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Veröffentlicht am 21.05.2026

Mord und Vorurteile

Strandopfer
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Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten ...

Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten Paaren in der Nähe Urlaub gemacht. Da einer aus der Clique im deutschen Innenministerium arbeitet, wird Lena Schuldt, Kriminaloberkommissarin vom BKA, nach Misdroy geschickt. Sie soll abklären, ob es sich tatsächlich nur um einen Unfalltod ohne Fremdeinwirkung handelt. Als sie und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk die Leiche untersuchen, entdecken sie ein großes geschliffenes Stück Bernstein in der Kehle des Toten. Außerdem ist Luisa, die zehnjährige Tochter eines der Paare spurlos verschwunden. Schwierige Ermittlungen beginnen.

„Strandopfer“ ist der Auftakt zu Frank Goldammers neuer Reihe mit einem polnisch-deutschen Ermittlerduo. Schon die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen, doch wurden meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Die Suche nach Luisa läuft auf Hochtouren, gleichzeitig ermitteln Schuldt und Krawczyk im Mordfall Hundt. Während sie einen Racheakt der polnischen Bernsteinmafia vermutet, glaubt Adam, dass der Täter einer der Reisegefährten sein könnte. Die Zeit drängt und bald ist ein weiteres Opfer zu beklagen.

Hier ist nichts so wie es scheint. Weder klappt die Zusammenarbeit zwischen Schuldt und Krawczyk besonders gut, noch kooperieren die Freunde des Toten mit der Polizei. Vorurteile, Misstrauen, Klischees und Kompetenzgerangel erschweren die Ermittlungen in hohem Maß. Es liest sich erschreckend, wie wenig die letzten Jahrzehnte und eine Europäische Union in den Köpfen der Menschen bewirkt haben. Das gilt für die Polizisten genauso wie für die Urlauber.

Während Adam fließend Deutsch spricht, versteht Lena kein einziges polnisches Wort, obwohl sie ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Dies macht ihr neben ihren zahlreichen Vorurteilen gegenüber Polen, von Beginn an zu schaffen. Unterstellt sie doch Adam nicht korrekt zu übersetzen, ohne dafür einen Beweis zu haben. Außerdem hat sie Schwierigkeiten damit, dass er das Kommando hat.

Keiner der Protagonisten ist sonderlich sympathisch. Die Ermittler machen Fehler, da sie nicht vernünftig zusammenarbeiten und ihren Vorurteilen frönen. Lena hat eine traumatische Kindheit und Jugend hinter sich und hasst die Region. Ihren Flashbacks wird sehr viel Raum gegeben. Adams gescheiterte Ehe mit einer Deutschen hat ihre Spuren hinterlassen. Die Mitglieder der Reisegruppe sind einander lange nicht so zugetan, wie sie den Anschein erwecken wollen. Sie verschweigen wichtige Beobachtungen und Vorkommnisse. Einig sind sie sich nur in der Beurteilung der kleinen Luisa, die als schwieriges, verzogenes Gör beschrieben wird. Ich habe mich wiederholt gefragt, warum diese Gruppe freiwillig ihren Urlaub gemeinsam und in Polen verbringt.

Der Autor schildert den Fall mit bilderreichem Lokalkolorit, was mir sehr gefällt. Die teilweise düstere Atmosphäre passt gut. Der Fall an sich ist spannend, doch die zahlreichen Rückblicke Lenas und das ständige Aufblitzen von Vorurteilen, führen zu Längen. Ich denke, dass dies der Einführung geschuldet ist. Letztendlich wird das Verbrechen aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Teilweise hat mich das Ende überrascht. Ich hatte zwar eine Ahnung in diese Richtung, aber die Perfidität des Täters hat mich doch verblüfft.

Im Epilog klingt an, dass Adam und Lena sich besser verstehen lernen und erfolgreich ihre Vorurteile bekämpfen wollen. Das lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen, die das Potenzial des Plots voll ausschöpft.

Ein Glossar am Ende mit polnischen Begriffen rundet das Buch ab.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine Nonne verlässt ihr Kloster, um ein Verbrechen aufzuklären

Mord in der Pension Möwennest
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Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ...

Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ehemalige Novizin ist Nora ans Herz gewachsen wie eine Tochter. Als Frieda das Kloster wegen eines Lungenleidens verlassen musste, gab sie ihrer alten Freundin das Versprechen, wöchentlich einen Brief zu schreiben. Daran hat sie sich strikt acht Monate lang gehalten bis die Briefe abrupt ausblieben. Frieda war plötzlich spurlos verschwunden und niemanden schien das zu kümmern - außer Agnes. Und deshalb wurde sie wieder Nora Breen.

Jess Kidd hat mit „Mord in der Pension Möwennest“ einen Kriminalroman mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpaar geschrieben. Das Buch spielt in den 1950er Jahren und hat mich gut unterhalten.

Nora folgt Friedas Spur in die Pension Möwennest, in der sie vor ihrem Verschwinden gewohnt hat. In der heruntergekommenen Herberge lebt eine kleine Gruppe ziemlich skurriler Menschen. Sie alle können oder wollen nur vage Angaben zu Friedas Plänen und möglichen Zielen machen. Kurze Zeit nach Noras Einzug stirbt einer der Mieter. Die Polizei tippt auf Suizid, nur die Witwe geht von einem Mord aus. Nora sucht nach einer Spur von Frieda, aber auch im nahe gelegenen Städtchen Gore-on-Sea bleibt sie erfolglos. Mittlerweile sterben der nächste Bewohner des Möwennests und sein Hund eines unnatürlichen Todes. Während der Detective Inspector weiterhin von Suiziden bzw. Unfällen ausgeht, glaubt Nora an eine Mordserie, der auch Frieda zum Opfer gefallen ist.

Die Geschichte spielt 1954 und entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Die Abläufe im Möwennest, Noras Nachforschungen und gelegentliche Ausflüge in die Stadt dominieren die Erzählung. Noch leidet die Gesellschaft unter den Nachwehen des Krieges. Geld und Arbeitsplätze sind knapp. Es herrscht eine etwas düstere, resignierte Atmosphäre. Nach und nach werden Details aus Noras früherem Leben und ihre Beweggründe für den Klostereintritt offenbart, ebenso warum ihr Frieda derart ans Herz gewachsen ist.

Jess Kidds Geschichte bevölkern eher schräge Charaktere. Nora, intelligent, stur und zupackend, findet sich erstaunlich gut in ihrem neuen Leben zurecht. Sie hat das Zeug zur Ermittlerin, da die Menschen gern mit ihr reden und sich ihr öffnen. Inspector Rideout ist Noras Thesen gegenüber zwar skeptisch, pflegt aber nicht die Vorurteile gegenüber Frauen, die in den 1950ern üblich sind. Er ist gewillt ihr zuzuhören und nimmt sie ernst. Die Bewohner des Möwennests bilden eine Zweckgemeinschaft, die die Not zusammengeführt hat. Die vornehme Pensionswirtin Helena, die sich in Krankheiten flüchtet und ihre wilde kleine Tochter nicht bändigen kann. Diese kleine Dinah weigert sich zu sprechen, bekommt aber mehr mit als die meisten glauben. Die schroffe Haushälterin Irene, die nicht so gefühllos ist, wie sie sich gibt. Und die Pensionsgäste: Poppy, der Puppenspieler, angeblich vornehmer Abkunft. Bill, der ehemalige Seemann, der jetzt Barkeeper ist und Helena liebt. Teddy und Stella, ein junges berufstätiges Ehepaar. Karel, der junge Fotograf und Frieda, die verschwundene ehemalige Novizin.

Die Geschichte hat mich erst allmählich in ihren Bann gezogen. Obwohl die Zahl der Verdächtigen klein ist, erfordert es einige Zeit, die Fälle aufzuklären. Letztendlich gelingt es, den Täter zu entlarven. Auch Friedas Schicksal wird aufgeklärt.

Jess Kidd gelingt es, die Atmosphäre der 1950er Jahre einzufangen und diese Zeit ihren Lesern näherzubringen. Mit Nora hat sie eine sympathische Ermittlerin geschaffen, die hervorragend mit Inspector Rideout zusammenarbeitet. Was mich leider während des gesamten Romans gestört hat, ist, dass die Autorin einerseits mehrfach Noras klamme finanzielle Situation thematisiert, sie aber gleichzeitig unsinnige Dinge kaufen lässt, obwohl es ihr an den einfachsten Sachen mangelt wie vernünftigen Schuhen. Auch lässt sie ihre Heldin keinen Gedanken daran verschwenden, wie sie diese Notlage beheben könnte. So geht sie nicht auf Arbeitssuche, obwohl ihre Ermittlungen dies zeitlich gut zuließen und sie als Krankenschwester Arbeit finden könnte.

Insgesamt gesehen haben mir Noras Geschichte, ihre Tatkraft und ihr Humor gut gefallen. Ich werde auch ihrem zweiten Fall eine Chance geben.



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Veröffentlicht am 27.04.2026

Ist Ispettrice Marias Ex ein Mörder?

Tödliche Begegnung
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Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna ...

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna wurde eine erstochene Frau gefunden. Immerhin scheint der Fall klar zu sein, denn der mutmaßliche Täter ist bereits verhaftet. Der Verdächtige, Stefano Bianchi, hatte noch die Tatwaffe in der Hand. Er verweigert jede Aussage und will nur mit einer Person sprechen - Ispettrice Maria di Bartolomeo, seiner Ex-Frau.

Elisa Corti lässt in „Tödliche Begegnung“ ihr Dreamteam Giovanna und Maria erneut zusammen ermitteln. Besondere Brisanz erhält der aktuelle Fall durch die Identität des Hauptverdächtigen. Ist Marias Ex-Mann tatsächlich ein brutaler Mörder? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Bis zur Lösung des Falls hat mich der Lombardei-Krimi spannend unterhalten.

Alles spricht gegen Stefano. Das Opfer, Liliana Gatti, und er hatten eine Beziehung, die sie erst kürzlich beendeten. Danach folgte noch ein heftiger Streit. Nur Stefanos Fingerabdrücke sind auf der Tatwaffe, er wurde als letzter vom Handy der Toten angerufen und der Mord sieht wie ein Verbrechen aus Leidenschaft aus. Questore, Staatsanwalt und Giovannas Kollege Fini sind überzeugt, dass sie den Täter bereits in Haft haben. Nur Giovanna zögert. Nicht nur, weil Maria felsenfest von der Unschuld ihres Ex-Manns überzeugt ist, sondern weil sie ihr Instinkt zögern lässt. Gemeinsam mit der Gemeindepolizistin hat Giovanna vor einem Jahr einen komplizierten Mordfall gelöst. Seither gehört die quirlige Maria zum näheren Freundeskreis der Commissaria.

Prolog und Rückblicke ins Jahr 2002 lassen uns Szenen aus Lilianas Vergangenheit miterleben. Der Schluss liegt nahe, dass hier der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt. Warum ist damals Lilianas beste Freundin Alice verschwunden?

Die sympathische Giovanna ist eine kompetente und sehr gründliche Ermittlerin, die sich auf ihren Instinkt verlassen kann. Sie scheut keine Mühen noch vermeidet sie Diskussionen mit dem Questore, solange das Ermittlungsergebnis sie nicht überzeugt. Eher introvertiert, taut sie allmählich auf, knüpft Freundschaften und scheint ihren Platz in Bellagio gefunden zu haben. Ich finde es sehr sympathisch, dass sie ihren Ermittlungsstand mit Schildkröte Bruno „diskutiert“. Maria ist wesentlich extrovertierter und fest in ihren Clan integriert, sie ergänzt sich hervorragend mit der Commissaria, ist intelligent und sympathisch. Auch die Nebencharaktere überzeugen. Eine wichtige Rolle spielen natürlich der Comer See, seine anrainenden Gemeinden und „La Dolce Vita“. Das Lokalkolorit lässt stellenweise Urlaubsfeeling aufkommen.

Letztendlich knacken Giovanna und Maria den Fall und sogar noch einen zweiten. Obwohl ich dieses Mal nicht auf den Täter gekommen bin, fand ich die Lösung überzeugend. Allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen von mir. Ich fand, dass der Auflösung des Falles zu wenig Raum gegeben wurde und das Ende deshalb überhastet wirkt. Auch die besonders brutale Ausführung des Mordes, quasi eine „Übertötung“, passt nicht zum Profil des Täters.

Der Lombardei-Krimi hat mich auch dieses Mal gut unterhalten und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Immerwährender Sommer

Ins fahle Herz des Sommers
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Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf ...

Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf um die Ressourcen, um Wasser und Lebensmittel, beginnt. Dann bricht eine Pandemie aus, die „neue Pest“ und tötet einen großen Teil der Menschheit.

In diesem Setting spielt Andreas Eschbachs neues Buch „Ins fahle Herz des Sommers“. Eine Dystopie, die es in sich hat und den Leser in ihren Bann zieht.

Fausto Tardillon wollte gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe in den Norden fliehen, nach Grönland oder Sibirien, wo die Temperaturen angeblich noch erträglich sind. Damals war das noch möglich. Doch dann starb Giuseppe, erstochen von einem Wahnsinnigen, dem er helfen wollte. Fausto gab seine Flucht nach Norden auf und landete im kleinen Dorf Saint-Aumarec, wo nur noch wenige leben, die alte Madame Mareveaux, Pfarrer Ducreux und die Bauernfamilie Braque, die sich abschottet. Jeder kämpft ums Überleben und Fausto zieht in Vollmondnächten los, um die Umgebung zu erkunden und nach Nutzbarem zu suchen.

Eines Tages taucht eine geheimnisvolle junge Frau, Valérie, auf. Sie scheint die Hitze sehr gut zu vertragen und ernährt sich bevorzugt vom Fruchtfleisch der allgegenwärtigen Kakteen, einer invasiven Art, die überall wächst. Fausto verliebt sich und die beiden jungen Leute ziehen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Valérie unter einer partiellen Amnesie leidet. Sie weiß nur wenig über ihre Herkunft und das frühere Leben. Fausto ist glücklich und bereit, seine Freundin zu beschützen. Gegen die Begierde der drei Braque-Söhne und vor den Fremden, die ins Dorf kommen und bleiben. Sie ähneln Valérie frappierend, was Fausto sehr beunruhigt. Doch dann wird die junge Frau schwanger und das Paar freut sich auf das Baby. Sie ahnen nicht, was auf sie zukommt.

Fausto ist ein sympathischer junger Mann, der sich trotz aller Widrigkeiten, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er unterstützt die alte Madame Mareveaux und den betagten Pfarrer so gut er kann. Unermüdlich versorgt er seine Pflanzen und arbeitet ständig, um das Überleben zu sichern. Die anderen Charaktere bleiben dagegen flach, was ich im Fall von Valérie schade finde. Gern hätte ich mehr über sie erfahren.

Andreas Eschbach beschreibt anschaulich, wie sich die zuerst als besonders schön empfundenen Sommer innerhalb weniger Jahre zu einer fortwährenden Hitzekatastrophe entwickeln. Danach tötet eine weltweite Seuche eine große Zahl an Menschen. Der Autor schildert überzeugend die bedrückende Atmosphäre, die den Überlebenden keine Perspektive bietet. Es wird immer heißer und der Norden ist unerreichbar abgeschottet und zudem überbevölkert. Am Beispiel von Fausto, der als Erzähler fungiert, wird der beschwerliche Alltag, die Ausweglosigkeit des Daseins geschildert. Dieser Teil der Dystopie hat mich gefesselt.

Allerdings finde ich, dass der Liebesgeschichte zu viel Raum gegeben wird. Was die Beziehung und ihre Folgen mit Fausto macht, ist nachvollziehbar. Warum aber erfährt der Leser so wenig über Valéries Empfinden, ihre Vergangenheit und die Ursache ihrer Amnesie? Und was ist mit den Fremden? Woher kommen sie? Warum jetzt und in wessen Auftrag? Worin besteht die Rolle von BioGen? Am Buchende waren noch einige meiner Fragen unbeantwortet, obwohl andere Wendungen wenig überraschten.

„Ins fahle Herz des Sommers“ ist ein spannendes Buch über ein Thema, das uns alle angeht. Zum Stichwort „Gedankenexperiment“ mit dem der Roman beworben wird: Ich als Eschbach-Fan finde, da wurde Potenzial verschenkt.


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Veröffentlicht am 20.04.2026

Manchmal ähnelt das Leben Kintsugi

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller ...

Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller glaubt, dass ihr Mann ermordet wurde. Niemand scheint ihre Überzeugung zu teilen. Schon gar nicht der ermittelnde Polizeibeamte Delmas. Aber Sarah lässt nicht locker.

Zunächst scheint alles klar. Marceau wird vermisst und schließlich zerschmettert am Fuß eines steilen Felsens gefunden. Überspannter Schriftsteller stirbt tragisch durch seinen gefährlichen Sport, so der Tenor von Polizei und Freunden. Doch die verzweifelte Sarah kann und will das nicht glauben. Beharrlich sucht sie nach Indizien und geht ihrer Umgebung, vor allem Delmas auf die Nerven. Angeblich hat Marceau ein letztes geheimnisvolles Buch hinterlassen, aber dieses ist spurlos verschwunden. Akribisch verfolgt Sarah jede Spur. Dabei fühlt sie sich mehr und mehr verfolgt. Seltsame Dinge geschehen. Verliert sie langsam den Verstand oder steckt etwas Anderes dahinter? Wem kann sie noch vertrauen? Im Verlauf der Ereignisse gerät ihre Welt immer mehr aus den Fugen. Wie gut kannte sie Marceau eigentlich?

Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von Sarah erzählt. So sind ihre Gedanken, Motive und was sie antreibt gut nachvollziehbar. Gelegentlich kommt ihre Freundin und Kollegin Karen zu Wort. Sie ergänzt Sarahs Beschreibungen. Und dann sind da die Erinnerungen und Überlegungen von Marceau selbst, die vor allem die Vergangenheit betreffen.

Entgegen meinen Erwartungen rückt statt des toten Bestsellerautors die Witwe ins Zentrum der Erzählung. Sie ist eine starke, beinahe unbändige Persönlichkeit, die impulsiv handelt und sich nicht einschüchtern lässt. Grundsätzlich habe ich mir etwas schwergetan mit ihr. Voll verständlicher Wut und Trauer poltert sie los. Dabei nimmt sie keinerlei Rücksicht auf ihre trauernden Kinder, die sie egoistisch vernachlässigt. Es klingt an, dass auch zu seinen Lebzeiten, Marceau für die Kinder „zuständig“ war. Jetzt schiebt sie Benjamin und Hermione zu Karen ab. Sarah konzentriert sich auf die Suche nach dem Manuskript, dem sie eine Schlüsselrolle zumisst.

Die anderen Charaktere bleiben ziemlich flach und erscheinen bis zum Ende undurchsichtig. Liegt das daran, dass Sarah sich nie die Mühe gemacht hat, die anderen richtig kennenzulernen? Eigentlich hatte sie nur zu Jade, Marceaus vor Jahren verschwundener Schwester eine echte Verbindung.

Aus meiner Sicht ist die Erzählung mehr ein Spannungsroman als ein Krimi. Was treibt die Menschen an? Warum handeln sie so, wie sie es tun? Warum werden sie zu Verrätern? Kennt man diejenigen, die einem nahestehen wirklich? Diese Fragen werden gestellt, aber nur teilweise beantwortet. Zwar blieb mein Interesse am Fall Marceau Miller immer wach, doch gab es kleine Längen im Mittelteil. Obwohl die Zahl der Protagonisten klein ist, waren Täter und Motiv für mich überraschend, aber logisch passend. Leider bekam die Auflösung für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum.

„Das letzte Buch des Marceau Miller“ hat mich gut unterhalten. Es ist flüssig, teilweise „blumig“ geschrieben („Ein Uhu, einsamer Bariton, stimmt eine Arie an“) und punktet mit einer beeindruckenden Naturkulisse. Ein „psychologisches Meisterwerk“ wie es der Verlag nennt, ist es für mich allerdings nicht.

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