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meggie3

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2020

Unterschwellige Spannung

Ihr Königreich
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Roy und sein jüngerer Bruder Carl sind in dem norwegischen Bergdorf Os auf einem abgeschiedenen Hof bei ihren Eltern aufgewachsen. Nach dem Tod der Eltern ist Carl zum Studieren in die USA gegangen und ...

Roy und sein jüngerer Bruder Carl sind in dem norwegischen Bergdorf Os auf einem abgeschiedenen Hof bei ihren Eltern aufgewachsen. Nach dem Tod der Eltern ist Carl zum Studieren in die USA gegangen und Roy hat die Autowerkstatt bzw. spätere Tankstelle seines Onkels übernommen. Dann kehrt Carl mit seiner Frau Shannon zurück nach Os und plant, ein Erholungshotel zu bauen. Schnell wird klar, dass nicht alles so ist, wie es scheint und vorgegeben wird.

Jo Nesbø hat einen ruhigen Schreibstil, der unaufgeregt die Geschehnisse beschreibt. Roy ist ein interessanter Charakter, der für mich immer plastischer wurde je mehr ich gelesen habe. Generell ist die Konstellation der ProtagonistInnen sehr spannend und eindrücklich beschrieben.
„Ihr Königreich“ ist für mich eher ein Familiendrama mit Thrillerelementen als Kriminalroman, da es meiner Meinung nach weniger um die Aufklärung eines Verbrechens als um Dynamiken geht, die zu Verbrechen führen können. Nichtsdestotrotz habe ich den Roman als durchgängig spannend empfunden. Den Aufbau finde ich gelungen, da schrittweise im Roman Vergangenes ans Licht kommt und Gegenwärtiges dadurch erklärt wird. Nach Beenden des Buches war ich etwas unschlüssig, ob ich den Schluss noch realistisch finde. Die Wendungen habe ich als positiv und teilweise überraschend empfunden, dennoch ist es mir am Ende etwas zu viel, ohne jetzt spoilern zu wollen.

Alles in allem bin ich beeindruckt davon, wie es Jo Nesbø gelingt, mit so viel Ruhe auf vielen Seiten die Spannung hochzuhalten. Und dass das mit einem Protagonisten gelungen ist, der mich fasziniert, mit dem ich mich aber nicht im Entferntesten identifizieren kann, ist wirklich erstaunlich.

Nachdem ich mich im ersten Versuch mit Harry Hole etwas schwer getan habe (warum auch immer), ist „Ihr Königreich“ mein zweiter Anlauf in Bezug auf Romane von Jo Nesbø. Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich „Ihr Königreich“ eine Chance gegeben habe. Auch Harry Hole wird die wohl in naher Zukunft nochmal bekommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2020

Ein sehr spannender Thriller, der klassische Ermittlungsarbeit und Social Media verknüpft

Der Fahrer
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Ein Täter entführt Frauen und hinterlässt einen Hashtag mit Leuchtfarbe auf ihren Autos. Auf ihren Social Media Kanälen hinterlässt er Botschaften an die Polizei. Jens Kerner und sein Team versuchen, die ...

Ein Täter entführt Frauen und hinterlässt einen Hashtag mit Leuchtfarbe auf ihren Autos. Auf ihren Social Media Kanälen hinterlässt er Botschaften an die Polizei. Jens Kerner und sein Team versuchen, die Frauen lebend zu finden und den Täter aufzuspüren. Es häufen sich die Hinweise darauf, dass alles mit Jens Kerner persönlich zu tun haben könnte.

„Der Fahrer“ ist der erste Thriller, den ich von Andreas Winkelmann gelesen habe. Dementsprechend sind mir die Protagonisten um Jens Kerner zunächst unbekannt gewesen. Allerdings war das unproblematisch, da die Charaktere schnell und verständlich eingeführt werden genauso wie deren Beziehungen zueinander. Die Charaktere haben Tiefe und obwohl ich Jens Kerners Liebe zu seinem Auto eigentlich nicht nachvollziehen kann, wirkte sie auf mich trotzdem authentisch. Andreas Winkelmanns Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und ich habe es als Hamburgerin als sehr spannend empfunden, viele der Orte wiederzuerkennen und vor Augen zu haben. Interessant fand ich auch die offensichtlichen Schnittstellen zwischen klassischer Ermittlungsarbeit und internetbasierten Methoden beziehungsweise die Herausforderung der Koordination von Ermittlungen, die teilweise auch online nötig sind. Diese thematische Verknüpfung ist gut gelungen. Auch die Passagen aus Sicht des Täters sind spannend, da sie häppchenweise Aufschluss über das Motiv geben, aber nicht so viel verraten, als das offensichtlich ist, um wen es sich bei dem Täter handelt.

Der Fall an sich ist bis zum Schluss spannend aufgebaut und wendungsreich, sodass ich gerne weiterlesen wollte und direkt einen weiteren Thriller aus der Reihe um Jens Kerner gelesen habe.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Humorvoller Krimi

Hope Joanna
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Die Berliner Kommissarin Hope Joanna wird zu einem Tatort gerufen. Bei der Leiche handelt es sich um einen berühmt berüchtigten Händler von alten Dingen, oftmals in Zusammenhang mit der NS-Zeit und Adolf ...

Die Berliner Kommissarin Hope Joanna wird zu einem Tatort gerufen. Bei der Leiche handelt es sich um einen berühmt berüchtigten Händler von alten Dingen, oftmals in Zusammenhang mit der NS-Zeit und Adolf Hitler. Es stellt sich heraus, dass der Tod des Mannes durch einen Schlangenbiss verursacht wurde. Als die Ermittler:innen um Hope Joanna herausfinden, dass ein übers Darknet sagenumwobenes Elixier etwas mit dem Todesfall zu tun hat, das nun von geheimen Boten abgeholt und an den Käufer übergeben werden sollte, wird es abenteuerlich.

Ich kannte Horst Evers bisher nur als Kabarettist und nicht als Krimiautor. Die Mischung aus Humor und Krimi funktioniert aus meiner Sicht aber ausgezeichnet, insbesondere zu Beginn und auch gegen Ende des Buches. In der Mitte hat es mich nicht mehr ganz so gepackt, trotzdem habe ich den Krimi insgesamt gerne gelesen. Wie nicht anders zu erwarten, lässt sich „Hope Joanna“ leicht und flüssig lesen. Auch die zum Teil sehr absurden Ideen finde ich gelungen. Außerdem fließen immer wieder sehr ernsthafte gesellschaftliche und politische Themen ein, die das Buch bereichern.

Ich würde „Hope Joanna“ allen empfehlen, die sich auf einen humorvollen, nicht allzu ernsthaften und realistischen Krimi einlassen mögen. Mir hat das Lesen Spaß gemacht.

Veröffentlicht am 16.05.2026

Viele Verdächtige, viele Motive, viele Wendungen und viel Spannung

Home Before Dark
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Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, ...

Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, um den zehnjährigen Jahrestag des Verschwindens ihrer zwei Jahre älteren Schwester Stina zu begehen. Vor zehn Jahren hatte Marsi einen Brieffreund, mit dem sie sich am Abend des Verschwindens ihrer Schwester hatte treffen wollen. Schon lange quält sie der Verdacht, dass ihre Brieffreundschaft mit dem Verschwinden von Stina zu tun haben könnte. Erzählt hat sie jedoch niemandem von ihren Schuldgefühlen. Als Marsi nun auf einmal wieder einen Brief von ihrem ehemaligem Brieffreund erhält, beginnt sie, nach Antworten und ihrer Schwester zu suchen.

Die zweite Zeitebene spielt zehn Jahre zuvor, rund um das Verschwinden von Stina. Diese Ebene konzentriert sich auf Stinas Leben und ihre Perspektive in der Zeit kurz vor ihrem Verschwinden. Es geht um erste Erfahrungen mit Jungs, üble Streiche, Freundschaft und Familie.

Beide Perspektiven und Zeitebenen wechseln sich ab, sodass man als Leser:in sehr langsam eine Ahnung bekommt, was 1967 passiert sein könnte. Allerdings bekommt man diese Ahnung eigentlich doch nicht, weil es unheimlich viele potenziell Verdächtige, Motive und auch Wendungen gibt. Ich habe das als durchaus spannend empfunden, allerdings doch etwas erschlagend. Der Thriller zeichnet sich vor allem durch die unterschwellige Düsternis aus, die sich vor allem auch im Zuhause der Schwestern durchzieht. Die Eltern versuchen, Marsi von ihren Nachforschungen abzuhalten und verhalten sich wie so viele andere Personen zum Teil sehr merkwürdig.

An einigen Stellen war es mir etwas too much, spannend fand ich es aber immer. Auch der Schreibstil ist fesselnd und war für mich sehr gut zu lesen. Das Ende ist etwas speziell, aber je länger ich darüber nachdenke, eigentlich sehr passend.

Veröffentlicht am 08.05.2026

Geballte Frauenpower

Tödliche Freundinnen
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Melanie, genannt Mel, und Chloe sind ein Paar, halten ihre Beziehung mit sechzehn aber noch geheim. Als es an Chloes Sweet Sixteen Party zu einem folgenschweren Vorfall kommt, der für den Kleinkriminellen ...

Melanie, genannt Mel, und Chloe sind ein Paar, halten ihre Beziehung mit sechzehn aber noch geheim. Als es an Chloes Sweet Sixteen Party zu einem folgenschweren Vorfall kommt, der für den Kleinkriminellen Toby Dunne tödlich endet, verändert sich das Leben der beiden Teenager fundamental. Sie schweigen zu der verhängnisvollen Nacht. Einige Jahre später verschwindet Chloe plötzlich und taucht unter, ohne dass jemand ihren Aufenthaltsort oder ihre Gründe kennt. Während sie sich in der Provinz in Kanada versteckt, wird Mel zu einer ausgezeichneten Privatdetektivin in ihrem US-amerikanischen Heimatort. Als Chloes einflussreicher Vater schwer erkrankt, beauftragt er Mel mit der Suche nach seiner Tochter. Mel gelingt es tatsächlich Chloe aufzuspüren – doch das ist erst der Beginn einer turbulenten und gefährlichen Reise für die Beiden.

Der Thriller bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Die eine beschäftigt sich mit der Zeit rund um die Sweet Sixteen Party, die das Leben der beiden Protagonistinnen auf den Kopf gestellt hat. Die andere Zeitebene beginnt drei Jahre nach Chloes Verschwinden, also zu dem Zeitpunkt, als Mel sich auf die Suche nach Chloe begibt. Zusätzlich wird noch aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt – zumeist aus der von Chloe und der von Mel. Dies macht es manchmal kompliziert, aber auch spannend. Nur langsam wird klarer, was die Flucht von Chloe überhaupt ausgelöst hat und was rund um die Sweet Sixteen Party passiert ist. Mir hat das nur langsame Entblättern der Hintergründe gut gefallen.

Ich finde außerdem, dass sich der Schreibstil der Autorin sehr gut lesen lässt. Sie schreibt so, dass ich mir als Leserin die Gegebenheiten und die Situationen sehr gut vorstellen konnte, obwohl das Geschriebene sehr weit von meiner Lebensrealität entfernt ist. Die Sprache ist den unterschiedlichen Personen angepasst, sodass die Dialoge durchaus authentisch wirken. Für einen Thriller ist natürlich besonders wichtig, dass er spannend ist. Mich hat „Tödliche Freundinnen“ sehr gefesselt. Gegen Ende hat das Tempo auch nochmal angezogen. Die Liebesgeschichte zwischen Mel und Chloe hat Raum bekommen, meinem Empfinden nach war das aber über weite Strecken noch im Rahmen. Ich mag es in Thrillern zumeist eigentlich nicht, wenn eine Lovestory das Thrillergeschehen überschattet. Da dies nicht der Fall war, die entsprechende Spannung zwischen den beiden Protagonistinnen natürlich aber eine Rolle gespielt hat, war das für mich stimmig.

Ein anderer Punkt hat mich dafür allerdings etwas gestört: Ich finde die Entwicklung der beiden Teenager zu kaltblütigen, abgezockten Kampfmaschinen schon sehr extrem. Insbesondere bei Chloe ist der Sprung von gut behüteter Prinzessin aus einflussreichem und gutem Hause besonders eklatant. Ich gehe mit, dass extreme Situationen zu extremen Verhaltensänderungen und Entwicklungen führen können – mir war das bei diesem Thriller aber tatsächlich zu wenig explizit herausgearbeitet und deswegen für mich etwas unglaubwürdig.

Ansonsten hat mir der Thriller aber gut gefallen. Ich wollte zu jeder Zeit wissen, wie es weitergeht und habe mich gut unterhalten gefühlt.