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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Unterhaltsames Ankommen im eigenen Leben

Einatmen. Ausatmen.
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Als großer Fan von „Wir werden jung sein“ habe ich auch bei „Einatmen Ausatmen“ ein spannendes Gedankenexperiment erwartet. Doch so weit geht der Autor in diesem Buch nicht. Stattdessen werden Menschen ...

Als großer Fan von „Wir werden jung sein“ habe ich auch bei „Einatmen Ausatmen“ ein spannendes Gedankenexperiment erwartet. Doch so weit geht der Autor in diesem Buch nicht. Stattdessen werden Menschen bei der Suche nach ihrer eigenen Identität, nach dem Sinn ihres Lebens begleitet. Das alles ist untermalt von Abhandlungen zu gesellschaftsrelevanten Themen. Mal geht’s um Führungsstile, mal um die junge Generation und immer wieder um die Erhaltung der unmittelbaren Umwelt. Manches davon ist ein leicht satirischer Blick, der zu lesen Spaß macht, manches wirkt auch ein bisschen zu aufgesetzt.

Das Lesevergnügen entsteht durch eine wunderbar eingängige und leicht zu lesende Sprache und die Charaktere, die jeweils ein bestimmtes Klischee über Menschen und Berufe erfüllen, ohne dabei platt und zu stereotyp zu sein.
Marlene wird zwangsverpflichtet, an einem Achtsamkeitsseminar teilzunehmen, um ihre emotionalen Fähigkeiten zu wecken und so ihre Karriere zu beflügeln. Sie kommt in ein Ressort, in dem Alex die Entwicklung seiner Klienten im Blick hat. Der ist jedoch selbst gefangen in Pflichterfüllung und Zweifeln an seiner Bindungsfähigkeit. Unterhaltsam sind die ersten Kontakte der beiden, treffen doch Vorurteile und Lebenswelten aufeinander. Doch zu schnell löst sich dieser Konflikt auf.

Und das ist auch meine Kritik an dem Buch. Es ist irgendwie alles sehr leicht. Hier ein Anstupser, da ein Gespräch und die Gedanken beginnen sich zu ändern. Dass es nicht zu banal wird, liegt an der Aufrichtigkeit und Liebe, mit der Maxim Leo seine Charaktere behandelt. Auch wenn ich das Buch gern gelesen habe, wirkt es auf mich nicht 100% fertig geschrieben, sondern einige Szenen, besonders die um die Waldrettung, wirken auf mich ein wenig wie Füllmaterial.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Gute Unterhaltung

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Emily Rudolfs Büchern leben von klug angelegten Plots und einem sprachlich und stilistisch wiedererkennbaren Schreibstil. Viele Dialoge und „Selbstgespräche“, versteckte Geheimnisse bei den Protagonisten ...

Emily Rudolfs Büchern leben von klug angelegten Plots und einem sprachlich und stilistisch wiedererkennbaren Schreibstil. Viele Dialoge und „Selbstgespräche“, versteckte Geheimnisse bei den Protagonisten und immer wieder eingestreute Sexszenen. So schließt sich „Die Housesitterin“ nahtlos an die bisher erschienenen Bücher an.
Hier erleben wir die Geschichte aus der Perspektive von 3 Hauptpersonen, die alle einen Grund haben, einander zu schaden. Welche Gründe das sind und wie weit die einzelnen Personen gehen, wird im Buch nach und nach enthüllt. Dabei ist der Leser (fast) immer mit allen Informationen versorgt, so dass man viele Wendungen vorherahnen kann.
Angelegt ist das Buch wie ein Kammerspiel. Die meisten Szenen finden in einem Haus auf einer einsamen Insel statt, wobei immer eine andere Hauptperson ihre Gedanken teilt. Nur bei den Rückblenden (auch ein typisches Stilmittel) verlassen wir den Handlungsort. In dem Wechsel der Perspektiven liegt für mich der Reiz des Buchs, allerdings entstehen dadurch auch Längen, weil man viele Wiederholungen hat und die Handlung manchmal überhaupt nicht vorankommt.
Optisch ist das Buch der Hammer, die Farben des Einbands leuchten. Der Blick aus dem Fenster spielt auch im Buch eine Rolle. Es macht einfach Freude, dieses Buch in die Hand zu nehmen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Zeitreise in die 70er Jahre

Die Frau der Stunde
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Wer eintauchen will in die 70er Jahre im damaligen Westdeutschland ist bei Heike Specht genau richtig. Der Zeitgeist von damals wird hervorragend transportiert. Es wird geraucht, getrunken, getanzt. Die ...

Wer eintauchen will in die 70er Jahre im damaligen Westdeutschland ist bei Heike Specht genau richtig. Der Zeitgeist von damals wird hervorragend transportiert. Es wird geraucht, getrunken, getanzt. Die gängigen Musiktitel finden ebenso Erwähnung, wie einige typische sprachliche Besonderheiten dieser Zeit.

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Catharina, die aufgrund eines Fehlverhaltens ihres Vorgängers plötzlich Außenministerin wird, Azadeh, die den politischen Umbruch im Iran unterstützen und begleiten möchte und Suzanne, die zwischen ihrem Job als Journalistin und Mutter fast zerrissen wird.
Immer wenn die 3 Frauen interagieren, ist eine gewisse Dynamik da und der Zeitgeist lebt auf. Ich mochte es, wie die drei trotz aller Unterschiedlichkeit füreinander da sind. Leider blieben aber alle drei Charaktere auf sehr wenige Eigenschaften beschränkt, die in unermüdlichen Wiederholungen an die Leserin gebracht werden.

Der Klappentext verspricht: „Mit ihrer eingeschworenen Frauen-Clique, einigen Gin Tonics und noch mehr Zigaretten manövriert sich die Politikerin Catharina Cornelius im Bonn der späten 70er hinreissend klug durch den Sumpf der Altherren-Elite.“ Und genau diese Manöver werden im Buch zwar als ebensolche erwähnt, was aber tatsächlich passiert, wie genau sie agiert, was ihre Schachzüge sind, bleibt unerwähnt. Und genau das hätte für mich den Reiz eines Buchs inmitten der Politik der späten 70er ausgemacht. Stattdessen lese ich, wie sich Katharina den Chignon richtet.

Sehr schade, denn die ganze Anlage des Buchs von fiktiven Personen in realen zeitgeschichtlichen Geschehnissen gefällt mir gut. Auch die Tatsache dass man einen Teil der (verfremdeten) Politiker dennoch zu erkennen glaubt, macht für mich die Geschichte durchaus lesenswert.

Das Cover des Buchs spielt ebenso wie der Titel auf bestimmte Momente im Buch an und gefällt mir sehr gut.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Spannend, zum miträtseln und mit plausibler Auflösung

Bittere Nacht
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„Bittere Nacht“ ist der zweite Krimi des Autorenduos Kuhl + Sandrock um das Ermittlerduo Juha und Lux. Man kann das Buch sehr gut lesen, ohne den ersten Teil zu kennen.

Es ist ein spannender Fall, den ...

„Bittere Nacht“ ist der zweite Krimi des Autorenduos Kuhl + Sandrock um das Ermittlerduo Juha und Lux. Man kann das Buch sehr gut lesen, ohne den ersten Teil zu kennen.

Es ist ein spannender Fall, den sich die beiden da ausgedacht haben. Zwei Leichen an zwei Tatorten, der Zusammenhang liegt schnell auf der Hand. Was aber wirklich hinter den Morden steckt, wird ganz langsam und in mühsamer Kleinarbeit aufgedeckt. Mir gefällt es ganz ausgezeichnet, dass hier die Kleinteiligkeit der Polizeiarbeit, die vielen Beteiligten, die Sackgassen, der Stillstand und dann die kleinen und großen Durchbrüche gezeigt werden. Und so ermittele ich mit, verfange mich in falsch gelegten Fährten und habe doch im Hintergrund immer so ein Gefühl, wer hier falsch spielt.

Die einzelnen Mordfälle sind ausgeklügelt und sehr unterschiedlich angelegt. Dabei werden die Szenen ebenso wie die Hamburger Gegend äußerst plastisch beschrieben. Ich fühle mich mittendrin in der Handlung und kann mir das Geschehen bildlich vorstellen. Dieses Szenische liegt den Autoren vermutlich durch ihre Arbeit als Drehbuchschreiber im Blut.

Nicht ganz warm werde ich mit dem Ermittlerduo. Irgendwie finde ich ihr Verhältnis sehr eigen. Auch die Art der Dialoge stören mich, ich kann die (für mich) harsche Sprache teilweise nicht nachvollziehen. Man spürt, dass die Geschichte Teil einer Serie ist, denn das Privatleben der Ermittler und somit die Weiterentwicklung der Figuren spielt schon eine zentrale Rolle. Das war mir manchmal ein bisschen zu viel Begleitwerk.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Über das Aufdecken von Mechanismen

Aufsteiger
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Was für eine gewaltige Geschichte Peter Huth da erzählt. Es geht um Karriere und wie weit man sich für diese verbiegt. Es geht um (zu) viele aktuelle Themen, die täglich durch die Presse geistern: Klimakleber ...

Was für eine gewaltige Geschichte Peter Huth da erzählt. Es geht um Karriere und wie weit man sich für diese verbiegt. Es geht um (zu) viele aktuelle Themen, die täglich durch die Presse geistern: Klimakleber und deren Gegner, Feministen, Populisten, LGBTQIA+,.... Das könnte ein spannender Diskurs sein, verliert sich aber bisweilen in Wiederholungen und Klischees.

Das Buch spielt in der Verlagsbranche. Das "Magazin" soll verjüngt und erneuert werden. Der alte Chefredakteur tritt ab und Felix Licht erhofft, ja erwartet geradezu nächster Chefredakteur zu werden. Stattdessen wird ihm eine Frau vor die Nase gesetzt: ausgerechnet Zoe, die vor vielen Jahren seine Praktikantin, Vertraute und irgendwie auch Geliebte war. Spät im Buch erfährt man, warum sie damals nicht zusammenkamen und was sie dennoch ewig miteinander verbindet. Felix ist verletzt ob der Nichtberücksichtigung als Chef, streitet mit seiner Frau und verlässt die Familie. Wir erleben einen ziel- und haltlosen Mann, der in die Fänge eines Anwalts und Stimmungsmachers gerät und der ihn für seine Zwecke missbraucht. Diesen Teil des Buches finde ich extrem gut geschrieben, denn man spürt wie schnell es gehen kann, vor den falschen Karren gespannt zu werden. Gleichzeitig erlebt Zoe, dass auch sie ausgewählt wurde, weil sie ein Klischee bedienen soll. Wenn ihr Idealismus auf die Realität prallt, ist das ebenfalls sehr lesenswert.

Zu Beginn musste ich mich sehr an den Schreibstil gewöhnen. Viele Schachtelsätze, kein Satz ohne Komma oder Einschübe. Gegen Ende des Buches wurden die Sätze kürzer. Das las sich gefälliger, aber nicht mehr so ausgefeilt wie zu Beginn. Auch die vielen Wendungen zum Ende hin hätte ich nicht gebraucht. Dafür etwas mehr Tiefe in vielleicht etwas weniger Themen. Denn immer wenn in ein Thema stärker eingetaucht wurde, hat es mich gefesselt.

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