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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.10.2024

Sehr liebevoll gestaltetes Kinderbuch

Leserabe – Ein Drache auf Burg Erbsenfels
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Daniel Sohr hat ein neues Buch für kleine Erstleser ab 6 Jahren geschrieben. Es heißt "Der Drache auf Burg Erbsenfels" und erscheint in der Leserabe-Reihe des Ravensburger Verlags.

Auf 48 Seiten wird ...

Daniel Sohr hat ein neues Buch für kleine Erstleser ab 6 Jahren geschrieben. Es heißt "Der Drache auf Burg Erbsenfels" und erscheint in der Leserabe-Reihe des Ravensburger Verlags.

Auf 48 Seiten wird in vier Kapiteln die Geschichte vom kleinen Bruno erzählt, der mit Ritter Otto auf der Burg Erbsenfels lebt. Als Ritter Otto auf der Jagd ist, landet auf dem Burghof ein Drache. Anfangs fürchtet sich Bruno vor dem Drachen, aber schon bald werden die beiden Freunde.

Das empfehlenswerte Buch ist mit vielen schönen Illustrationen sehr kindgerecht gestaltet, die Texte sind spannend und eignen sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen. Sehr schön finde ich die Idee mit dem beigefügten Stickerbogen. Beim Selberlesen kann der Erstleser nach jedem gelesenen Kapitel einen Sticker in ein dafür vorgesehenes Feld kleben, ebenso nach Beantwortung der Leserätsel am Ende des Buches.

Das farbenfroh gezeichnete Cover zeigt Bruno mit Helm auf dem fliegenden Drachen und passt wunderbar zum Inhalt des Buches.

5 Sterne von mir und klare Leseempfehlung für dieses spannende und sehr liebevoll gestaltete Kinderbuch!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Zutiefst berührender und fesselnder Roman

Erschütterung
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Seit langem schätze ich das literarische Angebot des Hanser Verlags und freute mich daher sehr auf die Lektüre des neuen Romans "Erschütterung" von Percival Everett.

Der Autor erzählt in seinem Roman ...

Seit langem schätze ich das literarische Angebot des Hanser Verlags und freute mich daher sehr auf die Lektüre des neuen Romans "Erschütterung" von Percival Everett.

Der Autor erzählt in seinem Roman die Geschichte des 42jährigen Geologie-Paläobiologen Zach Wells, der als Hochschulprofessor tätig ist. Er selbst bezeichnet sich als Nerd, der in Höhlen herumkriecht, und sein Hang zur Melancholie lässt ihn immer wieder an Selbstmord denken. In seine Ehefrau Meg ist er nicht verliebt, jedoch schätzt er sie und teilt gern den Alltag mit ihr. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, Sarah, die 12 Jahre alt ist.

Zachs und Sarahs große Freude ist das gemeinsame Schachspiel, bei dem Sarah ihrem Vater weit überlegen ist. Einen Fehlzug beim Spiel entschuldigt Sarah damit, dass sie eine gegnerische Figur nicht gesehen habe. Wenig später berichtet sie den Eltern, das Whiteboard in der Schule nur noch verschwommen zu sehen. Ein Sehtest bei der Optikerin ergibt keine Klarheit, ebenso der Besuch bei der Kinderärztin. Beim Augenspezialisten der Kinderklinik erleidet Sarah einen komplex fokalen Anfall. Der Arzt ist ratlos und überweist Sarah an eine Neurologin. Diese führt umfangreiche Untersuchungen durch, die ergeben, dass Sarah das Batten-Syndrom hat, welches auf einem Gendefekt beruht. Sarah wird nicht nur ihr Augenlicht, sondern all ihre geistigen und motorischen Fähigkeiten verlieren. Die unheilbare Krankheit schreitet rasch voran.

Zach, dessen Welt bis in die Grundfesten erschüttert wird und der dem Verfall seines Kindes hilflos zusehen muss, findet in einer bei Ebay erworbenen Second Hand-Jacke einen kleinen Zettel mit einem mysteriösen Hilferuf in spanischer Sprache. Heimlich fährt er nach New Mexico und begibt sich auf die Suche nach jemandem, den er retten kann.

Das fesselnde Buch ist in der Ich-Form erzählt und hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es ist in intelligentem und kraftvollem Sprachstil geschrieben. Die Geschichte hat mich zutiefst erschüttert und berührt, ein großartiger Roman, der mich noch lange begleiten wird und der bereits jetzt zu meinen Highlights des Jahres gehört.

Interessanterweise hat Percival Everett die Originalausgabe "Telephone" des Buches im letzten Jahr in drei verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Abschlüssen veröffentlicht, sehr zum Unmut vieler Leser.

Der Roman stand im letzten Jahr im Finale des renommierten Pulitzer-Preises.
Klare Leseempfehlung von mir und hochverdiente 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Faszinierender und emotionaler Roman - unbedingte Leseempfehlung!

Dschinns
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Der Hanser Verlag hat mit diesem fesselnden Familiendrama von Fatma Aydemir ein großartiges Buch veröffentlicht, das bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights gehört und mich noch lange beschäftigen ...

Der Hanser Verlag hat mit diesem fesselnden Familiendrama von Fatma Aydemir ein großartiges Buch veröffentlicht, das bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights gehört und mich noch lange beschäftigen wird.

Die Geschichte der türkischen Familie Yilmaz spielt in den neunziger Jahren.
Das Buch ist in 6 Kapitel unterteilt, in jedem Kapitel steht ein anderes Mitglied der Familie im Mittelpunkt.

Kapitel 1 - Hüseyin
Der Metallarbeiter Hüseyin steht kurz vor seinem 60. Geburtstag und der Frührente. Seit 33 Jahren ist er mit Emine verheiratet, das Paar hat 4 Kinder: Sevda, Hakan, Perihan und Ümit. Hüseyin hat 30 Jahre für seinen Traum gespart: eine Eigentumswohnung in Istanbul, in der er die Sommer mit seiner Familie verbringen möchte. Am Umzugstag erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt.

Kapitel 2 - Ümit
Ümit ist mit seinen 15 Jahren der Jüngste der Familie und geht noch zur Schule. Er reist zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester Peri nach Istanbul, um den Vater zu beerdigen. Es fällt ihm schwer, echte Trauer zu empfinden, seine Gedanken schweifen ständig ab. Er denkt an seine erste Liebe und die daraus resultierenden Besuche bei Dr. Schumann.

Kapitel 3 - Sevda
Sevda ist die älteste Tochter der Familie, sie blieb mit 12 Jahren in der Türkei bei den Großeltern, während der Rest der Familie zum Vater nach Deutschland durfte. Sie widersetzt sich der geplanten Ehe mit einem Lehrer und darf mit fast 15 Jahren zu ihrer Familie nach Deutschland. Der Vater lebt da schon seit fast 10 Jahren in Deutschland. Ihre Mutter und sie sind sich fremd geworden, Emine begegnet ihrer Tochter mit Misstrauen. Drei Jahre später geht Sevda eine arrangierte Ehe mit Ihsan ein und bekommt zwei Kinder: Sohn Cem und Tochter Bahar. Immer schon hat sie davon geträumt, Geschäftsfrau zu werden. Sie übernimmt eine Pizzeria und trennt sich nach einem Brandanschlag auf ihre Wohnung von ihrem Ehemann.
Sie begibt sich gemeinsam mit ihren Kindern nach Istanbul, den Vater hatte sie 5 Jahre zuvor zum letzten Mal gesehen.

Kapitel 4 - Peri
Perihan, genannt Peri, lebt ihr Leben so, wie sie es möchte, frei von allen Zwängen. Ihre erste Liebe ist Armin, ein Schulkamerad, mit dem sie sich jeden Tag heimlich trifft. Während Peri sich auf ihr Abitur konzentriert, fehlt Armin jeglicher Ehrgeiz. Er lebt in den Tag hinein und nimmt Drogen. Peri verlässt ihre Eltern sofort nach dem Abitur, um in Frankfurt Germanistik zu studieren. Sie geht nun eigene Wege und geht zu Armin auf Distanz. Die Beziehung endet tragisch. Peri lernt in einer Campuskneipe den geheimnisvollen Ciwan aus Kurdistan kennen.

Kapitel 5 - Hakan
Hakan wollte nie so sein wie sein Vater, der sich nichts gönnte und nur arbeitete. Er wollte sich nie einem Chef unterordnen und handelt mit Gebrauchtwagen. Bereits als Jugendlicher gerät er mit dem Gesetz in Konflikt und enttäuschte seinen Vater.
Auf der Fahrt nach Istanbul gerät er in Österreich in eine Polizeikontrolle und muss sich einem Drogentest unterziehen, wodurch er die Beisetzung seines Vaters versäumt.

Kapital 6 - Emine
Im letzten Teil des Buches wird offenbart, weshalb Emine depressiv ist und wodurch sie innerlich zerbrochen ist. Sie erzählt ihrer Tochter Sevda ihr grausames Geheimnis, das sie seit vielen Jahren in sich trägt.


Die Geschichte der Familie Yilmaz hat mich von Anfang an gefesselt und zutiefst berührt. Das Buch ist in anspruchsvollem und intelligentem Sprachstil geschrieben. Ich konnte eintauchen in das Leben der Familie Yilmaz, mich einfühlen in ihre Sorgen und seelischen Nöte. Das Buch verdeutlicht dem Leser auch die Schwierigkeiten, mit denen eine Familie in einem fremden Land leben muss.

Für diese großartige und faszinierende Geschichte unbedingte Leseempfehlung und hochverdiente 5 Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Nadim und die Frauen seines Lebens

Das Mosaik der Frauen
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Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami, der 1970 aus Syrien floh und 1971 nach Deutschland kam, widmet sich in seinen Büchern neben dem Leben von Migranten in Deutschland auch intensiv der Darstellung ...

Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami, der 1970 aus Syrien floh und 1971 nach Deutschland kam, widmet sich in seinen Büchern neben dem Leben von Migranten in Deutschland auch intensiv der Darstellung der arabischen und syrischen Welt in der Vergangenheit und Gegenwart.

Im ersten Teil von "Das Mosaik der Frauen" lernen wir Said Mardini kennen, der 1971 als Student der Literatur und Philosophie von Syrien nach Deutschland flieht, weil er wegen einer Rede gegen die Diktatur festgenommen werden sollte. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet er in vielen Aushilfsjobs. Dabei lernt er die deutsche Sprache und besteht nach nur einem Jahr die Sprachprüfung mit Bestnoten. Nach Abschluss seines Studiums wird er Simultandolmetscher. Er verdient sehr gut und beginnt, seine eigenen Gedichte, Romane und Kurzgeschichten ins Deutsche zu übersetzen. Die Verlage sind an seinen Werken nicht interessiert, Jahre später verlegt ein Berliner Verlag einige seiner Bücher für arabisch Lesende. Die Jahre vergehen, wir schreiben mittlerweile das Jahr 2016, Said ist mit einer Lehrerin verheiratet und lebt in Mannheim. Ein Freund aus Studententagen, der mittlerweile Chef einer Klinik in Heidelberg ist, meldet sich bei ihm wegen eines Patienten, der schwer herzkrank ist und nicht mehr lange leben wird. Er heißt Nadim Suri, stammt wie Said aus Syrien und kennt dessen Bücher seit 20 Jahren. Sein Wunsch ist es, Said seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Im zweiten Teil des Buches lässt der Ich-Erzähler Nadim Suri, dessen Herzschwäche sich durch den Tod seiner Frau verstärkt hat, sein Leben Revue passieren. Der wohlhabende Geschäftsmann, der eine große Dolmetscher- und Übersetzerfirma besaß, floh vor über 45 Jahren von Damaskus nach Deutschland.
An 10 Tagen erzählt Nadim aus seinem Leben und stellt dabei die Frauen, die ihn prägten, in den Fokus. Die erste wichtige Frau ist seine Mutter Elisabeth, die von seinem Vater Monalisa genannt wird. Sie war 8 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie vor dem Naziregime in Deutschland nach Damaskus floh. Sie heiratete einen Arzt, und 1945 wurde Nadim geboren. Seine Eltern gehen sehr respektvoll miteinander um, er hat keine Angst vor ihnen, sie sind ihm Freunde und Berater. Er beginnt, sich für Literatur zu interessieren und engagiert sich politisch ...

Nadim widmet seine Lebensgeschichte zwar den Frauen seines Lebens, schweift aber immer wieder ab und erzählt von Personen, die für die Handlung keine nennenswerte Bedeutung haben. Es ist typisch für Rafik Schami, dass sich innerhalb seiner Rahmenhandlungen eine Serie von Episoden entfaltet. Diese Ausflüge in andere Lebensläufe fand ich mal mehr, mal weniger interessant, die Geschichten über die wichtigsten Frauen in Nadims Leben interessierten und fesselten mich deutlich mehr.

Die Geschichte ist im Stil orientalischer Erzählkunst mit viel Herz und auch feinem Humor erzählt und liest sich flüssig. Die interessanten Charaktere sind mit viel Empathie und authentisch skizziert. Der Autor, der sich seit vielen Jahren für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis einsetzt, verknüpft jedes Kapitel mit den politischen Ereignissen und kritisiert jegliche Art von religiösem Fanatismus. Er gewährt uns nicht nur interessante Einblicke in die orientalischen Lebens- und Gedankenwelten, sondern beschreibt auch die Wirkung deutscher Verhaltensweisen auf die Geflüchteten.  

Das Buch, in dem es neben Liebe und Verlust auch um Politik und Kultur, Migration und Religion geht, hat mir sehr gut gefallen, obwohl die häufigen Abschweifungen in Nadims Lebensgeschichte meinen Lesefluss etwas bremsten.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Intelligenter Beziehungsroman

Die beste aller Beziehungen
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Die schwedische Autorin und Literaturkritikerin Gun-Britt Sundström wurde mit ihrem Roman "Maken" bereits 1976 bekannt, die deutsche Übersetzung wurde 1978 unter dem Titel "Die andere Hälfte. Ein Verhältnis-Roman" ...

Die schwedische Autorin und Literaturkritikerin Gun-Britt Sundström wurde mit ihrem Roman "Maken" bereits 1976 bekannt, die deutsche Übersetzung wurde 1978 unter dem Titel "Die andere Hälfte. Ein Verhältnis-Roman" veröffentlicht. Nun wurde das Buch, nach genau 50 Jahren, von Nina Hoyer neu ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel "Die beste aller Beziehungen" vom Insel Verlag veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Martina und Gustav, die sich im Stockholm der siebziger Jahre kennenlernen und ineinander verlieben. Beide sind um die 20, Martina studiert Anglistik, Gustav Philosophie. Anfangs scheint alles perfekt, sie sind gern zusammen, sprechen dieselbe Sprache und interessieren sich für Politik und Literatur. Gustav möchte mit Martina zusammenziehen und heiraten, während die junge Frau ihre Freiheit schätzt und nicht ständig mit ihrem Freund zusammen sein möchte. Gustavs Wunsch nach häufigen Intimitäten vermag sie nicht zu teilen, und so bleibt es nicht aus, dass Gustav ihr untreu wird.

Das Buch ist in der Ich-Form aus Martinas Sicht in intelligenter Sprache mit viel Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Auf 639 Seiten lernen wir das junge Paar über einen Zeitraum von etwa 7 Jahren intensiv kennen. Früh ist ersichtlich, dass Gustav für Martina tiefere Gefühle hegt als umgekehrt. Sie fühlt sich von ihm bedrängt, die Lösung scheint in einer offenen Beziehung zu legen. Trotz der einander gewährten Freiheiten sind beide eifersüchtig, und es kommt wiederholt zu Trennungen, die sie als "Scheidungen" bezeichnen. Immer wieder versöhnen sie sich und finden wieder zueinander.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, er spiegelt zwar den Zeitgeist der siebziger Jahre, dennoch sind seine zentralen Themen Liebe und Freiheit heute so aktuell wie vor 50 Jahren. Die Figuren sind authentisch gezeichnet, die Autorin lässt uns tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten blicken, die eine turbulente Beziehung mit Höhen und Tiefen führen. Ich mochte Martina und Gustav und konnte ihre Schwierigkeiten sehr gut nachvollziehen, fand jedoch die ständigen, sich wiederholenden Diskussionen über ihre komplizierte Beziehung  - besonders im Mittelteil des Buches - etwas ermüdend.

Leseempfehlung für diesen zeitlosen Roman, der mich bis zu seinem für mich sehr stimmigen Ende gut unterhalten hat!

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