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Veröffentlicht am 04.01.2026

Eintöniger Bericht mit zu wenig Hintergrundinformationen

Der Fluss der Götter
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Die Journalistin Candice Millard widmet sich hier der Suche nach der Quelle des weißen Nils, einem großen Thema für die Geographie in der Mitte des19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der Abenteurer ...

Die Journalistin Candice Millard widmet sich hier der Suche nach der Quelle des weißen Nils, einem großen Thema für die Geographie in der Mitte des19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der Abenteurer und Orient-Experte Richard Burton, bei dem es sich zweifellos um eine schillernde Persönlichkeit handelte, der jedoch, und dies ist schon der erste Kritikpunkt, gar nicht derjenige war, der die Nilquelle entdeckt hat. Selbst dem zweiten Hauptdarsteller John Speke kann man dieses Verdienst nur begingt zuschreiben, wenngleich er zugegebenermaßen für damalige Verhältnisse am nächsten dran war.
Im Wesentlichen geht es in diesem Buch um eine ausführlicher beschriebene Expedition von Burton und Speke, im Zuge derer Speke den (später von ihm so benannten) Victoriasee „entdeckte“, eine zweite Expedition von Speke gemeinsam mit James Grant, durch die er beweisen wollte, dass der Nil tatsächlich dort seinen Ursprung nimmt, und zu einem nicht geringen Teil um Auseinandersetzungen und Rivalitäten zwischen Burton und Speke.
Der Inhalt dürfte grundsätzlich gut recherchiert sein, für viele kleine Details findet sich in den Anmerkungen eine Quellenangabe. Vom Stil her erinnert das Ganze dabei eher an einen Roman als an ein Sachbuch.
Dennoch sind die Beschreibungen der Expeditionen ziemlich eintönig: Immer wieder gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Teilnehmern, immer wieder desertieren ein paar der angeworbenen Einheimischen, immer wieder wird jemand krank. Die Landschaften, durch die sich die Expeditionen kämpfen, werden dagegen nur in einigen Nebensätzen erwähnt, ich hatte beim Lesen nie ein Bild davon vor Augen. Dasselbe gilt in noch stärkerem Ausmaß für ihre Bewohner. Ein paar Mal werden Namen von Eingeborenenstämmen aufgezählt, aber ohne nähere Informationen. Dabei ist häufig davon die Rede, dass Burton Reiseberichte verfasste, in denen er sich auch mit Sprachen und Kultur der Eingeborenen auseinandersetzte. Aus diesen hätte beispielsweise zitiert werden können, um der Geschichte mehr Leben einzuhauchen.
Insgesamt hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen sowie die Einordnung der damaligen Ereignisse in einen größeren Zusammenhang bzw eine Bewertung aus heutiger Sicht gewünscht.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Zu viele Beschreibungen von Schlachten

King Arthur: Der Winterkönig
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Dies war mein erstes Buch von Bernard Cornwell. Zugegeben, ich hätte durch seine Charakterisierung als „König des historischen Abenteuerromans“ gewarnt sein müssen, und natürlich bietet gerade der Stoff ...

Dies war mein erstes Buch von Bernard Cornwell. Zugegeben, ich hätte durch seine Charakterisierung als „König des historischen Abenteuerromans“ gewarnt sein müssen, und natürlich bietet gerade der Stoff rund um den mythischen König Arthus viel Raum für bluttriefende Schlachtenszenen. Mir was dies aber zu viel.
Dieser erste Teil der Arthus Trilogie handelt von den Ereignissen von Mordreds Geburt bis zu Arthurs bedeutendem Sieg in der Schlacht bei Lugg Vale, welcher die Vereinigung Britanniens gegen die Sachsen einleitet. Erzählt wird von all dem von Derfel Cadarn, der nach dem Tod seiner Mutter als eines von zahlreichen Ziehkindern des berühmten Druiden Merlin aufgewachsen war und der schließlich als einer von Arthurs Kriegern Ruhm erwirbt und zum Lord ernannt wird.
Das Britannien der Arthur-Ära, die in das „dunkle Zeitalter“ der britischen Geschichtsschreibung fällt, ist ein Land, das nach dem Abzug der Römer innerlich zerrissen und von äußeren Feinden bedroht ist. Die innere Zerrissenheit liegt zum einen daran, dass es in zahlreiche Königreiche zersplittert ist, deren Könige um die Vormachtstellung kämpfen und dabei auch von persönlichen Animositäten geleitet werden. Zum anderen ergibt sich eine Spaltung auch aus religiösen Gründen. Einige, die hier insbesondere durch Merlin und seine Priesterin Nimue repräsentiert werden, hängen immer noch dem alten Glauben an und sehnen sich nach einer Rückkehr der alten Götter, während andere längst zum Christentum übergetreten sind. Daneben gewinnen auch weitere, von den Römern ins Land gebrachte, Kulte an Boden, wie etwa die Verehrung von Mithras oder Isis. Bei den äußeren Feinden handelt es sich in erster Linie um die Sachsen. Daher ist es auch Arthurs wichtigstes Ziel, innerhalb Britanniens Frieden zu schaffen, um sich geeint gegen die Sachsen zur Wehr setzten zu können.
Diese Ausgangslage ist grundsätzlich interessant. Aufgrund der mangelhaften historischen Überlieferung, sowohl was die Person des „Arthur“ (falls eine solche überhaupt jemals existiert haben sollte) als auch was die Verhältnisse im Britannien des fünften Jahrhunderts betrifft, hatte der Autor natürlich auch viele Freiheiten bei der Ausgestaltung der Handlung. Abgesehen von ein paar unrealistischen Elementen und einigen Anachronismen, die bei einer derartigen Geschichte wohl unvermeidlich sind, wirkt die Erzählung insgesamt stimmig und zu ihrer Zeit passend.
Außerdem sind die auftretenden Figuren überwiegend gut und nachvollziehbar gezeichnet. So tritt etwa Arthur hier nicht nur als strahlender Held in Erscheinung, sondern auch als Mensch mit Schwächen, der öfters von Selbstzweifeln geplagt wird. Gelegentlich fällt es zwar schwer, den Überblick über die vielen verschiedenen Personen zu behalten, dabei hilft aber das Personenverzeichnis.
Ich hätte es allerdings besser gefunden, die einen oder anderen Persönlichkeiten, ihre Motive und Beziehungen zueinander genauer auszuleuchten und dafür auf allzu ausführliche Beschreibungen diverser Schlachten (bei denen es sich letztlich ohnehin nur um Variationen desselben Themas handelt und deren Ausgang man meist schon kennt oder zumindest erahnen kann) zu verzichten.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Amüsanter Krimi mit unbefriedigendem Ende

Tod in Mistletoe Manor
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Im dritten (und letzten?) Teil der Reihe um die „Senioren WG“ von Sunset Hall steht eine Hochzeit im Mittelpunkt: Bernadette möchte ihre Jugendliebe Jack heiraten. Doch sowohl Braut als auch Bräutigam ...

Im dritten (und letzten?) Teil der Reihe um die „Senioren WG“ von Sunset Hall steht eine Hochzeit im Mittelpunkt: Bernadette möchte ihre Jugendliebe Jack heiraten. Doch sowohl Braut als auch Bräutigam haben eine bewegte Vergangenheit und bald wird klar, dass jemand es auf das Brautpaar abgesehen hat.
Ex-Polizistin Agnes Sharp nimmt die Ermittlungen auf, tatkräftig unterstützt von ihren Mitbewohnern. Daneben hat sie auch mit anderen Problemen zu kämpfen: Der Mord an dem Küster von Duck End ist immer noch nicht aufgeklärt und außerdem ist Agnes seit kurzem heimlich verlobt.

Wie schon bei den Vorgängern gestaltet sich die Lektüre sehr amüsant. Bei den menschlichen und tierischen Bewohnern von Sunset Hall handelt es sich um interessante und skurrile Persönlichkeiten, die allesamt liebevoll gezeichnet sind. Agnes und ihre Mitstreiter verfügen über einigen trockenen Humor und lassen sich von ihren altersbedingten Einschränkungen nicht davon abhalten, sowohl alltägliche als auch außergewöhnliche Herausforderungen mit Energie und Zuversicht anzupacken.
Neben dem Unterhaltungswert kommt auch die Krimi-Handlung nicht zu kurz. Es ist spannend, mitzurätseln, wie die Todesfälle wohl zusammenhängen.
Der über weite Strecken sehr positive Eindruck wird jedoch durch das für mich nicht zufriedenstellende Ende getrübt. Sowohl der Kriminalfall als auch die WG hätten einen erfolgreicheren Abschluss verdient gehabt.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Relevantes Thema geht in zu vielen Plattitüden unter

Das Wunder der Wertschätzung
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Der Psychiater Reinhard Haller, der sonst eher für Veröffentlichungen rund um verschiedene Spielarten der Kriminalität bekannt ist, hat sich diesmal eines positiveren Themas angenommen. Ausgehend von der ...

Der Psychiater Reinhard Haller, der sonst eher für Veröffentlichungen rund um verschiedene Spielarten der Kriminalität bekannt ist, hat sich diesmal eines positiveren Themas angenommen. Ausgehend von der Feststellung, dass sich in unserer Gesellschaft ein Mangel an Wertschätzung breitmache, möchte er dieses elementare menschliche Grundbedürfnis genauer ausloten und die Leser dazu anregen, eine neue Kultur der Wertschätzung zu entwickeln, von der sie selbst am meisten profitieren würden.
So weit so gut und die Einleitung war wirklich vielversprechend. Die Lektüre ist dann allerdings sehr trocken und streckenweise fad Der Autor erklärt lang und breit und auf sehr theoretische Weise, was man unter Wertschätzung versteht, welche Stufen der Wertschätzung es gibt oder welche Folgen mangelnde Wertschätzung haben kann. Nur die immer wieder eingestreuten (anonymisierten) Fallbespiele, viele aus seinem Berufsalltag entnommen, sorgen für etwas Auflockerung. An ein paar Stellen werden außerdem auch ganz nützliche „Tipps“ dazu gegeben, wie man seine Denk- und Verhaltensweisen optimieren könnte, jedoch Großteils nichts, was ich nicht schon aus anderer Ratgeberliteratur kannte.
Wirklich gestört hat mich während des Lesens aber zweierlei: Zum einen die extrem negative Art, mit welcher der Autor die „heutige“ Gesellschaft charakterisiert. Ich habe meine Zweifel, ob es gerade in punkto Wertschätzung „früher“ wirklich besser war.
Zum anderen ist der Text mit zahlreichen Plattitüden, Floskeln, Banalitäten, etc gespickt. Beispiel: „Was kränkt macht krank.“, „Dankbarkeit macht glücklich“, ... Alles nichts Neues oder Originelles.
Eigentlich schade. Man hätte aus dem Thema mehr machen können und gerade von einer Kapazität wie Prof Haller hätte ich mehr erwartet.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Verwobene Geschichten mit vielen Längen und Ungereimtheiten

Der Historiker
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Ich bin kein besonderer Fan von Fantasy und habe auch Bram Stokers „Dracula“ noch nie gelesen. Auch dies mag ein Grund dafür sein, dass ich an diesem Roman keinen besonderen Gefallen gefunden habe.
Seinen ...

Ich bin kein besonderer Fan von Fantasy und habe auch Bram Stokers „Dracula“ noch nie gelesen. Auch dies mag ein Grund dafür sein, dass ich an diesem Roman keinen besonderen Gefallen gefunden habe.
Seinen Ausgang nimmt er damit, dass ein junges Mädchen im Jahr 1972 in der Bibliothek ihres Vaters ein seltsames Buch mit dem Bild eines Drachen und dem Wort Dracula findet. Darauf hin und mit der in den 1970er Jahren angesiedelten Handlung verwoben folgt die teilweise mündlich und Großteils schriftlich vorgetragene Schilderung des Vaters über Ereignisse aus dem Jahr 1954, die sich um das Verschwinden eines Universitätsprofessors drehen. In diese Schilderung sind wiederum zusätzliche Berichte eingebettet, die von weiteren Geschehnissen, die sich zu verschiedenen Zeiten zugetragen haben, handeln.
Insgesamt geht es in allen Handlungssträngen letztlich um die Suche nach Dracula, und daneben meist auch um die Suche nach verschwundenen Menschen der jeweiligen Gegenwart. Die Schauplätze sind vielfältig, die Protagonisten reisen unter anderem nach Oxford, Frankreich, Istanbul, Ungarn oder Rumänien.
Der Aufbau des Romans ist also ziemlich komplex, was natürlich nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müsste. Mir waren diese ganzen „Geschichten in der Geschichte“ dann aber doch zu viel. Vor allem auch, weil das Setting unrealistisch wirkt. (Damit meine ich natürlich nicht die Vampire als solches, sondern die Art, wie angeblich von ihnen erzählt wird, etwa in weitschweifigen Schriftstücken, deren Verfasser betont, dass er wenig Zeit hat.) Oft werden unwichtige Details breit ausgewalzt. Andererseits bleiben viele Ungereimtheiten und offene Fragen.
Trotzdem ist die Lektüre nicht uninteressant. Die Handlung entwickelt doch einen gewissen Sog, man möchte wissen, wie es weitergeht und wie die Zeitebenen zusammenhängen. Auch werden ein paar Informationen zur realen Historie Rumäniens und des Osmanischen Reichs, aber auch zu Mythen rund um den Vampirismus eingestreut.
Die halbe Seitenzahl hätte jedoch gereicht.