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Veröffentlicht am 01.05.2026

In deinen grünen Augen

Solange ein Streichholz brennt
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Solange ein Streichholz brennt ein Roman von Christian Huber (dtv)

Bohm hatte die Hand auf der Klinke, da sagte die Sozialarbeiterin: „Hast du den Brief aufgemacht, Bohm?“

„Nein“, sagte er. ohne den ...

Solange ein Streichholz brennt ein Roman von Christian Huber (dtv)

Bohm hatte die Hand auf der Klinke, da sagte die Sozialarbeiterin: „Hast du den Brief aufgemacht, Bohm?“

„Nein“, sagte er. ohne den Kopf zu drehen.

„Mach ihn auf!“, hörte er in seinem Rücken. „Egal, was es ist, Probleme verschwinden nicht von allein.“

Kommt darauf an, wie weit man läuft, dachte Bohm und ging. (S. 22)

Während ich diesen Text verfasse, höre ich, rückblickend zu der Lektüre von Christian Huber, die Tracklist, die Musik zum Buch. Ganz einfach über den QR-Code am Ende des Buches abrufbar, wunderbar passend und inspirierend! Ja, auch ich finde Portishead unheimlich cool!

Alina und Bohm, vermutlich sind sie gar nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Alina eine junge Fernsehjournalistin, die sich im Kreis dreht und das nicht so richtig wahrhaben will, trifft auf Bohm, einen Obdachlosen, der scheinbar etwas zu verbergen hat. Beide Protagonisten sind sympatisch, witzig und passen wie die Faust aufs Auge. Doch kann das sein? Darf das sein? Jeder hat Erwartungen zu erfüllen. Ist es möglich den zugewiesenen Rollen zu entfliehen, etwas zu vermischen, was nicht sein darf? Vielleicht, denn dieser Roman ist so viel mehr als eine Liebesgeschichte in Köln. Wir lesen einen Abriss einer Branche, die neben den Informationen auch die Sensationssucht der breiten Masse bedient. Paralell dazu sehen wir ein Leben am Rande der Gesellschaft. „Solange ein Streichholz brennt“ ist ein Streifzug durch unsere Gesellschaft, unsere Sichtweisen und wie sich alles ganz einfach beeinflussen lässt. Ein Hoffnungsschimmer sind die Menschen, die sich engagieren und Mitgefühl zeigen.

Neben den tollen Figuren und dem pulsierenden Setting ist der Text des Autors wunderbar einfach zu lesen und beinhaltet viele Zwischentöne, die eine Gänsehaut erzeugen. So entwickelt die detailreiche Geschichte eine Eigendynamik und ist eine wunderbare Lektüre, der man sich nicht entziehen kann.

Fazit: Lasst uns einfach ein wenig menschlicher sein und mit offenen Augen durch diese Welt gehen. Jeder hat eine Geschichte und jeder verdient es respektvoll und ohne Vorurteile gesehen und behandelt zu werden. Manchmal weiß man nicht, wer da vor einem steht, doch es lohnt sich Fragen zu stellen und hinter die Fassade zu blicken. Vielleicht möchte dieser Jemand doch gesehen werden und verdient eine zweite Chance oder einen Neuanfang?! Auf alle Fälle muss man diese Buch lesen, es ist richtig gut!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die Verantwortung der Eltern, die Antwort: Liebe

Ich hab dich ganz genauso lieb
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Ich hab dich ganz genauso lieb ein Kinderbuch von Keira Knightley (Schneiderbuch-HarperCollins)

Sie schleicht auf Zehenspitzen rein
und küsst mich auf mein Haar.

Sagt „Meine Große, schlaf jetzt ein“
und ...

Ich hab dich ganz genauso lieb ein Kinderbuch von Keira Knightley (Schneiderbuch-HarperCollins)

Sie schleicht auf Zehenspitzen rein
und küsst mich auf mein Haar.

Sagt „Meine Große, schlaf jetzt ein“
und lässt ein Briefchen da.

Die ganze Welt gerät ins Wanken mit der Ankündigung von weiterm Nachwuchs. Nicht nur auf die Eltern, sonder auch auf die älteren Kinder stürzen Freude und Bedenken gleichzeitig ein. Man muss sich als Familie und einzelnes Familienmitglied innerhalb der kleinen Gemeinschaft neu finden und gerade für das Geschwisterkind kann das eine enorme Herausforderung sein. Liebe, Freude, Erwartungen, Eifersucht und Wut konkurieren miteinander und können die Gefühlswelt ganz schön durcheinander bringen. Wir Eltern und Erwachsene sind da, um dem kleinen Menschen zu helfen, seinen Platz im Familiengefüge zu finden. Das Bewustsein, dass die Liebe nicht geteil wird, sondern stärker als zu vor werden kann, erklärt die Autorin in ihrem inspirierenden Buch. Die wundervollen, zarten und zugleich ausdrucksvollen Zeichnungen und der fantasiereiche Text inspierieren zu einer Traumreise. Kinder und erwachsene Leser sowie Vorleser können immer und immer wieder Kleinigkeiten und Neues darin entdecken. Die Abbildungen und Farben spiegeln die jeweilige Stimmung wieder. Der Text ist aus der Sicht und Stimmung des Kindes geschrieben und darf, für mich, kindlich emotional sein. Das positive Ende, gemeinsame Fazit und die Botschaft, die diese Kinderbuch beschreiben, finde ich sehr wichtig und brillant umgesetzt!

Fazit: Ich hätte mir vor sechzehn Jahren solch ein wundervolles Buch zur Unterstützung gewünscht, um meiner Tochter begreiflich machen zu können, dass die Ankunft ihres Bruders bei Weitem nicht so dramatisch ist, wie sie sich das vorgestellt hat.
Zu den kritischen Stimmen möchte ich gern noch etwas anfügen; oft sind wir Erwachsenen diejenigen, die beurteilen und werten, Kinder dagegen sehen mit anderen Augen und sind neugierig. Daher, gebt diesem zauberhaften Buch eine Chance und versucht die Botschaft zu verstehen. Ich empfehle diese Erzählung uneingeschränkt und hoffe auf weitere Lektüre der Autorin.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Zeitgeschehen

Wenn die Sonne untergeht
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Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies (S.Fischer Verlag)

So erleichtert ist Thomas Mann, dass er in Frankreich nach drei Wochen wieder sein Lieblingskind Elisabeth in die Arme schließen kann, dass ...

Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies (S.Fischer Verlag)

So erleichtert ist Thomas Mann, dass er in Frankreich nach drei Wochen wieder sein Lieblingskind Elisabeth in die Arme schließen kann, dass er ihr abends, als sich ein prächtiger Regenbogenüber die Bucht von Le Lavandou spannt, den Schluss des Rheingolds von Wagner vorsingt. Wenn ihm seine Medi so ergriffen zuhört, können ihm die 43 Unterzeichner des Protests der Richard-Wagner-Stadt München doch glatt gestohlen bleiben. S.120

Florian Illies gibt Einblicke in die Familiengeschichte und die Beziehungen der Familie Mann und deren Freunde und Bekannten. Er verbindet die privaten Erlebnisse der Manns mit dem Zeitgeschehen. Hierbei erschweren die hiesigen Herrschenden und die jüdische Abstammung seiner Frau die Rückkehr ins alltägliche Leben. So landen Thomas Mann, seine Frau Katja und die sechs Kinder im Sommer 1933 am französischen Mittelmeer in Sanara-sur-Mer. Die Lage in Deutschland wird immer prekärer und so bleibt die Familie erst im Hotel und bezieht dann ein Haus. Das Ehepaar erlebt in diesem Sommer Zweisamkeit, einen strukturierten Alltag und intellektuelle Gespräche sowie einen regen Austausch mit Freunden.
Die Erzählung erscheint wie eine Sammlung von Momenteufnahmen aus der genannten Zeit. So zeichnet der Autor ein lebediges und vielschichtiges Bild. Er fängt die kleinen, unscheinbaren Momente des Alltags ein und verleiht ihnen Bedeutung. Man rückt der Familie Mann ein Stück näher und somit ist der Leser hautnah dabei, wenn Illies von individuellen Erfahrungen und Beobachtungen der Protagonisten erzählt. Die Figuren sind authentisch gezeichnet und Illies spart nicht mit ehrlichen Worten. So bekommt der ein oder andere, sein mit Augenzwinkern versehenes, Fett weg, doch ohne jemals beleidigend oder bloßtellend zu wirken. Der faktenbasierte, teils fiktive Text trägt tiefsinnige Gedanken und läd ebenso zum Schmunzeln ein.
Doch nicht nur die Details des Alltags stechen ins Auge, vielmehr fängt der Autor die Stimmung der damaligen Zeit sowie die Empfindungen und Meinung der Künstler und Intellektuellen ein. Illies schreibt von Sehnsucht, Heimatverbundenheit, denn zeifelsohne ist das hier kein normaler Urlaub, sondern eine, irgendwie den Umständen geschuldete, gefühlt erzwungen verbrachte Freizeit.

Gefallen hat mir das Kapitel „Danach“, in dem man etwas über den weiteren Werdegang und die Schicksale der Familienmitglieder und Freunde erfährt. Auch der Stammbaum am Ende des Buches erweist sich als hilfreich. Die Aufmachung finde ich sehr gelungen.

Fazit: Ein sehr schöner Roman, poetisch, ehrlich, intellektuell; ich habe ihn sehr gern gelesen!

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Aus dem Nähkästchen geplaudert, tutto bene!

Alle weg
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Alle weg - Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald

„Das Leben wird in der Nebensaison auf angenehme Weise gleichförmig, die Tage ähneln einander. Und das ist sehr schön und tut, finde ich, der geistigen ...

Alle weg - Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald

„Das Leben wird in der Nebensaison auf angenehme Weise gleichförmig, die Tage ähneln einander. Und das ist sehr schön und tut, finde ich, der geistigen Gesundheit gut. Wir alle können uns ungestört unseren kleinen und großen Ritualen widmen,... .“ S. 51

Die ruhigen Töne von Stefan Maiwald sind nicht minder spannend, wie seine Erzählungen vom Sommer in Italien, speziell aus Grado und von der Adriaküste. Vom September bis in den April hinein, eine Herbst- und Winterinspiration, in der die Einheimischen zur Ruhe kommen. Doch ihre Geschichten und Begebenheiten erzählen von einem liebevollen und intensiven Miteinander. Der Autor schreibt vertraut, lustig, auf den Punkt. Sein einzigartiger Schreibstil ist wie eine gute Unterhaltung mit einem Freund und macht das Lesen so angenehm. Die seiten fliegen dahin und man fühlt sich selbst als Teil in Pinos Bar oder inmitten der großen Familie.
Eine Reise im Herbst, um die Sommersaison und den Urlaub in Italien nachklingen zu lassen, lohnt sich mit Sicherheit. Es ist anders, doch laut Stefan Maiwald nicht weniger schön. Denn abseits der agilen Sommermonate findet man hier Ruhe, Inspirationen und die Schönheit der Natur, nette Menschen, Gespräche und Geschichten über die Bewohner. Wer das mag, ist in der Nebensaison genau richtig hier. Dieses Jahr habe ich es verpasst, doch nächstes Jahr heißt mein Ziel Grado im Oktober mit Hund, denn auch für die Vierbeiner ist es an der Küste zu dieser Jahreszeit sehr angenehm.

Fazit: Stefan Maiwald ist ein Garant für erstklassige Unterhaltung! Ein Aufatmen und zurück zu den Basics zwischen Tradition und Eigenarten, perfekt für kurzweilige Lesestunden!

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Krimikomödie nach Art von Grasby

Der Tote im Kamin
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Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)

„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt ...

Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)

„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt Bill, nicht wahr?“
„Meine Güte, Inspector, Sie sind ja auf Zack. Kaum hier angekommen, und Sie kennen schon die Namen der Haustiere im Dorf. Jemanden wie Sie haben wir gebraucht.“
„Was meinen Sie damit?“
„Na ja, hier herrscht ein ausgewachsenes Chaos, und Bleakly ist wohl kaum in der Lage, allein einen Mord aufzuklären.“ S.183

Ja, schnell eingelebt hat sich der Inspector ins beschauliche Elderby. Doch die all zu schnell aus dem Kamin gepurzelte Leiche bestätigt den Anschein vom beschaulichen Landleben keineswegs. Denn Grasby, seine amerikanische Praktikantin Miss Dean oder einfacher Deedee und der allzeit müde Sergeant Bleakly haben alle Hände voll zu tun, als kurze Zeit später eine zweite Leiche auftaucht. In dieser ruhigen vorweinachtlichen Atmosphäre im Jahr 1952 ist reichlich kriminelle Energie vorhanden. Hier gilt es den Dorfbowohnern einmal genauer auf die Finger zu schauen.
Mit gewieften Dailogen, einer Portion schwarzhumoriger Episoden und liebenswert schrägen Charakteren erzählt Denzil Meyrick einen spannenden Cozy-Crime-Roman. In einem angemessenen Tempo und der Zeit entsprechend besticht die Geschichte durch angenehmen Lokalkolotit. Man spürt den Zeitgeist und erkennt beim Lesen gesellschaftliche Besonderheiten und Probleme.
Die Figuren konnten mich voll überzeugen und bestechen durch ihre typischen Charaktereigenschaften und teils schrägen Besonderheiten. Genauer der Inspektor mit seiner liebenswert tollpatschigen und doch direkten Art konnte mich mit seinen Aktionen fesseln.
Der Autor wählt Grasby bewusst als Ich-Erzähler aus. Basierend auf Tagebucheinträgen, Notizen, Polizeiberichten und Erinnerungen sowie Erzählungen entfaltet sich das abenteuerliche Leben des Frank Grasby nun vor den Augen der Leserschaft. Und zum Glück hat das alles Denzil Meyrick in seinen Roman zusammengefasst. Denn der leicht sonderbare Ich- Erzähler verleiht dem Gesagten einen besonderen Stil, den ich sehr mag.

Fazit: Ein wunderbarer Fall! Sehr lesenswert! Und einen Dank an den britischen bsw. schottischen Humor!
Danke und Chapeau Denzil Meyrick!

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