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Dorn. Ruf der Toten"Dorn – Zimmer 203" ist düster, verstörend und hochaktuell – ein Kriminalroman, der gekonnt mit der Angst vor dem Kontrollverlust in einer Welt zwischen Mensch und Maschine spielt.
Im zweiten Fall für ...
"Dorn – Zimmer 203" ist düster, verstörend und hochaktuell – ein Kriminalroman, der gekonnt mit der Angst vor dem Kontrollverlust in einer Welt zwischen Mensch und Maschine spielt.
Im zweiten Fall für Simon Dorn steht nicht nur ein neuer Täter im Raum, sondern auch Dorns eigene Existenz auf wackligen Beinen. Nach dem Tod seiner Sponsorin Karla Hofbauer ist er finanziell wie emotional angeschlagen. Als ihn eine mysteriöse Klientin über das Internet kontaktiert, scheint es zunächst ein gewöhnlicher Hilferuf zu sein – bis der Kontakt abrupt abbricht und sich die Wahrheit als Albtraum entpuppt: Die Frau ist seit Wochen tot. Neben ihr ein Computer. Darauf läuft eine KI, die weiterhin in ihrem Namen kommuniziert.
Jan Beck nutzt dieses Szenario meisterhaft, um die Grenzen zwischen Leben und Tod, Identität und Simulation zu verwischen. Die Idee, dass eine künstliche Intelligenz für eine Tote spricht, ist nicht nur unheimlich, sondern auch psychologisch extrem wirkungsvoll. Die Frage, warum sich die Toten ausgerechnet an Simon Dorn wenden, verleiht der Geschichte eine fast metaphysische Tiefe.
Besonders stark bleibt erneut das Setting: Das verlassene Hotel Dornwald in Bad Gastein ist mehr als nur ein Schauplatz – es ist ein Spiegel von Dorns innerem Zustand. Zimmer für Zimmer ein ungelöster Mordfall, ein Museum des Scheiterns, der Schuld und der Obsession. Zimmer 203 fügt sich nahtlos in diese morbide Atmosphäre ein.
Die Dynamik zwischen Simon Dorn und Lea Wagner funktioniert auch im zweiten Band hervorragend. Der Täter ist abgründig, die Gewalt psychologisch intensiv und die Spannung konstant hoch. Jan Beck verzichtet auf billige Effekte und setzt stattdessen auf psychologischen Terror, der sich langsam, aber unerbittlich entfaltet. Gerade die Parallelen zu einem alten Fall und das perfide Spiel mit dem Motiv des Verdurstens machen diesen Thriller schwer auszuhalten – im besten Sinne.