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Veröffentlicht am 08.05.2026

Der müffelnde Müllpups und der Besserwisser

Der kleine Rabe Socke: Alles wieder beste Freunde!
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Rabe Socke hat wieder einmal die Sammelleidenschaft gepackt. Doch in seinem Nest ist kaum noch Platz für die neuen Schätze. Daher bittet er seine Freunde darum, ihm beim Aufräumen und Ausmisten zu helfen. ...

Rabe Socke hat wieder einmal die Sammelleidenschaft gepackt. Doch in seinem Nest ist kaum noch Platz für die neuen Schätze. Daher bittet er seine Freunde darum, ihm beim Aufräumen und Ausmisten zu helfen. Als Socke für seine Unordnung getadelt wird, kommt es zum Zerwürfnis mit Hase Löffel. Ob der Rabe das wieder geradebiegen kann?

„Der kleine Rabe Socke: Alles wieder beste Freunde!“ ist ein Vorlese-Comic für Kinder ab fünf Jahren, der sich auch für Leseanfängerinnen und Leseanfänger eignen soll.

Der Comic erstreckt sich über knapp 30 Doppelseiten. Vorab gibt es eine Doppelseite mit der Übersicht über die tierischen Protagonisten. Das ist vor allem für jene hilfreich, die den Kosmos von Rabe Socke noch nicht kennen, denn das Buch beinhaltet einige Figuren. Danach folgt ein unmittelbarer Einstieg in die Geschichte.

Illustriert ist das Buch von Annet Rudolph auf angenehme Weise mit Bildern im Comic-Stil. Das heißt, die bunten, ansprechenden Zeichnungen sind jeweils rechteckig, aber von unterschiedlicher Größe. Sie haben genau das richtige Maß an Details.

Der Text von Nele Moost besteht überwiegend aus Sprech- und Denkblasen. Zudem gibt es einige wenige erklärende Anmerkungen. Die Sprache ist an den Comic-Stil angelehnt, sehr umgangssprachlich und frech, aber durchaus altersgerecht. Die kreativen Schimpfwörter kommen bei Kindern gut an.

Auf der inhaltlichen Ebene geht es ums Streiten und Versöhnen. Konkret zeigt die Geschichte auf, wie Auslachen und Beleidigungen die Gefühle von anderen verletzen und wie anonyme Schmähungen den Selbstwert massiv schädigen können. Dem Comic gelingt es dabei gut, die Emotionen zu transportieren und zu erklären.

Nicht gefallen hat mir, dass der Rabe sich erst dann entschuldigt, als er bereits erwischt wurde und sich in die Ecke gedrängt sieht. Eine wirkliche Einsicht und eine Erläuterung, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war, habe ich vermisst. Er spielt sein Fehlverhalten sogar herunter. Etwas problematisch finde ich auch, dass Socke mehrfach fremdes Eigentum stibitzt, ohne dass das kritisch angemerkt wird.

Mein Fazit:
„Der kleine Rabe Socke: Alles wieder beste Freunde!“ ist eine witzige und bewegende Comicgeschichte. Trotz kleinerer Schwächen lesenswert!

Veröffentlicht am 07.05.2026

Eine Frau kommt in Fahrt

Grüne Welle
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Eine Nacht im März: Eine Künstlerin ist mit ihrem alten Golf Kombi auf dem Weg nach Hause, zu ihrem Ehemann, einem Anwalt. Die Mittvierzigerin hat den monatlichen Kinoabend mit ihrer Freundin hinter sich. ...

Eine Nacht im März: Eine Künstlerin ist mit ihrem alten Golf Kombi auf dem Weg nach Hause, zu ihrem Ehemann, einem Anwalt. Die Mittvierzigerin hat den monatlichen Kinoabend mit ihrer Freundin hinter sich. Eine unerwartete Umleitung bringt sie auf der Rückfahrt aus dem Konzept. Immer weiter entfernt sie sich von ihrer geplanten Route…

„Grüne Welle“ ist ein Roman von Esther Schüttpelz.

Erzählt wird die Geschichte in 24 kurzen Kapiteln im Wechsel aus der Sicht der namenlosen Frau und aus der ihrer besten und einzigen Freundin. Dabei umspannt die Handlung einen Zeitraum von rund 24 Stunden.

Den inhaltlichen Schwerpunkt der Geschichte bildet die häusliche Gewalt. Zwar wird so manches nur knapp angerissen, einiges sogar nur angedeutet und indirekt beschrieben. Psychologische Muster und zwischenmenschliche Dynamiken werden dennoch deutlich. Trotz der subtilen Darstellungsweise entfaltet dieses wichtige und stets aktuelle Thema seine volle Wucht, regt zum Nachdenken nach und hallt nach.

Zudem sinniert die Protagonistin in ihrem inneren Monolog unter anderem über Lebensentscheidungen, das Freisein und die Kunst. Das verleiht der Geschichte zusätzliche Facetten.

Das Personal des Romans bleibt überschaubar. Der Fokus liegt vor allem auf der Frau, in zweiter Linie auf der Freundin und dem Ehemann. Diese drei Hauptfiguren und weitere Nebencharaktere wirken stimmig und durchaus lebensnah.

Ein kleines Manko ist für mich die Sprache. Sie ist zwar atmosphärisch, angenehm unaufgeregt und anschaulich. Jedoch schafft sie eine Distanz zwischen Leser und Figuren, unter anderem durch die Namenlosigkeit aller handelnder Personen, die wohl den universellen Aspekt des Themas unterstreichen soll. Auch die immer wieder eingestreuten Bandwurmsätze haben mich gestört.

Gut gefallen hat mir wiederum die vielfältige Symbolik, die in dem Text enthalten ist. Zuallererst zu nennen wäre die Irrfahrt, die sinnbildlich für die vergangenen Jahre der Protagonistin steht. Darüber hinaus sind weitere Motive zu finden. Manche von ihnen werden explizit aufgegriffen, andere dagegen sind nur beim aufmerksamen Lesen ersichtlich.

Das Covermotiv, ein Foto von Magdalena Russocka, passt gut zur Geschichte. Auch der Titel, der sowohl im wörtlichen als auch im metaphorischen Sinne verstanden werden darf, ist meiner Ansicht nach eine ausgezeichnete Wahl.

Mein Fazit:
Mit „Grüne Welle“ ist Esther Schüttpelz ein tiefgründiger Roman zu einem gesellschaftlich bedeutsamen Thema gelungen. Definitiv lesenswert!

Veröffentlicht am 02.05.2026

Weg aus dem Dreck

Das gute Leben
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Alleine und schwanger kommt Anni als 22-Jährige nach Deutschland. Sie ist aus dem deutschsprachigen Banat in Rumänien geflohen und will sich in der Region Nürnberg ein neues, ein besseres Leben aufbauen ...

Alleine und schwanger kommt Anni als 22-Jährige nach Deutschland. Sie ist aus dem deutschsprachigen Banat in Rumänien geflohen und will sich in der Region Nürnberg ein neues, ein besseres Leben aufbauen - fernab von Unfreiheit und Dreck. Sie nimmt einen Job beim Quelle-Versand an. Ob es ihr gelingen wird, ihr Ziel zu erreichen? Mehrere Jahrzehnte später steht ihre Enkeltochter Christina vor der Aufgabe, das Erbe anzutreten, denn Anni ist mit 75 Jahren gestorben. Sie beginnt, sich mit der Geschichte ihrer Familie zu beschäftigen…

„Das gute Leben“ ist ein Roman von Nadine Schneider.

Die Geschichte stellt die Frauen einer Familie in den Vordergrund: die Urgroßmutter, Großmutter Anni, Mutter Helene und Enkelin Christina sind die Protagonistinnen der vier Generationen. Dabei liegt der Fokus allerdings eindeutig auf Anni und Christina. Sie erwecken einen authentisch und glaubwürdigen Eindruck. Zudem verfügen sie über psychologische Tiefe. Trotzdem konnte ich nicht sofort einen Zugang zu ihnen finden.

Die Struktur des Romans ist komplex. Es gibt vier Teile, wobei sich diese Aufteilung für mich nicht erschließt. In 62 kurzen Kapiteln wird auf zwei Ebenen erzählt: einerseits in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Christina vom gegenwärtigen Geschehen, andererseits in der personalen Perspektive aus der Sicht von Anni von den zurückliegenden Jahrzehnten. Dadurch umfasst die Handlung eine große Zeitspanne.

Die Geschichte enthält eine Palette von Themen. Zunächst und vordergründig geht es um Migration und um die Suche nach einem besseren, einem guten Leben anderswo. Aspekte wie Herkunft, Zugehörigkeit, Identität, Einsamkeit, Heimweh und Erinnerungen spielen dabei eine Rolle.

Darüber hinaus stellt der Roman eine Familien- beziehungsweise eine Mütter-Töchter-Geschichte dar. Er zeigt auf, wie sich Verhaltensmuster wiederholen, wie sich Sprachlosigkeit zwischen den Generationen ausbreitet und wie sich die Vergangenheit unserer Vorfahren auf unsere Gegenwart und Zukunft auswirken können. Der Umgang mit Verlusten und Abschieden zieht sich ebenfalls durch den Roman.

Auf den rund 300 Seiten merkt man, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Teile ihrer eigenen Biografie sind im Roman verarbeitet. Zugleich ist mir jedoch auch der Gedanke gekommen, dass ihre Geschichte exemplarisch für viele andere stehen kann.

Der Text ist angenehm unaufgeregt und dennoch atmosphärisch. Die Sprache wirkt ungekünstelt, schafft aber zugleich viele Bilder.

Das kunstvolle Cover mit der symbolträchtigen Weinrebe ist nicht nur kreativ, sondern passt auch hervorragend, denn sie taucht mehrfach auf. Auch der knappe Titel harmoniert gut mit dem Inhalt.

Mein Fazit:
Mit „Das gute Leben“ hat Nadine Schneider einen vielschichtigen und tiefgründigen Roman geschrieben, der Denkanstöße liefert. Eine lesenswerte Geschichte!

Veröffentlicht am 13.04.2026

Der Sommer, der den Himmel stahl

Der letzte Sommer der Tauben
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Noah Akram Derwisch ist erst 14 Jahre alt, als sein einst unbeschwerter Alltag immer mehr schmerzliche Einschnitte erfährt. Nachdem das Kalifat ausgerufen worden ist, wird die Liste an Verboten, Repressalien, ...

Noah Akram Derwisch ist erst 14 Jahre alt, als sein einst unbeschwerter Alltag immer mehr schmerzliche Einschnitte erfährt. Nachdem das Kalifat ausgerufen worden ist, wird die Liste an Verboten, Repressalien, Einschüchterungsversuchen und Gewalttaten länger und länger. Seine Familie, Freunde und er selbst schweben bald in Gefahr. Doch in seinen Tauben findet der Teenager Trost und in seinem Onkel Ali einen einfühlsamen Erwachsenen, der seine Leidenschaft für die Zucht teilt…

„Der letzte Sommer der Tauben“ ist ein Roman von Abbas Khider.

Erzählt wird die Geschichte in knappen Kapiteln im Präsens und in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Noah. Die Handlung spielt während eines Sommers, wobei das Jahr und der Ort nicht definiert werden und nur spekuliert werden kann, dass der Irak gemeint sein könnte.

Der junge Protagonist wird glaubwürdig und stimmig dargestellt. Er ist ein Sympathieträger. Noah ist noch ein wenig naiv, nicht ganz erwachsen und mit mancher Situation alterstypisch etwas überfordert, jedoch empathisch und loyal. Auch die übrigen Figuren, vor allem die Mitglieder seiner Familie, wirken authentisch.

Die Tauben spielen ebenfalls eine zentrale Rolle in der Geschichte: sowohl im wörtlichen Sinne als tierische Protagonisten, mit denen sich Noah beschäftigt, als auch im übertragenen Sinne als Symbol für Freiheit und Flucht. Allerdings, so muss ich gestehen, hat mich die überbordende Verwendung dieser Metapher ein wenig gestört, da sie zunehmend plakativ wird.

Das alles überlagernde Thema ist die totalitäre Herrschaft im Namen einer Religion, die in ihrer Umsetzung mit Gewalt und Willkür einhergeht. Die Geschichte schildert eindrücklich auf nur wenig mehr als 200 Seiten, wie die neuen Machthaber im Kalifat den Alltag der einfachen Leute zunehmend einschränken und erschweren, welche fürchterlichen Auswirkungen die immer ausufernden Regeln haben und wie schnell der staatliche Terror eskalieren kann. Die dargestellte Gewalt kommt ohne übertriebene Sensationsgier und unnötige Ausschmückungen aus, was sie für mich besonders eindringlich gemacht hat. Zudem wird mehrfach die Frage aufgeworfen, ob die religiösen Lehren sinnvoll sind. Neben der sehr ernster Thematik sorgen mehrere humorvolle Momente dafür, dass der Inhalt nicht zu düster erscheint.

Nicht nur, aber insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Autor nicht in seiner Muttersprache schreibt, hat mich die sprachliche Kunstfertigkeit beeindruckt. Der Text ist atmosphärisch, bildstark und von einer poetischen Note geprägt, ohne ins Blumige oder Überkandidelte abzudriften.

Das unaufgeregte und dennoch farblich auffällige Covermotiv passt hervorragend zu der Geschichte. Zudem harmoniert es perfekt mit dem Titel, sodass sich ein durchweg stimmiges Gesamtbild ergibt.

Mein Fazit:
Mit „Der letzte Sommer der Tauben“ ist Abbas Khider ein berührender, aufschlussreicher und eindrucksvoller Roman gelungen, den ich gerne weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 07.04.2026

Ohne Namen, aber mit einem großen Traum

Lola im Spiegel
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Sie ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem Van auf einem Schrottplatz am Brisbane River. Die beiden sind auf der Flucht vor einer gewalttätigen Vergangenheit. Einen Namen hat die Jugendliche ...

Sie ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem Van auf einem Schrottplatz am Brisbane River. Die beiden sind auf der Flucht vor einer gewalttätigen Vergangenheit. Einen Namen hat die Jugendliche nicht, dafür aber einen großen Traum: Sie möchte eine richtige Künstlerin werden…

„Lola im Spiegel“ ist ein Roman von Trent Dalton.

Die Geschichte spielt in Brisbane (Australien). Erzählt wird sie im Präsens in der Ich-Perspektive aus der Sicht der namenlosen Protagonistin. Der Roman besteht aus 24 Kapiteln, die jeweils mit einer Zeichnung und ihrer Beschreibung beginnen. Dieses Konzept empfinde ich als kreativ und sehr ansprechend.

Der Text ist dialoglastig. Die Sprache ist rau, oft salopp und teils sogar ein wenig vulgär. Das passt allerdings zum Inhalt. Die deutsche Übersetzung von Rita Gravert ist angenehm unauffällig.

Die Charaktere werden mit Tiefe dargestellt und wirken authentisch. Unter anderem in diesem Aspekt wird deutlich, dass autofiktionale Elemente aus der persönlichen und beruflichen Erfahrung des Autors eingeflossen sind.

Es handelt sich um eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte. Dabei geht es vor allem um düstere Themen: häusliche Gewalt, Obdachlosigkeit, Traumata, Drogen, Alkohol, Korruption und ähnliche Probleme. Aber es ist zugleich auch eine Liebesgeschichte, die von magischem Realismus durchzogen ist und immer wieder Momente der Hoffnung und Zuversicht bietet. Durch diese Mischung entsteht eine emotionale Lektüre.

Mit mehr als 600 Seiten ist der Roman recht umfangreich. Dennoch kommt die Geschichte ohne größere Längen aus. Die Handlung erscheint vorwiegend glaubwürdig und hält Überraschungen bereit.

Besonders eindrucksvoll sind die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Paul Heppell. Sie verleihen der Geschichte eine weitere Dimension und verstärken die Aussagekraft.

Das Covermotiv greift zwar die künstlerische Komponente auf und passt durch die Darstellung des zerbrochenen Spiegels inhaltlich gut. Dennoch spricht es mich optisch leider gar nicht an. Der deutsche Titel bleibt nahe am englischsprachigen Original („Lola in the Mirror“).

Mein Fazit:
„Lola im Spiegel“ von Trent Dalton ist ein bewegender und unterhaltsamer Roman, der mehrere Besonderheiten aufweist.