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Veröffentlicht am 15.07.2026

Zwischen Verlust und Neubeginn

Mirabellentage
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MEINE MEINUNG
Martina Bogdahns neuer Roman „Mirabellentage“ entführt uns erneut in das fiktive bayrische Dorf Blumfeld, in dem bereits ihr Debüt „Mühlensommer“ spielte, und lässt uns wieder in ein ebenso ...

MEINE MEINUNG
Martina Bogdahns neuer Roman „Mirabellentage“ entführt uns erneut in das fiktive bayrische Dorf Blumfeld, in dem bereits ihr Debüt „Mühlensommer“ spielte, und lässt uns wieder in ein ebenso lebendiges wie berührendes Panorama des ländlichen Lebens eintauchen.
Obwohl sich die deutsche Fotografin und Autorin Bogdahn thematisch und atmosphärisch treu bleibt, entfaltet sich eine deutlich stillere, melancholischere Geschichte, in der sie mit viel Feingefühl über Abschied, Erinnerung, Zusammenhalt und Suche nach dem, was im Leben wirklich wichtig ist, erzählt.
Angelegt ist der Roman ist in der Gegenwart des Jahres 2010.
Bogdahns Erzählstil ist leicht, lebendig und von großer Wärme geprägt. Mit spürbarer Nähe zur eigenen Herkunft schildert sie das Leben im ländlich geprägten Blumfeld ebenso anschaulich wie authentisch. Mit großem Einfühlungsvermögen, sicherem Sinn für Stimmungen und einem liebevoll-ironischen Blick gelingen ihr nicht nur heitere, teils wunderbar komische Episoden und stimmungsvolle Naturbeschreibungen sondern auch fein beobachtete Momente voller Nachdenklichkeit und stiller Wahrhaftigkeit.
Im Mittelpunkt steht diesmal die 54jährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Anna Nass, die langjährige Haushälterin und Gefährtin des verstorbenen Blumenfelder Dorfpfarrers Josef. Durch seinen plötzlichen Tod verliert Annas klar strukturierter Lebensalltag und vertrauten Gewohnheiten jede Ordnung. Zudem gerät Annas kleine Welt beträchtlich ins Wanken, als noch vor Josefs Beerdigung der junge, neubestellte Nachfolger Fridtjof ins Pfarrhaus einzieht. Der junge Nordfriese mit seinem für Bayern schwer verständlichen Plattdeutsch tut sich schwer mit seiner neuen Aufgabe und braucht Annas Hilfe, so dass sich zwischen den beiden allmählich trotz aller Befremdlichkeiten eine zarte, vertrauensvolle Bindung entwickelt.
Rückblenden eröffnen nach und nach aufschlussreiche Einblicke in Annas Kindheit, ihr Alltagsleben und die prägende Zeit auf dem Land sowie Erinnerungen an frühere Dorffeste und schöne Momente. Diese feine Verflechtung von Vergangenem und Gegenwärtigem macht den Roman besonders facettenreich und lässt Annas Lebensweg eindrucksvoll nachvollziehen. So begleiten wir Anna bei ihrer inneren Reise, bei der sie über die Vergänglichkeit, das eigene Altern, alte Freundschaften und verpasste Chancen nachdenkt.
Anschaulich widmet sich die Autorin Annas verspätet ersetzender Selbstreflexion und ihrem allmählich einsetzenden inneren Befreiungsprozesses. Erst mit Mitte fünfzig beginnt sie über sich selbst und ihr von harter Arbeit, Bescheidenheit und Verzicht geprägtes Leben nachzudenken und ihre tradierten Rollen, Verpflichtungen und Loyalitäten zu hinterfragen. Mag ihr Lebensweg zunächst eher unspektakulär wirken, so gelingt es Bogdahn doch, ein glaubwürdiges Bild einer mitfühlenden Frau und leisen Heldin zu zeichnen, die Beständigkeit, Rücksichtnahme und alte Werte schätzt und deren aufopferndes Leben, ihr Sinn und Halt gibt.
Neben der liebevoll und facettenreich gezeichneten Hauptfigur mit all ihren Eigenheiten, Stärken und Schwächen begegnet man einer Reihe origineller Dorfbewohner, aber leider auch etwas klischeehaft inszenierter Nebenfiguren, die dem Roman Farbe und Lebendigkeit verleihen sollen.
Mit eindrucksvoller Detailfülle und mit feinem Humor arbeitet Bogdahn in vielen kleinen Episoden und Anekdoten ein atmosphärisch dichtes und nostalgisch angehauchtes Panorama von den charmanten Besonderheiten des Landlebens und eines stark katholisch geprägten Mikrokosmos heraus. Die Autorin versteht es zudem, mit leiser Ironie und einer Prise gelungener Situationskomik, für Unterhaltung und nette Schmunzelmomente zu sorgen.
Allerdings bleibt die ruhige, etwas seicht dahinplätschernde Geschichte leider deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. So Bogdahn beschwört eine heile Welt voller Idylle und Gutherzigkeit sowie die behagliche Geborgenheit in einer starken Gemeinschaft herauf, ohne deren Schattenseiten mit starren Konventionen, der Enge und Ausgrenzung von Abweichlern auszuleuchten. Bisweilen hätte ich mir doch einige Überraschungen oder emotionale Zuspitzungen für mehr Spannungsmomente gewünscht.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Der Traum vom guten Leben - Eine eindrucksvolle Familiengeschichte

Das gute Leben
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MEINE MEINUNG
Der Roman „Das gute Leben“ von Nadine Schneider zeichnet die Lebensgeschichte der aus Rumänien stammenden Anni und ihrer Familie über vier Frauengenerationen und mehrere Jahrzehnte hinweg ...

MEINE MEINUNG
Der Roman „Das gute Leben“ von Nadine Schneider zeichnet die Lebensgeschichte der aus Rumänien stammenden Anni und ihrer Familie über vier Frauengenerationen und mehrere Jahrzehnte hinweg nach.
Gekonnt verdichtet die Autorin Migrationsgeschichte, Arbeitswelt und familiäre Prägungen zu einem eindrucksvollen, facettenreichen Panorama biografischer Erfahrungen zwischen Rumänien und Deutschland. Eindringlich wirft sie die Frage auf, was ein „gutes Leben“ eigentlich ausmacht, wenn Herkunft, Migrationshintergrund, gesellschaftliche Erwartungen und prekäre Arbeitsbedingungen die Entfaltungsmöglichkeiten einschränken und den Spielraum für Veränderungen immer wieder begrenzen. Aus einer spezifisch weiblichen Perspektive zeigt sie, wie ihre Frauenfiguren versuchen, sich durch Arbeit, Fleiß und Anpassung einen Platz in einer Welt zu erkämpfen, in der ihnen dieser keineswegs selbstverständlich zugestanden wird.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus der rumänischen Diktatur in die Bundesrepublik flieht und dort ihre Tochter und später ihre Enkelin Christina weitgehend allein großzieht. Als Christina das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter in der Nähe von Nürnberg erbt, tauchen wir gemeinsam mit ihr in Erinnerungen und überlieferte Familiengeschichten ein. Die faszinierende Familiengeschichte entfaltet sich in Form eines unchronologischen Erinnerungsgeflechts, in dem vieles nachträglich rekonstruiert, nur bruchstückhaft überliefert oder lediglich angedeutet wird. Durch die Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen springen wir von Christinas Gegenwart zu Annis Vergangenheit und bisweilen noch weiter zurück zur Urgroßmutter in Rumänien.

Besonders anschaulich schildert Schneider Annis entbehrungsreiches Leben, ihren kräftezehrenden Job als Arbeiterin im Quelle-Versandzentrum zwischen Kartons, Kleidern und monotonen Handgriffen am Fließband sowie die Mühen ihres Alltags als Alleinerziehende. Trotz ihrer Anpassungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Loyalität und ihres großen Engagements bleiben Anni Anerkennung, Belohnung und sozialer Aufstieg verwehrt. Sie glaubt zwar an das verheißungsvolle Leistungsversprechen der sogenannten Wirtschaftswundergesellschaft, bleibt aber dennoch ein kleines, austauschbares Rädchen in einem System, das sie mit ihrer Arbeit am Laufen hält. Der Übergang zu einem tatsächlich gelungenen, erfüllten Leben bleibt ihr verwehrt und so wird sie nie Teil jener Erfolgsgeschichten, die das Selbstbild der neuen Heimat prägen.

Eindringlich lotet die Autorin aus, wie die Figuren auf das zurückblicken, was sie geleistet haben, wie sie Wert und Preis ihres „guten Lebens“ in der neuen Gesellschaft bemessen und welche Kompromisse und Opfer damit verbunden waren. Auch Christina empfindet Annis Migrations- und Familiengeschichte als etwas, das mit ihr an ein Ende gekommen ist. Mit Bedauern erkennt sie, dass viele Leerstellen sich nicht mehr schließen lassen, weil Fragen ungestellt blieben und Erinnerungen verblassen. Zugleich macht Schneider anschaulich deutlich, dass nicht alles aus der Familiengeschichte bewahrt und weitergetragen werden muss. Manche belastenden Überlieferungen dürfen ohne Sentimentalität bewusst beendet werden, um Raum für ein eigenes Verständnis von gelingendem Leben zu schaffen.

FAZIT
Ein vielschichtiger, leise erzählter Roman über Migration, weiblicher Selbstbehauptung und familiäre Prägungen mit eindrucksvollen Charakteren. Mit großem Feingefühl zeigt die Autorin, wie sehr Herkunft und gesellschaftliche Strukturen Biografien formen und wo dennoch Spielräume für eigene Entscheidungen bleiben.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Zwischen zwei Welten - Vielschichtiger Familienroman

Real Americans
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MEINE MEINUNG
Der vielschichtige Roman „Real Americans“ von Rachel Khong ist eine epische, generationenübergreifende Familiensaga über eine chinesisch-amerikanische Familie.
Khongs ehrgeiziger Versuch ...

MEINE MEINUNG
Der vielschichtige Roman „Real Americans“ von Rachel Khong ist eine epische, generationenübergreifende Familiensaga über eine chinesisch-amerikanische Familie.
Khongs ehrgeiziger Versuch einen „großen amerikanischen Roman“ über den berühmten Mythos des Amerikanischen Traums, über Immigration und Assimilation, Klassenschranken, soziale Ungleichheiten, Rassismus sowie die Bedeutung von ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft für den Lebensweg zu verfassen ist allerdings nur teilweise gelungen. Die beeindruckende Themenfülle lässt den Roman deutlich überladen wirken. Viele aktuelle Themen werden nur angerissen, wodurch der erzählerische Fokus bisweilen verloren geht.
Darüber hinaus greift die Autorin in ihrer Geschichte die brisante Thematik genetischer Manipulationen in der Medizin und die damit verbundenen ethisch-moralischen Fragestellungen in der biotechnologischen Forschung auf. Statt einer tiefgründigen Auseinandersetzung über Wissenschaftsethik oder die Gefahren profitgetriebener Interessen dient dieser vielversprechende Ansatz eher der dramatischen Zuspitzung der Familiengeschichte und bleibt letztlich im Hintergrund.

Der Roman gliedert sich in drei große Teile und spannt einen weiten zeitlichen Bogen über mehr als 5 Jahrzehnte. Jeder Abschnitt ist jeweils aus der Ich-Perspektive mit drei ganz unterschiedlichen Erzählstimmen erzählt und entfaltet sich auf einer eigenen Zeitebene, die sich nach und nach zu einer kunstvoll verwobenen Familiengeschichte zusammenfügen.
So folgen wir in der nicht chronologisch angelegten Geschichte den drei Generationen der chinesisch amerikanischen Familie Chen-Maier und wechselt dabei zwischen Zeiten, Perspektiven und Schauplätzen von New York über Florida und Kalifornien bis nach Beijing und Hongkong.

Im Mittelpunkt des ersten Teils steht zunächst Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer und hochqualifizierter Wissenschaftler, die vor der Kulturrevolution aus China in die USA geflohen sind, im New York der Jahrtausendwende. Als schlecht bezahlte Praktikantin in einem New Yorker Medienunternehmen begegnet sie dem wohlhabenden Matthew Allen, Erbe eines mächtigen Pharmagroßkonzerns. Ihre Liebesgeschichte steht jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern, denn zu groß sind die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen ihnen.
Im zweiten Teil wechselt die Perspektive zu Lilys fünfzehnjährigen Sohn Nick im Jahr 2021, der ohne seinen Vater recht isoliert auf einer Insel vor der Küste Washingtons aufwächst. Von Fragen nach seiner Herkunft getrieben, begibt er sich auf die Suche nach seinem unbekannten Vater. Der letzte, in der nahen Zukunft des Jahres 2030 angelegte Teil widmet sich schließlich dem bewegte Leben von Lilys alter Mutter May, die von ihrer Jugend, ihrer Flucht aus China und ihrer wissenschaftliche Karriere erzählt.

Sehr fesselnd ist die Perspektivvielfalt, die die Geheimnisse, Konflikte und Motive der Charaktere aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und zugleich die vielschichtigen Aspekte von Migration, Identität und Herkunft aufzeigt. Insbesondere der letzte Teil über May und ihren Lebensweg entfaltet mit seinen eindringlichen Schilderungen der Kulturrevolution, der Flucht und des Preises wissenschaftlichen Erfolgs eine eindrückliche erzählerische Kraft. Hier finden zudem die zuvor oft fragmentarischen Erzählstränge zu einem bewegenden Gesamtbild einer zerrissenen Familie zusammen. Nicks Coming of Age Geschichte wirkt hingegen vergleichsweise konventionell, vorhersehbar und lässt an psychologischer Tiefe vermissen.
Ob nun Liebesgeschichte, Familiensaga, Coming-of-age-Geschichte, Gesellschaftsanalyse oder Science-Fiction– der Roman vereint viele verschiedene Facetten und wirft wichtige existenzielle Fragen auf.
Eindrucksvoll arbeitet Khong heraus, dass ein Lebensweg von genetischer Disposition, historischen Bedingungen und gesellschaftlichen Strukturen oder auch durch Zufall gleichermaßen beeinflusst werden kann. Vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich sowie die unsichtbaren Regeln sozialer Zugehörigkeit sorgen aber dafür, dass die Chancen auch heute noch ungleich verteilt bleiben.
Insgesamt jedoch bleibt der Roman hinter seinem Anspruch zurück. So hatte ich mir eine grundlegende und kompromisslose Abrechnung mit den viel gerühmten amerikanischen Werten und Idealen des American Dream sowie dem Umgang mit Migration und ethnischer Abstammung erhofft. Leider bietet er vor allem eine Vielzahl an Schlaglichtern, ohne sie konsequent zu bündeln oder in einer klaren Zuspitzung zusammenzuführen.

FAZIT
Ein ambitionierter und atmosphärisch dichter Roman , der durch seine thematische Vielfalt beeindruckt, aber erzählerisch nicht immer überzeugt und durch seine Breite an Schärfe verliert. Dennoch eine interessante und lesenswerte Auseinandersetzung mit Identität und Herkunft in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Sehr berührender Roman

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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MEINE MEINUNG
In ihrem bewegenden Debütroman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ erzählt die schwedische Autorin Lisa Ridzén eine atmosphärisch dichte Familiengeschichte, in der sie sich sehr einfühlsam ...

MEINE MEINUNG
In ihrem bewegenden Debütroman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ erzählt die schwedische Autorin Lisa Ridzén eine atmosphärisch dichte Familiengeschichte, in der sie sich sehr einfühlsam dem Altwerden, der Vergänglichkeit des Lebens, dem Loslassen sowie der familiären Entfremdung widmet. Dabei beleuchtet sie zudem mit viel Feingefühl die Zerbrechlichkeit von Beziehungen, die Verantwortung füreinander und die Möglichkeit versöhnenden Momente selbst spät im Leben.
Im Mittelpunkt steht der 89-jährige, pflegebedürftige Bo Andersson, einstiger Arbeiter in einer Sägemühle, der allein in einem kleinen Haus auf dem Land in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf lebt und seinen Alltag mit seinem treuen Jagdhund Sixten teilt. Seit seine demente Frau Frederika in einem Pflegeheim lebt, beschränkt sich Bos zurückgezogenes Leben auf die regelmäßigen Besuche des Pflegedienstes, die oft angespannten Kontakte zu seinem Sohn, die wöchentlichen Gespräche mit seinem alten Freund Ture, Erinnerungen an sein langes Leben und die wachsende Angst, immer mehr von seinem Körper im Stich gelassen zu werden und seine Selbstständigkeit zu verlieren.
Schrittweise tauchen wir in den einsamen und tristen Lebensalltag des hochbetagten Bo ein, in den Ridzén gekonnt Gedankengänge, lebendigen Träume und melancholische Grübeleien eingewoben hat. Rückblenden lassen ihn über die gemeinsame Zeit mit seiner geliebten Frau, seine Mutter und vor allem die schwierige Beziehung zu seinem harten, gefühlskalten Vater nachsinnen.
Die Episoden von Bos Alltag werden geschickt von knappen Einträgen aus dem Pflegetagebuch des Pflegeteams unterbrochen, in denen die verschiedenen Betreuer nüchterne Notizen zu Bos Stimmung, Schlaf- und Essgewohnheiten hinterlassen sowie besondere Vorkommnisse festhalten, wodurch wir einen objektiveren Blick auf seinen Zustand und den fortschreitenden Abbau erhalten. So gewinnen wir Über kurze Dialoge, unspektakuläre Alltagsszenen und Erinnerungsfragmente entfaltet sich allmählich Bos Lebensgeschichte und sein reiches Innenleben. Trotz des ruhigen Erzähltempos versteht es die Autorin eine subtile Spannung aufzubauen.
Beeindruckend sind die Schilderungen der schwedischen Natur – weite Landschaften, raues Winterwetter und der majestätische Kranichzug, die weit über eine bloße Kulisse hinausreichen und die besondere Atmosphäre des Romans eindrucksvoll unterstreichen.
Mit dem granteligen Bo hat die Autorin einen wunderbar vielschichtigen Protagonisten geschaffen, dessen Eigenheiten und Schwächen sie sehr warmherzig und authentisch einfängt.
Bewegend ist es mitzuerleben, wie dieser sture Eigenbrötler an seinem Lebensende doch beginnt, seine verfahrene Beziehung zu seinem Sohn zu überdenken. So erkennt er schließlich verletzendes Verhalten, Versäumnisse und fatale Fehlentscheidungen, gesteht Schuld ein und sucht die Annäherung, um um Verzeihung zu bitten. Eindrucksvoll zeigt Ridzén zudem auf, wie die tief verwurzelte Schweigsamkeit und tradierte emotionale Verschlossenheit der Männer seiner Generation, geprägt von Stolz und männlicher Härte, zu tiefen Wunden und belasteten Beziehungen führte.
Trotz der melancholischen Grundstimmung und schwierigen Thematik versteht sie es, immer wieder hoffnungsvolle, herzerwärmende und tröstliche Momente in die nachdenklich stimmende Geschichte einzustreuen.

FAZIT
Ein berührender Roman über Abschied und späte Versöhnung, der nachdenklich stimmt. Ein gelungenes, lesenswertes Debüt, das durch Feingefühl und atmosphärische Dichte besticht.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Berührender Cosy Crime

Der Tag, an dem Barbara starb
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MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Der Tag, an dem Barbara starb“ präsentiert Richard Hooton einen charmanten, etwas eigenwilligen Cosy Crime mit unverkennbarem britischem Flair. Im Zentrum steht weniger ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Der Tag, an dem Barbara starb“ präsentiert Richard Hooton einen charmanten, etwas eigenwilligen Cosy Crime mit unverkennbarem britischem Flair. Im Zentrum steht weniger der spannende Kriminalfall als vielmehr eine feinfühlig erzählte Familiengeschichte mit unerwarteter emotionaler Tiefe.
Gekonnt entfaltet Hooton eine ruhige und zugleich sehr berührende Geschichte, die vor allem durch ihre feine Melancholie, einfühlsame Beobachtungen sowie vielschichtige Charakterzeichnung überzeugt.
Im Mittelpunkt steht die verwitwet 89-jährige Margaret Winterbottom, eine liebenswerte Protagonistin, die allein in ihrem kleinen Häuschen in einem beschaulichen nordenglischen Dorf lebt, wo sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Seit ihr Körper und auch ihr ehemals gutes Gedächtnis sie gelegentlich im Stich lassen, wird sie von ihrer beunruhigten Familie umsorgt und zunehmend bevormundet.
Als ihre beste Freundin und Nachbarin Barbara eines Abends tot aufgefunden wird und die Polizei bei den Mordermittlungen nicht vorankommt, beschließt Margaret selbst aktiv zu werden und eigene Nachforschungen anzustellen. Ausgerechnet jene letzten Worte, die die sichtlich beunruhigte Barbara ihr kurz vor ihrem Tod anvertraute, wollen Margaret einfach nicht mehr einfallen. Irgendwo zwischen ihren Erinnerungsfetzen könnte schließlich der Schlüssel zur Wahrheit liegen. Nur gut, dass sie sich auf ihren cleveren fünfzehnjährigen Enkel James verlassen kann, der sie bei der Aufklärung tatkräftig unterstützt und versucht, ihrem Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen.
Erzählt wird die Geschichte aus Margarets Perspektive, durchsetzt von Rückblenden, liebevollen Details und nachdenklichen Gedankengängen. Besonders eindrücklich gelingt Hooton der Einblick in das Innenleben und die Gedankenwelt seiner älteren Heldin, deren innere Zwiesprache mit ihrem geliebten verstorbenen Mann Albert zu den berührendsten Momenten des Romans zählt. Dabei offenbaren sich allmählich Einblicke in ihre bewegte Vergangenheit, die von einem verdrängten schmerzlichen Geheimnis überschattet wird.
Inspirieren ließ sich Richard Hooton von seiner eigenen Familiengeschichte und den Erfahrungen mit seiner verstorbenen, an Alzheimer erkrankten Großmutter. Mit seiner einfühlsamen Erzählweise und feinem Humor gelingt es ihm hervorragend, den Lebensalltag von Margaret und die vielen Facetten ihrer beginnenden Alzheimer-Erkrankung anschaulich und glaubwürdig einzufangen. Gekonnt verwebt Hooton die Themen Älterwerden, Krankheit, Verluste, Erinnerungen, Selbstbestimmung und familiärer Zusammenhalt mit der Kriminalhandlung.
Der Kriminalfall schreitet in gemächlichem Tempo voran, gewinnt jedoch zum Ende hin deutlich an Dynamik und Spannung, wenn Margaret im fesselnden Finale ihre Entschlossenheit beweist und das Rätsel um Barbaras Tod schließlich lüftet.
Die Geschichte lebt vor allem von der wundervollen und sehr authentisch angelegten Hauptfigur Margaret Winterbottom und ihren originellen Ermittlungen. Der Autor hat mit ihr eine ausgesprochen vielschichtige, charakterstarke Persönlichkeit geschaffen, die man mit ihren liebenswerten Eigenarten und ihren fortschreitenden Erinnerungslücken rasch in Herz schließt. Die resolute, clevere ältere Dame blickt auf eine interessante Lebensgeschichte mit einigen lang gehüteten Geheimnissen zurück, die sie schließlich zu enthüllen bereit ist. Man folgt ihr mit Empathie und wachsender Bewunderung, während sie trotz aller Widrigkeiten des Alters nochmals über sich hinauswächst und zeigen kann, was in ihr steckt.
Die enge Beziehung zwischen Margaret und ihrem Enkel wird ebenfalls sehr liebevoll und stimmig dargestellt, wodurch sich die Geschichte zu einer warmherzigen Familienerzählung mit einer starken menschlichen Touch wandelt.

FAZIT
Ein ruhiger, atmosphärisch dichter Cosy Crime über Geheimnisse, Verlust und menschliche Verletzlichkeit, der sich weniger durch klassische Spannung als durch emotionale Momente und psychologische Tiefe auszeichnet.
Ein warmherziger, klug komponierter und berüherender Spannungsroman mit einer bemerkenswerten Protagonistin und einfühlsamen Milieuschilderungen!

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