Zwei Schwestern - zwei Wege
Sister, SisterSigrid schreibt Abschiedsbriefe, in denen sie berichtet, wie ihr Leben bisher verlief und wie es (Triggerwarnung) dazu kam, sich suizidieren zu wollen. Wir lernen ihre schwierige Familiengeschichte kennen, ...
Sigrid schreibt Abschiedsbriefe, in denen sie berichtet, wie ihr Leben bisher verlief und wie es (Triggerwarnung) dazu kam, sich suizidieren zu wollen. Wir lernen ihre schwierige Familiengeschichte kennen, ihren erfolglosen Werdegang und die soziale Ausgrenzung ihr gegenüber. Wir lernen im Laufe der Geschichte auch ihre Schwester Margit kennen, deren Leben eine andere Richtung nahm. Beide haben sich aus den Augen verloren und erst dieser Schlag lässt sie umdenken.
Ich hatte nicht unbedingt Erwartungen an dieses Buch, wollte die Story offen angehen. Dennoch denke ich, dass der Klappentext eher in eine andere Richtung deutete, als erwartet. Ich habe einige Zeit gebraucht, um reinzukommen. Doch von Seite zu Seite wurde mein Interesse größer und Sigrids Briefe entwickelten einen gewissen Reiz.
Auf der einen Seite klingen die Ausführungen der Protagonistin alltäglich, fast lapidar. Auf der anderen Seite erkennt man hinter ihren Worten die verletzte Seele, die Ablehnung erfahren hat, weil sie den Erwartungen der anderen nicht gerecht wurde. Die beschlossen hat, die Verantwortung dafür auf sich zu nehmen. Andererseits hat Sigrid auch viele detaillierte Erinnerungen an schöne Erlebnisse. Es wird deutlich, wie unterschiedlich die Schwestern mit den Erfahrungen ihrer Kindheit umgegangen sind. Wie jeder mit der Unsicherheit in ihrem Zuhause, dem Zwiespalt, der Angst umgegangen ist, die ihre weiteren Leben bestimmten.
Zum Ende hin wurden mir die Wiederholungen in den Briefen einfach zu viel und brachte keinen Mehrwert. Klar, sie hatte mit Sicherheit kein schönes, sicheres Leben, aber die absolute Verzweiflung, die letztendlich zu ihrer Tat führte, kam bei mir nicht rüber. Irgendetwas fehlte mir.
Auch hatte ich erwartet, dass der Konflikt der Schwestern mehr im Vordergrund steht. Wäre das nicht auf dem Klappentext angekündigt worden, hätte ich die Geschichte eher für Sigrids Rückblick, wie es zu dem Suizid kam, gehalten. Das Buch flachte zum Ende hin deutlich ab. Der Schreibstil war allerdings gut und hat mir sehr gefallen.