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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2026

Grassi müpft auf

Ein romantischer Tod
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Auch der dritte Fall für Vittorio Grassi hat mich von Anfang bis Ende begeistert. Dass La Spezia thematisiert wird, das spätestens seit dem kürzlich erschienenen historischen Roman bekannt sein dürfte, ...

Auch der dritte Fall für Vittorio Grassi hat mich von Anfang bis Ende begeistert. Dass La Spezia thematisiert wird, das spätestens seit dem kürzlich erschienenen historischen Roman bekannt sein dürfte, in dem es um den Aufenthalt Lord Byrons und seiner Entourage und den tragischen Tod Percy Shelleys geht, fand ich überraschend - dieses Jahr scheint La Spezia mich zu verfolgen. Aber diesmal auf sehr unterhaltsame und kurzweilige Art und Weise, und ich habe mich köstlich über Grassi amüsiert, der "dank" eines Schlags auf den Kopf eine gute Entschuldigung für seine ungewohnt aufbrausende und unfreundliche Art hat, mit der er seine Mitmenschen diesmal ein ums andere Mal vor den Kopf stößt. Gut gefallen hat mir, dass diesmal auch die Figuren rund um Grassi mehr Raum einnehmen und die Handlung vorantreiben - Toni und Grassis Tochter, Ricci und vor allem der Gerichtsmediziner La Penza, der mit seiner direkten und unverblümten Art eine sehr erfrischende Note in die Geschichte bringt und mich immer wieder schmunzeln liess. Der Todesfall, in dem diesmal ermittelt wird, ist gut durchdacht und konnte mich bis zuletzt bei der Stange - und beim Mitraten - halten. Kurzum: aller guten Dinge sind drei, und bei dieser Reihe haben alle drei Teile bisher mit Bravour bestanden. Jetzt hoffe ich dass es so immer weiter geht und noch lange keine Flaute in Sicht ist.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Bleibt im Gedächtnis

Solange ein Streichholz brennt
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Das Buch ist mir durch die vielen Erwähnungen in Diskussionsrunden aufgefallen - im Laden hätte ich es wohl keines zweiten Blickes gewürdigt, da das Cover mich überhaupt nicht anspricht und der Titel keinerlei ...

Das Buch ist mir durch die vielen Erwähnungen in Diskussionsrunden aufgefallen - im Laden hätte ich es wohl keines zweiten Blickes gewürdigt, da das Cover mich überhaupt nicht anspricht und der Titel keinerlei Assoziation weckt. Etwas politisches? Ein Sachbuch, möglicherweise über Geschichte? Nee, alles falsch und so wurde ich mit einer einzigartigen Geschichte überrascht, die mich sofort gefesselt hat und zur Folge hatte, dass ich das Buch in einem Rutsch durchlesen "musste", um zu erfahren wie es für Bohm und Alina ausgeht. Die Höhen und Tiefen in beider leben, bei Bohm natürlich um einiges drastischer, haben mich sehr bewegt, und die Auflösung, wieso Bohm auf der Straße gelandet ist, war gleichzeitig so traurig, aber auch undramatisch und schleichend, dass man sich tatsächlich vorstellen kann, dass Bohms Schicksal unter entsprechenden Randbedingungen jeden in unserer Gesellschaft treffen kann. Wie Alina Bohm auf Augenhöhe und ohne jedes Vorurteil oder Abscheu begegnet fand ich sehr beeindruckend und gut: sie sieht einfach nur den Menschen, und der hat viel zu bieten. Manchmal hatte ich die Befürchtung, es könnte kitschig oder künstlich werden, aber das Geschehen verlief so natürlich und glaubhaft, dass ich einfach nur wie gebannt an den Zeilen hing. Besonders toll finde ich, wie ein ernstes und wichtiges Thema hier in einer absolut lesenswerten und auch unterhaltsamen Geschichte verpackt wird, ohne ein Urteil zu fällen oder den moralischen Zeigefinger zu erheben: es ist einfach.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Magische Lebkuchen

Mehl, Magie und Machenschaften
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Das Buch bietet alles, was ich in meiner Jugend mit Begeisterung verschlungen hätte - und auch jetzt noch weiß die Geschichte zu überzeugen. Eine junge und eigentlich gar nicht mutige Heldin wider Willen, ...

Das Buch bietet alles, was ich in meiner Jugend mit Begeisterung verschlungen hätte - und auch jetzt noch weiß die Geschichte zu überzeugen. Eine junge und eigentlich gar nicht mutige Heldin wider Willen, die eigentlich nur in Ruhe backen möchte, ein paar fiese Bösewichte am Hofe der Herzogin, die Arges im Schilde führen und Jagd auf magisch Begabte machen, ein unerschrockener und findiger Gefährte, der Mona zur Seite steht um seine Schwester zu rächen - alle Charaktere sind mit viel Herzblut erdacht worden, und das merkt man. An Mona gefällt mir besonders gut, dass sie anfangs gar nicht mutig ist und auch im Verlauf der Handlung immer wieder betont, dass es eigentlich nicht die Aufgabe einer Vierzehnjährigen sein sollte, das Herzogtum zu retten - und doch stellt sie sich tapfer allen Herausforderungen und gibt ihr Bestes. Und das kann sich letztlich wirklich sehen lassen, und natürlich habe ich Sauerteig Bob und den kleinen Lebkuchenmann sofort ins Herz geschlossen. Eine unglaublich fantasievolle, magische und dabei auch düstere (was ganz nach meinem Geschmack ist) Geschichte die zeigt, dass auch aus kleinen Dingen Großes entstehen kann, wenn man sich traut. Uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Dramatisch, spannend, gut

Giftiger Grund
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Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Lost Places finde ich cool, aber sobald ein Roman Social Media Themen beinhaltet bin ich normalerweise raus. Doch ...

Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Lost Places finde ich cool, aber sobald ein Roman Social Media Themen beinhaltet bin ich normalerweise raus. Doch hier stand die Nutzung zum Glück nicht so sehr im Vordergrund, dass es mich vergrault hätte, sondern Charus fotografische Ambitionen, Lost Places in Bild und Video einzufangen, bot einen sehr interessanten Einstieg ins Geschehen. Und so finden sich in der alten Waschstraße drei verlorene Seelen und trotz anfänglichen Misstrauens helfen sie sich schliesslich gegenseitig - und das auf zum Teil sehr drastische Weise. Überhaupt ist die Handlung nicht zimperlich und nimmt dabei einige fast schon komische Wendungen, die mich immer wieder neu überraschen konnten. Oft wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte, denn gerade Joran schien das Pech magisch anzuziehen, während die Geschichte von Edda einfach nur tieftraurig war, und Charu lag wohl irgendwo dazwischen. Mehrfach konnte ich nur hilflos zusehen, wie das Schicksal unausweichlich und erbarmungslos zuschlägt, und wollte gleichzeitig wegsehen, die Protagonisten warnen, ihnen helfen oder einfach nur schreien. Virtuos dirigiert der Autor das Geschehen, das einem die Protagonisten trotz aller Fehler und Schwächen ans Herz wachsen lässt, nur um ihnen dann ein ums andere Mal das Schicksal gnadenlos um die Ohren zu hauen - das war total fies, gleichzeitig genial spannend und trotz aller ernsten Untertöne perfekte Unterhaltung. Am besten hat mir Joran gefallen, der trotz aller blöden Entscheidungen im Verlauf der Handlung zu wachsen und seinem früheren Ich endlich zu entkommen scheint. Edda habe ich sofort ins Herz geschlossen und bewundert und gleichzeitig betrauert, wie erwachsen und tapfer sie für ihr junges Alter schon ist und leider auch sein muss. Charu war mir nicht ganz so sympathisch, sie erschien mir ein wenig zu selbstgerecht. Das Ende war dann nochmal ein echter Hammer, und restlos begeistert habe ich das Buch nach der letzten Seite zugeklappt. Fazit: kein typischer Krimi, sondern ein ganz besonderer der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Die Macht der Worte

The Poet Empress
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Das Buch hat mich total überrascht, und das im positiven Sinne. Zwar hatte ich mir eine spannende Geschichte mit Intrigen und Ränken am Kaiserpalast im historischen Korea erhofft, wie ich sie zuletzt immer ...

Das Buch hat mich total überrascht, und das im positiven Sinne. Zwar hatte ich mir eine spannende Geschichte mit Intrigen und Ränken am Kaiserpalast im historischen Korea erhofft, wie ich sie zuletzt immer mal wieder gelesen habe, aber meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Sehr positiv aufgefallen ist mir das Fehlen einer typischen Romanze, die mittlerweile leider allzu oft zum Standard zu gehören scheint. Hier liegt der Fokus aber eindeutig auf Macht, Intrige und auch Gewalt. Expliziter Gewalt, aber auch solche psychischer Natur. Die Grausamkeit des künftigen Kaisers war masslos, aber mit jeder Seite drang man tiefer ein in die Abgründe, in denen Terren sich bewegte - und vor allem in die Gründe, die sie geschaffen hatten. Gemeinsam mit Wei tastete man sich übervorsichtig an die Vorgeschichte, sprich die Kindheit, ihres Gemahls heran, und erfuhr so die dramatische und ja, teils auch herzzerreissende Geschichte zweier Brüder, die zwischen den politischen Ambitionen des Hofes und dem Machthunger einzelner Vertrauenspersonen aufgerieben wurden. Besonders faszinierend fand ich dabei die Entwicklung, die Wei selbst durchmacht - vom ängstlichen Bauernmädchen zur unerschrockenen Kaiserin, die von der Macht kostet und diese nicht mehr missen will - und dabei ihr eigenes Gewissen und ihre Menschlichkeit zu verlieren droht. Das Element der Magie, welches in Form von magischen Versen eingearbeitet wurde, fand ich sehr interessant und natürlich war ich begeistert zu lesen, wie Wei diese Kraft für sich zu nutzen lernte. Das Buch ist vielschichtig, ungewöhnlich und vor allem deutlich düsterer als vergleichbare Werke und konnte mich daher restlos überzeugen - man sollte sich daher nicht von dem wunderschönen Äusseren täuschen lassen, dass auf den ersten Blick eine möglicherweise romantischere, leichtere Geschichte vermuten lassen mag.

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