leitfaden wendet sich aber nicht nur den Toten zu, sondern auch alljährlichen Highlights und somit Ort Nr. 79 der Mont Ventoux, der härtesten Bergetappe der Tour de France, an dem schon einige scheiterten oder zusammenbrachen und dessen Bezwingung so viele Gemüter beschäftigt hat, daß ich über diesen Ort letztes Jahr einen wirklich spannenden Krimi aus der Radrennwelt gelesen habe.
Mit 8 Orten liegt das Hauptaugenmerk wohl auf Marseille, das heutzutage auch wirklich für Besuche deutlich besser geeignet ist, als in meiner Kindheit. Die Stadt hat in den letzten Jahrzehnten einiges für einen Imagewandel, weg von der schmuddeligen Hochburg der Kriminalität vom Mittelmeer getan. An die lange Geschichte der Kriminalität erinnert Ort Nr. 66, mit dem legendärsten Gefangenen der Stadt, dem Graf von Monte Christo aus dem Meisterwerk von Alexandre Dumas dem Älteren, dem die Flucht von der Gefängnisinsel Ile d'If dem Ort des berrüchtigten Chateau d'If gelang. Da Marseille am Meer liegt, ist das Klima dort auch im Sommer deutlich erträglicher als im Hinterland und es gibt dort auch deutlich mehr zu entdecken, als man meint.

Die Auswahl ist sehr vielfältig und bunt gemischt, so das für jeden Geschmack eine Menge zu entdecken ist. Allerdings ist das abgedeckte Gebiet auch sehr groß und reicht für mehrere Urlaube, wobei man die zu besichtigen Orte auch im Hinblick auf Jahreszeit und Klima wählen sollte.

Was ich sehr schade finde und was bei mir zu einem Punkt Abzug führt, ist das einige Highlights, die im Vorwort erwähnt werden, wie z.B. der Pont du Gard, das gigantische Aquedukt, daß das römische Nimes mit frischem Gebirgswasser versorgte, oder die unendlich scheinenden Strände der Camargue überhaupt nicht aufgeführt sind. Da er sie offensichtlich zur Provence mitzählt, ist es ausgesprochen merkwürdig, sie außen vor zu lassen, sofern er nicht einen weiteren Führer für die Camargue, das Languedoc-Rousillon plant. Aber dann hätte er sie auch im Vorwort unerwähnt lassen sollen. Na gut, Ort Nr. 60 Les-Saintes-Maries-de-la-Mer gehört zur Camargue, da es sich aber so fernab der übrigen hier aufgezählten Orte befindet, ist es nicht im Kartenanhang zu finden. Wer diesen Ort besuchen möchte, sucht im Kartenmaterial vergeblich, er wird sich keinen Eindruck von seiner Lage machen können. Solche Pannen dürfen eigentlich nicht passieren.

Wirklich sehr interessant für alle, die die Provence schon kennen und neue Inspirationen suchen, für Neulinge eine facettenreiche Ergänzung zu klassischen Reiseführern.

Veröffentlicht am 04.11.2025

Schade, konnte das Potenzial nicht ausreizen

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
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Sie scheint in einem Albtraum gefangen! Immer wieder sieht sie vor ihren Augen wie ihr Schiff kenterte und ihre beiden besten Freunde ertranken. Die Fluten schlossen sich über ihr und seither ist alles ...

Sie scheint in einem Albtraum gefangen! Immer wieder sieht sie vor ihren Augen wie ihr Schiff kenterte und ihre beiden besten Freunde ertranken. Die Fluten schlossen sich über ihr und seither ist alles anders. Ihr fehlt der Antrieb, ihre Energie, ihre Inspiration! All ihre Bilder sind trist und düster. Auch wenn sie ihre Arbeit in der Hamburger Kunsthalle liebt, so ist der Traum vom Kunststudium ausgeträumt, sie fühlt sich leer und kraftlos…
Doch dann kommt es wie ein Rausch über sie, sie greift zu ihren Farben und Papier und kann nicht mehr aufhören zu Malen, nach all den Monaten der inneren Leere und merkt plötzlich, dass ein junger gutaussehender Mann in ihrer Wohnung auf der Couch sitzt. Dieser ist völlig fassungslos, denn er ist Neo, Wandas Muse und eigentlich sollte sie ihn gar nicht sehen können. Auch diese Anziehung sollte zwischen ihnen nicht sein…. Je mehr er sie inspiriert, desto schwächer wird seine Magie und er muss zurück nach Ambrosia, um sich dort mit dem Nektar der Magie neu aufzuladen. Doch sie scheinen untrennbar miteinander verbunden, Wanda kann sich nicht von ihm entfernen und muss mit ihm nach Ambrosia, oder er wird verkümmern und immer schwächer. Kann sie als Mensch überhaupt dorthin? Ist sie jetzt für immer an ihn gebunden? Ist es ein Fluch, kann man ihn lösen? Sind die Gefühle echt oder nur der legendäre Musenrausch? Was dann folgt, hätte sie sich selbst in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.

Welch eine Kombi: Kunst und Mythen und irgendwie auch Fantasy und dann noch so ein fantastisches Cover und vier Sprecher, die ich wirklich alle gerne höre! Da musste ich zuschlagen! Um den Einstieg zu erleichtern, wird erst noch kurz die Geschichte von Paris, der entscheiden sollte welche Muse die Schönste sei, zusammengefasst. Dabei werden sie aber leider nicht alle aufgezählt und benannt, was später wirklich hilfreich wäre, da wir tief in das Reich der griechischen Mythologie eintauchen.

Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt: 1. Wanda gesprochen von Aileen Wrozyna, 2. Neo gesprochen von Louis Friedemann Thiele und Hannah Schepmann als von Circe gefangen gehaltener Nymphe Galateia und Pia-Rhona Saxe als Leucosia, eine Sirene, deren Gesang ihre Tod bringende Macht verloren hat. Was mich immer wieder aus der Geschichte heraus riss, sind die relativ langen Sprechpausen, die wohl die Regie vorgegeben hat. Jedes Mal war ich irritiert und prüfte, ob ich versehentlich die Kopfhörer berührt und somit deaktiviert hatte. Jeder Perspektivwechsel wird durch die Nennung des Namens des jeweils Sprechenden eingeleitet. Da allerdings Galateia und Leucosia für mein Empfinden völlig unvermittelt übernahmen und die Namen ja auch recht ungewöhnlich sind, habe ich ihn erst nach Ewigkeiten der Verwirrung wahrgenommen. Eigentlich nur, weil ich mich schon seit rund 100 Tracks fragte, wo denn Hannah Schepmann und Pia-Rhona Saxe blieben, bis ich bemerkte, dass es sich nicht um Ortsangaben, sondern Namen der Erzählenden handelte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass zumindest eine der Sprecherinnen eine deutliche rauere oder kratzigere Stimme hätte, um sie klarer voneinander abzugrenzen (Leucosia als betörende Sirene käme dafür allerdings nicht infrage). Auch hätte ich mir gewünscht, dass man mehr über diese Wesen der Mythologie erfährt, da sie nicht mehr so geläufig sind. So musste ich immer wieder googeln, um einen besseren Durchblick zu erhalten. Alle vier Sprecher klingen jung und frisch und verstehen ihr Handwerk. Sie sprechen lebendig und unterstreichen ihre jeweiligen Gefühle und Stimmungen. Da sie die vier „Guten“ sind, die zusammen ihrem Schicksal entrinnen wollen, klingen sie auch sympathisch. Die Liebesgeschichte ist für mich allerdings etwas unwirklich und geht mir irgendwie nicht unter die Haut.

Das Worldbuilding ist sehr dicht und komplex und wer sich mit griechischer Mythologie auskennt, ist klar im Vorteil. Die Annäherung zwischen Wanda und Neo ist gemächlich und zart, hängen beide doch noch an ihren verlorenen Lieben zuvor. Doch die Gefahren, denen sie sich gegenüber stehen lassen ihnen nur wenig Zeit, diese Momente auszukosten.
Leider konnte mich dieses Hörbuch nicht ganz so fesseln, wie ich es erwartet habe, vielleicht lag es an einem Übermaß an mythologischen Charakteren.

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Für die ambitionierte Küche

Ottolenghi Comfort
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In diesem Kochbuch feiern Ottolenghi und sein Team, die Liebe zu gutem Essen und interessanten Einflüssen aus aller Welt auf oft bekannte Gerichte und wandeln diese mit ihrer speziellen Note ab. 100 Rezepte ...

In diesem Kochbuch feiern Ottolenghi und sein Team, die Liebe zu gutem Essen und interessanten Einflüssen aus aller Welt auf oft bekannte Gerichte und wandeln diese mit ihrer speziellen Note ab. 100 Rezepte die das Kochen und Zusammensein zelebrieren wollen.

Dieses Motto ist das Credo, der Weg ist der Genuss, im Team gemeinsam Kochen und Genießen. Allerdings ist unsere Küche max. 6 QM groß und löst schnell klaustrophobische Gefühle aus. Kochen im Team ist da eher ein Albtraum, als ein Genuss. Aber offene Küchen mit Kochinseln sind ja modern, anders als unser historisches Haus.

Das Kochbuch glieder sich wie folgt:

Einführung
Eier, Crèpes, Pfannkuchen
Suppen, Dips, Aufstriche
Frittiertes, und Gebratenes
Wohlfühlgemüse
Brathähnchen und anderes vom Blech
Dals, Eintöpfe und Currys
Nudeln, Reis, Tofu
Pasta, Polenta, Kartoffeln
Pies, Pasteten, Brot
Süße Sachen

Sehr gut gefällt mir, dass die Angabe der Personenzahl schön fett gedruckt ist, da muss man gar nicht lange suchen. Allerdings sind die Rezepte nicht ohne, so dass ich mir wirklich Zeitangaben für die Zubereitungszeit und eventuelle Gesamtdauer gewünscht hätte. Auch fehlt eine Kennzeichnung nach Vegetarisch, Vegan, Glutenfrei, Laktosefrei... Es ist ein Buch für alles Esser. Viele Rezeote sind vegetarisch, aber noch nicht mal im Register ist eine Kennzeichnung mittels kleinen Symbolen vorgenommen, was ich zeitgemäß fände, bei solch einem ambitionierten Werk. Es ist Bestseller Nr. 1. in den vegetarischen und veganen Kochbüchern, was mich erstaunt, da weder Hähnchen, noch Gambas vegetarisch, geschweige denn vegan sind. Vielleicht ist es Hallal oder Kosher, aber definitiv nicht vegetarisch. Das behauptet das Buch allerdings nicht. Die Käse-Curry-Crèpes hätten mich gereizt, aber sie sind mit Hähnchen und das isst unsere Vegetarierin nicht.

Sehr gut kamen hier die Kartoffel-Zupfbrötchen an, die ich auch definitiv öfter machen werde. Allerdings hat mich hier gestört, dass man 80 ml des Kartoffel-Wassers auffangen und weiter verwenden soll. Das steht aber nicht in der Zutatenliste, sondern im Fließtext. Bis ich im Rezept soweit war, hatte ich es schon weggekippt.

Es gefällt mir auch, dass es viel Backwerk gibt, aber diese enthalten immer Unmengen an Zutaten, wovon einige auch nicht alltäglich sind. Das schnelle Karottenbrot mit Vadouvan (kann auch durch Madras-Curry ersetzt werden) benötigt außer Vadouvan (oder eben Currypulver) noch jede Menge andere Kräuter und Gewürze, wobei ich z.B. keinen Kreuzkümmel mag, so dass ich es gar nicht mehr so schnell finde, auch wenn es als Soda-Brot keine lange Gehzeit hat. Ich brauche auch neben Backpulver auch noch Natron....

Die Rezepte sind sehr raffiniert, aber eben nicht unbedingt alltagstauglich. Sie benötigen wegen der vielen und z.T. Recht exotischen Zutaten Zeit und Planung.

So war auch der Kaiserschmarrn sehr lecker, aber deutlich aufwändiger als sonstige Kaiserschmarrn-Rezepte, so dass ich im Alltag auf diese zurückgreifen werde, mir aber die Idee mit der sauren Sahne sehr gut gefiel (wobei Sternanis wieder so ein Gewürz ist, das ich gar nicht mag).

Es ist definitiv ein Kochbuch für die ambitionierte Küche, mit Geduld und einem sehr experimentierfreudigem Gaumen und gut sortierten Feinkostgeschäften in der Nähe (wie z.B. mein kleiner Bruder in Berlin).

Es ist sehr schön aufgemacht und geschrieben und die 2 farblich unterschiedlichen Lesebändchen, passend zum Retro-Einband gefallen mir ebenso gut, wie die ansprechenden Fotos zu den Rezepten.

Für mich ist es ein schönes Geschenk für meinen Gourmet-Bruder, für mich persönlich aber zu aufwendig.

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Veröffentlicht am 18.08.2023

Der Kreislauf des Lebens

Nelumbiya – Im Land der magischen Pflanzen
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Tara (11) wächst als Waise in der Felsenstadt Ornata auf und wird von der Herrin der Diebe und Waise gemeinsam mit der kleinen Merle auf Diebeszug geschickt. Auch von der Geburtstagsfeier von Prinzessin ...

Tara (11) wächst als Waise in der Felsenstadt Ornata auf und wird von der Herrin der Diebe und Waise gemeinsam mit der kleinen Merle auf Diebeszug geschickt. Auch von der Geburtstagsfeier von Prinzessin Helena sollen sie reiche Beute mitbringen. Aber es ist gar nicht so leicht, in die bewachte fürstliche Festung zu gelangen und daher verstecken sich die 2 Mädchen auf dem Karren von Bäckergesellen. In der Festung ist Tara fasziniert von dem Geschenk einer Bürgerin an Helena: es ist die magische Löwenzahnpflanze Dandelion (engl. für Löwenzahn). Tara spürt, dass Dandelion etwas Besonderes ist und stiehlt ihn. Von diesem Fang ist ihre Herrin nicht begeistert und schickt sie zurück. Dort lernt sie Helena und Bäckergesellen Semur kennen, die wie sie ein Pflanzenzeichen am Körper tragen. Es weist sie als Pflanzenmenschen aus, Menschen, die sich im verbotenen magischen Land Nelumbiya mit einer Pflanze verbinden können. Daher sind diese Zeichen streng geheim, denn der gefürchtete Askiel sucht nach diesen Menschen und will sie vernichten. Als die drei Kinder belauschen in welcher Gefahr sie schweben, begeben sie sich auf die gefährliche Reise nach Nelumbiya, um das für sie bestimmte Pflanzenwesen zu finden, aber auch um Mensch und Natur zu versöhnen und Askiels heimliche Terrormacht zu brechen.
 
Anfangs ist Tara noch fern von Nelumbiya, daher beginnt dieses Abenteuer mit einem Prolog über Tamaran und seinen  sterbenden Baum Querus. Bis diese dann endgültig in Taras Leben treten ist es ein weiter und gefährlicher Weg. Sowohl Ornata als auch Nelumbiya sind ganz anders, als die Welt in der wir leben. Immerhin kennen wir Bäume und Pflanzen, anders als diese drei Kinder, denen von klein auf eingeschärft wurde, sich von solch gefährlichen Wesen fern zu halten. Ornata wirkt hingegen mit seinen Karren und Festungsmauern sehr mittelalterlich und somit abenteuerlich für uns. Ebenso unterschiedlich sind auch Tara, Semur und Helena. Gerade Helena trauen Tara und Semur oft nichts zu, aber sie ist gewitzt und überrascht immer wieder mit schlauen Ideen und den unendlichen Tiefen ihres Koffers, den sie ja unbedingt mitschleppen musste, egal wie sperrig er auf der Flucht ist! Ja, sie sind auf der Flucht, denn ihr Geheimnis ist aufgeflogen und Askiel hetzt ihnen seine Blaumantel-Armee auf den Hals!


Am Ende wird es noch richtig dramatisch, und die drei Freunde werden vor große Herausforderungen gestellt, die sowohl überraschend, als auch gewagt sind, denn eigentlich kennen sie ihre eigenen Pflanzenmagierfähigkeiten nicht, benötigen sie aber dringend, um die Natur vor dem Untergang zu bewahren.
 
Sehr gut gefällt mir, dass am Ende wirklich alles aufgelöst wird und wir dann auch erfahren, wie es mit den drei Pflanzenmagiern nach der Rückkehr Ornata weitergeht. Das ist gerade im Hinblick auf das Schicksal von Querkus und Tameran tröstlich, das wirklich Hoffnung spendet, aber auch wegen er kleinen, anhänglichen Merle.

Ich mag Ilka Teichmüllers warme Stimme sehr gerne, hier mag ich ihre Interpretation aber nicht. Gerade zu Beginn fand ich sie zu kindlich und übertrieben für die Zielgruppe ab 10 Jahren. Ich fühlte mich nicht auf Augen/Ohrhöhe beim Hören. Das wurde nach ein paar Stunden besser und störte mich dann weniger, weil weniger Erzählerpassagen vorkamen und es überwiegend Dialoge waren. Hier gefielen mir ihre Interpretationen einzelner Charaktere sehr gut, wie z.B. Tamaran, den Pflanzenmenschen des mächtigen Baumes Querus. Dennoch konnte mich ihre Stimme nicht fesseln.
Ein Abenteuer über Freundschaft, Naturschutz und dass jede Gabe zwei Seiten hat, eine helfende und eine gefährliche, wenn man sich nicht bewusst für das Gute entscheidet, Zusammenhalt und den Kreislauf des Lebens.
 
Leider hat es mich nicht ganz packen können, ohne dass ich jetzt genau benennen könnte, wahrscheinlich lag es an der Interpretation..

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Veröffentlicht am 07.08.2023

3 Autoren, 3 ganz unterschiedliche Thriller

Anleger 511
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Drei Autoren, drei Thriller, drei Helden, ein Ziel (Anleger 511 in Eltville).

Ein spannendes Experiment, angelehnt an „Sing my song“: drei befreundete Autoren wählen einen Charakter aus einem der Werke ...

Drei Autoren, drei Thriller, drei Helden, ein Ziel (Anleger 511 in Eltville).

Ein spannendes Experiment, angelehnt an „Sing my song“: drei befreundete Autoren wählen einen Charakter aus einem der Werke des anderen und lässt ihn/sie als Hauptfigur einen Thriller erleben, der letztendlich am Anleger 511 in Eltville (Hessen) endet.

Schließfach 102 Klaus Maria Dechant Thriller 1: Die junge, aufstrebende Enthüllungsjournalistin Emma Berg aus Stuttgart bekommt anonym den Schlüssel zu Schließfach 102 zugeschickt, während sie eigentlich in einem ganz anderen Thema steckt. Statt an dem langen Wochenende mit ihrem Freund den BKA Beamten, romantisch zu chillen und über die Zukunft zu sinnieren, fährt sie nach Zürich auf der Suche nach dem Nummernschließfach: es ist eines dass für Staatsgeheimnisse vorbehalten ist. Der Umschlag, den sie dort findet, irritiert sie noch mehr: Unterlagen über gebrauchte Näh- und Schreibmaschinen Exporte in Krisengebiete. Können sich dahinter verbotene Waffen- und Panzerlieferungen stecken? Wer ist der Whistleblower, was soll das Ganze?

Dieser Thriller gefiel mir ausgesprochen gut und zog mich sofort in seinen Bann. Workaholic Emma finde ich mit all ihren Macken sympathisch. Der Fall ist ebenso aktuell, wie geheimnisvoll, wobei er seine Wurzeln in der Vergangenheit hat. Es geht über die ehemalige „Zonengrenze“, in deutsche Mittelgebirge und hinein in die Politik und die Kunst des Vertuschens, die bisweilen mörderisch sein kann. Der Autor hat eine angenehm volle, melodische Stimme und vermag es seiner Suche nach der Wahrheit den richtigen sprachlichen Schliff und erzählerische Spannung zu geben. Absolut gelungen!

Auszeit, Jo Schuttwolf, Thriller 2: Kommissarin Michaela Cordes ist nach dem letzten Desaster erst mal suspendiert und braucht eine Auszeit, um alles zu verarbeiten und die seelischen und körperlichen Wunden heilen zu lassen. Wie gut, dass ihre alte Schulfreundin in LA lebt. Allerdings wird das Touriprogramm für sie bald zu langweilig und sie schlägt den Weg in die Elendsviertel ein. Das ist gefährlicher als sie ahnt, denn schon bald landet sie in den Katakomben wird von einer mörderischen Gang verfolgt, begleitet von einem asiatischen Teenager, den sie nicht immer versteht. Was wollen die von ihnen, und wie kommen sie da nur wieder heil raus?

Neben dem Erzählstrang um die Kommissarin, die von ihrer Auszeit mental erschöpft ist, gibt es einen zweiten, ein ausführliches Interview mit einem Künstler, der einst als Aussteiger Deutschland verließ, nachdem er so ziemlich alles mitgenommen hat, was seine Zeit so bot: RAF, Flower Power und Selbstfindungstrips. Langsam aber sicher rücken die Erzählstränge zusammen und führen natürlich nach Eltville, auf eine unvorhersehbare Weise, mit Spannung und Schwarzpulver. Spannend erzählt von der melodiös erwachsenen Stimme von Jo Schüttwolf, der gut zu dem abgeklärten Aussteiger passt. Einige der angeschnittenen Themen finde ich aus einer sehr interessanten Perspektive erzählt.

Endstation Eltville, Kai Bliesener, Thriller 3: Andy, der sexsüchtige, dauerzugedröhnte Werbefutzi aus U-Turn (dort ist er allerdings eine Nebenfigur) erwacht nach seinem Absturz während eines schamanischen Rituals in einem andalusischen Krankenhaus. Die Ärztin, die sich um ihn kümmert fasziniert ihn, ehrlich, aber etwas nagt an ihm. Er erinnert sich, dass der Werbefilm, der auf seinem Drehbuch, seinem genialen Einfall, ganz in der Nähe gedreht wurde, eingeschlagen ist wie eine Bombe! Er wurde sogar prämiert, doch er mit keinem Wort erwähnt! Gegen jeden ärztlichen Rat, entlässt er sich selbst und fliegt zurück nach Düsseldorf, um die Agenturchefin zur Rede zu stellen, denn alle ignorieren seine Anrufe. Als er ihr schickes Haus erreicht, sieht er auch wieso. Es ist, als würde er aus einem Albtraum erwachen!

Mit dem selbstverliebten, sexsüchtigen Andy, der ständig zugedröhnt ist, hatte ich schon in U-Turn so meine liebe Not, denn ich finde ihn einfach nur unsympathisch. Punkt, keine Faszination, keine Interesse für eventuelle Tiefen, die ich ihm auch nicht zutraue. Die Erzählweise erinnert an ein Filmskript, das mehrere Genres vermischt, kurze Szeneneinstellungen die zwischen High Noon, Quentin Tarantino und David Lynch schwankt. Irgendwie kam es mir aber auch etwas wirr vor, eben so zugedröhnt wie Andy. Dass mir die Autorenstimme nicht so zusagte, weil sie mir zu flach, zu blechern klang, machte es nicht besser. Für mich ist es einfach die schwächste Geschichte zum Schluss, was ich etwas schade fand. Natürlich landet auch Andy in Eltville am Anleger 511, aber nach einem Überraschungseffekt zum Schluss, der mich leider nicht so ganz überraschte...

Ein reizvolles Experiment, das ich wirklich empfehlen kann, vor allem jenen, die mehr auf Tarantino und Lynch stehen als ich.

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