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Veröffentlicht am 04.01.2026

(Mit ein paar Abstrichen) empfehlenswerter Erfahrungsbericht zum Thema Alzheimer

Der alte König in seinem Exil
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Der Autor Arno Geiger erzählt hier von der Alzheimer-Krankheit seines Vaters und davon, was sie für diesen und seine Familie bedeutete. Er berichtet von den ersten Anfängen, die von den „Kindern“ noch ...

Der Autor Arno Geiger erzählt hier von der Alzheimer-Krankheit seines Vaters und davon, was sie für diesen und seine Familie bedeutete. Er berichtet von den ersten Anfängen, die von den „Kindern“ noch nicht ernst genommen wurden, und vom weiteren Verlauf der Krankheit, im Zuge derer der Vater immer mehr Fähigkeiten verliert und immer mehr auf Betreuung angewiesen ist. Aber auch beispielsweise von Momenten, in denen der Vater, der nicht mehr in der Lage ist, einfachste Alltagsdinge zu erledigen, Bemerkungen macht, die genauso gut von einem großen Philosophen stammen könnten. Dazwischen werden immer wieder Rückblicke auf verschiedene Stationen aus seinem Leben eingestreut.
Dieses Buch kann schon als „Klassiker“ der Alzheimer-Literatur gelten und tatsächlich hat es insbesondere für Angehörige von Betroffenen tröstende und inspirierende Gedanken zu bieten und regt auch zum Nachdenken über den Umgang mit dieser Krankheit bzw den Erkrankten an.
Dennoch gibt es ein paar Dinge daran auszusetzen:
Zunächst mal hatte ich den Eindruck, dass der Autor die Gesamtsituation zu positiv darstellt und sich vieles schön redet. Er schildert überwiegend Szenen, in denen eine angenehme Grundstimmung herrscht und die zumindest von außen betrachtet harmlos oder sogar amüsant wirken. Solche, in denen der Vater beispielsweise aggressiv reagiert, sind selten. Auch welcher (vor allem psychischen) Belastung Betreuungspersonen ausgesetzt sind, deutet er nur an. Wenn etwa die Rede davon ist, wie viele Pflegekräfte nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen haben oder dass er selbst bisweilen schlecht schlafen konnte aus Angst, was ihn am nächsten Tag wieder erwarten wird. Ebenso wie er das Pflegeheim, in das der Vater schließlich übersiedelt, als gemütlichen Ort beschreibt. Dabei aber zumindest zugibt, dass andere Familienmitglieder dies anders sehen.
Außerdem ist oft nicht klar, wie viel Zeit eigentlich zwischen den verschiedenen Episoden vergangen (und wie schnell die Krankheit folglich vorangeschritten) ist, und es hätten zumindest der Vollständigkeit halber auch ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Alzheimer eingeflochten werden sollen.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Über Methoden zur Manipulation von Genen und die Personen, die an ihrer Entwicklung beteiligt waren

Der Codebreaker
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Der Journalist Walter Isaacson beschreibt hier den Lebensweg von Jennifer Doudna, Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020, stellt die von ihr (mit)entwickelte Technologie des Gen-Editierens vor und beleuchtet ...

Der Journalist Walter Isaacson beschreibt hier den Lebensweg von Jennifer Doudna, Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020, stellt die von ihr (mit)entwickelte Technologie des Gen-Editierens vor und beleuchtet deren Implikationen.
Es handelt sich bei diesem Werk also um eine Art Mischung aus Biographie und Sachbuch. Wobei es sogar richtiger wäre, von „Biographien“ zu sprechen. Denn wenngleich sich die Darstellung natürlich auf Doudna konzentriert, wird doch bei den meisten erwähnten Personen, seien es ihre Mitarbeiter, Kollegen oder „Gegner“, zumindest ein kurzer Blick auf Herkunft und Werdegang geworfen. So interessant es auch sein mag, die Persönlichkeiten verschiedener Wissenschaftler auszuloten, hätte ich es allerdings doch besser gefunden, sich auf die Wissenschaft zu konzentrieren.
Zwar finden sich sehr wohl immer wieder Passagen, in denen beispielsweise detaillierter beschrieben wird, wie Forschungen an bakterieller DNA zur Entdeckung von CRISPR führten, einer Genomsequenz, mit der sich Bakterien gegen Viren wehren, und wie daraus eine Methode entwickelt wurde, die unter anderem dazu dienen kann, Genome verschiedener Lebewesen, auch des Menschen, zu ändern. An ein paar Stellen hinterfragt der Autor dann, unter welchen Voraussetzungen derartige Eingriffe in das menschliche Erbgut akzeptabel wären, welche Folgen sie für den Einzelnen wie auch auf gesellschaftlicher Ebene hätten und welche ethischen Dilemmata damit verbunden sind. Derartige tiefschürfendere Abschnitte werden jedoch gewissermaßen verwässert durch die Wiedergabe von jemandes Lebenslauf oder die Beschreibung der Stimmung auf irgendeiner Konferenz. Angesichts der Seitenzahl hätte ich mehr „echten“ Inhalt erwartet.
Immerhin gestaltet sich die Lektüre angenehm. Die einzelnen Kapitel sind meist relativ kurz und lesen sich flott. Durch diesen Aufbau wird zudem bisweilen eine gewisse Spannung erzeugt, wenn es etwa darum geht, wem ein wissenschaftlicher Durchbruch als erstes glückt oder wer ein Patent erhält. Allerdings werden manche Themen zu oberflächlich behandelt und zu schnell wieder abgehakt.
Außerdem nimmt die Auseinandersetzung mit Covid-19 zu großen Raum ein und der mögliche Nutzen von CRISPR in diesem Zusammenhang wird zu optimistisch geschildert. Dies erklärt sich aber auch daraus, dass das Buch inmitten der Pandemie verfasst wurde.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Sieben Erfindungen und was sie für uns bedeuten

Nägel mit Köpfen
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Darüber, was die bedeutendsten Erfindungen der Menschheit sind, gibt es sicher zahlreiche unterschiedliche Ansichten. Roma Agrawal beantwortet diese Frage hier aus der Perspektive einer Ingenieurin. Sie ...

Darüber, was die bedeutendsten Erfindungen der Menschheit sind, gibt es sicher zahlreiche unterschiedliche Ansichten. Roma Agrawal beantwortet diese Frage hier aus der Perspektive einer Ingenieurin. Sie hat sieben „Erfindungen“ (wobei eine eher eine Entdeckung ist) ausgewählt, beschreibt deren Ursprünge und stellt jeweils einige wichtige Anwendungsgebiete vor. Etwa, dass wir dem Magneten Fernsehen und Internet zu verdanken haben, wie Schnüre in Musikinstrumenten oder beim Brückenbau Verwendung finden oder welche Superkräfte uns die Nutzung von Linsen verleiht. Zusätzlich lässt sie immer wieder persönliche Betrachtungen und Erinnerungen einfließen.
Natürlich ist die Auswahl des Inhalts teilweise subjektiv, und die Aneinanderreihung von Themen wirkt manchmal unstrukturiert. Außerdem sind einige der hier präsentierten „Fakten“ (etwa, dass Bronze „aus Kupfer und Blei“ bestehe) fragwürdig.
Es werden aber doch viele interessante Informationen verarbeitet und die Zusammenstellung zeigt, welch vielfältige und für den „Erfinder“ definitiv nicht vorhersehbare Auswirkungen eine simple Idee haben kann. Dass beispielsweise eine direkte Linie von der Töpferscheibe zur Internationalen Raumstation oder von antiken Bewässerungsanlagen zu Herztransplantationen führt.
Das in anderen Rezensionen kritisierte Gendern fand auch ich manchmal nervig und vor allem inkonsistent, allerdings nicht schlimmer als es heute leider oft üblich ist.
Insgesamt bietet dieses Buch einen abwechslungsreichen Einblick darin, womit Ingenieure sich so beschäftigen. Dieser geht zwar nicht besonders in die Tiefe und enthält kaum technische Details, ist gerade deswegen aber auch für Einsteiger geeignet ist.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Portrait einer schwierigen Persönlichkeit

Die Tore des Himmels
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Bei Elisabeth von Thüringen handelt es sich wohl um eine der bekanntesten Frauenfiguren des Mittelalters. Die Autorin und Historikerin Sabine Weigand spürt hier ihrem Lebensweg nach – von 1211, als sie ...

Bei Elisabeth von Thüringen handelt es sich wohl um eine der bekanntesten Frauenfiguren des Mittelalters. Die Autorin und Historikerin Sabine Weigand spürt hier ihrem Lebensweg nach – von 1211, als sie in jungen Jahren aus ihrer ungarischen Heimat nach Thüringen gebracht wird, um am Hof ihres künftigen Gatten auszuwachsen, bis zu ihrem frühen Tod 1231.
Elisabeths Leben ist geprägt von Frömmigkeit, dem Wunsch nach einem Leben in Armut und für die Armen und von dem fast fanatischen Bestreben, eine Heilige zu werden. Später übt auch ihr Beichtvater Konrad von Marburg starken und oft negativen Einfluss auf sie aus.

Berichtet wird von all dem unter anderem aus der Perspektive der fiktiven Gisa, die von Kindheit an Elisabeths Freundin und später eine ihrer Zofen ist.
Daneben wird auch die Geschichte von Primus erzählt, einem Burschen aus ärmsten Verhältnissen, dessen Familie tagtäglich ums Überleben ringt.
Die Handlung ist facettenreich und streckenweise spannend und ich konnte mich überwiegend gut in die verschiedenen Protagonisten hineinversetzen.
Dabei war Primus mein Lieblingscharakter, nicht zuletzt, weil sein Schicksal einen guten Kontrast zu dem höfischen Leben darstellt. Die von ihm (in Ich-Form) erzählten Passagen heben sich auch stilistisch vom Rest ab und verdeutlichen so seine Persönlichkeit. Trotz seiner einfachen Sprache und Herkunft ist er ein schlaues Kerlchen und lässt sich nicht unterkriegen. Auch werden an seinem Beispiel die echten Probleme der Armen anschaulich gemacht, für die Elisabeths Wohltätigkeit nur eine kurzfristige Linderung bedeutet, aber nichts an den Ursachen ändert.
Mit Elisabeth bin ich dagegen so gar nicht warm geworden. Das mag auch daran liegen, dass nie wirklich aus ihrer Perspektive, sondern immer nur über sie erzählt wird. Sie wirkt meist wie eine Fanatikerin, für die ihre guten Werke nur ein Mittel zum Zweck sind, sie leidet um des Leidens willen, in der Hoffnung, dass Gott ihre Entbehrungen würdigt. Auch ist sie wenig reflektiert, macht sich weder große Gedanken darüber, was die Personen in ihrem Umfeld (wie ihre Zofen und nicht zuletzt ihre Kinder) wegen ihren Eskapaden so alles zu erdulden haben, noch ist sie in der Lage, längerfristige Pläne zu machen oder umzusetzen.
Was mich an der Handlung insgesamt ein bisschen gestört hat, war der eigentlich unnötige und vor allem unnötig dramatische Handlungsstrang rund um die Katharer, für den es, wie die Autorin im Nachwort einräumt, keine historische Basis gibt. Es wäre besser gewesen, sich auf Elisabeths Persönlichkeit und Lebensweg zu konzentrieren, für die, wie ebenfalls aus dem Nachwort hervorgeht, ohnehin mehr als genug Quellen vorhanden sind.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Kingsbridge im Zeichen von Industrialisierung und Arbeitskampf

Die Waffen des Lichts
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Wieder ist ein Roman von Ken Follett im fiktiven Kingsbridge angesiedelt, diesmal in den Jahren 1792 bis 1824. Natürlich hat sich in der Stadt einiges geändert: Im Schatten der alt-ehrwürdigen Kathedrale ...

Wieder ist ein Roman von Ken Follett im fiktiven Kingsbridge angesiedelt, diesmal in den Jahren 1792 bis 1824. Natürlich hat sich in der Stadt einiges geändert: Im Schatten der alt-ehrwürdigen Kathedrale entstehen immer größere Fabriken, in denen neuartige Maschinen eingesetzt werden. Während manche Unternehmer wie Amos Barrowfield sich zumindest für die Belange der Arbeiterschaft interessieren, kümmert Joseph Hornbeam sich nur um seinen Profit und ist zu allerlei Intrigen bereit, um seinen Willen durchzusetzen. Daher entsteht eine Bewegung, die sich für die Arbeiter einsetzt, angeführt unter anderem von Sal Clitheroe, die aus einem kleinen Dorf nach Kingsbridge gezogen war. Elsie, die Tochter des Bischofs, möchte die Armen auf ihre Art unterstützen und eine kostenlose Schule gründen. Ihre Mutter verbringt inzwischen viel Zeit mit dem Weber Spade.

Den historischen Hintergrund bilden die Industrialisierung und das damit einhergehende Ringen um die Rechte der Arbeiter sowie die Kriege gegen das revolutionäre bzw napoleonische Frankreich. Wobei letzteres Großteils tatsächlich nur „im Hintergrund“ passiert, also immer wieder in Gesprächen erwähnt wird. Erst gegen Ende gibt es ein paar Szenen, die tatsächlich auf einem Schlachtfeld spielen.
Insgesamt ist es interessant zu beobachten, wie sich Ereignisse aus der großen weiten Welt auf das (im Vergleich dazu) kleine Kingsbridge auswirken und wie Entscheidungen, die beispielsweise im fernen London getroffen werden, das Leben der Durchschnittsbürger beeinflussen.
Der Erzählstil ist angenehm und lebendig, ich konnte mich gut in die Charaktere hineinversetzen. Dass aus zahlreichen verschiedenen Perspektiven erzählt wird, sorgt außerdem für Abwechslung. Echte Höhepunkte hat die Geschichte jedoch nicht zu bieten. Die Handlung fließt eher gemächlich dahin. Überraschungen oder größere Spannung bleiben aus. Selbst an sich dramatische Szenen werden in schlichten Worten geschildert und sind bald wieder abgehakt. Sämtliche Protagonisten verhalten sich letztlich genauso wie man es von ihnen erwarten würde, auf längere Sicht kommen genau die Paare zusammen, auf die ich schon hunderte Seiten früher getippt hätte, und es sterben genau die passenden Leute zur passenden Zeit, um das alles zu ermöglichen.
Als literarisches Highlight kann man dieses Buch daher nicht bezeichnen. Dennoch ist die Lektüre unterhaltsam und eine ganz gelungene Fortsetzung der Reihe. Ich bin schon gespannt, in welche Epoche uns der Autor als nächstes entführt.