Eintöniger Bericht mit zu wenig Hintergrundinformationen
Der Fluss der GötterDie Journalistin Candice Millard widmet sich hier der Suche nach der Quelle des weißen Nils, einem großen Thema für die Geographie in der Mitte des19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der Abenteurer ...
Die Journalistin Candice Millard widmet sich hier der Suche nach der Quelle des weißen Nils, einem großen Thema für die Geographie in der Mitte des19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der Abenteurer und Orient-Experte Richard Burton, bei dem es sich zweifellos um eine schillernde Persönlichkeit handelte, der jedoch, und dies ist schon der erste Kritikpunkt, gar nicht derjenige war, der die Nilquelle entdeckt hat. Selbst dem zweiten Hauptdarsteller John Speke kann man dieses Verdienst nur begingt zuschreiben, wenngleich er zugegebenermaßen für damalige Verhältnisse am nächsten dran war.
Im Wesentlichen geht es in diesem Buch um eine ausführlicher beschriebene Expedition von Burton und Speke, im Zuge derer Speke den (später von ihm so benannten) Victoriasee „entdeckte“, eine zweite Expedition von Speke gemeinsam mit James Grant, durch die er beweisen wollte, dass der Nil tatsächlich dort seinen Ursprung nimmt, und zu einem nicht geringen Teil um Auseinandersetzungen und Rivalitäten zwischen Burton und Speke.
Der Inhalt dürfte grundsätzlich gut recherchiert sein, für viele kleine Details findet sich in den Anmerkungen eine Quellenangabe. Vom Stil her erinnert das Ganze dabei eher an einen Roman als an ein Sachbuch.
Dennoch sind die Beschreibungen der Expeditionen ziemlich eintönig: Immer wieder gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Teilnehmern, immer wieder desertieren ein paar der angeworbenen Einheimischen, immer wieder wird jemand krank. Die Landschaften, durch die sich die Expeditionen kämpfen, werden dagegen nur in einigen Nebensätzen erwähnt, ich hatte beim Lesen nie ein Bild davon vor Augen. Dasselbe gilt in noch stärkerem Ausmaß für ihre Bewohner. Ein paar Mal werden Namen von Eingeborenenstämmen aufgezählt, aber ohne nähere Informationen. Dabei ist häufig davon die Rede, dass Burton Reiseberichte verfasste, in denen er sich auch mit Sprachen und Kultur der Eingeborenen auseinandersetzte. Aus diesen hätte beispielsweise zitiert werden können, um der Geschichte mehr Leben einzuhauchen.
Insgesamt hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen sowie die Einordnung der damaligen Ereignisse in einen größeren Zusammenhang bzw eine Bewertung aus heutiger Sicht gewünscht.