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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Ein Sommer, der nie endet

Kein Sommer ohne August
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Was anfängt wie eine Kleinstadt-Romanze entwickelt sich hier zu einem unglaublich vielschichtigen Roman über Freundschaft, Familie, unausgesprochene Gefühle, Geheimnisse, Missverständnisse und all die ...

Was anfängt wie eine Kleinstadt-Romanze entwickelt sich hier zu einem unglaublich vielschichtigen Roman über Freundschaft, Familie, unausgesprochene Gefühle, Geheimnisse, Missverständnisse und all die kleinen und großen Lebensdramen dazwischen. Allerdings schwächelt das Buch an seiner Länge und verliert sich zuweilen in langatmigen und in meinen Augen unnötigen Ausschweifungen, die die Geschichte immer wieder ins Stocken bringen. Ganz toll fand ich, dass es hier eben keine Schema-F Liebesbeziehung gibt, sondern dass die Wege von Charlie und August zwar nah beieinander verlaufen und sich regelmäßig überschneiden, aber nicht sofort - vielleicht niemals? - zusammenführen. So geht es mehr um die innige Freundschaft und die vielen unausgesprochenen Dinge, die diese Freundschaft mit der Zeit verändern und ins Wanken bringen. Und dabei möchte man die beiden schütteln und ihnen zurufen: macht endlich den Mund auf, redet miteinander - und zwar richtig! Sehr beeindruckt hat mich die Unerschütterlichkeit, mit der August zu Charlie steht, auch als sie sich ziemlich dumm und blöd verhält. Charlie wollte ich manchmal schütteln und fragen, warum sie sich und anderen das Leben unnötig schwer machen muss. Doch letztlich fügt sich alles zu einem berührenden Ende, und viele lose Enden werden grandios zusammengeführt. Fazit: gefühlvolle und beeindruckende Geschichte, aber mit Längen.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Dieser Zug ist wahrlich abgefahren

Komm spielen
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Normalerweise stelle ich keine Vergleiche an, aber dieses Buch hatte einfach unglaublich starke King-eske Vibes und erinnerte mich u.a. an Werke wie Needful Things. Ähnlich gemächlich wird hier die Spannung ...

Normalerweise stelle ich keine Vergleiche an, aber dieses Buch hatte einfach unglaublich starke King-eske Vibes und erinnerte mich u.a. an Werke wie Needful Things. Ähnlich gemächlich wird hier die Spannung aufgebaut, auch wenn der Autor nicht ganz an die meisterhafte Art heranreicht, auch unscheinbare und alltägliche Momente mit einer lauernden Spannung zu untermalen - so war mir das Buch streckenweise (ha!) zu langatmig und hätte hier und da ein paar Kürzungen vertragen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn die Story ist sehr originell, ausgeklügelt und unheimlich. Ein paar Details, etwa die Hintergründe zur ominösen Splitterwelt, wurden mir allerdings zu kurz abgehandelt und liessen Fragen offen. Dennoch habe ich mich prächtig amüsiert und auch wenn ich Annie nicht uneingeschränkt sympathisch fand, konnte ich doch mit ihr mitfiebern - vor allem gegen Ende, als der Schrecken jeder Mutter sie einholt und zur Löwin werden lässt. Aber auch die weiteren Haupt- und Nebenfiguren wurden sehr lebensnah gezeichnet und verliehen der Geschichte eine ausgewogene Tiefe. Interessant fand ich den Ansatz, die Geschichte parallel aus der Sicht des Bösen zu erzählen - so wusste man immer was einen erwartet, wurde Zeuge durchaus schauriger und blutiger Ereignisse und konnte doch nur hilflos zusehen, wie das unausweichliche Schicksal seinen Lauf nahm und die Hauptpersonen das schreckliche Geheimnis noch immer nicht gelüftet hatten. Das Finale schliesslich, das gleich auf mehrfache Weise abgeliefert wurde, hatte es wirklich in sich und liess keine Wünsche offen. Ich jedenfalls bin sehr positiv überrascht von diesem Werk, das erfreulicherweise deutlich mehr Horror liefert als ich erwartet hatte, und werde den Autor künftig im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Krimi trifft dunkle Geschichte

Unter dem Strand
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Das Buch widmet sich dem Schicksal der Cap Arcona, die kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs versenkt wurde, an Bord jedoch nicht die vermuteten deutschen Soldaten, sondern tausende KZ-Häftlinge. Auf zwei ...

Das Buch widmet sich dem Schicksal der Cap Arcona, die kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs versenkt wurde, an Bord jedoch nicht die vermuteten deutschen Soldaten, sondern tausende KZ-Häftlinge. Auf zwei Erzählebenen wird die Geschichte wiedergegeben. Dabei begleiten wir in der Vergangenheit den KZ-Häftling Leon und einige seiner Mitinsassen, und dieser Handlungsstrang ist auf jeden Fall der interessantere, schockierend und gleichzeitig voller Unbeugsamkeit, Hoffnung und einer gehörigen Portion Galgenhumor, der das Geschehen umso surrealer wirken lässt. In der Gegenwart findet die Journalistin Cay eine Leiche am Strand und vermutet einen Zusammenhang zu den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit, die den Ort immer noch überschatten. Leider hat mir dieser Erzählstrang weniger gut gefallen, was vor allem an Cay lag, die immer mehr persönliche Probleme mitbrachte, was unnötig vom eigentlichen Geschehen ablenkte und in meinen Augen einfach überflüssig war. Die Auflösung schliesslich war trotzdem schlüssig und befriedigend und brachte einen guten Abschluss für beide Zeitebenen. Fazit: sehr lesenswerte Mischung aus historischem Roman und Krimi, dessen Stärke aber eindeutig im geschichtlichen Teil liegt.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

80er Feeling

Tainted Love
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Der Krimi besticht durch seine 80er Jahre Vibes, die vor allem durch die erwähnten Titel, die dann in meinem Kopf als Hintergrundmusik spielten, zum Leben erweckt wurden. Aber auch viele weitere kleine ...

Der Krimi besticht durch seine 80er Jahre Vibes, die vor allem durch die erwähnten Titel, die dann in meinem Kopf als Hintergrundmusik spielten, zum Leben erweckt wurden. Aber auch viele weitere kleine Details wecken nostalgische Gefühle, die mich in meine Jugendzeit zurückversetzt haben. In der Grundstimmung kann das Buch also mit Leichtigkeit punkten. Aber auch was die Charaktere angeht, war ich sehr angetan, sind die Hauptfiguren doch so ganz "normale" Leute, zwar natürlich auch mit kleinen und großen Alltagsproblemen, aber es gibt keine Extreme wie es für meinen Geschmack mittlerweile (zu) oft vorkommt. Der Krimi an sich konnte ebenfalls überzeugen, war er doch undurchsichtig genug, dass erst gegen Ende alle Puzzleteile an den richtigen Platz fanden, jedoch ohne dass die Auflösung aus dem Nichts gezaubert wurde - im Nachhinein waren die Anzeichen nicht zu übersehen. Lediglich das Ende mit ebendieser Auflösung kam mir etwas zu schnell, hätte ich doch zu gerne noch länger in dem kleine Ort und vor allem in der damaligen Zeit verweilt. Aber der solide Grundstein für eine Fortsetzung wurde hiermit gelegt - es gibt auch einige offene Fragen, auf die ich in Teil 2 gefälligst eine befriedigende Antwort erwarte ;) Fazit: sehr gelungen, bitte mehr davon!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Auszeit vom Alltag

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Das Buch hat mir richtig gut gefallen: Sophie kauft ganz spontan ein völlig verfallenes Haus irgendwo im Nirgendwo und lässt sich auf ein Abenteuer ein, das sie so auch erst einmal nicht erwartet hat. ...

Das Buch hat mir richtig gut gefallen: Sophie kauft ganz spontan ein völlig verfallenes Haus irgendwo im Nirgendwo und lässt sich auf ein Abenteuer ein, das sie so auch erst einmal nicht erwartet hat. Aber alles ist besser als im langweiligen trüben Büroalltag zu sitzen und aus dem Fenster zu schauen.
Und so lernt Sophie nicht nur einiges über Reparaturarbeiten, sondern auch über Gemüseanbau oder das Halten von Hühnern. Dabei geht auch einiges schief, was mir die Geschichte gleich ein ganzes Stück sympathischer gemacht hat. Sophie ist eben keine Superheldin, sondern eine Frau wie Du und ich - mit Ängsten und Sorgen, zum Beispiel wenn ihre beste Freundin an dem Vorhaben und Sophies Verstand zweifelt, aber auch dem Mut und Willen, etwas eigenes und dies alleine zu schaffen. Ob das abgeschiedene Landleben auf Dauer etwas ist oder nur eine Auszeit bedeutet, muss Sophie noch herausfinden, aber bis dahin lernt sie den Augenblick zu geniessen und sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Fazit: ein tolles Buch, das den Blickwinkel auf das Leben neu justiert und Mut macht aus den gewohnten Strukturen auszubrechen und einfach mal etwas Neues auszuprobieren, es muss ja auch nicht gleich ein Hauskauf sein.

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