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Veröffentlicht am 19.04.2026

Heulen ist eine Entscheidung: Roman über eine schwere Kindheit

Zähe Hunde
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Ada wächst zusammen mit ihrem Bruder Broos bei ihrem Vater in einem Trailerpark auf. Die Eltern leben getrennt, die Mutter stirbt früh bei einem tragischen Unfall. Das Weltbild des Vaters ist von einer ...

Ada wächst zusammen mit ihrem Bruder Broos bei ihrem Vater in einem Trailerpark auf. Die Eltern leben getrennt, die Mutter stirbt früh bei einem tragischen Unfall. Das Weltbild des Vaters ist von einer obsessiven Arbeitsmoral und Verachtung gegenüber der Mutter geprägt. Er glaubt, ihre Erziehungsarbeit "geraderücken" zu müssen. Diese Lektionen in Härte und Ausdauer prägen Ada tief, während ihr Bruder an der harten Erziehung zerbricht und einer Einrichtung landet.

„Als wir gingen, rannte uns ein Begleiter nach, er fragte, ob mein Vater bitte noch mal darüber nachdenken könne. ‚Der Junge hat sich auch nicht selbst erschaffen‘, sagte er.
Und ich sagte nichts, aber es machte mich sauer: Wir haben uns doch alle nicht selbst erschaffen, dachte ich. Wenn wir so anfangen, ist keiner mehr für seinen Lebenslauf verantwortlich, dann ist alles schnurzpiepegal. Man hat sich nicht selbst erschaffen, aber man muss schon sein Leben selbst schaffen. Man muss sich doch wirklich selbst seinen Platz in die Welt hacken.“

„Heulen ist eine Entscheidung. So, wie alles eine Entscheidung ist. Wenn du etwas tust, hast du selbst beschlossen, es zu tun. Nichts bringt dich zum Heulen. Nein, das machst du immer selbst. Klar, spürte ich manchmal den Drang zu heulen, als sie gerade tot war. Ich weiß, wie sich das anfühlt: irgendwo hinten im Hals, dick und heiß. Es drängt sich über die Wangen und dann die Jochbeine hinauf und drückt gegen die Augen. Wasser, das blind macht. Aber die Tränen laufen lassen ist eine Entscheidung. Du kannst sie festhalten und zurückdrängen: Hat das Wasser deine Augen schon erreicht, ist es vor allem wichtig, nicht zu blinzeln, denn sonst gibt es kein Halten mehr. Halt die Augen auf jeden Fall offen. Beiß auf die Innenseite deiner Wangen. Sag nichts. Die Stimme zu benutzen ist fatal. Nein, halt den Mund. Ball die Hände zu Fäusten und grab die Fingernägel in deine Handinnenflächen. Spann alle Muskeln an, und halt die Augen weiterhin offen. Wenn du durchhältst, sinkt das Wasser. Wenn es sich aus deinen Augen zurückgezogen hat, ist das Schlimmste vorbei. Du schluckst die Tränen hinunter, zurück in deinen Körper, sie gehören dir. Man hat immer eine Wahl.“

Ada geht weg vom Trailerpark. Sie beginnt ein Kunststudium, zieht sich jedoch bald davon desillusioniert in eine einsame Hütte im Wald in Galizien zurück. In der rauen Natur beginnt ihre Vergangenheit sie einzuholen.

„Dir würde diese wortlose Welt gefallen. Und Pa übrigens auch. Die Sprachwasserfälle anderer haben euch so schnell überwältigt: Autoritätspersonen, Beamte der Schulbehörde, Steuerprüfer, Jugendsozialarbeiter.
Und nie sagten sie, was sie wirklich von dir wollten: dein Geld, deine Zeit, deine Freiheit.“

„Zähe Hunde“ von Falun Ellie Koos ist keine leichte Kost, definitiv kein Wohlfühlroman. Die Grundstimmung bleibt von Anfang bis Ende düster und bedrückend, getragen von einer rohen, gewaltigen Sprache. Besonders die Szenen aus der Kindheit tun weh beim Lesen.
Doch genau hier liegt meine Ambivalenz: Sprachlich ist das Werk sehr stark, wirklich schmerzhaft gut. Inhaltlich hat mich dagegen eine gewisse Leere zurückgelassen; ein kleiner Lichtblick hätte dem Ganzen gutgetan. Wegen der großen sprachlichen Qualität bewerte ich mit 4 Sternen.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Weibliche Unsichtbarkeit: Origineller Debütroman

Mit anderen Augen
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Tilda Finch, 52 Jahre alt, geschieden, Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und eine erfolgreiche Unternehmerin, kann es nicht glauben: Eines Tages ist plötzlich ihr kleiner Finger verschwunden. Als ...

Tilda Finch, 52 Jahre alt, geschieden, Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und eine erfolgreiche Unternehmerin, kann es nicht glauben: Eines Tages ist plötzlich ihr kleiner Finger verschwunden. Als auch eines ihrer Ohren nicht mehr zu sehen ist, geht sie zu ihrer Hausärztin, die ihr diagnostiziert: sie leidet an Unsichtbarkeit. Eine Krankheit, die vorwiegend Frauen ab 50 Jahren betrifft - und die zu Tildas Entsetzen nicht heilbar ist.
Doch zum Glück hat Tilda zwei beste Freundinnen, die ihr zur Seite stehen und sie ermutigen, gegen ihr Schicksal anzukämpfen. Anfangs widerwillig, geht Tilda zu einer Selbsthilfegruppe und einer Therapeutin, beginnt zu meditieren ... und tatsächlich beginnt sie, sich selbst und die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

„Tilda ließ das Buch sinken und dachte darüber nach, wie sie sich der Welt präsentierte. Sie strahlte Gelassenheit aus, wirkte selbstbewusst und erfolgreich. Und doch hatte sie sich hinter verschlossenen Türen mit einer Beziehung arrangiert, die sie schon seit Jahren als destruktiv erkannt und die Stück für Stück ihr Selbstwertgefühl untergraben hatte. Der Grund, dass sie diesem Mann eine so entscheidende Rolle in ihrem Leben eingeräumt hatte, lag darin, dass sie überzeugt war, nichts Besseres zu verdienen. Sie glaubte nicht, dass sie einen Mann verdiente, der sich klar für sie entschied, der immer da war und sie wirklich liebte. Mit Entsetzen stellte Tilda fest, dass sie sich jahrelang darum gesorgt hatte, wie Tom sie wohl sah, aber nie darum, wie sie selbst sich sah. Sie hatte nicht auf ihre eigenen Bedürfnisse geachtet. Sich nie Zeit für sich genommen. Ihre Sehnsucht nach kreativem Ausdruck ignoriert. Den Krieg in ihrem Kopf nicht beachtet. Für Tom hatte sie ihre Seele entkernt, aber ihm war das trotzdem nicht genug. Er hatte sein Desinteresse auf tausend verschiedene Weisen gezeigt, aber seine Meinung von ihr war ihr trotzdem so wichtig geblieben, dass sie ihre eigene aus dem Blick verloren hatte. Sie hatte sich selbst aus dem Blick verloren.“

Die Idee des Romans hatte mich sofort begeistert, auch wenn sie sich für manche*n absurd anhören mag. Aber ist es nicht so, dass wir Frauen (besonders ab einem gewissen Alter), oft übersehen, nicht gesehen werden?
Jane Tara hat dieses Thema hier in einer wirklich fantasievollen und schönen Geschichte gepackt, ein wahres Lesevergnügen!
Sehr gut gefallen haben mir auch die Zitate zu Beginn der Kapitel, die sich viel um das Thema „gesehen werden“ bzw. „sich selbst sehen“ drehen.

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich: Der Roman ist teilweise leider recht klischeebeladen, manche Entwicklungen waren recht vorhersehbar für mich. Der Schreibstil von Jane Tara gefällt mir aber ausgesprochen gut.

Insgesamt ist „Mit anderen Augen“ ein wirklich kluger, inspirierender Roman mit dem richtigen Mix aus Humor und Tiefe. Ich empfehle ihn allen Frauen, denn: Wir müssen uns selbst sehen, um gesehen zu werden!

Vielen Dank an den Diogenes Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Kluger, persönlicher Essay über die Macht der Sprache

Sprechen
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Mit ihrem Essay „Sprechen“ erzählt die Autorin Daniela Dröscher eine sehr persönliche Geschichte über ihr „Drama mit dem Sprechen“. Dabei geht sie zum einen auf ihre soziale Herkunft ein, auf die Erfahrungen ...

Mit ihrem Essay „Sprechen“ erzählt die Autorin Daniela Dröscher eine sehr persönliche Geschichte über ihr „Drama mit dem Sprechen“. Dabei geht sie zum einen auf ihre soziale Herkunft ein, auf die Erfahrungen ihrer Mutter als Zugezogene und Kind schlesiendeutscher Eltern sowie auf die Bedeutung von Missverständnissen.

„Oft ist es gar kein radikal unverständliches, sondern schlicht ein falsch verstandenes Wort oder ein nicht eingehaltener Code wie eine ausbleibende Entschuldigung, die ganze Kriege entfachen können: zwischen Freunden, im Beruf. Innerhalb von Familien. Dazu müssen Menschen nicht einmal unterschiedliche Sprachen sprechen.“

Dieser Essay ist ein Bericht über eine Frau, die es geschafft hat, ihr Schweigen hinter sich zu lassen und offen sprechen zu können. Der Text war sehr lesenswert und bietet viel Stoff zum Nachdenken über Sprache, Zuhören, nonverbale Konversation, Schweigen, Sprechen und Missverständnisse.

„Sprache - darüber darf und soll das Missverständnis nicht hinwegtäuschen - ist Macht. Wer Sprache hat, hat die Macht. Umgekehrt gilt aber auch: Wer zu sprechen wagt, ist weniger ohnmächtig.
Niemand kommt als mündiger Mensch auf die Welt. Mündigkeit kann, nein, muss man lernen, sie ist eine Praxis. Aber wie? Indem wir uns trauen, freier zu sprechen. Allen etwaigen Missverständnissen und aller Fehlerhaftigkeit zum Trotz.“

„Wenn die menschliche Sprache das sein soll, was den Menschen zum Menschen macht, so wünsche ich mir für das 21. Jahrhundert, dass wir lernen, sie auf eine Weise zu gebrauchen, die unserer Menschlichkeit gebührt. Das aber gelingt nur, wenn wir das Missverständnis nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu umarmen, als eine der vielen Grundbedingungen allen Sprechens. Wer spricht, muss bereit sein, sich zu blamieren, zu riskieren. Das ist der Preis der Arena. Das Versprechen der geopferten Perfektion ist eine Gemeinschaft der Mündigkeit. Diese funktioniert nur, wenn wir einander wohlwollend begegnen. Wenn wir lernen, von unserem eigenen Befinden immer wieder reflexiv Abstand zu nehmen.“

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Starker Roman über Mutterschaft, Muttersprache und Herkuft

Mutters Sprache
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Wlada Kolosowa hatte mich mit ihrem einzigartigen Roman „Der Hausmann“ (unbedingt lesen!) sehr begeistert, daher habe ich mich sehr auf ihr neues Buch „Mutters Sprache“ gefreut. Allein schon das Cover ...

Wlada Kolosowa hatte mich mit ihrem einzigartigen Roman „Der Hausmann“ (unbedingt lesen!) sehr begeistert, daher habe ich mich sehr auf ihr neues Buch „Mutters Sprache“ gefreut. Allein schon das Cover ist ein Hingucker, inhaltlich darf man es mit dem „Hausmann“ allerdings nicht vergleichen.

Die Protagonistin Lisa kam vor 20 Jahren mit ihrer Mutter aus Russland nach Deutschland. Sie fühlt sich gut integriert und möchte eigentlich nichts mehr von ihrer alten Heimat wissen. Doch mit der Geburt ihres Kindes bröckelt die mühsam errichtete „deutsche Fassade“, denn dummerweise lässt sich ihre kleine Tochter nur von Schlafliedern in russischer Sprache beruhigen. Mit der Muttersprache erwachen auch verdrängte Erinnerungen an die Kindheit im hohen Norden Russlands in Lisa.

Als ihre Hebamme Aljona, die ein Geheimins hat, überstürzt nach Russland aufbricht, kommt Lisa mitsamt Baby mit ihr, um ihre alte Großmutter noch ein letztes Mal zu sehen. Dass bei der Reise hinter den Polarkreis auch ihre heimlichen Gefühle für Aljona eine Rolle spielen, ist ein anderes Thema ...
Die Handlung spielt hier im aktuellen Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Da Direktflüge unmöglich sind, müssen Lisa und Aljona eine beschwerliche Reise mit Bus und Bahn auf sich nehmen. Dabei wird nicht nur die bedrückende politische und gesellschaftliche Stimmung im heutigen Russland spürbar, sondern auch die düstere Atmosphäre der Nachwendezeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Dank verschiedenen Perspektiven und Rückblicken liest sich dieser Roman spannend, erfordert jedoch auch große Aufmerksamkeit. Erst nach und nach schließt sich der Kreis der Geschichten um die drei Frauen. Vereinzelt hätte eine Straffung den Lesefluss verbessert.

Wlada Kolosowa schreibt gewohnt gut; besonders bei den Passagen über die Heftigkeit der Mutterschaft trifft sie vieles ungeschönt auf den Punkt.

„Der Nutzungsberechtigte ihres Uterus ist zum Eigentümer ihres Lebens geworden. Er gab den Rhythmus ihrer Tage vor: linke Brust, rechte Brust, überschüssige Milch auskotzen lassen, wickeln. Er bestimmte, wann sie schlafen, essen, duschen konnte. Noch nie hatte sie sich so sehr einem anderen Wesen unterordnen müssen. Aljona wurde klar, dass der Schlüssel, den Verstand zu verlieren, darin lag, nicht weiter als einen Tag in die Zukunft zu denken.“

"'Nichts hält einen so lebendig, als sich nützlich zu fühlen', sagte sie. Doch nachts, wenn das Baby sie ständig aufweckte, fühlte sich Aljona nicht lebendig, sondern wie eine Untote. Wenn sie gerade eingeschlafen war und das Baby zwanzig Minuten später wieder in einem Crescendo krächzte, verstand sie, dass Mütter ihre eigenen Kinder misshandeln, sogar töten konnten. Sie verstand es wirklich.
War sie ein Monster? Oder ging es allen Müttern manchmal so, und der Unterschied zwischen Mütter-Monstern und Müttern war bloß der, dass Letztere einen Bremsmechanismus besaßen, der ihre Gedanken nicht Realität werden ließ?"

„Mutters Sprache“ ist ein berührender, starker Roman über Mutterschaft, Herkunft und Sprache, für den ich 4 Sterne vergebe und sehr hoffe, bald wieder etwas Neues von Wlada Kolosowa lesen zu dürfen!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Inspirierende Rezepte für Frühstück und Brunch

Easy Morning - Frühstück & Brunch
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„Easy Morning - Frühstück & Brunch“ von Christina Schierlinger-Brandmayr ist ein sehr ansprechend gestaltetes Buch in hochwertigem Hardcover-Einband, das im Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die Autorin ...

„Easy Morning - Frühstück & Brunch“ von Christina Schierlinger-Brandmayr ist ein sehr ansprechend gestaltetes Buch in hochwertigem Hardcover-Einband, das im Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die Autorin vereint hier 60 unterschiedlichste Rezepte für Frühstück und Brunch: vom schnellen „To Go“-Rezept über Smoothies und Müsli-Rezepte bis hin zu Broten und anderem Gebäck; dazu unterschiedliche Getränke-Rezepte.

Mir persönlich haben besonders die verschiedenen Rezepte für Brot, Bagels und anderes Gebäck gefallen; hier werde ich definitiv alle Rezepte durchtesten.

Auch das Konzept der Sharing Plates fand ich sehr interessant; das bietet sich fürs nächste größere Brunch-Treffen mit Familie oder Freunden an.

Einen Stern Abzug gibt es von mir, weil ich die Seitengestaltung und das Layout im Buch nicht gut lesbar finde: die Überschriften der Rezepte in Großbuchstaben und im Querformat am Rand sind sehr unübersichtlich; man erkennt nicht schnell auf den ersten Blick, welches Rezept man vor sich hat. Das hätte man besser gestalten können; auch die Rezeptbeschreibungen in Großbuchstaben sind vielleicht modern, aber nicht gut lesbar.

Ansonsten ist „Easy Morning - Frühstück & Brunch“ ein inspirierendes Buch, das Lust aufs Genießen und Ausprobieren neuer Rezepte macht.

Vielen Dank an den Löwenzahn Verlag und an Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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