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Veröffentlicht am 28.01.2026

Bitteres Erbe

Eine vergessene Schuld
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Der bekannte Autor Arne Jensen hat mit “Eine vergessene Schuld” einen bewegenden Roman vorgelegt, der sich mit der Auswirkung von Verbrechen beschäftigt, die von Vorfahren begangen wurden, jedoch bis heute ...

Der bekannte Autor Arne Jensen hat mit “Eine vergessene Schuld” einen bewegenden Roman vorgelegt, der sich mit der Auswirkung von Verbrechen beschäftigt, die von Vorfahren begangen wurden, jedoch bis heute nachwirken. Schon das stimmungsvolle Cover weist auf einen der Handlungsstränge hin, der in der Kriegszeit und unmittelbaren Nachkriegszeit spielt.

Zwei große Themen beherrschen den Roman. Im Jahr 2023 veröffentlicht der pensionierte Verfassungsrichter Dr. Rudolf Heppner über die sozialen Medien polarisierende Thesen, die sich mit Bürgerpflichten und juristischen Grenzfragen beschäftigen. Eine dieser Fragen ist, ob man den Wehrdienst verweigern dürfe und ob im Kriegsfall Militärgerichte eingeführt werden sollten. Da Heppner selbst nicht präzise Stellung bezieht, reagieren sowohl rechte wie linke Randgruppen mit Kommentaren. Dann wird auf Heppner ein Farbbeutel-Attentat verübt.

Nunmehr schalten sich LKA, BKA und Staatsschutz ein, ein politischer Hintergrund wäre möglich. Daher soll eine junge Psychologin, Jasina Behrens, ein Persönlichkeitsprofil des Richters erstellen. Bei den Gesprächen, die zunehmend privat werden, stößt Jasina auf Ereignisse, die in der Familiengeschichte und Jugend von Heppner liegen und bis heute sein Handeln zu bestimmen scheinen. Doch auch Jasina quält sich mit Schuldgefühlen.

Der zweite Handlungsstrang umfasst die Zeit ab 1942 bis kurz nach Kriegsende 1945. Er ist historisch belegt und wurde vom Autor akribisch recherchiert, nur die Namen wurden im Roman geändert, sind aber im Nachwort nachzulesen.
Raimund Bach ist Marinemaat, halbjüdisch, in Holland stationiert. Als Angehöriger der Marine sind er und seine Familie bisher von den Repressalien der Nationalsozialisten verschont geblieben. Als seine Mutter deportiert wird und er den Marschbefehl an die Front erhält, desertiert Bach. Doch bei Kriegsende hält hin nichts mehr in seinem Versteck. Mit einem weiteren Deserteur, Bernhard Döpper, stellt er sich den kanadischen Besatzern. Jedoch gilt in Holland für deutsche Truppen noch immer das Recht der NS- Zeit. Bach und Döpper werden einige Tage nach Kriegsende vor ein Militärgericht gestellt, der Marinerichter, der die Anklage vertritt, heißt Hans- Friedrich Heppner…….

“Eine vergessene Schuld” behandelt tiefgreifende gesellschaftspolitische und zutiefst menschliche Themen. Welche Rolle darf der Staat spielen, wieweit darf er die Rechte des Einzelnen einschränken? Wäre es in einer Diktatur legitim, den Wehrdienst zu verweigern? Wie weit schuldet man einem Unrechtsstaat Gehorsam? Trifft die Nachkommen derjenigen, die in der Nazi-Zeit Verbrechen begangen haben, noch persönliche Schuld? Tragen sie Verantwortung für das Tun ihrer Vorfahren?

Der Roman berührt die Lesenden durch die Schilderung von ausweglosen, bitteren Schicksalen, man fühlt die Angst und Bedrängnis der Protagonisten, Mitleid und Abscheu wechseln einander ab. Der vom Autor gesetzte Rahmen spiegelt sowohl die gesellschaftlichen Vorgänge wie die Wertesysteme der Vergangenheit und Gegenwart.

Arne Jensen zeichnet hervorragend die Charaktere seiner Figuren. Bach, verängstigt und in seinem Versteck seiner Freiheit und Menschenwürde beraubt, vertraut darauf, dass er durch das Kriegsende den Nazi- Häschern entgangen ist. Ebenso ungläubig wie sein Freund Döpper muss er erfahren, dass Deutsche auch nach der Kapitulation in den holländischen Lagern noch Kriegsrecht anwenden können. Dr. Rudolf Heppner, der in seiner Laufbahn klare Entscheidungen basierend auf bestehenden Rechtsgrundlagen fällen konnte, kann mit der Vergangenheit nicht abschließen. Sein Gefühl ist es, Verantwortung dafür zu tragen, dass die Geschehnisse der Kriegszeit nicht vergessen werden, denn über sie zu schweigen wäre unerträglich. Die Psychologin Jasina Behrens ist aufgrund ihrer Flucht aus Syrien traumatisiert, ihre professionelle Distanz zu Richter Heppner wird im Verlauf der Gespräche immer schwieriger. Auch die Darstellung der involvierten Behörden einschließlich ihrer Zuständigkeitsstreitigkeiten ist lebendig und realitätsnah. Leider wird nur sehr kurz über den Täter berichtet, da hätte ich mir gewünscht, mehr über seine Person und seine Motive zu erfahren. Somit liegt der Schwerpunkt der Gegenwartserzählung auf Höppner.

Arne Jensen hat mit “ Eine vergessene Schuld” einen eindrücklichen und wirkmächtigen Roman geschrieben. Er widmet ihn den Opfern von Gewalt, Verfolgung und Entrechtung. Gleichgültigkeit und Schweigen lässt die Erinnerung an die Opfer immer mehr verblassen. Dieser Roman mahnt uns, nicht zu vergessen.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Jennerwein und die Literatur

Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht
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Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht ...

Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht es möglich.
Alle Beteiligten wollen etwas gegen den Niedergang der Lesekultur tun, daher sind sie Mitglieder von Salomes Lesekränzchen. Doch wie Aufmerksamkeit generieren? Unter dem Motto “LESEN HILFT” stellen sie in der Literatur beschriebene Verbrechen nach. Besonders spektakulär agieren dabei drei Influencerinnen, Ene, Mene und Muh. Dass Autor Jörg Maurer den Dreien die Figur des Konfuzius zugeschrieben hat, zeugt von leiser Ironie. Aber auch von Verachtung, denn als die alltäglichen Klarnamen der Foristen, die über die ganze Welt verstreut leben, publik werden, bleiben die drei Frauen weiterhin Ene, Mene und Muh.

Jennerwein spielt in diesem sechzehnten Fall “Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht” eine völlig andere Rolle als in den bisherigen Bänden von Jörg Maurer. Diesmal reist er durch die Welt und hält Vorträge über den “besonderen Blick”, das sofortige Erkennen, was an einem Tatort ungewöhnlich ist. Doch Jennerwein greift ein, als ein Politiker ermordet wird, der die Sprache vereinfachen wollte. Können seine radikalen Ideen das Motiv für den Mord gewesen sein? Keine Groß- und Kleinschreibung mehr? Das geht gar nicht, findet der Autor und ich pflichte ihm bei, denn das kann den Sinn eines Satzes verändern. Zwischen “ich habe liebe Genossen” und “ich habe Liebe genossen” ist ein himmelweiter Unterschied! Und für einen zum Tode verurteilten Delinquenten kann ein Komma lebensrettend sein: "Wartet, nicht hängen!” ist etwas Anderes als “wartet nicht, hängen!”

Jörg Maurer betont in diesem Buch unter den Schlagwort “LESEN HILFT” die Wichtigkeit von Leseförderung und humanistischer Bildung. Der Erhalt der Schönheit der Sprache- wir sind ja das Land der Dichter- sowie ihrer Klarheit und Präzision- wir sind auch das Land der Denker- wird in zahlreichen Appellen betont. Allerdings meine ich, dass die Zielgruppe hier nicht erreicht wird, denn die in virtuellen Lesezirkeln Engagierten lesen sowieso mit Leidenschaft, Literaturverweigerer werden durch die Aufzählung vieler großer Namen, die den Betroffenen wenig sagen, eher abgeschreckt.

Und Jennerwein? Er hat seinen Auftritt vor allem im zweiten Teil des Buches, wo er Indizien sammelt, um den Politikermord aufzuklären. Leider wird sein Team nur in einer kurzen Sequenz erwähnt, die oft humorvollen gruppendynamischen Prozesse bleiben dabei auf der Strecke. Doch es gibt in der virtuellen Welt von Salomes Lesekränzchen humorvolle Szenen. So leidet die Figur des Shakespeare am Tourette-Syndrom und sondert ausschließlich Schimpfwörter ab. Eine künstliche Intelligenz wird ausgeknockt, indem man ihr Entscheidungsfragen stellt. Hinter phantasievollen Schilderungen verbergen sich jedoch ernste Überlegungen zum Zustand des Bildungssystems und zum Einfluss der Technik auf Sprache und Büchermarkt. Dennoch hätte ich mir von diesem Roman gewünscht, dass, wenn Jennerwein draufsteht, auch mehr Jennerwein drin ist.

Witzig ausgesucht sind die Schlussworte des Buches (da kommt sogar Uschi Obermaier zu Wort, die allerdings nur älteren Lesenden bekannt sein dürfte). Jörg Maurer zitiert Georg Christoph Lichtenberg, der Rezensionen als eine Art Kinderkrankheit bezeichnet, die neugeborene Bücher befällt. Der Büchergeburtstag dieses Romanes ist jetzt schon ein bisschen her, daher hoffe ich, dass diese Rezension nicht als Krankheitssymptom, sondern als Placebo verstanden wird, verabreicht von einem wohlwollenden Jennerwein- Fan. Wer Krimis, Literatur und virtuelle Welten mag, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

In den Falten der Zeit

Das Buch der verlorenen Stunden
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“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht ...

“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht mit unseren Erinnerungen, kann man sie verändern und manipulieren? Welche sind es wert, erhalten zu bleiben? Diesem interessanten Thema entspricht die hochwertige Ausstattung des Buches mit Goldprägung des Buchumschlages und der Abbildung des Zeitraums, einer Bibliothek, in der die Erinnerungen der Menschheit aufbewahrt werden.

Der Roman hat zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge und Zeitebenen.

Die Geschichte beginnt 1938 in der Reichskristallnacht, als ein jüdisches Mädchen, Lisavet, von ihrem Vater, einem Zeithüter, in den Zeitraum gebracht wird. Dort ist sie vor Verfolgung sicher. Doch dort ist sie auch gefangen, denn der Vater kommt nicht zurück. In dieser Falte der Zeit gelten keine realen Regeln und Bedürfnisse, doch Lisavet gelingt es, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen und dort mitzuleben. Nur Zeithüter, meistens Agenten der jeweiligen Regierungen, können den Zeitraum betreten. Sie vernichten unliebsame Erinnerungen, doch Lisavet setzt alles daran, diese Erinnerungen zu retten. Als sie eines Tages einem amerikanischen Zeithüter, Ernest, begegnet, ändert sich Lisavets Leben und sie überlegt erstmals, den Zeitraum zu verlassen.

Im zweiten, 1952 beginnenden Handlungsstrang versucht Moira, eine in Diensten des CIA stehende Agentin und skrupellose Mörderin, ein junges Mädchen, Amelia, zu schützen. Denn Amelia soll im Zeitraum Lisavets gerettete Erinnerungen finden.

Als sich beide Handlungsstränge vereinen, entsteht eine phantastische Geschichte, die jedoch starke Brüche in Sinn und Inhalt aufweist. Der Roman, am Anfang durch die junge Protagonistin durchaus für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet, wird zu einem, allerdings nicht mit Bedacht ausgearbeiteten, Agententhriller. Die Wandlung in den Charakteren der Figuren ist schwer nachvollziehbar, eine eingebaute schwierige Liebesgeschichte bringt einen unerwarteten Plottwist. Das Buch nimmt sowohl oberflächlich auf den kalten Krieg Bezug als auch auf historische und wissenschaftliche Fakten, die jedoch zur Erklärung des Geschehens kaum etwas beitragen können.

Haley Gelfuso hat mit “ Das Buch der verlorenen Stunden” einen Roman geschrieben, der mit einer der großen Fragen der Menschheit beginnt, eine schön ausgearbeitete Geschichte, die auf ein jüdisches Schicksal hinweist, ohne jedoch näher auf die Gräueltaten der Nazis einzugehen. Hier zeigt sich die durchaus nachvollziehbare Entwicklung der Figur von Lisavet, die von moralischen und ethischen Grundsätzen in ihren Handlungen geleitet wird. Der Schreibstil der Autorin ist in diesem Abschnitt klug, empathisch und manchmal poetisch, denn Lyrik spielt eine bedeutende Rolle.

Kalte Sachlichkeit und Gewalt prägt den Wechsel des Genres zu einem Agententhriller und zu der Figur von Moira, die dem Charakter von Lisavet diametral entgegengesetzt agiert. Zu unstimmig entwickelt sich die Handlung, zu durchsichtig sind die Argumente, mit denen Moira ihre Taten rechtfertigt.

Auch wenn des Buch einen positiven, versöhnlichen Schluss bietet, der es den Lesenden überlässt, ihn der Fiktion oder der Realität zuzuschreiben, hält für mich dieser Roman in seiner Gesamtheit leider nicht, was der gelungene Anfang der Buches versprochen hat. Doch stimme ich aus vollem Herzen der Autorin zu, die in ihrem Nachwort betont, dieses Buch für all jene geschrieben zu haben, die so gut wie vergessen sind. Daher bewerte ich den Roman mit vier Sternen.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Das Geheimnis des siebenarmigen Leuchters

Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit
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Der bekannte Autor Marc Rosenberg erzählt mit “Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” eine Geschichte, die phantasievoll und ungeheuer ideenreich ist. Das schöne Hardcover mit Goldrand sowie ...

Der bekannte Autor Marc Rosenberg erzählt mit “Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” eine Geschichte, die phantasievoll und ungeheuer ideenreich ist. Das schöne Hardcover mit Goldrand sowie das Lesebändchen betonen die hochwertige Ausstattung des Buches. Am Beginn findet sich ein Personenverzeichnis, das hilfreich ist, denn in dem Jugendroman, der ab 10 Jahren empfohlen wird, wimmelt es von Personen, die sowohl in der realen Welt wie in einem Paralleluniversum beheimatet sind.

Eliot Holtby ist ein dreizehn Jahre alter Junge, der in einem Zirkus bei seinem Ziehvater Hilarius in den Niederlanden aufwächst. Doch dieser dreizehnte Geburtstag ist ein Schicksalstag, denn Hilarius verrät Eliot ein schlimmes Geheimnis: Er muss die Welt vor seiner bösen Tante Euphemia LaCroix, einer Hexe, retten. Eliot hat magische Kräfte, die er von seiner Mutter, einer guten Hexe, geerbt hat. Doch Eliot hofft, dass seine Eltern noch leben.

Eliot betritt in einer Parallelwelt die riesige Stadt Chilverse, die von Toten aller Epochen sowie lebenden Menschen bewohnt wird. Ihn empfängt nach einer etwas missglückten magischen Reise, die er gemeinsam mit seinem blinden Freund Florens und der uralten, weisen und sprechenden Schildkröte Mr. Touchdown gemacht hat, Abigail, ein sehr resolutes Mädchen. Ein blauer Saphir soll den Kindern helfen, die Landkarte des Lichts zu finden. Denn nur wenn Eliot die Lichter findet, die einen siebenarmigen Leuchter in der Kirche in Amsterdam zum Strahlen bringen, ist seine Mission gelungen.

“Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” beschreibt die erste Prüfung, die Eliot bestehen muss. Bei seiner Aufgabe helfen ihm historische Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach, der ihm die Vergangenheit zeigt oder Galileo Galilei, der ihn auf eine Sternenkonstellation hinweist. Eliot und seine Freunde treffen Henri de Toulouse-Lautrec in Paris zu Glanzzeiten des Moulin Rouge und besuchen den Louvre, um Antworten zu finden. Auch Jules Verne und ein Fesselballon spielen eine wichtige Rolle. Besonders aber ist die Aussage von Hilarius, dass Eliot in der Kirche in Amsterdam ein Kästchen finden wird, das alle Fragen der Menschheit beantwortet. Wird Eliot diese erste Prüfung bestehen können?

Marc Rosenberg hat mit diesem Roman eine spannende Geschichte geschrieben, die an verschiedenen historischen oder imaginären Schauplätzen spielt. Sowohl verstorbene Menschen wie sprechende, magische Tiere versuchen, Eliot bei seiner gefährlichen Mission zu unterstützen. Das Buch bindet historische Ereignisse ein und versucht auf diese Art, den jungen Lesenden geschichtliche Fakten näher zu bringen. Auch finden sich zahlreiche Anspielungen auf Entdeckungen, Bücher und Filme, die der Zielgruppe wahrscheinlich nicht bekannt sind.
Die Geschichte ist ungeheuer ideenreich und phantasievoll auch in einzelnen Details, was aber bedingt, dass der Fokus auf das eigentliche Thema des Buches- die Rettung der Welt- manchmal ins Hintertreffen gerät. So brauchen die Leser und Leserinnen eine Portion Geduld und Neugierde, wenn sie Eliot auf seiner schwierigen Reise begleiten, denn das Buch umfasst über 500 Seiten. Ich hätte mir hier eine stärkere Konzentration auf das Hauptthema gewünscht.

Das Buch lebt von gut gezeichneten Charakteren und zeigt, wie wichtig Freundschaft vor allem in schwierigen Lebenssituationen ist. Detailliert werden die Herausforderungen beschrieben, denen sich die Kinder zu stellen haben und die sie nur mit Mut, Köpfchen und Zusammenhalt bestehen können. In gut lesbarem und ungeheuer einfallsreichem Schreibstil werden Abenteuer geschildert, die zeigen, dass der Kampf gegen das Böse nicht vorbei ist. Für die leichte Lesbarkeit sorgt auch die angenehme Schriftgröße, die unterschiedliche Kapitellänge ist nicht wirklich störend.

Insgesamt kann ich das Buch für junge Lesende empfehlen, die magische Welten mögen und die mysteriöse Geschichten mit realen Elementen lieben. Denn der Kampf um die Rettung der Menschheit ist noch lange nicht vorbei!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Wer über diese Schwelle geht....

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Der Roman “Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei” zeigt schon am gelungenen Hardcover, dass er im fernöstlichen Kulturkreis, in diesem Fall in Korea, spielt. Daher sollten sich die Lesenden hier ...

Der Roman “Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei” zeigt schon am gelungenen Hardcover, dass er im fernöstlichen Kulturkreis, in diesem Fall in Korea, spielt. Daher sollten sich die Lesenden hier weder auf eine nette Geschichte über Mehlspeisen und auch auf keine Love Story gefasst machen.

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte von vier Protagonisten, die alle Kunden in der Kondtorei Hwawoldang sind. Diese Konditorei hat Yeonhwa, eine junge, gebildete Frau, von ihrer Großmutter geerbt. Obwohl Yeonhwa seit ihrem zehnten Lebensjahr bei der Großmutter gelebt hat, weiß sie eigentlich nichts über diese Frau und über das Geschäft, das in einer Gegend liegt, in der es spuken soll. Obwohl die Großmutter hohe Schulden hinterlassen hat und in ihrem Testament verfügt hat, dass die Konditorei nur von zehn Uhr abends bis Mitternacht geöffnet sein darf, will Yeonhwa den Betrieb weiter führen

Das Buch erzählt vier Schicksale: Von einer Mutter, die alles tun möchte, damit ihre Tochter glücklich ist; von einer Künstlerin, die auf eine medizinische Behandlung verzichtet, damit ihre Freundin in einer Galerie ausstellen kann; von einem schüchternen Mann, der endlich eine Freundin gefunden hat und von einem kleinen Jungen, der mit einer Spielekonsole in die Konditorei kommt. So verschieden diese Schicksale sich auch anhören mögen, haben diese Figuren doch eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle tot. Und die kleine Mitternachtskonditorei hat dabei eine ganz besondere Aufgabe.

“Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei” ist ein Buch, das die Lesenden mitnimmt in eine andere Kultur, in der Geld, Wohlstand und Essen eine gewichtige Rolle spielen. So bezieht sich das Buch immer wieder auf koreanische Spezialitäten, die die Konditorei Hwawoldang herstellt. Am Ende des Romans gibt es einen QR Code, der zu einem Video führt, wo man dieses Gebäck kennen lernen kann. Die Figuren der einzelnen Lebensgeschichten sind deutlich gezeichnet, die Lesenden können in ihre, für uns vielleicht etwas fremde, Kultur eintauchen, in der Respekt und Rücksichtnahme eine große Rolle spielen. Die geschilderten Leben der Protagonisten zeugen aber auch von großer Wärme, Zuneigung und Liebe.

Der Roman enthält magische und immer wieder auch spirituelle Abschnitte, beschäftigt sich mit der Wiedergeburt und damit, dass Verstorbene ihren Liebsten noch eine Nachricht zukommen lassen wollen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei eine schwarze Katze, die, wie so viele andere Begebenheiten, bis zum Schluss geheimnisvoll bleibt.

Mein Fazit:

Als Rezensentin möchte ich betonen, dass ich leider weder von der koreanischen Kultur, Religion noch von den dortigen Speisen viel weiß, daher habe ich dieses Buch mit europäischen Augen betrachtet. ”Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei” ist ein leicht lesbares Buch, das durchaus Abwechslung und die Erzählung bewegender Schicksale bietet, aber auch viele Fragen offen lässt. Lesende, die gerne in diese teils magische, teils spirituelle fernöstlich Szenerie eintauchen, finden sicher hier einen gelungenen Roman vor und bekommen vielleicht sogar Lust, koreanisches Gebäck nachzukochen, denn dem Buch liegt eine schön gestaltete Rezeptkarte bei.

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