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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Lebensweisheiten bildlich und sprachlich exemplarisch umgesetzt

Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt
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Das Cover zeigt typische Motive Indiens wie die Rikscha im Vordergrund, im Hintergrund das Taj Mahal und ein Elefant, auch farblich angenehm warm aufeinander abgestimmt. In 11 kurzen, unzusammenhängenden ...

Das Cover zeigt typische Motive Indiens wie die Rikscha im Vordergrund, im Hintergrund das Taj Mahal und ein Elefant, auch farblich angenehm warm aufeinander abgestimmt. In 11 kurzen, unzusammenhängenden Kapiteln werden wichtige Lebensweisheiten an konkreten Momenten festgehalten, während wir den Rikscha-Fahrer Rahul mit seinen wechselnden, sehr verschiedenen Rikscha-Fahrgästen in Neu-Dehli begleiten. Seine Botschaften drehen sich um Liebe und Verlust, um Angst und Mut, um Verletzlichkeit und Selbstliebe. Aber auch das konsequente Verfolgen unserer Lebensziele oder für unser Leben wichtige Entscheidungen zu treffen, wird angerissen in sprachlich einfacher, prägnanter Wortwahl nach der Devise: in der Kürze liegt die Würze. Raumgreifende Illustrationen verstärken das indische Ambiente wunderbar. Mit den jeweils ändernden Farbeinstellungen im Fahrzeug betont Rahul auch die Vielfarbigkeit in den Charakteren der Menschen. Manche Weisheit wie "Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Ausreden" oder „Im Leben geht es nicht darum, perfekt zu sein“. mag oberflächlich, unrealistisch oder einfach zu simpel klingen. Der optimistische, Mut machende Gedanke im Alltag jedoch besticht.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Kein überzeugendes Horrorszenarium!

REM
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Das Cover in 3d Optik zeigt in schwarz-weißer Farbgebung ausdrucksstark ein linkes menschliches Auge mit gesplitterter Linse, passend zum Buchinhalt. Der Buchtitel REM weist auf den Traumschlaf hin, entscheidend ...

Das Cover in 3d Optik zeigt in schwarz-weißer Farbgebung ausdrucksstark ein linkes menschliches Auge mit gesplitterter Linse, passend zum Buchinhalt. Der Buchtitel REM weist auf den Traumschlaf hin, entscheidend auch zur wichtigen emotionalen Verarbeitung von Traumatisch-Erlebtem.
»Du darfst nicht einschlafen!« Das hört die Hauptfigur Alysee wiederholt mit 4 Jahren in panischem Sprachduktus ihres Vaters. Thematisiert wird zunächst im weiteren Verlauf nach 21 Jahren ihre tief verwurzelte Angst vor dem Träumen von angsteinflößenden Erlebnissen, da sie im Plot emotional gekoppelt ist an den existentiellen Verlust des Vaters. Mit Freund/Bruder Nico erlebt sie im geerbten Hotel de Ville, einem abgeschiedenen Lost Place, einiges an Deja-Vus aus ihrem erstellten Computerspiel und unvorhersehbaren Horror-Szenen in Richtung Science Fiction. Ausgeweitet wird die Traum-Grundidee auf Traumaufzeichnung in Schlaflabors. Dabei ist das Somnakular, eine Art VR-Brille, ein zentrales, brisantes, mysteriöses Objekt im Kontext von Albträumen und möglichen gefährlichen Horrorszenarien. Begriffe wie Polysomnografie und Antidot-Therapie finden neben EEG, EKG etc. ebenfalls kurz Beachtung.
Randfiguren wie die Rechtsanwältin Emilia Bergmann und der Mitarbeiter des Jugendamts Herr Klaus Tarin spielen insgesamt eine sehr unrealistische, unglaubwürdige, exzentrische Rolle. Überhaupt überzeugt das fiktive Horrorambiente rund um das alte Hotel wenig durch den starken Hang zu Sci-Fi.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Ein kompliziertes Zusammenleben schreit nach mehr Toleranz.

Sie wollen uns erzählen
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Wichtige gesellschaftspolitische Themen werden im Roman angerissen: Wie mag das Zusammenleben bei Personen mit Neurodivergenz aussehen? Welche Reibungspunkte könnten im sozialen Miteinander mit ADHS auftreten? ...

Wichtige gesellschaftspolitische Themen werden im Roman angerissen: Wie mag das Zusammenleben bei Personen mit Neurodivergenz aussehen? Welche Reibungspunkte könnten im sozialen Miteinander mit ADHS auftreten? Wie geht die Gesellschaft mit Demenz um? Warum verändert sich das Wetter zu häufigeren Extremen?
Im Mittelpunkt stehen Mutter Ann Haag und ihr Sohn Oswald, hier Oz oder Ozzy. Im Grunde sind beide mit dieser angeborenen Funktionsweise ihres Gehirns innerhalb der Familie, aber auch im schulischen und beruflichen Bereich überfordert. Die sie tangierenden Schwierigkeiten, hier Vorurteile und Erwartungen der Außenwelt und dort die eigene, teils chaotische Gefühlswelt voller Überforderungen, wird im österreichisch gefärbten Schreibstil gut übermittelt. Wie Ann zwischen ihrer unsicheren Berufstätigkeit und gescheiterten Ehe, beider Therapien und Terminen, dennoch ihrem Sohn Normalität, das Gefühl von Sicherheit und Liebe vermittelt, ist besonders in der Unwetterszenerie mit Katastrophenalarm zugespitzt beschrieben. Zusätzlich geht es auch um die ehrlichen Bedürfnisse der dementen, krebskranken Mutter. Auch die jüngere Schwester könnte in ihrem besonderen Lebensstil von Familie und der Gesellschaft mehr Toleranz vertragen.
Insgesamt kommt viel gesellschaftliches Chaos mit überforderten Individuen zusammen, was sicherlich zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Was für eine Dystopie mit vielen offen gebliebenen Fragen!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieser kafkaeske Roman, bereits 1995 veröffentlicht, reflektiert die Essenz unseres Lebens – hier aus der Sicht der Ich-Erzählerin, die bereits als elternloses Mädchen in einem unterirdischen Keller zusammen ...

Dieser kafkaeske Roman, bereits 1995 veröffentlicht, reflektiert die Essenz unseres Lebens – hier aus der Sicht der Ich-Erzählerin, die bereits als elternloses Mädchen in einem unterirdischen Keller zusammen mit 39 Frauen eingesperrt ist. Als einziger noch lebender Mensch auf diesem Planeten ohne Jahreszeiten, ohne die den Erwachsenen bekannte Welt, startet die Hauptfigur ein Fragenkarussell über Freiheit, Einsamkeit, Überlebensstrategien und ihre Sinnlosigkeit. Diese Figurenzeichnung von Kleinkind bis zur sterbenskranken Frau über 60 beschreibt sie im ersten Drittel des Romans als jüngstes Gruppenmitglied ohne jedwede Erinnerung, unter jahrelanger, mangelhafter Ernährung, ohne pubertäre Begleiterscheinungen, in vielen Gedankenszenarien als Zuhörer zwischen den ängstlichen Frauen schließlich ihren Platz findend. Nach einem unerwarteten Alarmsignal eilen die Frauen plötzlich durch geöffnete Gittertüren in die triste Ebene hinter dem Wachhaus, weit entfernt jedweder Zivilisation. Außerhalb des bisherigen vertrauten Käfigs, ohne Wärter, beginnen schnell sinnvolle Überlebensstrategien für die verängstigte Frauengruppe zu greifen, einander Halt und Hoffnung gebend, weitere Wachhäuser plündernd, bis nach vielen Jahren die vorletzte Frau voller Resignation stirbt mit der traurigen Erkenntnis, zwar frei zu sein, jedoch in Wahrheit nur das Gefängnis gewechselt zu haben. Der finale Romanteil beschreibt das abenteuerliche Weiterziehen der mutigen, neugierigen Erzählerin, mit weiteren Fragen unbeantwortet: : Was ist der eigentliche Sinn des Lebens? Und was macht ein Leben lebenswert? Auch praktische Antworten z.B. hinsichtlich des plötzlichen Verschwindens der Wärter oder zur anhaltenden Stromversorgung fehlen. In dieser deprimierenden, düsteren Atmosphäre ohne geliebte Männer werden auch queere Themen und Jungfräulichkeit angerissen.
Ein Buch mit viel Potential für Diskussionen.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Eine etwas unrealistische Geschichte - mit Humor und Wärme verpackt.

Eine Maus namens Merlin
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Dieses Duo, eine 83-jährige Witwe und ein zufällig im Haus entdeckter Mäuserich im hereingebrachten Sperrmüll, sie sind ungleiche Figuren in einer ruhigen Geschichte über gesellschaftsrelevante Themen ...

Dieses Duo, eine 83-jährige Witwe und ein zufällig im Haus entdeckter Mäuserich im hereingebrachten Sperrmüll, sie sind ungleiche Figuren in einer ruhigen Geschichte über gesellschaftsrelevante Themen wie Alterseinsamkeit, Langeweile und fest gefahrenen Routinen im Alltag. Der Schreibstil betont durch wiederholt detaillierte Szenenbeschreibungen wie Tee- u. Toastzubereitung oder das minutiös aufgeführte Radio-und Fernsehprogramm die tägliche Tristesse mit vielen Momenten der Überdehnung. Wie jedoch über den Verlauf von zwei Wochen aus dem ersten Impuls heraus, nämlich das Verschwinden der Maus zu bewerkstelligen, langsam aus dessen Ablehnung eine Duldung bis zur Zuneigung zu dem kleinen Tier erwächst, ist einfühlsam beschrieben. Eigentlich wandelt sich Helens einziger Wunsch, schnell und unspektakulär zu sterben, aufgrund dieser Begegnung mit Merlin in den unerwarteten Grund, doch zu leben. Allein diese Namensgebung für die Maus in der deutschen Übersetzung, der Name eines bekannten Barden, Sehers und Zauberers aus dem Artuszyklus, betont die zauberhafte, plötzliche Wendung in Helens zweitem Leben. Über ihre kleinen Begegnungen z. B. in Bibliothek, Metall- und Eisenhandel oder Krankenhaus entstehen zwar tröstliche soziale Kontakte, die aber teils unrealistisch bzw. überzogen wirken.
Insgesamt ein gut gemeintes Wohlfühlbuch, etwas fern der Realität!

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