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Veröffentlicht am 20.02.2019

der junge Mann und das Meer

Die Mauer
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Ganz Großbritannien ist von einer hohen Mauer umgeben, teils zum Schutz gegen Hochwasser zum größten Teil als Schutz vor den Anderen, Menschen, die versuchen, unbefugt in das Land zu gelangen. Jeder junge ...

Ganz Großbritannien ist von einer hohen Mauer umgeben, teils zum Schutz gegen Hochwasser zum größten Teil als Schutz vor den Anderen, Menschen, die versuchen, unbefugt in das Land zu gelangen. Jeder junge Mensch hat einen zweijährigen Dienst auf der Mauer zu absolvieren. Joseph Kavanaghs erster Tag wird sehr eindringlich beschrieben, die immerwährende Kälte, die Langeweile aber auch die permanente Aufmerksamkeit dem Meer gegenüber. Denn wenn es ein Anderer über die Mauer schafft wird der Verteidiger auf dem Meer ausgesetzt. Verantwortlich für die Mauer ist die Elterngeneration der jetzigen Verteidiger, sie haben dem Klimawandel nicht entgegen gesetzt und sich den Flüchtigen gegenüber verschanzt was nun zur Folge hat, dass der Bevölkerung Kinder fehlen. Um der Mauer zu entkommen hilft es, sich zu paaren. Die junge Hifa und er werden ein Paar, doch bevor sie die entsprechenden Privilegien bekommen kommt es zu einer Attacke auf die Mauer. Ihr Leben ändert sich abrupt.
Klimawandel, Flüchtlingsströme, der Brexit und die Mauer in den Köpfen der Menschen werden hier sehr eindringlich geschildert. Auch, wenn auf den ersten Seiten der futuristischen Geschichte nur das Leben auf der Mauer geschildert wird, spürt man die Kälte und Verlassenheit. Sehr eindrucksvoll.

Veröffentlicht am 02.05.2026

Positive Seiten des Alters

Alt genug
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Endlich ist Ildiko von Kürthy alt genug und muss nicht mehr gefallen, nicht mehr sexy sein. Sie trägt nun bequeme Kleidung und fragt sich nicht mehr, ob sie dem Mann gefällt sondern ob er ihr gefällt. ...

Endlich ist Ildiko von Kürthy alt genug und muss nicht mehr gefallen, nicht mehr sexy sein. Sie trägt nun bequeme Kleidung und fragt sich nicht mehr, ob sie dem Mann gefällt sondern ob er ihr gefällt. Die Rahmenhandlung dieses sehr persönlichen Romans ist der Geburtstag ihrer Freundin, ausgerechnet in der obersten Etage, die sie, da sie Angst hat den Fahrstuhl zu benutzen, nach sechs Etagen in einem einsamen Treppenhaus erreicht. Ildiko beschreibt ihre Ängste, ihren Umgang mit ihnen, sie erzählt von ihren Problemen während der Wechseljahre. Alles Themen, die so gut wie jede Frau über 50 kennt. Ist es die Erziehung oder die Hormone die Frauen immer wieder ausbremsen? Einige Zitate werden geschickt in den Roman mit eingebaut. In vielen Anekdoten werden Episoden aus ihrem Leben erzählt, ihre Gedanken und Gefühle, von ihrer Familie, den Söhnen, die noch zu Hause leben, von ihren Freundinnen, von Krankheiten und Todesfällen, von ihren Eltern.
Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, auch wenn es manchmal zu langatmig ist, Ildiko schreibt sehr lebensnah und sagt was viele Frauen genau so denken und erlebt haben. Älter werden heißt auch ein mehr an Erfahrung, es ist nichts negatives.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

viele Wendungen und Überraschungen

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Der erfolgreiche Schriftsteller hat gerade ein neues Buch veröffentlicht und es gibt eine Party in seinem schönen Haus am Genfer See. Am nächsten Morgen sucht ihn seine Frau Sarah vergeblich, er ist verschwunden. ...

Der erfolgreiche Schriftsteller hat gerade ein neues Buch veröffentlicht und es gibt eine Party in seinem schönen Haus am Genfer See. Am nächsten Morgen sucht ihn seine Frau Sarah vergeblich, er ist verschwunden. Mit Hilfe des pensionierten Polizisten Yves Renauld sucht sie in dem Klettergebiet, in dem Marceau früher ungesichert die Felsen bestieg. Sie finden ihn tot am Fuß des Felsens, abgestürzt, jedoch mit einer Wunde an der Stirn. Die Polizei geht von einem Unfall aus und will nicht weiter ermitteln, doch irgendwas stimmt hier nicht. Sarah beschließt mit Hilfe der Öffentlichkeit Druck auf die Ermittler auszuüben. In den Hinterlassenschaften findet sich ein Hinweis auf ein Manuskript in dem Marceau Geheimnisse aufdecken wollte. Vor 20 Jahren verschwand seine Schwester Jade, von der man annahm, sie hätte Selbstmord begangen. In jungen Jahren hatten die Geschwister erst den Tod ihres Vater bei dem Absturz seines Privatflugzeuges in den Genfer See und den Krebstod ihrer Mutter zu verkraften. Halt gab es im Freundeskreis und auf den zählt jetzt auch Sarah, bis immer mehr Ungereimtheiten entdeckt werden. Jeder scheint Geheimnisse zu verbergen.
Die Idee, durch Hinweise, die der Tote selbst verfasst hat und eigene Ermittlungen einen Todesfall zu klären und Geheimnisse aus der Vergangenheit aufzudecken ist sehr gelungen verknüpft. Die Beschreibung der Landschaft um den Genfer See ist sehr bildhaft. Es gibt viele Wendungen und Überraschungen, ein bisschen weniger wäre hingegen glaubhafter gewesen. Ab dem letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse und man kann kaum aufhören mit dem Lesen.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Deutschland und Türkei im Wandel der Zeit

Ein Ort, der bleibt
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Der Ort, der bleibt könnte der botanische Garten in Istanbul sein. Imke, eine junge Stadtplanerin aus Münster wird als Assistentin engagiert um eine Expertise über das inzwischen verfallene und vernachlässigte ...

Der Ort, der bleibt könnte der botanische Garten in Istanbul sein. Imke, eine junge Stadtplanerin aus Münster wird als Assistentin engagiert um eine Expertise über das inzwischen verfallene und vernachlässigte Gebäude und Gartenanlage zu verfassen. Droht der komplette Abriss oder kann es wieder zu einem blühenden Garten werden? Im Jahr 1933 verlässt Professor Alfred Heilbronn Münster, obwohl er vor längerer Zeit zum Protestanten konvertierte, er jedoch als ehemaliger Jude nicht mehr unterrichten durfte. Atatürk, der zu der Zeit die Türkei in einem modernen Staat mit einem hoch angesehenen Bildungssystem veränderte, warb besonders deutsche Professoren und Wissenschaftler an. Dem Biologen Heilbronn betraute er mit der Aufgabe der Gründung eines botanischen Gartens und einem Ort der Forschung. Mehpare wurde seine Assistentin, eine junge wissbegierige Frau, die als eine der ersten Frauen von dem geändertem Schulsystem profitierte.
Der neuere Teil um die Stadtplanerin Imke ist eine fiktive Erzählung, der ältere Teil ist größtenteils historisch verbürgt. Er zeigt uns die unterschiedlichen Lebensweisen in Deutschland und der Türkei in den Jahren 1933 bis 1945 und in der Jetztzeit, besonders die politischen Verhältnisse und was es mit den Menschen macht. Auch wenn die Männer die Entscheidungen getroffen haben, in diesem Roman stehen die Frauen im Mittelpunkt. Sehr gut finde ich, das am Ende über das Leben der im Buch genannten Personen eine Kurzfassung zu finden ist.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

von Güstrow nach Berlin

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Die 14-jährige Marlen versteckt sich Ende des zweiten Weltkrieges vor den Russen in einer Schublade in einem Forsthaus in Güstrow. Dort findet sie ein kleines beschädigtes Gemälde und steckt dieses ein. ...

Die 14-jährige Marlen versteckt sich Ende des zweiten Weltkrieges vor den Russen in einer Schublade in einem Forsthaus in Güstrow. Dort findet sie ein kleines beschädigtes Gemälde und steckt dieses ein. Im Forsthaus trifft sie auf die Malerin Wilma, die dem Mädchen helfen möchte. Sie adoptiert die Waise und unterrichtet sie in der Malerei. Das Talent von Marlen wird später zu Wilmas Augen bis Marlen Theo kennen und lieben lernt und sie diesen in den Westen begleiten will.
Die zweite Geschichte handelt von der 34-jährigen Hannah in Berlin im Jahr 2023. Nach dem Tod ihrer Mutter wohnt sie in dem Haus ihrer verstorbenen Großmutter Evelyn, die ursprünglich aus Güstrow stammt. Rubi, ihre Freundin und Mitbewohnerin will ausziehen und Hannah fühlt sich allein gelassen. Bis plötzlich Martin, ihr Erzeuger, den sie nicht kennt, ein Vater für sie sein möchte. Warum taucht er jetzt auf und stellt ihr seine Frau und Kinder vor? Bekommt sie nun doch noch eine Familie?
Beide Geschichten eint eine schwierige Familiengeschichte und auch die Möglichkeit, sich eine Familie auszusuchen. Durch Evelyn, die zeitlebens auf der Suche nach einem verschwundenen Gemälde war und Marlen, die sich selbst künstlerisch ausleben möchte, gibt es einen Zusammenhang zwischen den sehr unterschiedlichen Handlungen. Allen eint, dass Männern nur Nebenrollen zugedacht wurden, die Frauen zeigen Stärke. Die Charaktere hätten noch besser ausgearbeitet werden können, vieles ist zu vorhersehbar.

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