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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2026

Kann man lesen, man muss es jedoch nicht!

Light my Fire
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Inhalt:

Dieser Ratgeber ist im Grunde in drei Teilbereiche gegliedert: der erste Teil befasst sich mit Anatomie, Physiologie und Sextheorie, im zweiten Teil wird auf körperliche Gesundheit und Integrität ...

Inhalt:

Dieser Ratgeber ist im Grunde in drei Teilbereiche gegliedert: der erste Teil befasst sich mit Anatomie, Physiologie und Sextheorie, im zweiten Teil wird auf körperliche Gesundheit und Integrität der Hormone eingegangen und der dritte Teil befasst sich mit sexueller Erfüllung und Vervollständigung der persönlichen Entwicklung. Dabei werden immer wieder fiktive Patienten angeführt und deren Probleme erörtert.


Schreibstil:

Der Schreibstil ist sehr unkonventionell und amerikanisch, die Autorin erklärt in leicht verständlichen Worten die Zusammenhänge zwischen nachlassender Libido und hormoneller Dysfunktion, wobei das Ganze zuweilen recht amüsant und kurzweilig gehalten ist.


Autorin

Sheila de Liz ist ausgebildete Gynäkologin, die bis 2025 in ihrer eigenen Praxis in Wiesbaden gearbeitet hatte. Zudem gründete sie 2022 die HormonOnlineKlinik und betätigt sich als Influencerin.


Cover:

Das Konterfei der Autorin ziert das Cover dieses Buches, wobei sie sich optisch betont nahbar gibt und auf einen weißen Arztkittel verzichtet.


Meinung & Persönliche Kritikpunkte:

Positiv hervorzuheben ist hier, dass Sheila de Liz offen über Themen spricht, die oft noch tabuisiert werden. Ihre Absicht, Unsicherheiten abzubauen und Frauen zu ermutigen, sich mit ihrem eigenen Körper auseinanderzusetzen, ist sicherlich gelungen. Außerdem sind die Inhalte leicht verständlich und auch für Leserinnen ohne medizinische Vorkenntnisse gut nachvollziehbar.

Was mich hier aber extrem stört ist, wie leichtfertig mit der Verabreichung von Hormonen umgegangen wird und recht salopp zur Selbsthilfe geraten wird, indem man nach eigenem Ermessen mit Hormonpräparaten selbstständig am eigenen Körper “herumdokort”, da man angeblich recht schnell ein Gespür dafür entwickelt, was einem guttut und was nicht. Dieses Bagatellisieren finde ich fast schon fahrlässig, da aufgrund dessen sicherlich viele den Weg zu einem Facharzt scheuen und sich stattdessen auf eigene Faust im Onlinehandel irgendwelche Präparate organisieren. Als Selbstbetroffene mit einer Schilddrüsenerkrankung und einer damit verbundenen Hormonsubstitution, weiß ich nur zu gut, wie sensibel ein Körper auf Hormongaben reagieren kann. Ohne ärztliche Betreuung kann dies fatal sein und mehr schaden als nutzen!

Zudem scheint Dr de Liz ein besonderes Naheverhältnis zu all ihren Patienten zu haben, wenn diese sie zu jeder x-beliebigen Tages- und Nachtzeit ganz selbstverständlich privat anrufen können, um mit ihr deren Probleme zu besprechen! Hierzulande ist es eher üblich, auf einen Gynäkologentermin Wochen bis Monate zu warten, auch ist für gewöhnlich die Wahrscheinlichkeit, mit seiner Gynäkologin des Vertrauens spontan einen Kaffee zu trinken oder auch Sushi essen zu gehen, um dabei seine sexuellen Probleme zu erörtern, doch eher verschwindend gering. Solche übermotivierten Ärzte wird man vermutlich nur in amerikanischen Fernsehserien finden!

Ich war aufgrund des Klappentextes sehr gespannt auf diesen Ratgeber gewesen, doch leider muss ich sagen, dass er meine Erwartungen nicht erfüllt hat!


Fazit:

Ein Ratgeber, der den Einfluss von Sex in einer Beziehung zu sehr in den Vordergrund spielt und als Allheilmittel ansieht - kann man gelesen haben, muss man aber nicht!

Veröffentlicht am 17.06.2026

Wenn (Alb-)Träume wahr werden

REM
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Inhalt & Handlung:
Alysees letzte Erinnerungen an ihren Vater waren seine flehenden Worte, sie möge nicht einschlafen, als sie mit ihm im Alter von vier Jahren im Auto fuhr. Kurze Zeit später war ihr Vater ...

Inhalt & Handlung:
Alysees letzte Erinnerungen an ihren Vater waren seine flehenden Worte, sie möge nicht einschlafen, als sie mit ihm im Alter von vier Jahren im Auto fuhr. Kurze Zeit später war ihr Vater auf grausige Weise ermordet und Alysee zur Waise geworden. In weiterer Folge wuchs das Mädchen zusammen mit dem um zwei Jahre älteren Nico bei einer Pflegefamilie auf, der sich stets rührend um sie kümmerte. Alysee wurde aber seit damals von schlimmen Albträumen geplagt, welche ihr große Ängste vor dem Einschlafen bescherte. Jahre später, Alysee ist inzwischen Studentin, erfährt sie an ihrem 18. Geburtstag vom Erbe ihres Vaters, der ihr ein ehemaliges Rathaus im Niemandsland, welches zu einem Hotel mit dem bezeichnenden Namen „Hotel de Ville“ umfunktioniert worden war, aber letztlich als eine Art Klinik für Menschen mit mentalen Problemen genutzt wurde. Aus diesem Grund ranken sich alle möglichen urbanen Legenden über dieses Gebäude. Alysee beschließt, diesem Geheimnis, das auch eng mit dem Tod ihres Vaters verbunden zu sein scheint, zu lüften und begibt sich zusammen mit Nico, für den sie insgeheim Gefühle hegt, die über Freundschaft hinausgehen, auf den Weg zu diesem sagenumwobenen Ort.

Schreibstil:
Zusammen mit Annika Strauss hat der als Psychothriller-Autor Sebastian Fitzek hier einen Roman verfasst, bei dem die Grenzen zwischen Horror und Thriller verschwimmen. Besonders während der Anfangsphasen des Buches weiss man hier oft nicht, ob es sich bei der Erzählung um reale Geschehnisse handelt, um Fiktion oder lediglich um Traumsequenzen. Das verwirrt einen als Leser, trotzdem fesselt einen der Handlungsstrang.

Charaktere:
Im Mittelpunkt steht Alysee, die –ebenso wie ihr Pflegebruder Nico – von unerklärlichen Albträumen geplagt wird, um diesen zu entgehen, schläft Alysee kaum und versucht ihr Leben durch massiven Konsum von Koffeeintabletten zu meistern. Alysee und Nico sind als Waisen in derselben Pflegefamilie zusammen aufgewachsen, dieses band der Zusammengehörigkeit verbindet sie bis ins Erwachsenenalter, da der eine für den anderen „Familie“ bedeutet. Bei Alysee hat sich aus diesen geschwisterlichen Gefühlen allerdings Liebe entwickelt, aus Angst vor Zurückweisung schreckt sie allerdings davor zurück, Nico ihre wahren Gefühle zu offenbaren.

Cover:
Das Cover stellt ein Auge in Großaufnahme dar, das bei genauerer Betrachtung, wie Glas zerbricht, eigentlich ein klarer Hinweis auf die Geschichte, was man allerdings erst im Laufe des Romans zu interpretieren versteht.

Meinung & persönliche Kritikpunkte:
Eigentlich hatte ich einen Thriller in typischer Sebastian Fitzek Manier erwartet, daher war ich recht überrascht, dass in diesen Roman sehr viele Horrorelemente miteinflossen, was dem Umstand geschuldet ist, dass an diesem Roman auch eine weitere Autorin – Annika Strauss – beteiligt war. Gleich zu Beginn entwickelt sich eine sehr gruselige Atmosphäre, die man schlecht einzuschätzen vermochte, deshalb waren für mich manche Passagen sehr gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar verwirrend. Gerade in den Anfangsphasen wusste ich nicht, ob es sich bei manchen Darstellungen um eine verzerrte Wirklichkeit handelt oder um einen Traum. Trotz allem fand ich die Handlung äusserst fesselnd, gerade die kurzen Kapitel verstärkten das rasante Erzähltempo. Es werden zudem des Öfteren falsche Fährten gelegt, sodass man als Leser gezwungen wird, alles und jeden zu hinterfragen, weil offensichtlich nichts so ist, wie es anfangs erscheint.
Kritisch anmerken möchte ich, die ich kein allzu großer Fan von Horror-Romanen bin, dass einige Szenen auf mich übertrieben wirkten, die ganz offensichtlich Schockeffekte erzielen sollten. Zudem waren für mich einige Übergänge – besonders gegen Ende – nicht ganz schlüssig.

Fazit:
Wer eine Mischung aus Thriller und Horror mag, wird hier sicherlich gut bedient, denn der Roman wartet auch mit Schockmomenten auf. Für reine Thriller Fans werden manche Stellen sicherlich ein wenig zu übertrieben sein.

Veröffentlicht am 11.06.2026

Des Kängurus 5.Teil

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Inhalt & Handlung:
Auch in diesem Teil führt Marc- Uwe Kling die Abendteuer seines Kängurus, das es mittlerweile zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist, fort. Diesmal ist die Intention des Kängurus, ...

Inhalt & Handlung:
Auch in diesem Teil führt Marc- Uwe Kling die Abendteuer seines Kängurus, das es mittlerweile zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist, fort. Diesmal ist die Intention des Kängurus, eine Revolution gegen das System zu entfachen, die darauf fußt, dass jeder Teilnehmer nur zwei andere Personen finden muss, die sich ebenfalls der Revolution anschließen. Durch dieses Schneeballsystem will es eine große Bewegung organisieren. Dabei kommt es zu einer Wette zwischen ihm und dem Autor, bei der es darum geht, welcher der beiden Protagonisten es vermag, mehr Revolutionsteilnehmer zu rekrutieren als der andere.

Schreibstil:
Wie bereits in den ersten vier Teilen bleibt auch hier der Autor seinem bewährten Konzept treu: Die „Känguru-Rebellion“ ist sehr politisch, bissig, gut durchdacht und humorvoll. Es kommt zu amüsanten Dialogen zwischen dem Känguru und dem Autor, die zu einem äußerst lustigen Schlagabtausch führen. Sprachlich überzeugt Kling aber auch hier mit schnellen Dialogen und hohem Tempo.

Charaktere:
Die Charaktere sind bereits aus den vorherigen Bänden bekannt, leider werden diese recht oberflächlich gezeichnet, die dienen oft nur dazu ein Klischee zu bedienen und eine bestimmte gesellschaftliche Position zu repräsentieren, dadurch wirken die Figuren oft nur recht eindimensional, der jeweilige Widerpart wirkt dadurch sehr reduziert und stumpf.

Cover:
Im Cover ist ein kämpferisches Känguru zu sehen, dass seine Hand zum Rebellion erhebt! Ein sehr gelungenes Bild zu diesem Hörbuch!

Sprecher:
Das Hörbuch wurde von Marc Uwe Kling vor Publikum selbst eingelesen.

Meinung und persönliche Kritikpunkte:
Das Hörbuch hat mich phasenweise gut unterhalten, nach fünf Bänden muss ich allerdings sagen, dass dieses Buch deutlich schwächer ausfällt als die Vorgänger, da sich das Erfolgsrezept dieser Reihe schön langsam Ermüdungserscheinungen aufweist bzw. sich das gesamte Konzept bereits totzulaufen beginnt. Natürlich gibt es etliche Momente, die einen wirklich amüsieren, etwa als das Känguru verschiedene Personen auffordert, sich entweder eine Stunde lang in eine geschlossene Garage mit einem laufenden Verbrennerfahrzeug oder in eine mit einem Elektroauto zu setzen.
Trotz allem gerät der Erzählfluss ein wenig ins Stocken, da man primär sehr überambitioniert versucht, auf gesellschaftliche Missstände bzw. auf wirtschaftliche Machtstrukturen hinzuweisen. Die politische Botschaft wird hier leider zu Ungunsten einer fesselnden Geschichte in den Vordergrund gestellt, der aus den vorangegangenen Büchern bekannte Humor wiederholt sich zum Teil, sodass es zu manch ungewolltem Déjà-vu kommt, man vermisst ein wenig neue Facetten.

Fazit:
Die Känguru Rebellion ist ein durchaus unterhaltsamer Roman mit satirischen Spitzen, der jedoch in seiner Tiefe nicht an die Erstlingswerke des Kängurus heranreicht und dementsprechend eingefleischte Känguru-Fans ein wenig enttäuscht zurücklassen könnte.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Obsessiv und verstörend

Das Beste sind die Augen
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In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten ...

In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten lebt. Der Vater hat seine Familie vor einem Jahr verlassen, was die Mutter komplett aus der Bahn geworfen hat. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden, die Mutter, welche selbst eine Kindheit voller Entbehrungen erlebt hatte, möchte sich und ihren Töchtern jedoch ein besseres Leben ermöglichen, und so geht sie eine Beziehung mit George ein, einem Amerikaner mit einem Hang zu asiatischen Frauen.

Die beiden Mädchen, die nach wie vor um den Verlust ihres Vaters trauern, sind von der neuen Liebe ihrer Mutter alles andere als angetan, zumal ihr Stiefvater keinen Hehl daraus macht, dass er sich auch von seinen Stieftöchtern angezogen fühlt. Ji-won hasst die dominante Art Georges, sie möchte ihn am liebsten tot sehen, und beginnt Halluzinationen zu entwickeln, in denen sie die Augäpfel ihres baldigen Stiefvaters aufisst. Die Vorstellung Augen zu essen, wird zur fixen Obsession, die sie schon bald auszuleben beginnt. So tauchen im Univiertel schon bald die ersten Todesopfer auf, denen die Augen herausgeschnitten wurden, man vermutet einen Zusammenhang zwischen den Opfern und sucht nach einem Serienmörder.

Auch Ji-won macht ihre Erfahrungen mit dominanten amerikanischen Männern, etwa ihrem Studienkollegen Geoffrey, der von der Idee besessen ist, sie als Lebensgefährtin zu gewinnen. Ji-won wehrt sich auf ihre Weise – es kommt zu einem dramatischen Show-Down.

Das Buch beginnt bereits mit einer recht verstörenden Szene, in denen die Mutter ihren Töchtern Fischaugen zum Probieren anbietet, da das Verspeisen von Fischaugen im asiatischen Raum Glück bringen soll. Anfänglich zeigt sich Ji-won davon abgestoßen, nachdem sie jedoch erstmals ein Fischauge gekostet hat, entwickelt sich daraus eine generelle Gier nach Augen. Gerade blaue Augen haben eine magische Anziehung auf die junge Asiatin, für sie sind sie ein Symbol für männliche Dominanz, die sie zu zerstören versucht. Dieses zunehmend obsessive Verhalten spiegelt sich auch in der Erzählweise der Autorin wieder, ist diese anfangs klar und realitätsbezogen, ändert sich dies im Laufe der Geschichte jedoch drastisch, man weiß oft nicht, ob sich die Protagonistin im Hier und Jetzt befindet, oder halluziniert bzw. träumt. Dabei werden diese Halluzinationen immer abartiger und morbider. Die Autorin lässt bei den Beschreibungen keine Grauslichkeit aus, um dem Leser alles sehr bildhaft vor Augen zu führen. Als Leser ist man einerseits komplett abgestoßen, andererseits möchte man trotzdem wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Hält man Ji-won und Ji-hyun aufgrund ihrer prägenden Erziehung anfangs für sehr angepasst und devot, merkt man bald, dass hinter dieser vermeintlich devoten Fassade ein äußerst emanzipierter und kritischer Geist steckt.
Ich tue mir schwer, dieses Buch zu bewerten, weil es so anders ist, es liest sich sehr flüssig, die kurzen Kapitel laden geradezu zum Weiterlesen ein. Trotzdem konnte ich mich mit kaum einer der Figuren identifizieren, auf ihre Weise hatte jede einzelne Figur ihre Schattenseiten. Besonders positiv möchte ich die wunderschöne Aufmachung des Bucheinbandes und der kolorierten Seiten hervorheben, sie sind definitiv ein echter Blickfang!

Fazit: Ein Buch, das man schwer aus der Hand legen kann, das einen zugleich fasziniert, aber auch massiv abstößt und verstört!

Veröffentlicht am 08.05.2022

Systematisches Doping oder doch Sabotage?

Ein Grab für zwei
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Inhalt & Handlung:
Selma Falck, einst selbst Spitzensportlerin, verliert ihre Zulassung als Anwältin und wird von Jan Morell, dem Vater von Norwegens derzeit bester Langläuferin, beauftragt, die Unschuld ...

Inhalt & Handlung:
Selma Falck, einst selbst Spitzensportlerin, verliert ihre Zulassung als Anwältin und wird von Jan Morell, dem Vater von Norwegens derzeit bester Langläuferin, beauftragt, die Unschuld seiner Tochter zu beweisen, welche des Dopings durch das Steorid Clostebol bezichtigt wird. Die Lage spitzt sich zu, als auch noch Norwegens bester männlicher Langläufer tot aufgefunden wird und in seinem Blut ebenfalls Spuren von Clostebol gefunden werden. Geht es hier um einen skandalträchtigen Dopingskandal, der die gesamte Elite aus dem norwegischen Langlaufnationalteam betrifft, oder handelt es sich hier um einen Sabotageakt?

Schreibstil:
Anne Holt hat die Tendenz in ihren Ausführungen – oft unnötigerweise - sehr ins Detail zu gehen, was auf Kosten der Länge des Buches geht. Die Fülle an Charakteren wird von ihr stets mit vollem Namen angeführt.

Charaktere:
Protagonistin Selma Falck hat neben ihrer Ermittlungstätigkeit stets vor allem auch gegen ihre eigenen Dämonen in Form ihrer Spielsucht, die sie sich nicht eingestehen will, zu kämpfen. Aufgrund dieser Sucht verliert sie ihre Konzession als Rechtsanwältin und macht sich dadurch für Erpressung angreifbar, sondern sie verliert mit einem Schlag auch ihre Familie, die sie durch ihre Spielleidenschaft in finanzielle Probleme stürzt. Ansonsten erweist sie sich als akribisch arbeitende, schlaue Ermittlerin. Sie wird in ihrer Arbeit durch Einar unterstützt, einem ihrer ehemaligen Klienten, der als karrieretechnisch gestrandeter Polizeichef zum Aussteiger und Outlaw der Gesellschaft geworden ist, der jedoch nach und nach zu ihrem einzigen Vertrauten und Mentor wird. Im Gegensatz zu der recht kühl agierenden Selma Falck erscheint Einar sehr warmherzig und altruistisch.

Cover:
Das Cover ist themabezogen und zeigt eine Langlaufloipe, wobei die Farbgebung in Rot, Schwarz und Weiß recht karg ausfällt. Einzig die ungewöhnliche Art der Beschriftung fällt auf, ansonsten fällt das Cover relativ unspektakulär aus.

Autorin:
Anne Holt studierte Rechtswissenschaften in Oslo und Bergen. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Journalistin, danach im Polizeidienst und als Rechtsanwältin. Die Erfahrungen bei diesen Tätigkeiten ließ sie später in ihre Werke einfließen. 1996 wurde sie zu Norwegens Justizministerin ernannt, musste dieses Amt jedoch krankheitsbedingt im Jahr darauf zurücklegen. Heute lebt sie als Autorin in Oslo.

Meinung und persönliche Kritikpunkte:
Ich habe das Buch in der Hörbuchfassung, gelesen von Katja Bürkle „konsumiert“. Dieser Sprecherin mit ihrer angenehmen Stimme und ihrem Geschick, den einzelnen Figuren Leben einzuhauchen, ist es zu verdanken, dass man über etliche Längen, die das Buch aufweist, hindurchgerettet wird. Diese Längen ergeben sich durch zum Teil unnötige Beschreibungen, die für die Geschichte völlig irrelevant sind. Was bei diesem Hörbuch erschwerend hinzukommt, ist die unglaubliche Fülle an verschiedenen Personen, durch die es zum Teil wirklich zum Spießrutenlauf wird, der Geschichte problemlos zu folgen. Was mir ebenfalls eher unangenehm aufgefallen ist, ist die fortwährende Benutzung der vollständigen Namen der Personen, die wie ein Mantra ständig wiederholt werden. Bereits beim ersten Zusammentreffen des Lesers mit Selma Falck, kommt in einer reinen Beschreibung dieser Person in jedem einzelnen Satz ihr Name vor, bei längeren Doppelnamen wie etwa Hege Jean Morell, wird dieses Prozedere wirklich mühsam bis enervierend, wenn man den Namen gebetsmühlenartig ständig in voller Länge wiederholt bekommt.

Was die Geschichte selbst betrifft, bin ich vom Plot sehr angetan, zumal sie mich stark an einen realen Dopingfall aus dem Jahre 2016, als die Athletin Therese Johaug aus dem im norwegischen Langlauf-Team ebenfalls mit Dopingvorwürfen durch Clostebol konfrontiert wurde; mag sein, dass das Buch auch an diesem Fall Anleihen genommen hat. Was mich allerdings ein wenig enttäuschte, war die Auflösung dieses Kriminalfalles, welche für mich zu konstruiert war. Gerade beim Schluss wäre wesentlich mehr möglich gewesen!

Fazit:
Ein Buch, das durch einen realen Bezug an Aktualität gewinnt, das phasenweise sehr spannend ist, aber durch sein Ende enttäuscht!