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Veröffentlicht am 02.04.2026

Große Hoffnungen, aber für mich leider wenig Vibe

All the things (s)he said
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Ich fand „We Fell in Love in October“ ganz toll und hatte entsprechend hohe Erwartungen an den neuen Roman der Autorin. Doch trotz toller Bi-Repräsentation und einem gut lesbaren Schreibstil war ich hier ...

Ich fand „We Fell in Love in October“ ganz toll und hatte entsprechend hohe Erwartungen an den neuen Roman der Autorin. Doch trotz toller Bi-Repräsentation und einem gut lesbaren Schreibstil war ich hier echt ganz schon ernüchtert.

Das fängt ganz platt damit an, dass ich Amir auf dem Cover sehen kann und sehr unattraktiv finde, weswegen ich den Vibe im Buch gar nicht gefühlt habe. Das ist möglicherweise der Grund, warum so viele RomComs neuerdings auf gesichtslose Cover setzen.. 🙈

Auch Naima ist für mich keine Figur, bei der ich mitfiebere, dass es zu einer Connection kommt. Sie ist einfach so gemein und bi-feindlich?! Warum sollte Skye sie anziehend finden? Naimas Hintergründe für ihre Feindseligkeit werden zwar im Verlauf der Handlung erklärt, aber ich mag es einfach nicht, wenn mit diskriminierenden Menschen irgendwelche Verbindungen eingegangen werden - Gründe hin oder her.

Es steckte ganz viel Gutes in der Story. Die Unsicherheit einer bisexuellen Person und die Angst davor, in Freund*innenschaften unwichtig zu werden sowie der Weg zum eigenen Ich sind Dinge, mit denen ich relaten kann. Ich halte es auch für eine sehr gute Repräsentation für Menschen Anfang/Mitte 20. Skyes Hadern mit ihrem Geburtsnamen sowie die Reaktion ihres Umfelds darauf waren sensibel geschrieben. Für die Tierschutzkomponente gibt es auch noch einen Pluspunkt.

Aber irgendwie hat mich das Werk insgesamt einfach nicht gecatcht. Es blieb mir emotional zu unrund und das wurde eben durch den Fakt erschwert, dass ich keines der beiden möglichen Couples geshippt habe. Zudem empfand ich den Humor als ein wenig platt. Es gab ein paar Szenen, die wohl eine Art Situationskomik bedienen sollten, mit aber zu angestrengt auf witzig geschrieben waren.

Das Ende ist ultra stark! Das alleine hätte 5 Sterne verdient, weil ich es null habe kommen sehen und zudem unglaublich mutig finde. Wenn ich früher vermutet hätte, in welche Richtung es geht, wäre ich zwischendrin vielleicht auch versöhnlicher gewesen. Aber ich habe mich bis zum Schluss leider schon zu viel geärgert, als dass ich jetzt so hoch bewerten könnte. So bleibe ich ein wenig unzufrieden zurück und das Buch wird mir einfach nicht lange im Gedächtnis bleiben. Ich glaube auch, dass es in der Romance-Sparte irgendwie fehlplatziert ist und eher allgemein in New Adult passt.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Starker Anfang, dann aber zunehmend mit Schwächen

Keeping it casual
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Das pola-Verlagsprogramm ist für mich eigentlich ein Garant für tolle Geschichten - entweder mit literarischem Anspruch oder mit gutem Unterhaltungswert. Im ersten Drittel dieser Geschichte habe ich mich ...

Das pola-Verlagsprogramm ist für mich eigentlich ein Garant für tolle Geschichten - entweder mit literarischem Anspruch oder mit gutem Unterhaltungswert. Im ersten Drittel dieser Geschichte habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und das war genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Doch danach ging es für mich leider nur noch bergab.

Die Geschichte bot zu Beginn vieles, das ich schätze: das Potenzial emotionalen Tiefgangs, tolle Chemie zwischen den Protas, nette Nebenfiguren und einen angenehmen Humor. Die Tinder-Beziehung zwischen Max und Johnny hatte einen super Drive und es gab den ein oder anderen Hint, auf dessen Auflösung ich hingefiebert habe.

Doch dann verlor mich die Autorin sehr drastisch, als sich die Protagonistin nach ihrer OP auf eine Art Selbstfindungsreise begibt, die mir sehr gewollt erschien und authentischen Tiefgang vermissen ließ. Es wirkte zu rund und inszeniert, weswegen ich wenig Freude hatte. Hinzu kamen die absolut tierproduktlastigen Rezepte, die jegliche Progressivität vermissen lassen. Unabhängig von der eigenen Lebensweise habe ich an Kunst einfach einen höheren Anspruch - erst recht, wenn es Werke mit progressivem Fundament sind, die marginalisierte Gruppen sichtbar machen. Ausbeutung hört nicht auf dem Teller auf und die kognitive Dissonanz im Buch („Ich liebe Enten und esse sie gerne“) hat mich richtig verärgert. Das kann pola wirklich besser!

Auch im letzten Drittel ging es für mich nicht positiv weiter. Zurück von der Inspirationsreise ist die Chemie zwischen Max und Johnny einfach plötzlich verschwunden. Beide Figuren empfand ich als blass, die Gespräche konstruiert. Es wirkte auf mich, als hätte sich die Autorin vorher genau überlegt, welche Dialoge und Charaktereigenschaften sie gerne verwenden möchte, ohne zu prüfen, ob die Chemie zwischen den beiden passt.

Ich bin also eher frustriert nach dieser Lektüre. Es ist kein Werk mit hohem literarischen Anspruch und das ist sehr in Ordnung. Der Autorin gelingt es für mich jedoch auch nicht, den Unterhaltungswert vom Anfang zu halten. Es ist also auch keine RomCom und eine andere Unterhaltung konnte ich ebenso nicht finden. Auf mich wirkte es beim Lesen so, als hätte Karina May eigentlich zwei Bücher schreiben wollen und sie dann in einen Topf geworfen. Es fehlte der rote Faden und nebenbei auch die emotionale Tiefe, obwohl die Geschichte echtes Potenzial gehabt hätte.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Kraftvoll und politisch, für mich aber doch zu abstrakt und surreal

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Ich bin wirklich ambivalent in meiner Bewertung dieses Romans. Er hat seine kraftvollen Momente, in denen zwischen den Zeilen ganz viel Sprengkraft steckt. Aber er war mir auch zu abstrakt und losgelöst ...

Ich bin wirklich ambivalent in meiner Bewertung dieses Romans. Er hat seine kraftvollen Momente, in denen zwischen den Zeilen ganz viel Sprengkraft steckt. Aber er war mir auch zu abstrakt und losgelöst von real Greifbarem. Meine Erwartungen einer sich entwickelnden Beziehungsgeschichte mit viel Einblick in das Innenleben der Figuren konnten aber auf jeden Fall so nicht erfüllt werden.

Den Auftakt fand ich richtig gut und dieser Eindruck hielt auch im ersten Drittel an. Die Perspektiven wechseln recht schnell und ohne eindeutige Kennzeichnung, das muss mensch natürlich mögen. Später teilen sich die beiden Frauen übrigens immer mal eine Perspektive - was bei den Männern nicht passiert und ein gutes Beispiel für die komplexe Bildsprache ist.

Dann zerfaserte die Erzählung aber zunehmend und ich konnte immer weniger einordnen, wo die Geschichte sich hinentwickelt. Ich mag figurengetriebene Literatur einfach deutlich lieber und gerade bei diesem sehr spannenden Thema habe ich das etwas vermisst. Die Gegenüberstellung einer scheinbar perfekten Zweifachmutter und der unfreiwillig kinderlosen Frau ist nicht neu. Aber ich mochte Dita Zipfels Sezierung unseres Blickes auf andere Frauen sehr gern. Sie wirft auf eine besondere Art eigene Narrative über den Haufen.

Auch toll war die Kontrastierung weiblicher und männlicher Solidarität. Wir realisieren über die Frauenfiguren, dass ihre beiden Partner eigentlich vor allem auf ihre Körper und seine vermeintliche Reproduktionsfähigkeit aus sind. Das war wirklich stark herausgestellt! Und während Eva und Linn einander stützen, ohne das gleichzeitig zu romantisieren, zeigt sich die männliche Gemeinschaft von Matze und Felix vor allem über deren Beziehungshierarchie. Matze verfällt dem reichen Felix, der scheinbar mühelos durchs Leben kommt, immer mehr - wider besseren Wissens. Sicherlich etwas überzeichnet, fand ich diese Männerdynamik doch stark geschrieben.

Wofür es von mir etliche Abzüge gibt, ist der Umgang mit Tieren in diesem Buch. Ob die detaillierte Bezeichnung toter Tierkörper, die regelmäßig verspeist werden oder diese Tierquälerei des Kanarienvogels, der das Cover voller falscher Versprechen schmückt - ich fand es völlig unangemessen. Ich konnte das auch nicht als Kritik an der Realitätsferne reicher Menschen lesen, denn Linn hätte als Figur ein konsistent kritischer Gegenpol sein können, verliert sich dann an der Stelle aber irgendwie. Für mich ist das einfach unreflektiert und wenig zeitgemäß.

Handlungstechnisch wurde es mir im letzten Drittel dann auch echt zu wild. Für meinen Geschmack ist die Autorin hier zu sehr in verschiedene Richtungen ausgebrochen, es wurde mir gleichzeitig zu ungenau und übertrieben wild. Damit es zu einem guten Buch für meinen Geschmack wird, hätte es emotional nähere und vielschichtigere Figuren gebraucht, mehr nachvollziehbare Beziehungsdynamik und weniger skurrile Nebenstränge. Der Epilog hinterlässt mich auch eher ratlos und unbefriedigt.

Vielleicht eher eine Empfehlung für Menschen mit Freude an surrealen Elementen und einer etwas wilden Handlungsdynamik. Für mich maximal ein okayes Erlebnis.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Viele wichtige Aussagen, die anderen Menschen bestimmt auch helfen können

Women Living Deliciously
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Ich bin für die Bewertung des Buches wirklich hin- und hergerissen. In erster Linie muss ich nämlich sagen, dass es mir einfach deutlich zu langatmig und repetitiv war. Über weite Strecken habe ich mich ...

Ich bin für die Bewertung des Buches wirklich hin- und hergerissen. In erster Linie muss ich nämlich sagen, dass es mir einfach deutlich zu langatmig und repetitiv war. Über weite Strecken habe ich mich ehrlicherweise etwas hindurchgequält, wollte es aber auch gerne lesen. Die Autorin schreibt im Kern jedoch über wirklich gute Sachen, die eine Psychotherapeutin genau so auch gesagt hätte.

Der politische Einblick bleibt hier eher kurz, aber das liegt vielleicht an ihrem früheren Werk, das ich nicht gelesen habe, welches aber durchaus tiefgründiger klingt. Für meinen Geschmack hätte es noch konkreter gesellschaftskritisch sein dürfen und auch generell wären mir mehr spezifische Beispiele lieb gewesen. An manchen Stellen wird die Autorin auch persönlich, was den Lesefluss für mich positiv beeinflusst.

Die grundlegenden Aussagen dazu, dass wir nur ein Leben und einen Körper haben, der mehr verdient hat als die Abwertung aufgrund gesellschaftlicher Normen, sind treffend. Und ich finde es auch gut, wie Given es hier geschafft hat, spirituelle Gedanken fundiert und ohne Anspruch an Perfektion zu vermitteln. Ich kann mit Spiritualität nämlich nichts anfangen, aber die Fokussierung auf uns und unseren Körper wirkt sich eben ganz konkret auf unser Leben und auch auf die Beziehungen zu anderen aus. Respektlosigkeit und Abwertung können wir besser von uns weisen, wenn wir uns selbst respektieren und körperliche Reaktionen ernst nehmen. Den Impuls, unsere dauerhaft laufenden Gedanken bewusst wahrzunehmen und sich so von ihnen abgrenzen zu können, fand ich wirklich hilfreich. Und auch die schlicht sehr wahre Aussage, dass nur wir selbst unser Leben leben und in die Hand nehmen können, hätte eine Therapeutin nicht anders formuliert.

Für meine Bewertung muss ich also einbeziehen, dass ich im Zuge vieler Jahre Psychotherapie mit eigentlich allen Dingen im Buch schon konfrontiert gewesen bin. Somit war es nicht wirklich etwas Neues, aber ich kann so auch einschätzen, dass es wirklich valide Ratschläge sind, die nicht in eine komische Selbstoptimierungs-Ego-Schwurbel-Schiene abdriften. Das rechne ich dem Buch wirklich positiv an, denn es gibt ganz viele andere Selbsthilfebücher auf dem Markt, die meiner Meinung nach eher Schaden anrichten.

Dem gegenüber steht aber dennoch, dass mir die klare Struktur im Buch fehlte und ich den Eindruck hatte, dass die Autorin wieder und wieder die gleichen fünf Grundgedanken ausformuliert. Auch die oft blumige Ausdrucksweise mit vielen sprachlichen Bildern trifft einfach nicht meinen Geschmack. Während ich die Gestaltung des Buches mit ihren knalligen Farben und rotzigen Zeichnungen wirklich gut fand, hätte ich es wohl locker auf ein Drittel des Umfangs gekürzt.

Ich halte es abschließend für eines der besseren Selbsthilfewerke und Menschen, die keinen Zugang zu Psychotherapie haben und/oder sich nicht in einer akuten Krise befinden, kann es bestimmt nachhaltig helfen. Für mich war es leider eine wirklich zähe Lektüre, die ich nur wegen der guten Basis wohlwollend bewerte.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Da hat es irgendwie nicht so recht gefunkt..

Medulla
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Ich habe mir von diesem feministischen Werk einiges erhofft und zumindest inhaltlich fand ich es auch durchaus gut. Probleme hatte ich allerdings über weite Strecken mit dem Stil und auch den Figuren selbst, ...

Ich habe mir von diesem feministischen Werk einiges erhofft und zumindest inhaltlich fand ich es auch durchaus gut. Probleme hatte ich allerdings über weite Strecken mit dem Stil und auch den Figuren selbst, weshalb es insgesamt einfach nicht so überzeugen konnte wie erhofft.

Bereits den Start in die Geschichte fand ich müßig. Mir waren es irgendwie zu viele Figuren, die parallel in die Geschichte eingeführt wurden. Grundsätzlich mochte ich die Strukturierung in drei Teile mit drei zentrierten Paaren und auch das teilweise Überschneiden der Handlung, die dadurch wiederum um weitere Blickwinkel bereichert wurde, hat mir gefallen. Nachdem ich dann alle Figuren halbwegs sortiert hatte, bin ich mit dem Mittelteil auch gut klargekommen. Nichtsdestotrotz schreibt Güntner für mich zu einem gewissen Grad assoziativ, legt die Gedanken und Beziehungen der Figuren nicht unbedingt offen auf den Tisch. Das ist einfach nicht meine liebste Art der Erzählung.

Und auch die Figuren selbst haben es mir nicht so leicht gemacht. Einerseits fand ich es toll, wie radikal, rotzig, widerständig und in bestimmten Momenten solidarisch die Frauen dieser Geschichte geschrieben wurden. Sie machen bedingungslos, was sie wollen - besonders, aber nicht ausschließlich, in Bezug auf ihre Körper. Ich finde, dass das durchaus kontrovers beschrieben ist und sicherlich polarisieren wird. Mir gefällt dieses kompromisslose Verhalten bei Romanfiguren, die keine cis Männer sind, als Stilmittel aber wirklich gut. Im echten Leben wäre es sicherlich vielschichtiger, aber gerade das Zugespitzte macht den gesellschaftskritischen Punkt klar.

Andererseits waren mir die Figuren zu distanziert. Ich habe bis zum Schluss kein richtiges Gefühl für ihr Innenleben bekommen und sie in Bezug auf andere Menschen als emotional eher isoliert wahrgenommen. Auch auf Kommunikationsebene hat das Beschriebene nicht so recht meinen Bedürfnissen entsprochen.

Bereits zwischendrin gab es zudem Szenen, die mir zu abgedreht waren und das Ende schließt sich da mit an. So verbleibe ich eher ernüchtert und bin in meiner Bewertung unschlüssig. Zu großen Teilen hat sich der Roman nämlich trotzdem sehr flüssig lesen lassen und der Widerstand seitens der Figuren hat mir wirklich gefallen. Ich finde, es verdient Anerkennung, einen so kompromisslosen Roman zu schreiben, der zu einem gewissen Grad polarisieren wird. Ich vergebe deshalb wohlmeinende 3 Sterne und empfehle das Buch eher Personen, die nicht unbedingt sympathische und emotional greifbare Figuren suchen.

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