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Veröffentlicht am 21.04.2026

Ein emotional aufrüttelnder Abschluss

Die Narben, die uns einen 03
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„Mein Onkel kocht Ramen, die so lecker sind, dass sie dir den Sinn des Lebens zurückgeben.“

„Die Narben, die uns einen“ - Narben, innere wie äußere tragen wir durch unser Leben. Nicht jede ist sichtbar, ...

„Mein Onkel kocht Ramen, die so lecker sind, dass sie dir den Sinn des Lebens zurückgeben.“

„Die Narben, die uns einen“ - Narben, innere wie äußere tragen wir durch unser Leben. Nicht jede ist sichtbar, nicht jede bemerken wir beim ersten Aufeinandertreffen oder beim ersten Kontakt. Manchmal ist es notwendig, dass wir hinter den äußeren Anschein schauen oder hinter die Maske, die Menschen zum Schutz tragen. Genau das nehme ich aus der dreibändigen Reihe mit, die mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Jahre sind vergangen - Kyonosuke trauert noch immer um Akira, die ihn verlassen hat. Völlig überraschend trifft er Kenta wieder - der, der zu Schulzeiten einer seiner Peiniger war - und stellt fest, dass auch er sich verändert hat. Kenta gelingt es schließlich, zu ihm durchzudringen - gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Ariel.

Es hat mich überrascht, dass eigentlich eher die Erinnerungen und die Scham Kyonsukes im Vordergrund standen, und andere Beziehungen in den Fokus rückten, anstatt Akira und ihn in den Vordergrund zu rücken - und es hat mir sehr gut gefallen. Kyonsukes Trauer und seine Scham aufgrund der Trennung war immer noch präsent. Es war eine schwere Last, die er mit Sich herumträgt - das hat man in jedem Panel gespürt, insbesondere am Anfang. Arias ist die Darstellung wirklich ausnehmend gut gelungen.

Kenta wird viel Raum eingeräumt - um seine Veränderung aufzuzeigen und ihm mehr Schattierungen zu verleihen - und ich stimme dieser Entscheidung voll und ganz zu, da sie dem Abschlussband der Reihe mehr als gut getan hat. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Physische und psychische Gewalt spielen im Abschlussband wie auch in den vorhergehenden Bänden eine große Rolle, mit dem kleinen Unterschied, dass die Kämpfe nicht mehr nur einseitig sind und nicht immer ausgehen, wie erwartet.

Fazit? Eine großartige Reihe, die die Menschlichkeit wie die Facetten des Charakters und des sozialen Umfelds in den Vordergrund rückt. „Die Narben, die uns einen“ wirft harte Themen wie Identität, Selbstbestimmung, Depression auf und behandelt sie ehrlich. Für mich eine großartige Reihe, bei der meine Augen auch nicht trocken blieben.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Eine Mischung, die süchtig macht

Run to Heaven 02
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„Träume sind nicht als Fallen für all die armen Narren, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe bekommen.“ Das der Satz der Admiralin (wer kennt sich noch aus dem ersten Band?) nicht so ganz der Wahrheit ...

„Träume sind nicht als Fallen für all die armen Narren, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe bekommen.“ Das der Satz der Admiralin (wer kennt sich noch aus dem ersten Band?) nicht so ganz der Wahrheit entspricht, sehen wir an Band zwei.

Ich wurde durch eine epische Szene zwischen Vater und Tochter begrüßt - die mich sofort wieder an die Seiten fesselte. Für mich war dieser zweite Band noch mitreißender und spannender (nervenzerfetzend!) als der erste.

Der Krieg im Archipel ist vorbei. Um ihren Vater zu retten, wird Fee von einem Überläufer ein Deal angeboten. Wenn sie bei den nächsten WorldGames in vier Jahren mitmacht, hat sie die Möglichkeit sich und ihren Vater in Sicherheit zu bringen.

Es sind grausame Zeichnungen von Krieg, Verstümmelungen, Feuer und Verwüstung, mit denen wir in der ersten Hälfte des Mangas konfrontiert werden. Teilweise könnten die Zeichnungen auch aus den Nachrichten stammen, eins zu eins. Sie jagen mir kalte Schauer über den Rücken. Die Emotionen und die großen Dramen spielen in dem Band eine wichtige Rolle - ebenso wie die Frage, wie weit man zu gehen bereit ist, um die, die man liebt zu retten.

Gleichzeitig gibt es Hoffnungssplitter in all der Dunkelheit. Ein geteilter Song, ein geteiltes Lächeln. Training. Den Mut, loszulassen und dafür etwas anderes zu retten. Das waren meine Lichtpunkte in diesem Band. Die Musik spielt ebenso eine wichtige Rolle - die Lieder von ABBA oder Carpenters begleiten uns durch die zweite Hälfte des Buches und geben den Kapiteln eine persönlichere Note. Diese „Zweiteilung“ hat dem Buch gut getan. Hohe Dramatik auf der einen Seite, starke persönliche Entwicklung durch mutige Entscheidungen auf der anderen.

Ich bin einfach nur begeistert von der Mischung: Sportmanga vor dem Hintergrund von Gewalt und Krieg. Ich giere nach neuen Seiten von dem Weg zum Himmel!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Ein großartiges Stück Literatur

Der letzte Leuchtturm
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💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. ...

💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. 💔

„Auf der Insel Muckle Flugga steht einer der beeindruckendsten Leuchttürme dieses oder sonst irgendeines Planeten. Seine ungestüme Perle aus Licht vermag Schiffe - und die Menschen darauf - ungeachtet von Sturm, Wind und Hagel in die Sicherheit zu geleiten. (…)“

„Der letzte Leuchtturm“ lebt und atmet durch zwei Dinge. Zum einen der rauen Schönheit der Insel, zum anderen den Protagonisten, die auf der Insel leben, sei es nur vorübergehend oder dauerhaft. Und natürlich vom allgegenwärtigen Meer, welches das Leben aller bestimmt.

Es ist eine Geschichte über Lebensabschnitte, über der Frage, ob Glück wirklich gleichbedeutend mit der Aufgabe ist, die schon Generationen verrichtet haben und ob man nicht seinem eigenen Schicksal folgen sollte. Ob man für andere lebt oder für sich selbst. Diese Fragen bewegen mich und rühren in mir.

Firth, ein junger Autor, will nicht mehr leben, er will einfach, dass alles endet. Doch zuvor will er noch den Worten seines Großvaters folgen und von Edinburgh auf die Shettlands reisen, um die Schönheit Muckle Fluggas zu bestaunen. Ouse ist der Sohn des verschlossenen Leuchtturmwärters, der irgendwann den Dienst an den Schiffen und Menschen von seinem Vater übernehmen soll - er lernt das Handwerk. Sein Vater gestattet ihm ein Zubrot - die Kunst. Er zeichnet, entwirft Strickmuster und verkauft die Ware auf den Märkten - und findet darin seine eigentliche Erfüllung. Als Firth und Ouse aufeinandertreffen, ist es für mich vergleichbar mit einer Naturgewalt. Sie sind zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten. Firth mit seinem Dandygehabe und seiner Art, andere für sich einzunehmen, als Schutzschild, um seine eigentliche Persönlichkeit zu verstecken. Ouse, der es vor allem seinem Vater, der sich nach dem Tod seiner Mutter verändert hat, recht machen, keine Gewalt, physischer oder psychischer Natur provozieren möchte, aber doch so ganz anders ist, wenn sein Vater durch Abwesenheit glänzt. Firth erkennt schnell, dass sein Talent auf der Insel vergeudet wäre. Ouse muss eine Entscheidung treffen - und diese Entscheidungsfindung war so spannend für mich wie ein Krimi! Ich bin so gerne in die tiefgründige Mikrosoziologie der kleinen Insel eingetaucht. Der Roman fußt nicht auf Action und rasantem Tempo, eher auf den unterschiedlichen Perspektiven und Monologen der einzelnen Figuren - was für mich fabelhaft funktioniert hat. Mit der verbalen Auseinandersetzung keimte auch die Frage nach der Heimat und nach dem Ende von Lebensabschnitten auf.

Getragen wie auf einem monumentalen Podest wird der Roman durch seine poetische Sprache. Ich habe in jeder einzelnen Zeile gespürt, dass Michael Pedersen aus der Lyrik stammt, der Stil war außergewöhnlich, staunenswert und trotzdem passend für die Geschichte und für das stürmische Meer. Ich habe mich geärgert, dass ich keine Post It’s zur Hand hatte. Jede Zeile hätte einen Marker verdient.

Durch Pedersens Stil schimmert immer wieder der fantastische Realismus hindurch, sei es durch Ouse‘ besten imaginärem Freund, durch Träume, die in die Realität greifen oder durch blitzende Nächte im Leuchtturm.

Was für ein großartiges, eigenwilliges, stürmisches Stück Literatur. Ich habe jede Zeile geliebt. Für mich ein Highlight.

Großartig und feinfühlig übersetzt von Stephan Kleiner.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Bombastische Fantasy

The strength of the few
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„Kette deinen Zorn in der Dunkelheit an, und er wird nur wachsen. Aber manchmal sind Ketten der einzige Weg.“

Mit „The strength of the Few“ holt uns James Islington genau da ab, wo er uns im ersten Teil ...

„Kette deinen Zorn in der Dunkelheit an, und er wird nur wachsen. Aber manchmal sind Ketten der einzige Weg.“

Mit „The strength of the Few“ holt uns James Islington genau da ab, wo er uns im ersten Teil seiner Hierarchy- Reihe zurückgelassen hat. Strauchelnd, voller Trauer und den Cliffhanger-Moment noch in den Gliedern - und er fordert den Leser mit neuen Überraschungen, mit neuen Komplexitäten und neuen Welten heraus. Wisst ihr was? Das hat mir nicht das geringste ausgemacht! Seine Bücher starre ich sehr gerne sprachlos an, während mein Hirn versucht die Tetrissteine in die richtigen Lücken zu bugsieren.

Ich hatte „Will of the many“ zuvor nicht noch einmal gelesen, sondern ein Bonuskapitel, in dem Vis, der Protagonist und Ich-Erzähler, monologartig die Ereignisse von Band eins noch einmal rekapituliert. Mir hat das als Einstieg vollkommen ausgereicht und mir auch die nötige emotionale Grundrichtung eingeflüstert. Ihr könnt das Bonuskapiteln im Netz finden.

Ich musste mich zunächst zurechtfinden und klammerte mich an die schon bekannte Welt (Res) und an die Truppe, die zu Freunden geworden war. Neben dieser römisch inspirierten Welt hatte Islington noch zwei andere in Petto - Obiteum, eine entfernt an das alte Ägypten erinnernde Welt und Luceum, wo Druiden und Clankämpfe an der Tagesordnung sind. Wir erkunden alle drei. Ich persönlich fühlte mich auch in allen dreien zuhause nach einer gewissen Schnupperzeit. Islington hat bewusst auf die drei Welten zurückgegriffen: Res kannten wir schon auf dem letzten Buch, Luceum ist dem Fantasyleser bekannt mit seinen Driuden, Speeren und dem englisch-irischen Setting - so blieb für ihn eigentlich nur noch Obiteum, das er erklären musste und dass er auch als ein bisschen surreale Spielwiese gebrauchen konnte. Dadurch, dass alle paar Kapitel die Welten wechselten, wurde es für mich auch nie langweilig. Im Gegenteil, ich wollte unbedingt wissen, wie es in Luceum weitergeht, wenn ich die ersten Zeilen von Res gelesen hatte und umkehrt. Das brachte ein ständig wachsendes Gefühl der Dringlichkeit mit sich, das mich förmlich ans Buch klettete. Gleichzeitig gestaltete Islington seine Welten und Magiesystem, das auf dem Willen basiert, aus - und zwar so verteilt, dass trotz dessen dass es komplexer wurde und neue Komponenten hinzukamen, ich immer am Ball blieb - und Tetris spielte.

Aber warum? Normalerweise verzweifle ich doch beim Tetris und scheide schon bei den ersten Leveln aus! Die Figuren nahmen mich an die Hand: Vis, der voller Gram und Zorn trotzdem seine Freunde im Blick hatte, Aequa, voller Lebensfreude, Eidhin, immer ein Grinsen auf dem Gesicht - ganz zu schweigen von den neuen Freunden in anderen Welten! Es galt so viele actiongeladene Situationen zu meistern und so viele Intrigen zu unterwandern, dass man gar nicht dazu kam, irgendwo in dem Buch nach Längen zu suchen. Genau diese Balance zwischen World- und Characterbuilding ist James Islingtons große Stärke, mit der er reihenweise Tetriswürfel pulverisiert!

Er verknüpft eine spannende, komplexe Handlung mit tollen Charakteren und essentiellen Fragen, wie weit man bereit ist zu gehen.

Zum Schluss entlässt er uns mit einem großen Cliffhänger - ich hungere förmlich nach dem dritten Teil.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Das Ende einer Ära (vorerst)

Die Kinder des Seefahrers 2
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Ein Ende wie ein Rausch!

Die finale Schlacht um die Hexenholzkrone hat begonnen - und die war wirklich filmreif. Stellt euch Popcorn bereit! Ich habe einmal mehr gemerkt, wie fesselnd Tad Williams schreiben ...

Ein Ende wie ein Rausch!

Die finale Schlacht um die Hexenholzkrone hat begonnen - und die war wirklich filmreif. Stellt euch Popcorn bereit! Ich habe einmal mehr gemerkt, wie fesselnd Tad Williams schreiben kann und wie meisterhaft er die Erzählstränge, am Beginn der Reihe angelegt, jetzt verwebt - und plötzlich ergeben sie alle einen Sinn. Die Schlacht ist in meinem Kopf wie ein Actionfilm abgelaufen. Splitternde Schilde, dumpfe Schläge von Äxten auf weiches Fleisch oder widerstandsfähige Kettenhemden, Schreie und strahlendes Leben oder grausamer Tod. Was habe ich um meine liebsten Figuren belangt!

Was eine Menge waren, muss ich sagen: Allen voran Jiriki vom Feenvolk, Morgan und Nezeru oder Binabik, der Troll. Und natürlich das Paar unter dem Hochkönigsbann. Ich habe ihnen so gern gelauscht.

Tad Williams schlägt in diesem letzten Band Töne der Demokratie und der Verständigung an - ein wenig kann man die Fantasypolitik auf die Realpolitik beziehen - und bei manchen Sätzen konnte ich nur zustimmend nicken. Neue Zeiten brechen in Osten Ard an - und die Völker haben aus den alten Fehlern gelernt.

Tad Williams nimmt sich viel Zeit für das, was nach der großen Schlacht geschieht. Ich persönlich finde das grandios - es ist so viel schlimmes passiert und so viel musste unerledigt im Land zurückgelassen werden, um die große Schlacht zu schlagen. Da finde ich es wichtig, dass Williams viel Raum dafür lässt, was danach geschieht und mich noch ein bisschen am Leben der Figuren teilhaben lässt. Um sie geht es schließlich - und um die Veränderungen, politisch, menschlich, sozial, die sie durchgemacht haben.

Einige Erzählstränge verknotet er nicht - lässt sich also Raum, um nach Osten Ard zurückzukehren. Die nächste Geschichte ist schon angekündigt. Ich bin glücklich, noch nicht ganz Abschied von dem Reich nehmen zu müssen.

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