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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Verlorene Kinder, dunkle Geheimnisse

Tokyo
1

Tokio im Sommer 1991: Zwei kleine Mädchen verschwinden kurz hintereinander, eines wird wenig später tot aufgefunden. Während die Ermittlungen immer düsterer werden, geraten nicht nur die Familien der Opfer, ...

Tokio im Sommer 1991: Zwei kleine Mädchen verschwinden kurz hintereinander, eines wird wenig später tot aufgefunden. Während die Ermittlungen immer düsterer werden, geraten nicht nur die Familien der Opfer, sondern auch eine seltsame Glaubensgemeinschaft in den Mittelpunkt. Die Geschichte folgt dabei mehreren Perspektiven und zeigt, wie Angst, Trauer und Verzweiflung Menschen verändern können.

Atmosphärisch hat mich das Buch wirklich schnell abgeholt. Diese drückende Sommerhitze, die bedrückende Stimmung und vor allem die Einblicke in die Gemeinschaft waren für mich das stärkste Element der Geschichte. Gerade diese Passagen hatten etwas Beklemmendes und gleichzeitig unglaublich Faszinierendes. Man wollte ständig wissen, was hinter den Ritualen und den Menschen dort steckt.

Weniger überzeugt hat mich dagegen alles rund um das Ermittlerteam. Die Abschnitte wirkten auf mich teilweise zu ausführlich und haben den eigentlichen Spannungsbogen manchmal eher ausgebremst als verstärkt. Dadurch hat sich die Handlung zwischendurch gezogen, obwohl das Grundthema eigentlich viel Spannung bietet. Auch der Aufbau konnte mich nicht komplett mitnehmen. Einige Perspektivwechsel fühlten sich für mich nicht ganz stimmig an, wodurch die Geschichte stellenweise etwas holprig wirkte.

Der Schreibstil selbst ist solide und angenehm lesbar, ohne dabei besonders herauszustechen. Dafür punktet das Buch optisch umso mehr: Das Cover ist ein absoluter Hingucker und passt perfekt zur düsteren, heißen Atmosphäre der Geschichte.

Besonders die bedrückende Atmosphäre und die Einblicke in die Gemeinschaft machen den Thriller lesenswert, auch wenn mich der Aufbau und die teils ausufernden Ermittlungen nicht vollständig überzeugen konnten.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 13.05.2026

Zwischen Familienchaos und Gesellschaftssatire (Hörbuch)

Verlorene Schäfchen
0

Die Familie Flynn wirkt nach außen wie die klassische amerikanische Vorstadtfamilie: Eltern, drei Töchter, sonntags Kirche. Doch hinter der Fassade herrscht komplettes Chaos. Mutter Catherine steckt mitten ...

Die Familie Flynn wirkt nach außen wie die klassische amerikanische Vorstadtfamilie: Eltern, drei Töchter, sonntags Kirche. Doch hinter der Fassade herrscht komplettes Chaos. Mutter Catherine steckt mitten in einer Sinnkrise und öffnet kurzerhand die Ehe, Vater Bud zieht sich frustriert ins Auto in der Garage zurück und landet bei einer merkwürdigen Selbsthilfegruppe. Gleichzeitig kämpfen auch die drei Töchter mit ihren ganz eigenen Problemen, von Verschwörungstheorien über fragwürdige Online-Beziehungen bis hin zu ziemlich schrägen Dates. Und irgendwie laufen all diese seltsamen Geschichten bei einem dubiosen Milliardär zusammen.

Als Hörbuch hat mich die Story schon ziemlich gut unterhalten. Besonders die Sprecherleistung hat mir gefallen, weil die verschiedenen Figuren viel Persönlichkeit bekommen und die oft sehr pointierten Dialoge dadurch richtig lebendig wirken. Gerade die schlagfertigen Wortwechsel haben oft Spaß gemacht und einige Situationen waren herrlich trocken und absurd komisch.

Generell lebt die Geschichte stark von ihrem Humor und den skurrilen Figuren. Die Autorin nimmt moderne Themen wie Selbstoptimierung, Einsamkeit, Onlinewelten und gesellschaftliche Orientierungslosigkeit ziemlich bissig aufs Korn. Das funktioniert oft überraschend gut, weil sich hinter dem ganzen Chaos immer wieder auch ernstere Zwischentöne verstecken.

Manchmal war mir das Ganze allerdings etwas zu gewollt schräg. Einige Figuren und Szenen wirken sehr überzeichnet und verlieren dadurch ein Stück Glaubwürdigkeit. Gerade gegen Ende hatte ich stellenweise das Gefühl, dass die Geschichte möglichst exzentrisch sein wollte, anstatt die emotionalen Momente wirklich wirken zu lassen. Dadurch blieb ich zu manchen Charakteren eher auf Distanz.

Trotzdem ist es ein originelles, modernes und oft wirklich witziges Hörbuch mit viel Gesellschaftssatire und starken Sprecherin.. Nicht jede absurde Idee zündet, aber langweilig wird es definitiv nie.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Zwischen Wohnungswahn und Nervenkitzel (Hörbuch)

Tödliches Angebot
1

"Tödliches Angebot" greift ein sehr aktuelles Thema auf: den verzweifelten Wunsch nach einem eigenen Zuhause. Genau das sorgt zu Beginn für Spannung, weil die Geschichte erschreckend nah an der Realität ...

"Tödliches Angebot" greift ein sehr aktuelles Thema auf: den verzweifelten Wunsch nach einem eigenen Zuhause. Genau das sorgt zu Beginn für Spannung, weil die Geschichte erschreckend nah an der Realität bleibt und man schnell verstehen kann, warum die Hauptfigur immer weiter geht, als sie eigentlich sollte.

Als Hörbuch funktioniert die Geschichte insgesamt gut. Die Sprecherleistung transportiert die innere Unruhe und den wachsenden Druck überzeugend und verleiht der Handlung Atmosphäre. Gerade emotionale Passagen wirken dadurch intensiver und halten die Aufmerksamkeit hoch.

Im weiteren Verlauf verliert der Plot jedoch etwas an Kraft. Einige Entwicklungen lassen sich früh erahnen und bedienen bekannte Thriller-Muster, ohne wirklich neue Akzente zu setzen. Vor allem im Mittelteil zieht sich die Handlung stellenweise, und nicht jede Entscheidung der Figuren fühlt sich ganz stimmig oder glaubwürdig an.

Unterm Strich bleibt ein Hörbuch mit einer starken, zeitgemäßen Grundidee und solider Umsetzung, das gut unterhält, aber nicht nachhaltig überrascht. Für zwischendurch spannend genug, für ein echtes Highlight fehlt jedoch der letzte erzählerische Mut.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Wenn die Pflicht schwerer wiegt als das Kindsein

Der Junge, der im Dunkeln sah
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"Der Junge, der im Dunkeln sah" erzählt von Jēkabs, der in einem Umfeld aufwächst, das ihn früh zur Hilfe verpflichtet: Zwei blinde Eltern, eine strenge Mutter mit hohen Erwartungen, und ein Zuhause, in ...

"Der Junge, der im Dunkeln sah" erzählt von Jēkabs, der in einem Umfeld aufwächst, das ihn früh zur Hilfe verpflichtet: Zwei blinde Eltern, eine strenge Mutter mit hohen Erwartungen, und ein Zuhause, in dem Jēkabs so etwas wie Normalität erst definieren muss. Der Roman zeigt Stationen aus seinem Leben – erste Schule, Freundschaften, die erste Liebe – und daneben die Perspektive seiner Mutter, die mit ihrer eigenen Unsicherheit, Blindheit und dem Wunsch nach Kontrolle ringt.

In vielerlei Hinsicht ist das Buch gelungen: Die Autorin zeichnet ein sensibles Portrait eines Jungen, der durch seine Familie, seine Wahrnehmung und durch das Umfeld geformt wird. Die Themen Verantwortung, Unterschiedsein und Selbstfindung bekommen Raum, ohne plakativ zu sein. Es gibt schöne Szenen: die kleinen Momente, in denen Jēkabs sich selbst gegenüber ehrlich sein kann, Begegnungen, in denen andere Sinne wichtiger sind als das Sichtbare, und Momente von Empathie, die stark nachklingen.

Trotzdem fiel es mir schwer, so richtig eine emotionale Verbindung zu Jēkabs zu finden. Sein inneres Erleben bleibt oft in Bildern, in Andeutungen und in Reflexionen, was literarisch durchaus schön ist aber manchmal auch so distanziert, dass Mitgefühl nicht automatisch entsteht. Seine Mutter ist in vielen Szenen greifbarer; ihre Ängste und Unsicherheiten sind direkter spürbar. Damit wirkt das Gesamtbild stark intellektuell durchdacht, manchmal aber etwas zu vorsichtig.

Die Sprache ist klar und fein austariert. Erzählerisch ist der Aufbau solide: Die Entwicklung wird nicht künstlich beschleunigt, es gibt aber auch Stellen, an denen die Dynamik etwas abflacht, gerade wenn man mehr über Jēkabs’ Innenleben erfahren möchte. Manche Wendepunkte passieren, ohne dass man intensiv vorbereitet wird, sodass sie überraschend, aber nicht immer überzeugend wirken.

Mit 3,5 von 5 Sternen ist mein Urteil: Ein Buch mit vielen schönen, weisen Momenten und einer stimmigen Thematik, das aber nicht durchgehend mitreißt, weil die emotionale Nähe manchmal fehlt. Es lohnt sich besonders für Leserinnen und Leser, die feine Beobachtungen und leise Geschichten schätzen, weniger für diejenigen, die starke Heldenbindung oder dramatische Entwicklungen erwarten.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Geisterhaus, Teenie-Drama und ein paar Schattenseiten

Let's Split Up - Ein verfluchtes Haus. Vier Freunde. Eine verhängnisvolle Entscheidung.
2

Ich bin mit eher mittleren Erwartungen an dieses Buch rangegangen und wurde angenehm überrascht, wenn auch nicht komplett umgehauen. Die Mischung aus Jugendbuch, Mystery und Grusel funktioniert über weite ...

Ich bin mit eher mittleren Erwartungen an dieses Buch rangegangen und wurde angenehm überrascht, wenn auch nicht komplett umgehauen. Die Mischung aus Jugendbuch, Mystery und Grusel funktioniert über weite Strecken ziemlich gut. Das Setting – ein altes, angeblich verfluchtes Herrenhaus, irgendwo im Nirgendwo – ist genau das Richtige für dunkle Herbstabende. Man merkt, dass der Autor sein Horror-Handwerk kennt, ohne gleich in Splatter abzudriften.

Die vier jugendlichen Hauptfiguren bringen Diversität rein; queer, verschiedene Backgrounds, unterschiedliche Konflikte. Das ist positiv, bleibt aber oft etwas oberflächlich. Ich hätte mir mehr Tiefe gewünscht. Viele Entwicklungen in der Gruppe werden zwar angerissen, aber nicht zu Ende erzählt. Da bleibt Potenzial auf der Strecke.

Was das Buch allerdings sehr gut kann: Atmosphäre aufbauen. Die Spannung kommt relativ schnell in Fahrt, es gibt ein paar unheimliche Szenen, bei denen man definitiv weiterblättern will. Trotzdem: so richtig überrascht hat mich keine Wendung.

Etwas schade fand ich auch, dass manche Situationen nach dem Prinzip „erst trennen sich alle, dann passiert was Schlimmes“ fast schon formelhaft wirken. Klar, der Titel nimmt das augenzwinkernd vorweg aber ein bisschen mehr Abwechslung hätte nicht geschadet. Auch das Ende war für mich eher solide als spektakulär.

Unterm Strich hatte ich Spaß beim Lesen. Es ist ein Buch, das man locker in ein, zwei Tagen durchhat, kein Meisterwerk, aber unterhaltsam. Wer Jugend-Grusel mit leichter Coming-of-Age-Note mag, wird hier fündig. Wer allerdings richtig komplexe Charaktere oder völlig neue Ideen im Genre sucht, könnte etwas enttäuscht sein.

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