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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2025

(Zu) Anspruchsvoll!

¡Buenas noches, Barcelona!
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Laut Verlag eignet sich ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen auf A1 Niveau. Mein Gefühl (B2) und das meines Mannes (A1) würden dem widersprechen. Die Sätze sind simpel aufgebaut und grammatikalisch ...

Laut Verlag eignet sich ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen auf A1 Niveau. Mein Gefühl (B2) und das meines Mannes (A1) würden dem widersprechen. Die Sätze sind simpel aufgebaut und grammatikalisch durchaus verständlich für Sprachanfänger:innen, jedoch ist das Vokabularium anspruchsvoller. Zwar werden auf jeder Seite ein paar Vokabeln übersetzt, diese konnten aber kaum den fehlenden Wortschatz ersetzen oder waren teilweise unglücklich gewählt (Vokabeln, die sich aus dem Kontext verstehen lassen, wurden übersetzt, andere nicht). Hier bestätigt sich meine persönliche Skepsis, denn bei Sprachanfänger:innen finde ich Texte von nicht Muttersprachler:innen im Wortschatz meist besser. Vorteile sind aber natürlich, dass ganz besondere Ausdrucksformen direkt gelehrt/gelernt werden und die erlernte Sprache dadurch schneller authentischer wirken kann.

Der Aufbau einer Seite ist mir zu voll. Das Schriftbild zu klein, weswegen viel Text auf einer Seite ist und erstmal einen erdrückenden Eindruck hinterlässt. Gerade zu Beginn einer Sprachlehre sind Geschichten dann einfacher zu lesen, wenn sie mehr künstliche Pausen durch Absätze, ein großes Schriftbild etc. besitzen und dadurch das Tempo verlangsamen.

Gut gefallen haben mir die Infokästchen, die etwas mehr zum entsprechenden Vokabular erzählt haben. Auch die Grammatikübungen sind hilfreich, aber ohne Kontext eingebettet (hier ist Vorwissen dringend nötig). Das Quiz am Ende fand ich toll, hätte ich mir aber eher nach jeder Geschichte gewünscht und nicht am Ende aller Geschichten, weil die Fragen teilweise sehr ins Detail gingen und drei Geschichten später nicht unbedingt der Barname der ersten Geschichte noch präsent ist. Dafür wird den Anfänger:innen zu viel auf anderer Ebene abverlangt.

So bleibt am Ende das Fazit, dass mir ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen zu anspruchsvoll ist oder durch diese Deklaration bei jenen für Demotivation sorgen kann, weil die Geschichten sich nicht 'einfach' lesen lassen und nur gelegentlich etwas zum Nachschlagen oder Verarbeiten benötigen, sondern viel Konzentration und Geduld in Anspruch nehmen. Wer sich auf A1 Niveau gerne fordert, es liebt sich mit einem Buch zu beschäftigen und fehlende Wörter oder Grammatikfragen anderweitig nachzuschlagen, der hat hier sicher seinen Spaß und ist danach auch nicht mehr auf A1-Niveau unterwegs. Wer jedoch am Anfang gerne an die Hand genommen wird, ein Buch mit viel Wissensvermittlung neben den Geschichten sucht, die in den Kontext eingebettet sind, der ist hier an der falschen Adresse und könnte schnell gefrustet sein.

Veröffentlicht am 11.10.2025

Zwischen Wille und Instinkt.

Die Spur der Vertrauten
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Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes ...

Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes Leben, um ein Tugendhafter zu werden, Claire steht vor ihrem Abschluss zur Vertrauten als plötzlich unbemerkt Schüler:innen verschwinden. Claire und Goliath fällt dieser Umstand auf, doch Claire möchte auf keinen Fall auffallen, denn ihr Geheimnis bedroht ihr Leben.

Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos verspricht eine Dystopie über verbotene Individualität, Widerstand und Liebe und bietet ein komplexes Weltensystem, das aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

Der Klappentext klang mit all seinen aufgeworfenen Themen super spannend. Ein Instinkt der Menschen dazu verleitet, dem Allgemeinwohl zu dienen. Ein Gemeinwohl, das ausschließlich dem ‚Wir‘ dient und doch der versprochene Ausbruch von Individualität. Ähnlich spannend ließen sich auch die ersten Seiten lesen, aber mit jeder Seite mehr verpuffte mein Interesse und gewann an Verwirrung dazu. Fragen werfen sich auf, die auch bei weit über der Hälfte des Buches noch lange nicht geklärt sind und den Spaß am lesen rauben, weil die Handlungen der Charaktere ohne Verständnis für das System der Welt kaum einzuordnen sind.

Die Perspektiven wechseln primär zwischen Goliath und Claire, bieten aber auch ein paar Nebencharaktere. Perspektiven die vermutlich die Sichtweisen der verschiedenen Standpunkte darstellen sollen, sich aber in der Komplexität verlieren. Teilweise lassen sich Perspektiven nicht direkt zuordnen und verwirren nur noch mehr. Ein weiteres Problem war für mich, dass ich mit keiner einzigen Perspektive warm wurde und dadurch keinen Zugang zum Buch gefunden habe. Alle Perspektiven wirkten auf mich kühl, ähnlich wie die gesamte Gesellschaft.

Auch zeitlich fühlt man sich komplett verloren. Minitel, SMS, Jukebox,… das alles spricht für eine vergangene Zeit, Pay-TV Sender fallen dann doch eher in eine andere und so lässt es sich kaum verordnen. Was grundsätzlich kein Problem sein muss, aber insgesamt dann doch ein weiterer Punkt ist, der mich den Bezug zum Inhalt nicht abholen konnte, zumal es inhaltlich schon eine Begründung hätte geben können… wenn es denn jemals relevant geworden wäre.

Die Spur der Vertrauten konnte mich daher leider gar nicht abholen. Mir gefällt weiterhin die Grundidee dieses Buchs super gut und die Autorin hat viele wunderbare Ideen einfließen lassen, die für mich aber nur sehr selten ihre Wirkung erzielten. Immer wieder gab es auch kleinere Handlungen, die bedeutsam hätten werden können und dann doch nicht mehr erwähnt wurden. Die Einordnung als Jugendbuch für Kinder ab 14 Jahre finde ich sehr optimistisch, die Protagonist:innen sind zwar Jugendliche und doch glaube ich, dass es inhaltlich die Mehrheit von 14-jährigen (noch) nicht ansprechen dürfte.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Mitternachtserde

Bury Our Bones in the Midnight Soil
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Drei Frauen, drei Schicksale.
1511: Maria wächst in dem kleinen, spanischen Dorf Santo Domingo de la Calzada auf. Dort trifft sie auf einen Edelmann, den sie heiratet, um ihr Dorf zu verlassen. Ihre Ehe ...

Drei Frauen, drei Schicksale.
1511: Maria wächst in dem kleinen, spanischen Dorf Santo Domingo de la Calzada auf. Dort trifft sie auf einen Edelmann, den sie heiratet, um ihr Dorf zu verlassen. Ihre Ehe ist keine glückliche und Maria sehnt sich nach Freiheit.
1827: Charlotte soll ihren Heimatort verlasse, in London Anstand lernen und einen Ehemann finden. Doch Charlotte denkt gar nicht daran und flieht mit einer mysteriösen Frau.
2019: Alice studiert in Boston und ist das erste Mal auf einer Studentenparty. Nach einem One-Night-Stand entdeckt sie eine seltsame Wunde an ihrem Hals und sie hat Hunger - großen Hunger auf Blut!

V. E. Schwab Schreibstil konnte mich auch in Bury Our Bones in the Midnight Soil wieder komplett überzeugen, doch leider ist dies einer der wenigen Punkte, die mir durchweg gefallen haben. Ein weiterer sind die starken Nebencharaktere, von denen ich gerne mehr gelesen hätte.

Ansonsten fing die Geschichte spannend an, ich mochte den Einstieg und hatte das Gefühl, dass ein spannender Roman auf mich warten wird. Doch relativ schnell hat sich die Freude gelegt, was vor allem an einer Protagonistin lag, die super eindimensional gezeichnet wurde. Die Handlungen hätten teilweise wirklich Potenzial gehabt, aber konnten mich aufgrund der Vorhersehbarkeit leider nur langweilen. Und auch die beiden anderen Protagonistinnen konnten mich nicht vollends überzeugen, es fehlte mir bei ihnen an Tiefe oder diese wurde an eine Stelle gesetzt, die für die Geschichte eigentlich total irrelevant ist. Das Ende war trotz kleiner Überraschung wenig spektakulär und hat dadurch eher für Enttäuschung gesorgt. Und so bleibt am Ende das Gefühl, dass viel geschrieben, aber wenig gesagt wurde und der Geschichte einige Seiten weniger ausgereicht hätten.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Fünf Tage auf 800 Seiten!

Tränenfluch
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13 Jahre lebt Mercy Callahan bereits außerhalb ihrer ehemaligen Sekte „The Church of Second“. Als Überlebende eines Serienkillers wird nun jedoch von ihr berichtet und das macht den Sektenanführer Ephraim ...

13 Jahre lebt Mercy Callahan bereits außerhalb ihrer ehemaligen Sekte „The Church of Second“. Als Überlebende eines Serienkillers wird nun jedoch von ihr berichtet und das macht den Sektenanführer Ephraim Burton auf sie aufmerksam. Ausgerechnet den Mann, mit dem Mercy zwangsverheiratet wurde und der bisher dachte, dass sie vor 13 Jahren starb. Burton ist klar, dass er Mercy wieder holen möchte. Burtons erste Attacke auf Mercy kann Rafe Sokolov verhindern, doch mit ihr wird klar, dass Mercy sich offensiv gegen die Sekte stellen muss. Kann Mercy ihren früheren Peiniger aufspüren?

Tränenfluch ist der zweite Teil der Sacramento-Trilogie von Karen Rose, die nicht unabhängig voneinander gelesen werden kann und dessen Reihenfolge unbedingt beachtet werden sollte. Im Gegensatz zum ersten Teil habe ich mich jedoch inhaltlich sehr schwer getan. 800 Seiten können spannend sein und dadurch auch schnell beendet werden, aber in diesem Fall fand ich es weitestgehend doch sehr zäh. Wir erleben auf das komplette Buch gesehen fünf (!) Tage. Das verdeutlicht sehr, wie detailliert und kleinteilig der Romance-Thriller geschrieben wurde. Wenn ich emotional nicht bereits durch den ersten Band eine starke Beziehung zu den Protagonist:innen aufgebaut hätte, dann hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen. Durch diese emotionale Bindung hatte ich aber phasenweise dennoch meinen Spaß, denn natürlich interessiert es mich, wie es für Gideon Reynolds und Mercy Callahan weitergeht. Auch in diesem Teil mochte ich die Interaktionen der Charaktere und ihre Gefühlsbeschreibungen. Gefallen hat mir auch weiterhin das Thema „Sekte“, das sehr gut transportiert wurde. Allerdings war der „Thriller“-Part in diesem Band sehr schwach. Ephraim Burton wird zum großen Gegenspieler und es geschehen auch Dinge, allerdings wirken diese fast schon nebensächlich. Lediglich auf den letzten 100 Seiten zog die Spannung an, folgte dann aber einer großen Enttäuschung, weil es keinen richtigen Abschluss gab, sondern lediglich eine Übertragung, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Denn auch ohne dieses offene Ende hätte es für den letzten Teil noch genug Arbeit gegeben.

Tränenfluch alleine gesehen, hätte mich absolut nicht überzeugt, durch den ersten Band und das dadurch entstandene Interesse für die Protagonist:innen, komme ich hier noch auf lieb gemeinte 2,5 Sterne. Ich bin mir auch sicher, dass ich die Trilogie abschließen möchte, allerdings wird das direkt passieren.

Die Reihe kann ich vor allem denjenigen empfehlen, die kein gesteigertes Interesse an blutigen Taten haben, aber doch einen gewissen Thrill mögen, das Thema Sekte interessant finden und die sehr gerne eine tiefe Beziehung zu den Protagonist:innen aufbauen.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Die GALS

Eine von uns
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Gina lebt mit ihrem Mann Matt und den zwei Kindern fernab ihrer Heimat und dunklen Vergangenheit. Doch als ihr Haus abbrennt, ist Gina auf die Hilfe ihrer ehemaligen Freundin Annie angewiesen. Annie bietet ...

Gina lebt mit ihrem Mann Matt und den zwei Kindern fernab ihrer Heimat und dunklen Vergangenheit. Doch als ihr Haus abbrennt, ist Gina auf die Hilfe ihrer ehemaligen Freundin Annie angewiesen. Annie bietet ihr an, vorübergehend bei ihr zu wohnen, in einem wunderschönen, renovierten Haus, das ausgerechnet in Hastings steht. Einem Ort, zu dem Gina nur ungern zurückkehrt. Gina fühlt sich sichtlich unwohl und dann ist da noch Mary, die Haushälterin, die ihr - trotz Annies wohltuender Worte - äußerst seltsam vorkommt. Immer häufiger holt Gina die Vergangenheit ein und ihr größter Albtraum rückt immer näher.

Ich mochte den beklemmenden Einstieg in Eine von uns von Samantha Hayes direkt, doch dann verlor sich der Inhalt leider auf den nächsten 200 Seiten etwas. Lange scheint die Konstellation der Figuren ziemlich klar, was die Spannung nimmt und das Gelesene zeitweise langatmig und fast schon wiederholend macht. Vor allem die Perspektive Ginas dreht sich phasenweise im Kreis, während man als Leser bereits erahnen kann, welche Wege der Thriller nehmen wird. Das nimmt die Spannung und mindert das Lesetempo. Marys Perspektive war hingegen interessanter zu lesen.

Die Auflösung konnte dementsprechend an vielen Stellen nicht überraschen und dennoch gelang am Ende doch noch ein Twist mit enormen Potenzial, der mir noch viel besser gefallen hätte, wenn man diesem mehr Raum gegeben hätte. Sowohl durch eine weitere Perspektive, die dem Inhalt extrem viel gegeben hätte, als auch durch mehr Seiten. Ich fand es schade, dass das Buch damit (mehr oder weniger) zu Ende ging, dadurch gewann der Twist eher etwas Gekünsteltes, um noch einmal zu schocken und verlor für mich doch genau das.

Und so bleibt am Ende leider ein etwas enttäuschtes Fazit, weil die Grundidee zwar sehr gut, die Figuren super gewählt wurden und auch die Auflösung generell hervorragend ist, aber mir die Umsetzung leider nicht wirklich gefallen hat. Das was Freida McFadden so auszeichnet (da der Vergleich gezogen wird, nehme auch ich ihn auf) hat mir hier komplett gefehlt - die Raffinesse auf der psychologischen Ebene. Die Einblicke in das Innenleben der Protagonisten waren mir zu oberflächlich bzw. durch den Schreibstil kaum gegeben und eine entscheidende Perspektive fehlte mir komplett.

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