Profilbild von Readaholic

Readaholic

Lesejury Star
offline

Readaholic ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Readaholic über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Das Glück im Alltäglichen finden

Jetzt gerade ist alles gut
0

Die Familie ist dabei, das Auto zu bepacken und in den Urlaub zu fahren, als der Erzähler sich plötzlich elend fühlt. Sein Zustand verschlimmert sich schnell dramatisch. Im Krankenhaus wird festgestellt, ...

Die Familie ist dabei, das Auto zu bepacken und in den Urlaub zu fahren, als der Erzähler sich plötzlich elend fühlt. Sein Zustand verschlimmert sich schnell dramatisch. Im Krankenhaus wird festgestellt, dass er sich aufgrund eines kleinen Schnitts in den Finger eine lebensgefährliche Sepsis zugezogen hat. Die Heilung zieht sich hin und dem Ich-Erzähler wird nach dieser einschneidenden Erfahrung klar, wie schnell sich alles ändern kann. Er überlebt, doch es hätte auch anders ausgehen können.
Er beschließt, fortan sein Leben bewusster zu leben und die kleinen Glücksmomente des Alltags bewusster zu erleben. Die folgenden Kapitel sind Schnappschüsse aus seinem Leben, Begegnungen mit Familie und Freunden, Fahrradtouren, gemeinsame Essen usw.
Das Buch beginnt sehr spannend und dramatisch. Die Kapitel nach der Genesung des Erzählers lesen sich gut und die Botschaft „Genieße den Augenblick“ ist gut und richtig, und doch war ich ein wenig enttäuscht, dass es sich nicht um eine fortlaufende Geschichte, sondern vielmehr um eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten handelte. Am meisten in Erinnerung ist mir die Geschichte über einen langjährigen engen Freund, der ihn plötzlich ghostet. Da mir dasselbe auch schon passiert ist, konnte ich die Gefühle des Ich-Erzählers sehr gut nachempfinden. Außerdem fand ich es gut, dass in „Jetzt gerade ist alles gut“ Sepsis als dritthäufigste Todesursache in Deutschland thematisiert wird. Kurzweilige Lektüre mit ernstem Hintergrund.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2025

Die heilende Kraft der Natur

Wilder Honig
0

Hannah, frisch verwitwet, hat das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, nie verlassen. Ganz anders ihre jüngere Schwester Sadie, die in der Welt herumkam. Nach Hannahs Verlust kehrt Sadie zurück, um ihrer ...

Hannah, frisch verwitwet, hat das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, nie verlassen. Ganz anders ihre jüngere Schwester Sadie, die in der Welt herumkam. Nach Hannahs Verlust kehrt Sadie zurück, um ihrer Schwester beizustehen. Sie räumen gemeinsam Johns Arbeitszimmer aus und stoßen auf ein Geheimnis, das sie beide schockiert.
Hannahs Ehemann John war Schriftsteller und leidenschaftlicher Imker. Als er sein Ende kommen sah, verfasste er Briefe an Hannah, in denen er ihr vor allem sein Wissen über Bienen weitergibt. Diese Informationen über Bienen und ihr Zusammenleben fand ich sehr interessant. Als trauernde Witwe hätte ich mir allerdings von den Briefen mehr Persönliches erhofft, zumal John Jahrzehnte lang ein Geheimnis vor Hannah verborgen hielt.
„Wilder Honig“ ist ein sehr ruhiges Buch. Wir lernen Hannah und Sadie, die junge Megan, die sie besucht und beschließt, für eine Weile zu bleiben, und Jack, den John in die Imkerei eingeweiht hatte, kennen. Die Natur und die Liebe zur Natur spielt eine große Rolle in diesem walisischen Roman, doch auch die Beziehungen der Protagonisten untereinander und die persönliche Entwicklung der Personen sind ein Schlüsselthema. Mir hat das Buch gut gefallen, nur der Schluss ließ mich seltsam unbefriedigt zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2025

Auszeit im Sarg

Das glückliche Leben
0

Érics Leben ist ziemlich ereignislos. Seit Jahren arbeitet er im selben Konzern. Er ist geschieden und hat kaum soziale Kontakte. Er ist sehr erstaunt, als eine alte Schulkameradin ihn online kontaktiert ...

Érics Leben ist ziemlich ereignislos. Seit Jahren arbeitet er im selben Konzern. Er ist geschieden und hat kaum soziale Kontakte. Er ist sehr erstaunt, als eine alte Schulkameradin ihn online kontaktiert und ihm vorschlägt, für sie zu arbeiten. Amélie ist eine Karrierefrau, die für die Regierung Lobbyarbeit macht, indem sie ausländische Unternehmen dazu bewegt, Niederlassungen in Frankreich zu eröffnen. Éric beschließt, dass es Zeit für etwas Neues ist und nimmt ihr Jobangebot an. Auf einer Auslandsreise nach Seoul lernt er das Ritual von Fake-Beerdigungen kennen und sein Leben verändert sich von Grund auf.
Mir hat David Foenkinos‘ Schreibstil gut gefallen. Er ist ein kluger Beobachter, der die Dinge auf den Punkt bringt. Allerdings blieben mir sowohl Amélie als auch Éric fremd. Am spannendsten fand ich den ersten Teil des Buchs, danach plätschert die Geschichte so dahin. Bei Éric läuft alles wie am Schnürchen, für meine Begriffe ein wenig zu glatt. Die Auszeit im Sarg lässt ihn sein Leben überdenken und in neue Bahnen lenken.
Ich habe dieses Buch gern gelesen, doch ist es kein Buch, das bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.09.2025

Niemand verschwindet spurlos

Die Farbe des Schattens
0

Der elfjährige Matti wird im Winter kurz vor Ladenschluss von seiner Mutter zum Einkaufen geschickt und kehrt nicht mehr zurück. Kommissar Arno Groth, der erst vor ein paar Monaten von Hamburg nach Wechtershausen ...

Der elfjährige Matti wird im Winter kurz vor Ladenschluss von seiner Mutter zum Einkaufen geschickt und kehrt nicht mehr zurück. Kommissar Arno Groth, der erst vor ein paar Monaten von Hamburg nach Wechtershausen in Ostdeutschland gewechselt ist, sucht gemeinsam mit seinem kleinen Team fieberhaft nach dem Jungen. Nach ein paar Tagen wird seine Leiche gefunden. Der Verdacht fällt auf einen Obdachlosen, bei dem die Einkaufstasche des Jungen gefunden wird. Hat er sie wirklich nur gefunden, wie er behauptet? Im Laufe der Befragungen erfährt Groth, dass es vor einigen Jahren in der Kleinstadt ebenfalls einen Mord an einem kleinen Jungen gab, der nie aufgeklärt wurde. Könnte es sich womöglich um denselben Täter handeln?
„Die Farbe des Schattens“ ist ein eher ruhiger Krimi, der ohne große Schockeffekte auskommt. Er lebt von der psychologischen Spannung, den Beschreibungen der Atmosphäre von Wechtershagen im Jahr 1992, kurz nach der Wende, und der akribischen Kleinarbeit der Beamten. DNA-Analysen waren damals noch in weiter Ferne, zurückliegende Fälle noch nicht digitalisiert. Man merkt dem Buch an, dass Susanne Tägder als Richterin gearbeitet hat und sich mit der Materie bestens auskennt.
Der zweite Handlungsstrang um die Taxifahrerin Ina Paul, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann nach Wechtershagen geflüchtet ist, kam meiner Meinung nach etwas zu kurz. Da ich den ersten Band der Reihe, „Die Farbe des Wassers“, nicht gelesen habe, fehlte mir das Hintergrundwissen, denn ich gehe davon aus, dass sie auch in Band eins vorkam.
Das Titelbild – ein dunkler Himmel, ein achtlos ins Gras geworfenes Fahrrad und Krähen vor einer weiten verlassenen Landschaft - spiegelt die bedrückende Stimmung, die im Buch vorherrscht, sehr gut wider. Trotz mancher Längen und für meine Begriffe zu vielen Details und Nebenschauplätzen fand ich das Buch lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2025

Trauerarbeit

Eden
0

Die zwölfjährige Sofie liebt die Musik von Ariana La Vega. Obwohl die Sängerin auf ihrer Deutschlandtournee kein Konzert in der Nähe von Sofies Wohnort gibt, will ihr Vater Markus ihr eine Freude machen ...

Die zwölfjährige Sofie liebt die Musik von Ariana La Vega. Obwohl die Sängerin auf ihrer Deutschlandtournee kein Konzert in der Nähe von Sofies Wohnort gibt, will ihr Vater Markus ihr eine Freude machen und kauft Tickets für ein Konzert in Stuttgart. Mit dabei sind Sofies Cousine und deren Mutter. Dann passiert das Unfassbare: als die Konzertbesucher die Halle verlassen, wird ein Terroranschlag verübt und Sofie kommt ums Leben.
Markus macht sich Vorwürfe, denn der Konzertbesuch war seine Idee. Er ist einerseits wie benommen und will den Tod seiner Tochter nicht wahrhaben, andererseits versucht er, jede Kleinigkeit über den Anschlag und den Attentäter Ayoub in Erfahrung zu bringen. Er geht sogar so weit, Ayoubs Familie aufzusuchen und zur Rede zu stellen.
Sofies Mutter Kerstin geht den entgegengesetzten Weg. Ihre Tochter ist tot und das Wissen um Details bringt sie nicht zurück. Sie will sogar ihre demente Mutter, die im Pflegeheim lebt, von Sofies Tod erzählen, weil sie meint, ihrer Mutter nichts vormachen zu dürfen. Der unterschiedliche Umgang mit dem Tod der Tochter stellt die Beziehung von Markus und Kerstin auf eine harte Probe.
„Eden“ ist ziemlich schwere Lektüre, es fiel mir teilweise schwer, mich in die manchmal sehr verworrene Gedankenwelt und die Handlungen von Markus hineinzuversetzen.
Ein sehr sympathischer Protagonist ist Sofies Mitschüler Tobias, der in Sofie verliebt war und trotz aller Trauer sein Leben normal weiterlebt. Sofies Tod bringt ihn ihrer Familie näher und er vertraut seine familiären Probleme Markus an, dem der Kontakt zu Tobias auch guttut.
In kurzen Kapiteln wird auch der Attentäter Ayoub vorgestellt und versucht, seine Beweggründe zu beleuchten. Ein interessanter Versuch, vielleicht sollte gezeigt werden, dass er auch nur ein Mensch mit Problemen ist, doch diese Kapitel habe ich sehr ungern gelesen. Ein interessantes Buch mit schwieriger Thematik.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere