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Veröffentlicht am 08.05.2026

Frauen als Gattinnen und Gebärmaschinen

Die Geschichte der schweigenden Frauen
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Bina Shah schafft in ihrem Roman eine dystopische Welt im ehemaligen Pakistan, welches durch den atomaren „Ultimativen Krieg“ zerstört und teilweise in der Stadt Green City wieder aufgebaut wurde. Durch ...

Bina Shah schafft in ihrem Roman eine dystopische Welt im ehemaligen Pakistan, welches durch den atomaren „Ultimativen Krieg“ zerstört und teilweise in der Stadt Green City wieder aufgebaut wurde. Durch einen HP-Virus kamen in den Nachkriegsjahren ein Großteil der weiblichen Bevölkerung um, weshalb die Frauen nun als Gattinnen mit mehreren Gatten verheiratet und als Gebärmaschinen genutzt werden. In diesen Plot, welcher ursprünglich aus einer Kurzgeschichte entstand, setzt die Autorin nun Sabine, eine Escortdame für Intimität ohne Sex.

Von dieser Geschichte hatte ich mir sehr viel erhofft, da sie in den Grundzügen sehr kreativ und neu wirkt; besonders bezogen auf die Lokalisierung in Vorderasien. Merkwürdig muten somit beim Lesen die Namen der Protagonisten an: Sabine, Ilona, Joseph, Julien. Bei Recherchen zum Originaltext fand ich heraus, dass es sich auch im englischen Original um diese Namen handelt. Der Übersetzerin kann also kein Vorwurf gemacht werden. Was aber in der Übersetzung meines Erachtens gelitten hat, ist der Titel des Buches, welcher im Englischen „Before She Sleeps“ heißt und inhaltlich besser zum Buch passt, als der deutsche Titel. Die Buchgestaltung ist dem Golkonda Verlag sehr gut gelungen. Das Cover spielt mit einem historischen, morgenländischen Frauenbild (sowohl bildlich als auch im übetragenen Sinne), mögliche bewusstseinverändernde Beeren und einem Schlafzustand. Alles, was auch das Buch zu bieten hat. Aus welchem Kunstwerk der Bildauschnitt für das Cover gentutz wurde, ist leider nicht aus den Verlagsangaben ersichtlich. Schade.
Sprachlich nutzt die Autorin ein mir nicht ganz nachvollziehbares Muster bei der Wahl der Erzählperspektiven in den verschiedenen Kapiteln. Sabine und ein anderes Mädchen sprechen aus der Ich-Perspektive, andere Kapitel sind als personaler Erzähler verfasst und begleiten unterschiedliche Personen. Auch wechselnd Kapitelüberschriften in ihrer Struktur, so heißen einige Kapitel „Tonbandaufzeichnungen von Ilona Serfati“ und ein anderes „Aufzeichnungen aus dem Audio-Diary von ilona Serfati“. Da wir uns im Roman in einer Zukunft mit selbstfahrenden Autos u.ä. befinden, erscheint die zweite Kapitelbezeichnung durchaus nachvollziehbarer.
Inhaltlich erscheint mir der Roman eher eine Novelle zu sein, die an tragische Missverständnisse wie bei Shakespeares „Romeo und Julia“ denken lässt. So wird trotz des feministischen Ansatzes der Autorin sehr viel Romantik eingebaut, die das Grundthema der Ausbeutung der Frau als Gebärmaschine zum Ende hin verwässert. Einige Plotentwicklungen sind dabei schwer nachvollziehbar, obwohl die Charaktere gut beleuchtet werden. Am Ende fühlte ich mich mit dem Stoff alleingelassen und hätte mir einen umfangreicheren Roman, der die sehr guten Ideen weiter ausbaut und näher beleuchtet, gewünscht.

Bei meiner Gesamtbewertung schwanke ich hier stark zwischen 3 und 4 Punkten. Shah entwirft eine interessante Dystopie, deren Potential jedoch nicht ausreichend ausgereizt wird. Da das Buch trotzdem eine gute Idee aufgreift, sehr gut geschrieben und somit schön süffig lesbar ist, sowie die Gestaltung inklusive dem Kapitellayout Golkonda sehr gut gelungen ist, entscheide ich mich für 4 Punkte.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Die anstrengendste Großmutter der Welt

Der Zopf meiner Großmutter
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Ich muss zugeben, dass mir der Roman von Alina Bronsky zunächst durch das sehr ansprechend gestaltete Cover aufgefallen ist. Im Buch geht es jedoch nur punktuell um den Zopf – sondern viel mehr um die ...

Ich muss zugeben, dass mir der Roman von Alina Bronsky zunächst durch das sehr ansprechend gestaltete Cover aufgefallen ist. Im Buch geht es jedoch nur punktuell um den Zopf – sondern viel mehr um die Verrücktheiten – der Großmutter von Maxim/Max/Mäxchen (je nach Situation).

Die Geschichte wird aus der Sicht von Max erzählt, welcher mit seinen Großeltern auf Wirken der Großmutter hin aus Russland nach Deutschland umsiedelte. Der Plot setzt in Deutschland in einem Wohnheim ein und begleitet den Jungen bis in seine Jugend. Diese vielen Jahre packt die Autorin sehr geschickt in das kleine 214 Seiten dünne Büchlein. Die Jahre fliegen am Leser nur so vorüber. Dabei dreht sich jegliches Geschehen um die von sich selbst eingenommene, hypochondrische, distanzlose Grußmutter vom Max. Es wandelt sich die Gefühlslage des Lesers gegenüber der Großmutter von Aversion und Hass, zu zeitweise Respekt, zu teilweise Empathie, wenn auch nie zu Sympathie, denn dafür ist sie viel zu aufdringlich. Meines Erachtens erzeugt die Autorin genau die Gefühlslagen bei ihren Lesern, die sie erzeugen möchte. Diese Großmutter soll man nicht vorbehaltlos lieben, man soll sie langsam verstehen lernen.

Da die Autorin den personalen Erzähler in Form vom unterwürfigen Max wählt, erfährt der Leser nur Stück für Stück, was sich in der Familie vor der Umsiedlung nach Deutschland zugetragen hat. Das zehrt an den Nerven, denn Max fragt leider nicht viel, macht das Lesen jedoch umso spannender. Der Junge lebt ein Leben zwischen Zwängen und Ängsten, die von der Großmutter vermittelt und in die auch der Leser eingefercht wird. Dabei liest man auch durchaus einige bitterböse politisch inkorrekte Einstellungen der Großmutter gegenüber „Arabern“, „Türken“ et cetera. Bronsky hat im Gesamten einen sehr bitterbösen Witz und im Klang einen sehr schön an russische Einwanderer denkenlassenden Sprachstil.

So kurzweilig und zügig die Geschichte erzählt wird, so geht mir am Ende alles etwas zu schnell. Da hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht. Trotzdem ist das Buch durchweg zu empfehlen. Wenn man sich durch die ersten schmerzhaften Seiten durchgekämpft hat – und zwar nicht, weil diese schlecht oder träge geschrieben wären, sondern weil man sich erst einmal an die anstrengende Großmutter gewöhnen muss – wird man mit einem aberwitzigen Roman über (erweiterte) Familie, Zusammenhalt und Verrücktheit belohnt.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Nichts Neues heißt nicht gleich Langweilig

EX-ARM 1
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Akira ist ein eher schüchterner Schüler, der im Laufe der Geschichte aufgrund seiner besonderen (rätselhaften) Fähigkeiten über sich hinauswachsen muss.

Daß in diesem Manga am Anfang erstmal alle Clichés ...

Akira ist ein eher schüchterner Schüler, der im Laufe der Geschichte aufgrund seiner besonderen (rätselhaften) Fähigkeiten über sich hinauswachsen muss.

Daß in diesem Manga am Anfang erstmal alle Clichés des Genres bedient werden ist nichts bemerkenswertes. Trotz der Idee, den Protagonisten nur als Gehirn weiter in der Geschichte auftreten zu lassen, wirken die Versatzstücke bekannt und auch etwas ausgelutscht.

Was aber heraussticht, ist die Qualität und Konsequenz, mit der diese Standardthemen aufgegriffen und auserzählt werden.

Erkenntnisse der Charaktere sind logisch, die weiblichen Figuren sind weniger quietschig und naiv als gewohnt, Fanservice wird nicht überstrapaziert und am Ende wird die Action zurückgeschraubt um der Hintergrundgeschichte mehr Platz zu geben und nicht noch der obligatorische nächste Bösewicht aus der Kiste gezogen.

Selbst, wenn die Pluspunkte nur die Abwesenheit der sonst so überbordend genutzten "Tropes" sind, finde ich, daß dieses im weiten Ozean der Mangaindustrie schon bemerkenswert ist.

Alles in Allem ist Ex-Arm ein Shonen-Action-Manga, der nicht im Standard-Sumpf versinkt und Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte macht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sehr cooles, abgefahrenes Buch

Crackrauchende Hühner
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In diesem Erstlingswerk, welches von dem damals 17jährigen Autor verfasst wurde, besticht durch starke philosophische und gesellschaftskritische Passagen, die wild durcheinandergewürfelt werden.

Inhaltlich ...

In diesem Erstlingswerk, welches von dem damals 17jährigen Autor verfasst wurde, besticht durch starke philosophische und gesellschaftskritische Passagen, die wild durcheinandergewürfelt werden.

Inhaltlich lernen wir Daniel kennen, welcher aus der Ich-Perspektive von seinen Erlebnissen mit dem scheinbar übernatürlich begabten, aber definitiv auch ethisch fragwürdigen Nathan schildert. Wir begleiten die beiden zu Beginn auf eine Abschlussfahrt der 10.Klasse nach Berlin und dann einen Sommer lang zurück nach München in ein Leben voller Unfug und Exzesse. Besonders bei letzterem nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund.
Nathans ausufernde Monologe zum gesellschaftlichen System könnten gut auch von Marc-Uwe Klings Känguru stammen, haben aber definitiv einen düsteren Grundton. Die Geschichte wird auch zunehmend düster, verliert sich aus meiner Sicht jedoch gegen Ende immer mehr in Betrachtungen aus verschiedenen Metaebenen. Die Sprache des Autors bleibt jedoch stets klug und anregend.

Am Ende hat mich das Buch auf seinem wilden Ritt etwas abgehängt. Ich konnte zwar noch folgen, es wurde mir jedoch zu wirr und letztlich uninteressant. Schade, da ich dieses Buch für einen starken Einstieg ins literarische Leben halte. Von diesem jungen Autor können wir sicherlich noch sehr interessante, lesenswerte und vor allem anspuchsvolle Bücher erwarten.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Leider können selbst Rauhaardackel nicht ewig leben

Rauhaardackel wartet auf Tod
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Tobias Heimann behandelt in seinem ersten, angenehm kurzen Roman nicht nur das nahende Ableben eines Familienhundes, sondern auf gekonnte Weise gleich noch die verschiedenen Möglichkeiten des Umgangs mit ...

Tobias Heimann behandelt in seinem ersten, angenehm kurzen Roman nicht nur das nahende Ableben eines Familienhundes, sondern auf gekonnte Weise gleich noch die verschiedenen Möglichkeiten des Umgangs mit der Erkrankung Krebs, der Trauer um ein gelibtes Familienmitglied und das Miteinander in Krisensituationen. Die beschriebene sechsköpfige Familie muss sich darüber hinaus mit den alltäglichen Erschwernissen einer modernen Familie inklusive neuer Rollenkonstellationen herumschlagen.

Heimann gelingt - sowohl sprachlich als auch erzählerisch - diese vielen Aspekte in das Buch einzuarbeiten. Die Bildunterschrift "Tragikomödie" finde ich dabei vielleicht sogar etwas zu einschränkend. Es ist eine gute Erzählung, die mich jedoch erst zum Schluss zu ein paar Tränen rührte. Es gibt durchaus amüsante Episoden. Besonders stark ist das Buch jedoch, wenn es Zusammenhänge erklärt. Da es dies auf locker-leichte Art tut, ist es (bei Entschärfung einer Sexzsene) durchaus auch als Jugendbuch geeignet, um dieser Lesergruppe einen Zugang zu Krankheit, Tod und Trauer zu gewähren. Das i-Tüpfelchen wäre aus meiner Sicht gewesen, die Geschichte aus der Erzählperspektive des titelgebenden Rauhaardackels zu erzählen, um zum einen eine witzigere Stimmung aber zum anderen auch kreative, canine Einsichten zu unserem merkwürdigen menschlichen Verhalten zu bekommen. Darauf hatte ich mich eigentlich nach Lesen des Titels gefreut, wurde aber leider enttäuscht.

Gar nicht enttäuscht wurde ich hingegen von dem tollen Cover des Buches. Nicht nur die Anspielung auf Caspar David Friedrich ist großartig gelungen, sondern auch die gestalterische Umsetzung. Umso besser könnte man sich eigentlich durch diese Darstellung des Wanderers im Nebelmeer in Form des Dackels, eine wunderbare, romantische (im kunsthistorischen Sinne) Familienbetrachtung (statt -porträt) seinerseits vorstellen (siehe meinen einzigen Kritikpunkt von oben).

Aus meiner Sicht bekommt das Buch eindeutig eine Leseempfehlung.

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