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Veröffentlicht am 22.02.2026

Große Gefühle auf der kleinen Insel

Leuchtturmzauber
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Mit ihrem jüngsten Roman „Leuchtturmzauber“ nimmt Marie Merburg ihre Leser mit auf die autofreie Nordseeinsel Juist.
Schon als Teenager war Julia, Tochter des Kutschenbetriebs Lüders, heftig in Lukas, ...

Mit ihrem jüngsten Roman „Leuchtturmzauber“ nimmt Marie Merburg ihre Leser mit auf die autofreie Nordseeinsel Juist.
Schon als Teenager war Julia, Tochter des Kutschenbetriebs Lüders, heftig in Lukas, den Sohn der Konkurrenz verliebt. Doch dieser verließ Juist damals in einer überraschenden Nacht und Nebelaktion. Nun, 14 Jahre später ist er zurück auf der Insel und bringt Julia eine Nachricht ihrer Mutter, die in einer ähnlichen Aktion vor fünf Jahren ihre Familie verließ. Obwohl die ersten Zusammentreffen mit Lukas alles andere als harmonisch verlaufen, ist Julia nun auf seine Hilfe angewiesen. Dass er ihr Herz noch immer höher schlagen lässt, ist Julia allerdings so gar nicht recht.
Das Cover wirkt mit Leuchtturm, Nordsee, Strand und Kutsche unheimlich idyllisch und einladend und passt dabei auch inhaltlich hervorragend zu dem herzerwärmenden Liebesroman. Etwas suboptimal ist die Aufteilung des Buchrückens gelungen, da der Name der Autorin leider teilweise in einer Blümchenranke untergeht.
Marie Merburg schreibt sehr bildhaft, sodass ich sowohl die Figuren, als auch das sommerliche Inselsetting beim Lesen unmittelbar vor Augen habe. Obwohl der Prolog für mein Empfinden etwas langatmig wirkt, macht er doch die immensen und unvorhersehbaren Veränderungen, die für Familie Lüders und insbesondere Julia Jahre später eintreten überaus deutlich. Neben dem Hauptmotiv Liebe stehen außerdem Existenzsorgen und familiäre Krisen und Konflikte mit durchaus überraschenden Wendungen im Vordergrund, wodurch der Roman trotz seines vorrangigen Wohlfühlcharakters auch eine gute Dosis Spannung erfährt. Besonders viel Freude hat es mir gemacht, hinter die Kulissen eines insulanen Fuhrbetriebs zu schauen, in dem über die Gesetze hinaus viel Rücksicht auf die Tiere genommen wird und die großen Herausforderungen zu erkennen.
Die Figuren des Romans sind so lebendig beschrieben, dass man sie direkt vor Augen hat und insbesondere die Protagonistin Julia wird durch die Erzählform in Ich-Perspektive auch in ihren Gedanken und Gefühlen sehr greifbar und ist facettenreich angelegt. Die Sympathieträgerin überhaupt ist in meinen Augen eindeutig Wiebke, denn sie steht Julia in jeder Lebenslage mit absoluter Zuverlässigkeit als beste Freundin zur Seite und rückt ihr dabei wenn nötig auch mal den Kopf gerade. Papa Lüders kann den Verlust seiner Frau auch nach fünf Jahren nicht überwinden. Wo er früher für seinen Beruf gebrannt hat, voller Tatendrang und Herzlichkeit seiner Familie gegenüber steckte, ertränkt er nun seinen Kummer in Alkohol und ist für Julia mehr Last denn Unterstützung. Mama Lüders ist – unabhängig von ihren Beweggründen und ihrer großen Unsicherheit – in meinen Augen extrem egoistisch und unheimlich feige, denn sie verlässt ihre nichtsahnende Familie klammheimlich in einer Nacht und Nebelaktion und bricht jedwede Kontaktmöglichkeit ab. Welche liebende Mutter tut so etwas? Unabhängig von den Problemen für den Fuhrbetrieb, fällt Julia auch emotional aus allen Wolken. Das Verhalten der Mutter erschüttert ihr gesamtes Weltbild. Lukas hat es mit seinem Vater auch nicht immer leicht. In den 14 Jahren auf dem Festland hat er sich deutlich weiterentwickelt und ist reifer geworden. Lukas weiß, was er will und setzt seine Prioritäten dementsprechend. Dabei beweist er zudem jede Menge Einfühlungsvermögen, Geduld und Rückhalt. Charakterlich wirkt er beinahe schon zu gut, um wahr sein. Mit ein paar mehr Ecken und Kanten wirkt Julia dagegen deutlich authentischer. Immer wieder sorgt sie für humorvolle Momente, denn sie trifft so einige Fettnäpfchen und manchmal ist ihr Mund schneller als der Kopf. Allerdings erlebt Julia auch eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle und neigt in ihrer Verwirrung zwischenzeitlich zu Kurzschlussreaktionen. Insgesamt ist sie eine sehr starke Frau, die ihren Alltag inklusive Vater und Betrieb trotz aller Schwierigkeiten mit enormem Einsatz und großem Willen bestmöglich meistert, obwohl das alles ihre Kraftreserven physisch wie mental oft übersteigt. Mitunter wirkt sie aber auch mal trotzig, ungeduldig und nachtragend. Den Glauben an die wahre Liebe hat Julia mit dem Weggang ihrer Mutter eigentlich schon begraben und so kämpft sie auch zunächst gegen ihre wieder erwachenden Gefühle für Lukas an.
Insgesamt ist „Leuchtturmzauber“ mit seinen interessanten Figuren und der überraschenden Handlung ein absolut herzerwärmender (Liebes-)Roman. Das charmante Inselflair sorgt für zusätzliches Urlaubsfeeling und große Lesefreude.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Hauptstadtmädchen auf dem Dorf

Ein Zuhause im Frühling
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„Ein Zuhause im Frühling“ heißt der erste Band der neuen Country-Escapes-Reihe von Julie Caplin.
Ella steckt in der Krise: sowohl in ihrer Beziehung als auch bei ihrer Arbeit als Illustratorin läuft momentan ...

„Ein Zuhause im Frühling“ heißt der erste Band der neuen Country-Escapes-Reihe von Julie Caplin.
Ella steckt in der Krise: sowohl in ihrer Beziehung als auch bei ihrer Arbeit als Illustratorin läuft momentan nichts wie gewünscht. Eine Auszeit im Cottage ihrer verreisten Patentante im dörflichen Wilsgrave kommt der Londoner Künstlerin daher gerade recht. Doch kaum ist Ella angekommen, muss sie erkennen, dass die ersehnte Ruhe und Einsamkeit in weite Ferne rücken. Labrador Tess, eine unangekündigte Mitbewohnerin, stellt Ella vor große Herausforderungen und sorgt für einen unangenehmen Zusammenstoß mit dem eigentlich ganz attraktiven aber ziemlich grummeligen Tierarzt Devon. Auch die anderen Dorfbewohner haben einige Ansprüche und Forderungen an ihre neue Nachbarin.
Das dunkelorangefarbene Cover sieht einladend aus, gibt aber nur wenig über den Inhalt preis. Lediglich mit dem kleinen schwarzen Labrador wird schon eine der Hauptfiguren aufgegriffen.
Julie Caplin schreibt gewohnt flüssig und atmosphärisch, was den Roman zu einem echten Pageturner macht. Thematisch wird es nicht allzu anspruchsvoll und ist im Großen und Ganzen eher in die Kategorie leichte, romantische Unterhaltungslektüre einzuordnen – aber ein schöner Feel-Good-Roman hat schließlich auch seine Berechtigung. Sehr herzlich und voller liebenswert-schrulliger Eigenheiten werden die Dorfbewohner von Caplin dargestellt. Überhaupt ist das Dorfleben mit seinen Besonderheiten stark eingefangen und hinterlässt beim Lesen immer wieder ein Schmunzeln im Gesicht - vor allem in den zahlreichen ziemlich grotesken ‚Hauptstadtmädchen auf dem Dorf-Momenten‘.
Die beiden Protagonisten wirken mit ihren kleinen und größeren Marotten ziemlich authentisch und sympathisch: Ella sieht sich eigentlich als echten Großstadtmenschen und zieht sich nur in die vermeintliche Einsamkeit nach Wilsgrave zurück, um über einen persönlichen Schicksalsschlag hinwegzukommen. Anfangs betrachtet sie die Dorfbewohner noch ziemlich von oben herab und ist mit dem unfreiwilligen Hundesitting nicht nur hoffnungslos überfordert, sondern diesem auch äußerst abgeneigt. Übrigens unverantwortlich von Ellas Eltern ihr Hund Tess einfach so auf’s Auge zu drücken. Mit der Zeit findet Ella aber doch Gefallen an Tess, der aufdringlichen selbsternannten Freundin Bets und integriert sich überraschend schnell ins Dorfleben. Doch gerade als sie künstlerisch einen neuen Weg einschlägt und in Tierarzt Devon überraschend mehr als nur einen Vertrauten findet, muss sie schmerzlich ihre eigene Naivität erkennen. Devon stammt aus Wilsgrave und hat vorübergehend die Tierarztpraxis seines Vaters übernommen. Er fühlt sich von den elterlichen Wünschen und den Geldsorgen, die eine Trennung von seiner Freundin mit sich bringt unter Druck gesetzt und erheblich in seinem Stolz verletzt. Mit Ella hatte er einen denkbar schlechten Start. Nach und nach lernt er sie jedoch nicht nur als gute Freundin zu schätzen. Trotzdem kommt ihre Hilfe für ihn einem Angriff gleich und schließlich wollen beide auf keinen Fall in Wilsgrave bleiben und unabhängig ihren eigenen Weg gehen. Neben Hündin Tess ist auch Ellas Patentante Magda eine zentrale Figur. Sie glänzt trotz ihrer durchgängigen Abwesenheit mit großer Präsenz und lenkt mit zahlreichen spirituellen Nachrichten, Geschenken und Anweisungen maßgeblich die Geschicke ihrer Patentochter. Sicherlich lernt man sie in den folgenden Romanen der Country-Escapes-Reihe auch noch persönlich kennen und erfährt, wie es mit der so unglückseligen Beziehung zwischen Bets und Devons Bruder Jack weitergeht.
Insgesamt ist „Ein Zuhause im Frühling“ ein wunderbarer Feel-Good-Roman, der mit Humor und Romantik in dörflicher Idylle besticht und auch Hundefreunde absolut ansprechen dürfte. Die perfekte Lektüre zur Entspannung zwischendurch oder den Urlaub.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Großer Krimispaß mit schrägem Seniorenermittlerquartett

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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„Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ von Richard Osman ist bereits der 5. Band um das kuriose Seniorenermittlerquartett aus der Seniorenresidenz Coopers Chase.
Zwischen Hochzeit, Bomben, Unmengen ...

„Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ von Richard Osman ist bereits der 5. Band um das kuriose Seniorenermittlerquartett aus der Seniorenresidenz Coopers Chase.
Zwischen Hochzeit, Bomben, Unmengen Bitcoins und mindestens einem Mordfall haben die betagten Ermittler es in diesem Krimiroman auch mit häuslicher Gewalt, Familienbande, einem Raubüberfall und einem Auftragskiller zu tun. Sorgen um den Spannungsverlauf muss man sich also wirklich nicht machen – um den Spaß beim Lesen bzw. Hören auch nicht: schon der Prolog in seiner unnachahmlichen Absurdität lässt einen immer wieder leicht schockiert auflachen. Und so zieht es sich auch durch den ganzen Roman. Großen Anspruch auf Authentizität gibt es beim Donnerstagsmordclub nicht, dafür darf man sich über ein unwiderstehliches, drolliges Ermittlerquartett mit vier herrlich gegensätzlichen Charakteren freuen, die sich wunderbar ergänzen. Neben den vier Protagonisten machen auch die zahlreichen Nebenfiguren unheimlich viel Freude: ein wenig grotesk wirken sie in ihrer Haltung schon, doch Richard Osman gelingt es auch die durchtriebensten Kriminellen beinahe absurd liebenswert darzustellen. Der Fall um den es in diesem Krimi geht ist in sich abgeschlossen, sodass es nicht zwangsläufig nötig ist auch die Vorgängerbände zu kennen. Trotzdem hatte ich anfangs beim Hören ein wenig Schwierigkeiten die Vielzahl an Personen auseinanderzuhalten und richtig zuzuordnen. Im Buch lässt sich hier problemlos kurz zurückblättern, beim Hörbuch ist es etwas schwieriger, ergibt sich mit der Zeit – und die hat man in knapp 11:30 Stunden definitiv - aber auch. Unwichtige Nebensächlichkeiten oder ständige Wortwiederholungen, die in anderen Büchern ganz sicher auf negative Kritik stoßen würden, unterstreichen hier noch einmal den etwas sonderbaren Reiz, mit dem Leser und Hörer in den Bann des amüsanten und kultigen Krimis gezogen werden. Das Hörbuch wird von Johannes Steck und Beate Himmelstoß unheimlich kurzweilig gelesen. Die hervorstechenden Eigenschaften aller Mitglieder der abenteuerlustigen Rentnertruppe werden von den beiden beim Lesen durch entsprechende Stimmmodulation vollkommen anschaulich eingefangen.
Kurz gesagt: Ich hatte - trotz des kleinen Verwirrspiels um die einzelnen Figuren - beim Hören unheimlich viel Spaß, habe gespannt mitgerätselt, mich ungemein an den kuriosen Charakteren erfreut und mich dabei hervorragend amüsiert.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Simple, aber herzerwärmende Weihnachtsgeschichte auf dem winterlichen Borkum

Winterglück und Inselzauber: Ein Weihnachtsfest auf Borkum
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„Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum“ von Claudia Schirdewan versetzt seine Leser auf das winterliche Borkum. Die Handlung ist insgesamt recht simpel und nicht unbedingt sonderlich ...

„Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum“ von Claudia Schirdewan versetzt seine Leser auf das winterliche Borkum. Die Handlung ist insgesamt recht simpel und nicht unbedingt sonderlich authentisch, aber das braucht dieser absolut herzerwärmende Wohlfühlroman voller weihnachtlicher und winterlicher Romantik auch gar nicht zu sein.
Ein heftiger Wintereinbruch stürzt Borkum kurz vor Weihnachten ins Chaos. Plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten sitzt die verantwortungsvolle Pensionswirtin Julia gemeinsam mit ihren vier Pensionsgästen auf der Insel fest. Vor allem dem Unternehmensberater Simon und der angehenden Sängerin Nina passt das so gar nicht. Doch auch Julia, deren sechsjähriger Sohn Leon nicht über den Tod der Großmutter hinwegkommt, hatte große Hoffnungen in den geplanten Weihnachtsurlaub im Allgäu gesetzt. In der Gemeinschaft unfreiwillig gefangen bahnen sich allerdings nach und nach überraschende Verbindungen, Freundschaften und jede Menge Selbsterkenntnis den Weg.
Claudia Schirdewan schreibt ihren Roman unheimlich kurzweilig, lässt eine Prise Lokalkolorit einfließen und verschafft ihren liebenswerten Charakteren eine starke Entwicklung. Als zentrale (weihnachtliche) Themen stehen Familie und Gemeinschaft im Mittelpunkt des Romans. Die eine oder andere Redewendung wird ein klein wenig überstrapaziert, aber das Lesen hat mir große Freude gemacht und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Das Spannungsniveau ist dieser absoluten cosy Lektüre entsprechend. Zwar bleibt vieles bis kurz Schluss noch völlig offen und ein dramatisches Ereignis fehlt hier auch nicht, aber in Anbetracht des Genres muss man sich - in Erwartung eines Happy Ends – zum Glück gar nicht erst aus der gemütlich-weihnachtlichen Komfortzone hinausbewegen.
Besonders sympathisch ist die über 70-jährige ehemalige Konditorin Flora. Mit viel Raffinesse und ein wenig schlitzohrig treibt sie ihre Mitmenschen öfter mal zu nicht ganz freiwilligen Taten und bringt sie damit zum Nachdenken. So gelangen Leons Vater Jasper, Nina und der völlig ausgebrannte Simon mit zunehmender Selbsterkenntnis auch immer mehr zu dem Schluss, dass eine steile Karriere nicht alles im Leben ist. Und auch für Leon und seine Mutter Julia hält das Weihnachtsfest ein großes Wunder bereit.
Insgesamt ein locker-leichter Weihnachtsroman, der mit seiner winterlichen Romantik und den weihnachtlichen Themen beim Lesen jede Menge Glücksgefühle auslöst und damit die perfekte Lektüre zum Fest der Liebe ist.

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Von der Zweckgemeinschaft zur Wahlfamilie

In den Scherben das Licht
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Der Nachkriegsroman „In den Scherben das Licht“ von Carmen Korn erzählt von (unfreiwilligen) Neuanfängen und Veränderungen des Leben unterschiedlicher Generationen, aber auch von Freundschaft, Hoffnung ...

Der Nachkriegsroman „In den Scherben das Licht“ von Carmen Korn erzählt von (unfreiwilligen) Neuanfängen und Veränderungen des Leben unterschiedlicher Generationen, aber auch von Freundschaft, Hoffnung und Liebe.
Erst einmal muss ich eines zugeben: So gern ich Carmen Korns Romane auch lese, für die Cover konnte ich mich noch nie begeistern. „In den Scherben das Licht“ bildet mit dem patellfarbenen Cover auf dem ein tanzendes Paar aus der Vogelperspektive zu sehen ist leider keine Ausnahme.
Der Roman erzählt vom Leben im Wandel in der Nachkriegszeit zwischen 1946 und 1955. Im Mittelpunkt stehen dabei die ehemalige Schauspielerin Friede und die beiden Kinder/jungen Erwachsenen Gert und Gisela, die in deren Keller Obdach finden. Zudem sind auch noch Friedes ehemalige Liebhaber Palutke und Viktor Franke Teil des Geschehens, sowie Marta mit der Friede eine eigenwillige Freundschaft verbindet. Je weiter die Zeit voranrückt, desto lebhafter geht zu im Leben der drei Protagonisten, die in einer bunt gemischten Gemeinschaft nicht nur eine neue Familie finden.
Carmen Korn verfolgt auch in ihrem jüngsten Roman ihren unverkennbaren Schreibstil, der von vielen kurzen, mitunter auch unvollständigen Sätzen geprägt ist und dann und wann von einigen komplexeren Satzstrukturen unterbrochen wird. Ein Schreibstil der sich in meinen Augen wunderbar lesen lässt und immer eine kurzweilige, beinahe spannende Wirkung auf mich hat. Kleinere und größere Zeitsprünge komprimieren das Geschehen. Wobei der Roman keine stringente Handlung, sondern vielmehr den Lebensverlauf seiner Figuren über gut 9 Jahre mit allen Drehung und Wendungen begleitet. Manche Momente hätte ich mir etwas konkreter erzählt gewünscht. Spannend bleibt das Buch aber schon allein aufgrund der vielen unvorhersehbaren Aufs und Abs, der kleinen und großen Hoffnungen und Ziele, der vielen Zweifel und Enttäuschungen und der unzähligen kleinen Glücksmomente. Mit dem vergleichsweise offenen Ende bleibt auch noch ein wenig Raum für die eigene Fantasie, denn das Leben der Figuren geht weiter.
Leben heißt Veränderung und so durchlaufen die meisten Figuren, insbesondere die Hauptcharaktere eine deutliche Entwicklung. Oftmals gewährt Carmen Korn auch Einblicke in die Gefühlswelt, macht Hoffnungen, Schuldgefühle und (Selbst-)Zweifel der einzelnen Charaktere greifbar. Eine Ausnahme in puncto Entwicklung bildet dabei Friedes selbstgerechte Freundin Marta. Marta ist sich stets selbst die Nächste. Gisela beschreibt es im Roman sehr passend mit den Worten, dass Marta ihr Leben zu klein findet. Sie ist unzufrieden, fühlt sich verkannt und ungerecht behandelt und sieht sich damit absolut im Recht andere – insbesondere Friede – gnadenlos auszunutzen. Friedes ehemaliger Liebhaber Palutke erscheint sehr egozentrisch. Dass er Friede trotz unlauterer Mittel nie für sich allein gewinnen konnte, ist ihm ein Stachel im Fleisch. Mit zunehmendem Alter und Einsamkeit zeigt er sich oft ein wenig sentimental. Sein jüngerer Widersacher und Theaterkritiker Franke hat als Jude zwar mehrere Jahre im Ghetto Litzmannstadt überlebt, doch die seelischen Wunden heilen nur langsam und die Narben bleiben. Sein Weg zurück zu einer lebenswerten Existenz ist beschwerlich. Unterstützung findet er dabei unter anderem in Nast, einem Philosophie-Professor. Er ist wie ein guter Geist an vielen Stellen ein Bindeglied zwischen den Figuren und gibt zunächst Gisela und später auch Gert die Chance ihre Bildung und damit ihre Zukunftschancen zu verbessern. Friedes „Familienmitglieder“ Lulu und Robert tauchen erst später in der Handlung auf. Lulu hat es durch seine Homosexualität nicht nur in der Gesellschaft, sondern allem voran bei Vater und Brüdern schwer. Robert tritt stets gutmütig und weitgehend besonnen und ausgeglichen in Erscheinung. Auf ihn ist Verlass. Gisela und Gert haben im Krieg ihre Familien verloren und finden in Friedes Keller Obdach. Während die jüngere Gisela spürbar Bildung genossen hat und ebenso robust wie zielstrebig ihre Pläne verfolgt, wirkt Gert sehr gefühlsbetont und eher nachdenklich. Beide wachsen Friede im Verlauf der Jahre wie eigene Kinder ans Herz. Friede ist wohl diejenige, die sich am meisten entwickelt. Unmittelbar vor dem Krieg wusste sie ihr durchaus ausschweifendes Leben zu genießen, war dem Luxus und den Männern, die sie verwöhnten zugeneigt. Doch die entbehrungsreiche Nachkriegszeit und die Beziehung zu Gert und Gisela verändern ihre Weltanschauung und ihre Werte. Nach und nach übernimmt Friede Verantwortung und sorgt für andere statt sich selbst umsorgen zu lassen. Ihr Glück findet sie nicht länger vorrangig im Luxus, sondern viel mehr im Gemeinschaftsgefühl.
Insgesamt ein stark geschriebener Roman, der den Wandel im Leben vieler interessanter Charaktere in der Nachkriegszeit begleitet, vor allem in Sachen Freundschaft und Zusammenhalt – sehr lesenswert.

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