Vom Kotti in die Welt und mitten ins Herz
36 BoysKreuzberg riecht in diesem Buch nach Beton, kaltem Rauch, Angst, Wut und diesem ganz eigenen Trotz, der entsteht, wenn junge Menschen spüren, dass für sie kein Platz vorgesehen ist.
Ich habe 36 Boys nicht ...
Kreuzberg riecht in diesem Buch nach Beton, kaltem Rauch, Angst, Wut und diesem ganz eigenen Trotz, der entsteht, wenn junge Menschen spüren, dass für sie kein Platz vorgesehen ist.
Ich habe 36 Boys nicht einfach als Geschichte über eine Gang gelesen, sondern als Blick in eine Zeit, in der Armut, Rassismus und Ausgrenzung jungen Männern viel zu früh beigebracht haben, hart zu wirken. Paul Christoph Gäbler erzählt das mit einer Nähe, die mich berührt hat, ohne dabei alles schönzureden.
Besonders stark fand ich, dass das Buch nicht nur von Gewalt und Straße spricht, sondern von Freundschaft, Schutz, Identität und dem Wunsch, gesehen zu werden. Zwischen Mauer, Kotti und Abrisshäusern entsteht ein Bild von Kreuzberg, das rau ist, aber voller Leben. Man versteht, warum die 36 Boys für manche mehr waren als nur eine Gang.
Mich hat diese Mischung aus Zeitgeschichte, Biografie und Gesellschaftsanalyse richtig gepackt. Manche Stellen tun weh, weil sie zeigen, wie wenig sich in manchen Fragen verändert hat. Trotzdem bleibt nach dem Lesen nicht nur Schwere zurück, sondern auch Respekt vor Lebenswegen, die sich aus schwierigen Anfängen heraus ihren Platz erkämpft haben.
Ein starkes, wichtiges und sehr menschliches Buch, das lange nachhallt.