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Veröffentlicht am 07.06.2026

Eine schmerzhaft-poetische Geschichte über Missbrauch und Heilung

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Das Debüt von Lilli Tollkien ist ein unglaubliches Werk voller Schmerz und Ehrlichkeit, das seine Leser*innen nicht schont. Ich fand es auf mehreren Ebenen eindrücklich, kann aber gar nicht deutlich genug ...

Das Debüt von Lilli Tollkien ist ein unglaubliches Werk voller Schmerz und Ehrlichkeit, das seine Leser*innen nicht schont. Ich fand es auf mehreren Ebenen eindrücklich, kann aber gar nicht deutlich genug auf die Inhaltswarnungen verweisen.

Ich schließe mich den Vermutungen an, dass Tollkien hier an ihrer eigenen Biografie entlangschreibt. Das macht die Lektüre nicht leichter, im Gegenteil. Denn die Protagonistin Lale erlebt eine schiere Fülle an Leid in ihrem jungen Leben. Die Mutter aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit nicht sorgeberechtigt und der Vater im Gefängnis, kommt sie in eine links anmutende Männer-WG. Obwohl später auch ihr Vater dort einzieht, mangelt es an Schutz und kindgerechtem Umgang. Nicht nur werden auch hier diverse Drogen missbraucht, sodass Lale bereits im Kindesalter mit ihnen in Kontakt kommt. Sie erfährt auch wiederholt sexualisierte sowie verbale und psychische Gewalt.

Diese Passagen schreibt Tollkien auf einem unvergleichlich hohen Niveau. Sie wählt eine Sprache, die durch Nüchternheit und Poesie die kindliche Naivität und Unschuld perfekt einfängt. Gleichzeitig verfehlt diese Erzählweise keinesfalls ihre Wirkung - mir wurde wiederholt schlecht beim Lesen. Ich konnte Männer im Zuge dieses Romans wirklich nur verabscheuen. Ihre Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen bzw. Frauen und Mädchen keinen Schaden zuzufügen, hat mich brennen lassen vor Wut.

Klug schlägt die Autorin zudem immer wieder den Bogen in die Zukunft; verdeutlicht, wie die erwachsene Lale - später sogar als Mutter - im Zuge ihres Heilungsprozesses auch immer wieder an die Grenzen ihres Traumas stößt. Die Geschichte ist so erschütternd wie kraftvoll und hat mir wirklich einiges abverlangt!

Mein kleiner Abzug begründet sich mit genau den poetischen Anklängen der Sprache, die zwar erfolgreich das Traumatische der Geschichte abmildern können, aber wie so oft nicht ganz meinen Geschmack treffen. Auch die nüchtern-distanzierten Schilderungen Lales dienen diesem Zweck, haben mich emotional aber auch mehr auf Distanz gehalten als ich es mir gewünscht hätte.

Nichtsdestotrotz kann ich Tollkien für dieses Debüt nur meinen Respekt zollen. Ein Werk, das wiederholt kraftvoll eingeschlagen hat und welches mich fassungslos zurücklässt. Es ist keine Wohlfühlgeschichte, sie hat nicht einmal ein klares Happy End. Und doch ist es eine Erzählung über innere Stärke und das Finden einer Stütze in sich selbst.

[CN: sexualisierte, verbale und psychische Gewalt; Alkohol- & Drogenmissbrauch]

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Eine unglaublich schmerzhafte, aber auch sanfte Geschichte

Die Nacht der Bärin
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Kira Mohn hat sich mit ihren beiden neuesten Werken bereits ganz tief in mein Herz eingeschrieben. Deshalb wollte ich unbedingt auch noch das viel besprochene „Die Nacht der Bärin“ lesen. Ich war thematisch ...

Kira Mohn hat sich mit ihren beiden neuesten Werken bereits ganz tief in mein Herz eingeschrieben. Deshalb wollte ich unbedingt auch noch das viel besprochene „Die Nacht der Bärin“ lesen. Ich war thematisch gewappnet, aber schmerzvoll war die Lektüre dennoch.

Auch nach diesem Roman bin ich mir weiterhin sicher, dass Mohn eine meiner liebsten Autorinnen bleiben wird. Ich finde, dass sie ein unglaubliches Gespür für die Balance zwischen ernsten und sanften Tönen hat. Bei diesem Buch hätte ich mir zwar wirklich Trigger-Warnungen gewünscht, aber die Autorin balanciert recht gut an der Grenze des Grauens entlang.

Und nicht nur ihr ganz spezieller Ton hat mich begeistert. Ich weiß es immer zu schätzen, wenn Autor*innen sich nicht scheuen, politisch zu werden. Und dass Mohn hier nebenbei Veganismus und seine Beweggründe tangiert, obwohl ich das wirklich gar nicht habe kommen sehen, finde ich unvergleichlich schön. Außerdem flossen bei ihrem Nachwort wirklich einige Tränen, weil sie auch da noch einmal hervorhebt, wer an gewalttätigen Beziehungen Schuld hat - und wer eben nicht.

Besonders kalt den Rücken runter lief es mir bei den einzelnen Sätzen zwischen den Kapiteln. Die Autorin sammelt hier Aussagen, die Menschen in gewalttätigen Beziehungen wahrscheinlich nur zu gut kennen. Ob Manipulation, Gaslighting, Drohung oder Flehen - jeder einzige Satz war ein beklemmender Donnerschlag.

Leichte Abzüge gebe ich, weil ich mit den fantastischen Elementen der Kinderperspektive nicht ganz so viel anfangen konnte. Ich finde sie grundsätzlich total schlau eingesetzt und für genau diese junge Erzählperspektive machen sie absolut Sinn. Mohn hat auch die Gefühlswelt der jungen Maja fehlerfrei eingefangen und die Beziehung zu ihrer Schwester Anna in einem so bedrohlichen Elternhaus ganz fein beobachtet. Ich habe mich nur einige Male dabei ertappt, dass ich bei den träumerischen Abschweifungen in der Handlung nach Orientierung gesucht habe.

Insgesamt ist das hier aber eine klare Empfehlung mit der deutlichen Inhaltswarnung zu körperlicher und sexualisierter Gewalt. Kira Mohn verbindet zwei Zeitebenen und Erzählperspektiven sehr elegant miteinander und gibt allen Beteiligten ein authentisches Profil. Der Roman liest sich trotz aller thematischer Schwere völlig leicht und kommt ohne Längen aus. Auf dass die Autorin niemals aufhört, so wichtige Geschichten zu schreiben!

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine ruhig-atmosphärische Erzählung mit guter Emotionsdichte

Zugvögel wie wir
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Wie schon in ihrem letzten Roman setzt Julia Dibbern auch hier auf eine ruhige Geschichte mit atmosphärischen Naturbeschreibungen. Ruhige Erzählungen haben es bei mir gar nicht mal so leicht, aber der ...

Wie schon in ihrem letzten Roman setzt Julia Dibbern auch hier auf eine ruhige Geschichte mit atmosphärischen Naturbeschreibungen. Ruhige Erzählungen haben es bei mir gar nicht mal so leicht, aber der Stil der Autorin macht irgendetwas mit mir. Ihr neues Werk hat mir sogar noch einen Ticken besser gefallen, weil hier hervorragend mit Rückblenden und anderen Textformen gespielt wurde, war für einen wirklich tollen Lesefluss gesorgt hat.

Die Lektüre hat bei mir innerlich einiges ausgelöst in Bezug auf Eltern-Kind-Beziehungen und deren Abbruch. Das ist ein so heikles Thema, bei dem noch immer zu sehr die Schuld bei den abbrechenden Kindern gesucht wird, dass ich dieses Buch wirklich als ein eher positives Beispiel einordnen würde. Ich habe es nämlich an keiner Stelle als wertend empfunden und auch, wenn Eva als Mutter hier im Fokus steht, konnte ich Sophies Position wirklich gut nachvollziehen. Die Text-Kommunikation zwischen den beiden schafft es, in ganz wenigen Worten unglaublich viel zu transportieren. Das Ende ist extrem offen gehalten, was ich als die einzig richtige Entscheidung empfinde - alles andere wäre unglaubwürdig gewesen.

Um die reale Schwere durch die belastete Mutter-Tochter-Beziehung aufzulockern - ohne dabei zu romantisieren - webt die Autorin immer mal wieder Gespräche zwischen Sophie und ihrer Oma ein, die mein Herz bis ganz tief drinnen gewärmt haben. Besonders hervorheben möchte ich, dass wieder ein Idealismus spürbar war in dieser Geschichte - diesmal vor allem in Bezug auf Tierschutz, der einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Es hätte manchmal noch ein wenig tiefer gehen können und einige Mini-Nebenhandlungen dienten mir zu eindeutig nur der Figurenentwicklung Evas, aber insgesamt überzeugt dieser sehr runde Roman mit Emotionen, die unter die Haut gehen.

Nicht alles ist leicht an diesem Buch und obwohl die Protagonistin eine Art Selbstfindungsreise unternimmt, bleibt es angenehm authentisch und driftet nicht ab in eine unglaubwürdige Geschichte, in der eine einzige Begegnung das ganze Leben verändert. Stattdessen bekommen wir eine ehrliche Selbstreflexion, auch wenn die noch radikaler hätte ausfallen dürfen. Ehrliche Empfehlung für alle, die ruhig-atmosphärische Geschichten mögen und sich für Beziehungsdynamiken interessieren.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Als Kurzgeschichte betrachtet: Super Unterhaltung und tolles Setting

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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Ich finde diese kurze Geschichte, die ja immerhin gerade einmal halb so viele Seiten umfasst wie übliche Bücher dieses Genres, wirklich gut gelungen für das, was sie sein möchte. Ja, natürlich kann auf ...

Ich finde diese kurze Geschichte, die ja immerhin gerade einmal halb so viele Seiten umfasst wie übliche Bücher dieses Genres, wirklich gut gelungen für das, was sie sein möchte. Ja, natürlich kann auf gut 200 Seiten nicht extrem tief auf die Gaming-Branche und auch die Figuren eingegangen werden. Aber dafür ist ja auch der Charme an kurzen Geschichten, dass sie vielleicht sogar in einem Rutsch gelesen werden können und so ein richtiges Eintauchen ermöglichen.

Ich fand den Schreibstil der Autorin wieder einmal sehr unterhaltsam, mit einem tollen Humor, der mich einfach an den Stil Ali Hazelwoods erinnert. Die Einblicke in diese männerdominierte Branche fand ich wieder sehr interessant und natürlich hätte ich da auch gerne noch mehr gelesen, aber siehe oben. Ich habe die Details dazu insgesamt als ausreichend empfunden und die Leidenschaft der beiden Protas fühlen können.

Die Dynamik zwischen Viola und Jesse ist aufgeladen, aber später dann auch echt lieb. Dass es sich am Ende in Bezug auf den Spice so verdichtet und drum herum nicht mehr so wirklich viel passiert, würde ich schon ein wenig kritisieren, und auch das absolute Begehren für die weibliche Hauptfigur war mir too much, aber insgesamt fand ich die Geschichte wirklich rund für die wenigen Seiten.

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Roman als Hörbuch gehört habe, denn das hat auch den Nebenfiguren noch mal ein bestimmtes Profil gegeben, das mir gut gefallen hat. Ich bin angesichts der geringen Seitenzahl schon mit der Erwartung einer Art Kurzgeschichte rangegangen und das hat sich wirklich bewährt. Ein knackiges Vergnügen für alle, die Ali Hazelwoods Stil und Humor mögen.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Ganz große Unterhaltung, aber für mich passen die Männer dieser Reihe nicht

The Night We Met
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Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, ...

Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, sondern vielmehr auf aus dem Leben gegriffene Probleme, bei deren Bewältigung Therapie und psychische Stabilisierung eine Rolle spielen. Auch werden wie gewohnt ernste Themen angesprochen, die sehr passend in die romantische und gut lesbare Geschichte eingebettet werden.

Allerdings habe ich hier ein ähnliches Problem wie schon beim Vorgänger „Say You’ll Remember Me“: Die männliche Hauptfigur kippt mir zu sehr in ein Aufopfern. Es wird wortwörtlich gesagt: „So sollte es mit den Menschen sein, die man liebte. Dass man permanent das Bedürfnis verspürte, sich um sie zu kümmern.“ Das sehe ich nicht so und ich finde diesen Ansatz ehrlicherweise auch sehr problematisch. Ich verstehe, dass er in Romance funktioniert. Allerdings mag ich die Autorin ja gerade dafür, dass sie derartig platte Rollenbilder nicht nötig hat und ihre Figuren authentisch und aus dem Leben gegriffen sind.

Chris opfert einfach alles auf, macht jeden kleinen Handgriff für Larissa und auch wenn ich das gerade in Bezug auf ihre finanzielle Notlage teilweise verstehen kann, finde ich es deutlich übertrieben. Denn es wird zum Beispiel überhaupt nicht klar, was Larissa zur Beziehung der beiden beiträgt. Irgendwie erinnert mich das an typisches Männlichkeitsgehabe, bei dem die Männer „heldenhaft“ alles für ihre Partnerin übernehmen, während diese Partnerin gleichzeitig eher als eine Art Schatz fungiert, deren eigene Rolle in der Beziehung weitestgehend unklar bleibt. Aber eine gute Beziehung baut ja darauf, dass beide voneinander profitieren und sich nicht eine Seite aufopfern muss.

Das Problem hatte ich beim Vorgänger auch schon und ich bedaure sehr, dass die Autorin hier diese etwas platte, unkreative Richtung einschlägt. Ich hoffe wirklich, dass sie bald wieder auf vielschichtigere Charaktere setzt, die wirklich auf Augenhöhe sind. Denn Larissa ist eine echt gut geschriebene Figur und ihre Lebenssituation hat mich berührt. Nur innerhalb der Beziehung verblasst sie leider spürbar.

Auch wenn ich diesen Teil der Reihe etwas besser fand als den Vorgänger, ist mir auch hier wieder die kognitive Dissonanz in Bezug auf Tiere bitter aufgestoßen. Es wird sich liebevoll um einen (übrigens übertrieben brutalen!) Straßenhund gekümmert, während zu jeder Mahlzeit tote Tiere zu gehören scheinen. Mir hat das Lesen trotz dieser Kritikpunkte aber großen Spaß gemacht und ich bleibe Abby Jimenez aufgrund ihrer ernsten und gleichzeitig unterhaltsamen Schreibweise auf jeden Fall treu.

Ein lobendes Wort möchte ich noch verlieren für die Thematisierung von Alkoholismus, Depression und mentaler Gesundheit sowie ehrlichen Freundschaften zwischen cis Männern. Zwischendrin war ich etwas genervt davon, wie sich die Freundschaft zwischen Chris und Mike zu entwickeln schien. Das Ende hat mich aber wieder versöhnt und ich finde, solche erwachsenen Beziehungen zwischen Männern sollte es in Büchern öfter geben.

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