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Veröffentlicht am 17.01.2026

Melancholischer Liebesroman

Die Liebe, später
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Dieser Roman beleuchtet die Altehe eines inzwischen in seinen Sechzigern befindlichen Ehepaares. Mehr als zwanzig Jahre lang war es eine in ruhigen Bahnen verlaufende Ehe, vielleicht auch deshalb, weil ...

Dieser Roman beleuchtet die Altehe eines inzwischen in seinen Sechzigern befindlichen Ehepaares. Mehr als zwanzig Jahre lang war es eine in ruhigen Bahnen verlaufende Ehe, vielleicht auch deshalb, weil die beiden eine Wochenendehe führten. Eine schwere Herzoperation bei ihr mit dem drohenden beruflichen Aus und seine Frühverrentung lässt die Ehe aber ins Trudeln geraten. Sie scheut die permanente Nähe, nach der er sich sehnt. Sie beginnt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, in der es einige Punkte gibt, die sie nie vollendet hat bzw. an denen sie Zeit ihres Lebens zu knabbern hatte. Dabei verschweigt sie ihrem Mann wiederum so manches. Auch er hat ihr gegenüber nicht alles aus seiner Vergangenheit preisgegeben. Nach und nach erfahren wir Leser mehr Einzelheiten aus ihrer beider Leben. Die Entwicklungen lassen uns hoffen und bangen, ob sich das Ende der Ehe noch abwenden lässt und beide wieder zueinanderfinden.
Die Geschichte ist in leisem, nachdenklichem Ton erzählt. Abwechslungsreich und zum Grundton genau passend sind regelmäßig eingestreute Auflistungen, die jeweils eine Aufzählung von fünf Dingen enthalten und zum Nachdenken anregen, z.B. „Fünf Dinge, die Angst machen“, „Fünf Erkennungsmerkmale der großen Liebe“ oder „Fünf Dinge, die beide von ihren Eltern behalten haben“. Erwähnenswert ist auch ein eingearbeiteter weiterer Handlungsstrang, in dem sie mit dem ihr von Berufswegen anhaftenden journalistischen Spürsinn einem entfernteren Freund bei dem Aufspüren seiner scheinbar grundlos untergetauchten Frau behilflich ist. Hier bringt sie so viel Energie ein, dass sich die Frage stellt, ob sie das die Probleme ihrer eigenen Ehe beiseiteschieben lässt. Nicht zuletzt hat mir gefallen, dass sich die Protagonistin in meinem Alter befindet, was mich in sie gut hineinversetzen ließ.
Für Leser, die anspruchsvolle Liebesromane mögen.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Dreiecksfreundschaft?

Spielverderberin
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Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. ...

Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. Protagonistin ist die junge Sophie, die im steten Kapitelwechsel aus der Zeit in ihrem letzten Schuljahr vor dem Abitur in ihrem Heimatdorf und aus der Gegenwart vier Jahre später erzählt, als sie Studentin in Köln ist. Von Beginn an liegt eine unbehagliche Atmosphäre über allem und lässt sich erkennen, dass Sophie mit schweren Schuldgefühlen kämpft. Irgendetwas Schlimmes muss in der Vergangenheit vorgefallen sein. Es kristallisiert sich zwar schnell heraus, dass ein Zusammenhang mit den Schulfreundinnen Lotte und Romy bestehen muss. Doch bleibt die Auflösung bis ziemlich zum Schluss offen, so dass der Leser gekonnt bei der Stange gehalten wird. Zwei Hauptthemen sind Freundschaft und der Unterschied zwischen Dorf- und Stadtleben. Was Ersteres anbelangt, ist man geneigt, die Freundschaft zwischen den jungen Frauen als toxisch oder obsessiv zu bewerten. Der zweite Punkt arbeitet gelungen heraus, dass sich eher Dorf- zu Dorfmenschen und Stadt- zu Stadtmenschen gesellen. Das Sozialleben in der Stadt und auf dem Dorf gestaltet sich sehr unterschiedlich. Allerdings hätte Sophie nicht unbedingt mit derartigen Minderwertigkeitskomplexen ausgestattet werde müssen, die sie aufgrund ihrer dörflichen Herkunft hat (Ihr Freund nennt es „Obsession mit der Stadt“). Abgerundet wird der Roman durch ein einleitendes Interview mit der Autorin, das m.E. eher am Ende hätte platziert werden sollen, weil es Inhaltliches vorwegnimmt.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Tragisch-schöne Familiengeschichte mit Happy End

Niemands Töchter
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Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden ...

Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden Roman knüpft sie an ihre bereits in der Kindheit entdeckte Leidenschaft für das Schreiben an, das sie sich wohl bei ihrem Vater abgeschaut haben dürfte, einem Musikjournalisten. Das eine oder andere selbst erlebte Detail aus ihrem Leben lässt sie in die Geschichte einfließen – die Bäckerei der Eltern bzw. Großeltern der Protagonistinnen, das Hobby Reiten, ihre Wahlheimat Berlin.
Allerdings ist die Geschichte komplett fiktiv ohne jegliche autobiografische Züge. Es ist die Geschichte zweier Frauen, von denen die eine von jeher eine ihr unerklärliche Fremdheit in ihrer aus Mutter und Großeltern bestehenden Familie gefühlt hat und die andere ihre Mutter als Kind verloren hat und diese Leerstelle ihr Leben bis in ihr Erwachsenenalter hinein prägt. Beider Wege kreuzen sich bei einem Psychotherapeuten und sowohl die beiden Frauen als auch der Therapeut erkennen, dass zwischen ihnen eine Verbindung besteht. Viel mehr sei zu dem Inhalt der Geschichte nicht gesagt, damit der Reiz des Lesens bestehen bleibt.
Nur so viel: Schicksal und viele Zufälle tragen dazu bei, dass es die beiden Frauen gibt und sie einander finden. Für meine Begriffe ist Einiges zu sehr konstruiert und würde im wahren Leben wohl so nicht stattfinden. Die Folge ist, dass nicht alles lebensnah wirkt. Das tut dem Roman aber keinen Abbruch, denn es handelt sich um Unterhaltungslektüre, die deshalb anders als oft im wahren Leben ein Happy End haben darf.
Was den formalen Aufbau der Geschichte anbelangt, hatte ich anfangs Bedenken, ob sie nicht zu verwirrend dargestellt ist. Denn erzählt wird nicht chronologisch, sondern abwechselnd in recht kurzen Kapiteln zwischen der Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart 2020, noch dazu aus wechselnden Erzählerperspektiven. Doch der rote Faden findet sich schnell.
Ein versöhnlicher Roman, der LeserInnen mit Interesse an Familiengeschichten zu empfehlen ist.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Dorf- und Generationenroman über starke Frauen

Die Riesinnen
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Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den ...

Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den 1960er Jahren. Sie leben in einem kleinen Schwarzwalddorf und sind allein aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung Außenseiter. Alle schaffen es, ihren Weg zu finden und bleiben ihrem Heimatdorf treu, nicht ohne, dass ein Teil von ihnen es in der Fremde versucht hat.
Die Autorin erzählt alles in einem sehr eigenen, bildhaften, poetischen Schreibstil. Immer wieder macht sie das Verwurzeltsein in der Heimat zum Thema. Dafür hat sie sich mit dem Schwarzwaldort und den symbolträchtigen Wurzeln der Waldbäume einen gut passenden Hintergrund gewählt. So erzählt sie etwa von ernstmeinenden Gewittern im dunklen Wald oder seinem spezifischen Duft.
Die Liebe der Autorin zum Schwarzwald, der sie während Besuchen bei Verwandten in ihrer Kindheit bleibend beeindruckt hat, ist im Text erkennbar. So wundert es denn nicht, dass gerade die Passagen, die außerhalb dieses Hintergrunds angesiedelt sind und von Aufenthalten der Frauen außerhalb ihrer Heimat erzählen, m.E. nicht so recht gelungen sind.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Eine Männerfreundschaft

Dius
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Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um ...

Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um seine Freundschaft. Diese beginnt sich tatsächlich in Dius Dorfhaus in den Poldern im Norden Belgiens zu entwickeln, in dem Anton in Ruhe seine Dissertation beenden kann. Das Haus wird zu ihrem gemeinsamen Mittelpunkt. In rauer Natur machen sie Spaziergänge, arbeiten konzentriert, sprechen über Kunst, Musik und Philosophie. Mit dem Fortzug Dius nach Italien nach seiner Heirat endet der Kontakt, bis Dius Jahre später wieder vor Antons Tür steht und sich Anton daraufhin zu ihm nach Italien begibt, wo sich die Ereignisse tragisch entwickeln.
Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt des Romans. Allerdings lassen mich immer wieder Vorkommnisse zweifeln, ob Dius ein ehrliches Spiel mit Anton treibt, und gelegentlich auch umgekehrt. Die Geschichte ist leise erzählt. Wunderschön sind die Naturbeschreibungen. Und die Kunst spielt natürlich eine große Rolle, allerdings weniger die moderne als die der Renaissance. Überhaupt fragt man sich bei beiden Protagonisten, ob sie im Hier und Jetzt leben. Anton erweckt geradezu Mitleid, so introvertiert und einsam wie er geschildert wird. Einfach zu lesen ist der Roman nicht, wofür die sehr ausführlichen Abschweifungen auf Kunst, Musik und Philosophie sorgen. Aber für Leser anspruchsvoller Literatur sehr empfehlenswert.

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