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Veröffentlicht am 18.11.2025

Die neuen Leiden des Robert Kett

Die Spuren, die sich verlieren
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In Alex Smith´s nunmehr fünften Band seiner Krimiserie, "Die Spuren, die sich verlieren", sieht es einmal mehr düster für Detective Inspector Robert Kett aus. Denn die von ihm überführten Kriminellen ...

In Alex Smith´s nunmehr fünften Band seiner Krimiserie, "Die Spuren, die sich verlieren", sieht es einmal mehr düster für Detective Inspector Robert Kett aus. Denn die von ihm überführten Kriminellen werden ermordet - und es gibt starke Hinweise, die auf Kett als Täter beziehungsweise Anstifter deuten.

So deutlich sind dieses Hinweise, dass selbst sein altes Team ins Zweifeln gerät. Eine weitere Schwierigkeit - Kett ist aus dem Polizeidienst entlassen worden. Um seinen Namen rein zu waschen, unterstützt er DCI Clare und die übrigen Kolleginnen und Kollegen bei ihren Ermittlungen. Doch denen fällt es immer schwerer, ihm noch zu vertrauen. Dass alle ihre Namen, nicht aber Ketts, auf einer Todesliste auftauchen, macht es nicht leichter.

Doch vermutlich hätte es angesichts Ketts Vorgehen in den vorangegangenen Bänden ohnehin keinen Unterschied gemacht - er versucht einmal mehr im Alleingang, seinen Namen rein zu waschen und den oder die eigentlichen Täter zu finden. Kett vermutet, dass der Verbrecherring noch viel mächtigere Hintermänner hat, die nun alle Mitwisser und Zeugen verschwinden lassen wollen. Dabei soll er als Sündenbock dienen.

Smith präsentiert einmal mehr einen spannenden Thriller, aber das Strickmuster wird langsam alt: Der einsame (Ex-)Polizist, der allein gegen das Böse vorgeht und dabei furchtbar leiden muss. Das hat irgendwie etwas masochistisches an sich, vor allem, da Kett eigentlich auf wohlwollende Ermittler-Kolleg*innen bauen könnte. Aber nein, es muss ganz dramatisch für Kett werden, der einfach nicht lernen kann, dass Teamwork keine schlechte Sache ist. Also neue Blessuren, neues Leid. Vielleicht mag ja der Autor seinen Protagonisten quälen, aber zum fünften Mal in Folge ist es einfach zu vorhersehbar und man ahnt schon - es gibt einen sechsten Band, in dem es wieder knüppeldick für Kett kommen dürfte.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Vermisstenfall statt Familenurlaub

Die Stimmen, die dich rufen
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In drei Büchern hat Alex Smith seinen Detective Inspector Robert Kett nach seiner entführten Frau Billie suchen und das Leben als alleinerziehender Vater dreier ausgesprochen lebhafter Töchter meistern ...

In drei Büchern hat Alex Smith seinen Detective Inspector Robert Kett nach seiner entführten Frau Billie suchen und das Leben als alleinerziehender Vater dreier ausgesprochen lebhafter Töchter meistern lassen. In "Die Stimmen, die die dich rufen" ist die Familie wiedervereint, doch die äußeren und inneren Narben bei allen Beteiligten müssen noch verheilen.

Kett ist vom Dienst suspendiert, er fragt sich, ob seine Frau nach dem Erlebten ihm jemals wieder voll vertrauen wird, doch immerhin: sie lebt. Der geplante Urlaub der Familie im Wohnwagen des raubeinigen aber väterlichen DCI Clare soll die Familie wieder näher zusammenbringen, hofft Klett. Doch natürlich kommt alles mal wieder ganz anders, denn mehrere vermisste Teenager sorgen für Aufregung in der Wohnwagensiedlung.

Schnell wird klar: Die Jugendlichen, die eine Clique bildeten, sind nicht ausgerissen. Sie wurden mit Hilfe eines Kassettenrekorders aus ihrem Zuhause gelockt. Der mutmaßliche Entführer wird gefunden - doch er ist tot. Und Kett und den Ermittlern läuft die Zeit davon.

Nachdem die vorangegangenen drei Bände der Reihe Kett auch ganz persönlich betrafen, kann er sich diesmal stärker auf den Vermisstenfall konzentrieren, auch wenn die Suche der Familie nach einer Rückkehr zu Normalität für die Rahmenhandlung weiterhin eine Rolle spielt. Hatte der Detective Inspector zuvor mit Serienmördern und Entführern zu tun, hat sein neuer Fall einen besonderen Twist, der hier nicht verraten werden soll.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Muttis im Speckgürtel

Heimat
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Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht auf Hannah Lühmanns Roman "Heimat" - Tradwives im brandenburgischen Speckgürtel um die Hauptstadt und eine Stadtflüchterin, die zwischen Entsetzen und Faszination ...

Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht auf Hannah Lühmanns Roman "Heimat" - Tradwives im brandenburgischen Speckgürtel um die Hauptstadt und eine Stadtflüchterin, die zwischen Entsetzen und Faszination angesichts dieser so ganz anderen Frauenwelt schwankt.

Der Einstieg klang vielversprechend. Die allmähliche Assimilation von Erzählerin Jana, deren Partnerschaft gleichzeitig zerbricht, konnte mich dann aber nicht überzeugen. Zwischen AfD-Wahlständen und einem Buchklub, in dem die Rolle der Hausfrau und Mutter gepriesen wird, scheint sie sich immer wohler zu fühlen und immer weniger zu hinterfragen.

Gleichzeitig bleibt die Faszination für den Mann ihrer neuen Freundin Karolin nicht nachvollziehbar, ebensowenig, was Karolin letztlich umtreibt. Sie wirkt zu selbstbewusst, um sich ihrem Mann unterzuordnen, doch was zieht sie eigentlich in die traditionelle Frauenrolle? Spannungen, etwa im Zusammenhang mit ihrem Kind aus einer früheren Beziehung, das in der Familie in eine Außenseiterrolle gedrängt wird.

"Heimat" hat nachdenkenswerte Ansätze, doch dann plätschert die Erzählung vor sich hin und bleibt mir zu oberflächlich. Dass es unter der idyllischen Oberfläche des Vorort-Wohlstands brodelt, ist klar. Aber hier hätte die Autorin pointierter herausarbeiten und das Profil ihrer Figuren schärfen können. So blieb das Buch leider hinter meinen Erwartungen zurück.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Idylle mit Untiefen

Gerächt sein sollst du
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Die Finnland-Krimis, die ich bisher kennengelernt habe, fallen entweder durch eine gewisse Kauzigkeit der Charaktere oder eine Noir-Stimmung auf. "Gerächt sein sollst du" von Kaisu Tuokko fällt in keine ...

Die Finnland-Krimis, die ich bisher kennengelernt habe, fallen entweder durch eine gewisse Kauzigkeit der Charaktere oder eine Noir-Stimmung auf. "Gerächt sein sollst du" von Kaisu Tuokko fällt in keine der beiden Kategorien, sondern versucht eine gewisse hyggelige Gefühligkeit einfließen zu lassen, die mich nicht wirklich überzeugt hat.

Journalistin Eevi erfährt vom Fund einer Leiche und eilt zu den Klippen des idyllischen Küstenorts Kristinestad. Die Ermittlungen um den Tod des 17-jährigen Jonas leitet ausgerechnet ihr Jugendfreund und erste Liebe Mats, der in seinem alten Heimatort eigentlich nur ein paar Tage ausspannen sollte (bin mir nicht sicher, wie realistisch das sein soll, dass ein Polizist auf Urlaub mal eben die Ermittlungen übernimmt).

Jonas was ein Eigenbrötler ohne echte Freunde, wurde gemobbt. War es Selbstmord? Seine Mutter schließt das aus. Dann tauchen schwere Vorwürfe gegen den Jugendlichen auf. Sowohl Eevi als auch Mats begeben sich auf Wahrheitssuche, die eine als Journalistin, der andere als Ermittler. Dabei kommen sie sich auch menschlich wieder näher.

Die Autorin packt durchaus relevante Themen an - Mobbing, MeToo, das nichts vergessende Internet. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn sie das stärker focussiert hätte. So aber spielen die persönlichen Befindlichkeiten und emotionalen Achterbahnfahrten ihrer Protagonisten eine große Rolle mit erwartbaren Klischees. Natürlich fällt Mats beim Wiedersehen mit Eevie ein, dass es in seiner Ehe nicht toll läuft und er seine alte Freundin eigentlich immer noch sehr anziehend findet.

Eevie wiederum leidet unter ihrer ungewollten Kinderlosigkeit und hat ständig nah am Wasser gebaut. Dass eine mit knapp 40 Jahren nun doch schon erfahrene Journalistin die Fassung verliert, wenn sie von einem Todesfall berichtet, dass sie es nicht schafft, professionelle Distanz zu halten, macht sie in meinen Augen unglaubwürdig und ein bißchen nervig. Die Entwicklung des Plots ist auch recht absehbar, was den Spannungsbogen eher flach hält. Immerhin wirkt die trügerische Idylle Kristinestads anziehend. Insofern ganz nett - aber leider mit einigen Schwächen

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Anwältin ermittelt in eigener Sache

Winter's Game
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Ihr Beruf als Rechtsanwältin und Strafverteidigerin scheint der Frankfurter Juristin Carla Winter irgendwie vernachlässigenswert zu sein. In "Winter´s Game" von Lukas Erler ist Aktenstudium weniger gefragt ...

Ihr Beruf als Rechtsanwältin und Strafverteidigerin scheint der Frankfurter Juristin Carla Winter irgendwie vernachlässigenswert zu sein. In "Winter´s Game" von Lukas Erler ist Aktenstudium weniger gefragt als Action und eine gewisse Haudrauf-Mentalität mehr als juristische Analyse. Dass sie an einem Tag gleich zwei Angriffen entgeht - gut, das löst vermutlich bei jedem ein paar fight or flight-Reflexe aus.

In Erlers Buch ist Winter aber jederzeit gerne dabei, Mandantentermine verschieben zu lassen, auch die Arbeit an einem Plädoyer scheint sie eher zu langweilen - beim Lesen fragte ich mich wiederholt, warum der Autor seine Protagonistin zur Anwältin machte. Denn ihren Verstand schaltet sie bei manchen Konfrontationen auch mal aus, beziehungsweise geht Risiken ein, über die sie nicht gerade rational nachgedacht hat. Kennt man von Berufsjuristen normalerweise anders, auch und gerade, wenn Strafprozesse ihr Alltag sind.

Jedenfalls empfinde ich die Protagonistin eher als leichtsinnig und unüberlegt als tough, während sie sich mal mit tschetschenischen Gangs anlegt, mal mit einem Kinderhändlerring. Vieles in "Winter´s Game" ist einfach zu plakativ, zu unglaubwürdig. Klar, ein Kriminalroman ist Fiktion und ein Autor hat dichterische Freiheit. Aber wenn die Figuren eines Buches eher an Actionfilm erinnern als an Menschen aus dem richtigen Leben, trübt das zumindest für mich das Lesevergnügen. Schade, denn das Buch spricht durchaus einige Themen an, die eine etwas subtilere Herangehensweise vertragen hätten.

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