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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein lehrreiches Buch, dessen Nutzung für jüngere Kinder manchmal vielleicht die Unterstützung von Erwachsenen nötig macht. Ein Buch, das helfen kann, mit dem eigenen Körper und dem von anderen achtsamer umzugehen.

Anatomie
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Helene Druvert, Anatomie. Das faszinierende Innenleben des Menschen, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5989-6

Einmal einen Blick in den menschlichen Körper werfen - dieses Buch macht es ganz ohne Röntgengerät ...

Helene Druvert, Anatomie. Das faszinierende Innenleben des Menschen, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5989-6

Einmal einen Blick in den menschlichen Körper werfen - dieses Buch macht es ganz ohne Röntgengerät möglich. Zwar ist das für Kinder gedachte Buch vor allem für Grundschulkinder in seinen Erklärungen noch etwas schwer zu verstehen, aber sie bekommen einen guten Einblick. So sind etwa die Nieren und die Fortpflanzungssysteme verständlich und angemessen dargestellt. Die Klappensysteme wecken die Neugierde und helfen dabei, unter der Oberfläche zu forschen, was sich im menschlichen Körper so alles tut. Das allmähliche Verstehen wird dann mit der weiteren Beschäftigung der Kinder mit Buch wachsen.

Dem Buch gelingt es mit Lasercutschnitten das Innenleben eines Menschen darzustellen, den Aufbau des Skeletts vor Augen zu führen, sie veranschaulichen Atmung, Verdauung und das Herzkreislaufsystem. Unter den großzügigen Klappen verbergen sich Organe, Muskeln und Knochen und geben ein Bild davon, wie das Herz schlägt, wie Hören und Sehen funktionieren und was in unseren Köpfen vor sich geht.

Ein lehrreiches Buch, dessen Nutzung für jüngere Kinder manchmal vielleicht die Unterstützung von Erwachsenen nötig macht. Ein Buch, das helfen kann, mit dem eigenen Körper und dem von anderen achtsamer umzugehen.


Veröffentlicht am 14.02.2018

Ich wünsche Daniel Cole, dass er sich mit den nächsten Band mehr Zeit lässt, und so besser an der sprachlichen Gestalt seiner Geschichten feilen kann. Denn hier ist noch Luft nach oben.

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Daniel Cole, Hangman, Ullstein 2018, ISBN 978-3-548-28921-2

"Hangman“ ist nach "Ragdoll" der zweite Roman aus der "William Fawkes"-Reihe von Daniel Cole, auch wenn der im ersten Band am Ende spurlos verschwundene ...

Daniel Cole, Hangman, Ullstein 2018, ISBN 978-3-548-28921-2

"Hangman“ ist nach "Ragdoll" der zweite Roman aus der "William Fawkes"-Reihe von Daniel Cole, auch wenn der im ersten Band am Ende spurlos verschwundene „Wolf“ im zweiten Band erst ganz am Ende im Epilog auftaucht, und für den nächsten Band eine wieder tragendere Rolle verspricht. Cole schriebt im Nachwort, man müsse „Ragdoll“ nicht unbedingt gelesen haben, um „Hangman“ zu verstehen ( was er auch durch zahlrieche Rückblicke zu unterstützen versucht), ich jedoch fand es hilfreich, dass ich beide Bücher innerhalb einer Woche hintereinander gelesen habe.

Nachdem Emily Baxter schwer verletzt den ebenfalls verletzten „Wolf“ im Gerichtssaal laufen ließ, ist sie mittlerweile befördert worden zum Detective Chief Inspector und hat acht Monate bevor die Handlung von „Hangman“ beginnt, mit dem Anwalt Thomas einen Mann kennengelernt, der ihr auf ihr bisher unbekannte Art Sicherheit gibt durch sein sanftes und verständnisvolles Wesen. Auch die Freundschaft zu Edmunds und seiner Frau Tia hat sich intensiviert. Dennoch ist Emily keine andere geworden. Sie kämpft weiter mit den Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die Daniel Cole auch im zweiten Buch für kurze Momente lüftet.

Eben noch bei einem gemütlichen Abend mit Thomas, Edmunds und Tia zusammen, wird Emily mit einem neuen Fall konfrontiert, der nicht nur sie an die „Ragdoll“ erinnert.
In New York wurde ein Toter an der Brooklyn Bridge aufgehängt, das Wort „Köder“ tief in seine Brust geritzt. Das lässt für die FBI-Ermittler nur einen Schluss zu: Ein Killer kopiert den berühmten Londoner Ragdoll-Fall. Chief Inspector Emily Baxter wird sofort von den US-Ermittlern angefordert. Wenig begeistert, fliegt Baxter in die USA und macht sich zusammen mit den FBI Agents Curtis und Rouche an einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der Druck der Medien in den USA ist groß, erst recht als ein zweiter Toter entdeckt wird, dieses Mal mit dem Wort „Puppe“ auf der Brust.

Und dann geschehen in schneller Abfolge abwechselnd grausame Morde in London und New York, die das zunächst sehr ungleiche Ermittlertrio DCI Emily Baxter von New Scotland Yard, FBI Agentin Eliot Curtis und CIA Agent Damien Rouche vor fast unlösbare Aufgaben stellen. Sie fühlen sich wie ein Spielball eines grausamen Mörders, der sie jeweils unterschiedlich mit ihren eigenen Schatten aus der Vergangenheit konfrontiert. Die Beschreibungen und Andeutungen dieser aus den jeweiligen Lebensgeschichten der Ermittlerpersonen herrührenden Persönlichkeiten machten für mich eine der vielen Stärken des Buches aus.

Sie raufen sich zusammen, überwinden ihr gegenseitiges Misstrauen und versuchen, auch mit Edmunds tatkräftiger Hilfe auf der anderen Seite des Atlantiks, das immer undurchsichtiger werdende Netz an Mordfällen aufzuklären. Wer steckt hinter diesem mörderischen Wahnsinn m? Und was hat er für ein Motiv?
So wie „Ragdoll“ ist auch „Hangman“ ein – vielleicht zu schnell auf den ersten Band folgender- spannend geschriebener Thriller, der mit jeder Seite an Spannung gewinnt und zum Schluss in einem Showdown mit viel Action endet. Daniel Cole führt seinen Leser lange immer wieder in Irre bis zu einem dann doch völlig überraschenden Ende.

Ich wünsche Daniel Cole, dass er sich mit den nächsten Band mehr Zeit lässt, und so besser an der sprachlichen Gestalt seiner Geschichten feilen kann. Denn hier ist noch Luft nach oben.



Veröffentlicht am 14.02.2018

Dennoch lehrt die Ausstellung, dass man mit vorschnellen Vergleichen zur gegenwärtigen politischen Entwicklung in Deutschland vorsichtig sein sollte

Glanz und Elend in der Weimarer Republik
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Ingrid Pfeiffer (Hg.), Glanz und Elend in der Weimarer Republik, Hirmer 2017, ISBN 978-3-7774-2932-8

Nach dem Ende des verheerenden Ersten Weltkriegs, der das Ende des deutschen Kaiserreichs bedeutete, ...

Ingrid Pfeiffer (Hg.), Glanz und Elend in der Weimarer Republik, Hirmer 2017, ISBN 978-3-7774-2932-8

Nach dem Ende des verheerenden Ersten Weltkriegs, der das Ende des deutschen Kaiserreichs bedeutete, bildete sich mit der später so genannten Weimarer Republik die erste Demokratie auf deutschem Boden, der aber wegen vieler innenpolitischer Konflikte und zunehmender Radikalisierungen links und vor allen rechts des politischen Spektrums keine gute Zukunft beschieden war, sondern die schlussendlich in einem totalitären Regine endete, wie es die Welt so vorher noch nicht erlebt hatte. Graue und brutale politische Wirklichkeit traf sich damals mit einer glanzvollen Zeit für Kunst und Kultur.

Dieser Diskrepanz hat sich die bis zum 28.2.2018 in der Frankfurter Schirn zu sehenden Ausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ zum Thema gemacht, deren Katalog hier bei Hirmer vorliegt.
Mit rund 200 Arbeiten von 62 bekannten und wenig beachteten Künstlern/innen der Weimarer Republik, etwa George Grosz, Max Beckmann oder Lea Grundig, verdeutlicht sie die Risse in der damaligen Gesellschaft
Die aufschlussreichen und informativen Texte weisen immer wieder darauf hin, wie die Künstler auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, ab er auch auf die Probleme der Weimarer Republik reagiert haben: realistisch, direkt, ironisch, wütend, humorvoll, oder verhalten und voller innerer Symbolik. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Stile - vom Expressionismus über Dadaismus, verschiedene Formen des Realismus bis hin zu geometrisch-abstrakten Tendenzen nicht immer klar voneinander abgrenzen. Der Fokus der Ausstellung (und damit des Katalogs) liegt jedoch bei Künstlern, die eher einen kritischen, oft einen sezierenden Blick auf ihre Epoche geworfen haben. Durch ihre Arbeiten sehen wir heute die Weimarer Republik in zugespitzter Form und in manchen Aspekten auch seltsam aktuell.

Dennoch lehrt die Ausstellung, dass man mit vorschnellen Vergleichen zur gegenwärtigen politischen Entwicklung in Deutschland vorsichtig sein sollte.



Veröffentlicht am 14.02.2018

Auf lockere und sehr unterhaltsame Weise erzählt Julian Nebel die Lebensgeschichte dieser Frau, bei deren Lektüre man mehr als einmal geneigt ist, Parallelen zu heutigen Finanzphänomen zu ziehen.

Adele Spitzeder
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Julian Nebel, Adele Spitzeder. Der größte Bankenbetrug aller Zeiten, Finanzbuchverlag 2017, ISBN 978-3-95972-048-9

Julian Nebel erzählt in dem vorliegenden Buch in einer spannenden und lockeren Weise ...

Julian Nebel, Adele Spitzeder. Der größte Bankenbetrug aller Zeiten, Finanzbuchverlag 2017, ISBN 978-3-95972-048-9

Julian Nebel erzählt in dem vorliegenden Buch in einer spannenden und lockeren Weise von Adele Spitzeder, einer Frau die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in München mit einer später als Schneeballgeschäft bezeichneten Geschäftsidee Furore machte und schließlich mindesten 30.000 Menschen aus München und ganz Bayern in den Ruin trieb.

Ursprünglich als Sängerin und Schauspielerin tätig, hatte sie eines Tages eine lukrative Idee. Sie lieh sich Geld von Freunden sozusagen als Startkapital. Dann ging sie an die Öffentlichkeit und versprach für Einlagen bei der „Spitzeder`schen Privatbank“ monatliche Zinsen von bis zu 10%. Die zahlte sie auch gleich für die ersten zwei Monate aus (von dem Geld, das die Leute in immer größeren Mengen zu ihr brachten). Und so kamen immer mehr und ein richtiger Hype brach aus, obwohl es an kritischen Stimmen nicht fehlte.

Als sie selbst, von Zweifeln geplagt, bei den Behörden nachfragte, ob ihr Handeln denn rechtmäßig sei, bekam sie den Bescheid, alles sei rechtens. Solange die Geldzufuhr andauerte, konnte sie dieses Geschäftsmodell fortführen, bis es schließlich im November 1872 zusammenbrach und Adele Spitzeder verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

Auf lockere und sehr unterhaltsame Weise erzählt Julian Nebel die Lebensgeschichte dieser Frau, bei deren Lektüre man mehr als einmal geneigt ist, Parallelen zu heutigen Finanzphänomen zu ziehen.



Veröffentlicht am 14.02.2018

Dieses Buch gehört in die Bibliothek jedes Freundes von Kinderbüchern.

Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern
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Roderick Cave, Sara Ayad, Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-2123-7

Wer als Freund von Kinder- und Bilderbüchern, zu denen sich der Rezensent seit der Geburt ...

Roderick Cave, Sara Ayad, Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-2123-7

Wer als Freund von Kinder- und Bilderbüchern, zu denen sich der Rezensent seit der Geburt seines Sohnes 2003 begeistert zählt, dieses voluminöse Buch in die Hand bekommt, wird es so schnell nicht wieder aus der Hand geben. Ein Buch hat der Gerstenberg Verlag in Hildesheim verlegt, das in ganz besonderer Weise in Texte und grafischer Gestaltung die lange Geschichte des Kinderbuches verfolgt. Viel mehr als die im Titel genannten 100 Bücher werden vorgestellt: „In diesem Buch erwähnen wir neben den hundert ausgewählten noch viele andere Bücher und Autoren.“

Die beiden Autoren, Roderick Cave , der als Bibliothekar und Spezialist für historische Bücher die Texte verantwortet und Sara Ayad, eine gefragte Bildrechercheurin beginnen mit mündlichen und vorschriftlichen Traditionen. Sie gehen zurück bis in die Zeit um 2500 v.Chr. mit einem in Stein gemeißelten Schlaf- und Heillied der Sumerer. Eine Mutter bittet darum, ihr Kind möge wieder gesund und stark werden. Schon lange bevor im 18. Jahrhundert die ersten speziell für kleine Kinder verfassten Bücher erschienen, standen Wiegenlieder, Kinderreime, Fabeln und Mythen, die mündlich überliefert wurden.
Auf 275 Seiten schildert dieser repräsentative Band sehr anschaulich und unterhaltsam, wie Erwachsene auf der ganzen Welt Kinder mit Geschichten unterhalten, gebannt, belehrt und zuweilen auch verängstigt haben. Die ältesten sind die Äsop-Fabeln, Tausendundeine Nacht und das indische Panchatantra, jüngeren Datums sind die Märchen der Brüder Grimm und Abenteuer wie Gullivers Reisen. Doch nicht nur Klassiker und Bestseller werden hier präsentiert, sondern auch Erfindungsreichtum: Das erste Fühlbuch etwa wurde bereits 1940 veröffentlicht. Roderick Cave hat erstaunliche Fakten über die Entstehung und Entwicklung des Kinderbuches zusammengetragen.

Dieses Buch gehört in die Bibliothek jedes Freundes von Kinderbüchern.