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Veröffentlicht am 23.07.2026

Worth the hype

Seltsame Sally Diamond
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Schon die ersten Seiten von SALLY DIAMOND haben mich unglaublich gecacht. Diese direkte Frau ohne Filter, die alles wortwörtlich nimmt, ihre ganz eigene Betrachtungsweise mit sich bringt und ihre Mitmenschen ...

Schon die ersten Seiten von SALLY DIAMOND haben mich unglaublich gecacht. Diese direkte Frau ohne Filter, die alles wortwörtlich nimmt, ihre ganz eigene Betrachtungsweise mit sich bringt und ihre Mitmenschen damit konfrontiert, dass Menschen unterschiedlich denken, handeln und leben. Eine beeindruckende Protagonistin, die autistische Züge aufwies, jedoch laut Roman nicht in die Neurodivergenz fällt, sondern an einem nicht bewältigten Kindheitstrauma leidet.
Nach und nach öffnet sie sich, fällt zurück in alte Muster, wächst durch sich und andere, nimmt Hilfe an - psychologisch betrachtet eine der besten Figurenbeschreibungen und -entwicklungen, die ich je gelesen habe. Ob man wollte oder nicht, man konnte sich tief in die Figuren und Situationen hineinfühlen, das Buch vereinnahmt einen komplett, sodass ich den Hype nachvollziehen kann.

Der fesselnde Schreibstil ergänzt den perfide strukturierten Plot über menschliche Abgründe und düstere Schicksale perfekt.
Der Roman ist beklemmend, spannend, aber aus Sallys Sicht auch hoffnungsvoll. In vielerlei Hinsicht verursacht er eine Gänsehaut, überzeugt aber auch durch Zusammenhalt und Nächstenliebe.

Ich habe mit einem Roman über eine in Augen anderer schrullige, skurrile Frau gerechnet, die nicht den Erwartungen der Gesellschaft entspricht. Bekommen habe ich einen Psychothriller, der mir so tief unter die Haut ging, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.
Thematisch hat es mich wirklich erschrockend, ich habe nicht mit dieser Art von Erlebnis in der Kindheit gerechnet und empfehle die Content Notes trotz Spoilergefahr

Dass die Vergangenheit gleichzeitig mit Sallys Gegenwartskapiteln aus Perspektive von Peter geschrieben wurde, hat es für mich um einiges greifbarer, aber auch erschreckender gemacht. Peter ist  zu Beginn 7 Jahre alt, später Mitte 50, dh wir begleiten ihn den Großteil seines Lebens, was psychologisch betrachtet unglaublich spannend war.
Zunächst hatte ich Mitleid mit ihm, wie er von seinem Vater isoliert, manipuliert und eingesperrt wurde, während er dessen Taten miterleben musste, ohne sie rational einordnen zu können. Dieser Kontrast zwischen dem liebenden Vater und abscheulichen, grausamen, gewissenlosen Mann war schwer zu verdauen und für ein Kind sicher absolut nicht einzuordnen.
Dass Peter dennoch mehr und mehr in dessen Fußstapfen gestiegen ist, war heftig und traurig. Er hat in der einzigen Rolle weitergemacht, die er je kannte. Deswegen war das Ende auch so erschreckend und ließ mich schaudernd zurück. Trotzdem gibt es realistisch betrachtet keine andere Mglk, wie das Buch hätte enden können, ohne dass Peter wie Sally zur Therapie geht.
Wie die beiden Menschen völlig andere Wege des Umgangs mit der Vergangenheit eingeschlagen haben, war unglaublich stark gelöst.

Einziger Kritikpunkt: stellenweise war der Plot ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehbar.
4.5 ☆

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Veröffentlicht am 11.07.2026

Wow ♡

Halbwach
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Feministische Gegenwartsliteratur ist dieses Jahr definitiv mein Lieblingsgenre ♡
Ich wollte die Autorin unbedingt supporten, sie hat sich unglaublich viel Mühe mit dem Marketing gemacht, sogar einen Trailer ...

Feministische Gegenwartsliteratur ist dieses Jahr definitiv mein Lieblingsgenre ♡
Ich wollte die Autorin unbedingt supporten, sie hat sich unglaublich viel Mühe mit dem Marketing gemacht, sogar einen Trailer gedreht. Sie hat über ihre Prota gepostet, die festen Bez. aus dem Weg geht, und natürlich hat es massenhaft Hatespeech von Incels gehagelt, weil sie nicht kapiert haben, dass es um ein Buch geht - erschreckend in so vieler Hinsicht.

Sophia hatte mich schon mit dem Prolog. Mit der ersten Seite. Und schließlich mit dem ganzen Roman. Der Plot hat mir einfach sooo aus der Seele gesprochen. An dem Genre liebe ich, dass die Frauen sie selbst sein dürfen, unhinged, strugglen und sich gleichzeitig für women support women einsetzen. Hier steht keine Romance im Vordergrund,kein Happy End, denn es geht nicht um irgendwelche Typen, sondern darum, wer man selbst ist, sein will, sein kann. Identität, Reflexion, Suche.

Die Charakterentwicklung hat mir gut gefallen, durch Therapie hat unsere Prota gelernt, dass sie Bindungsängst hat, hervorgerufen durch die Kindheit. Konnte so sehr relaten. Unterstützung Frauen wie Stina und Sandy war so wundervoll. Und als Gegenseite Marie, die noch in den Strukturen alter Rollenbilder hängt, glaubt, einen toxischen bf ändern zu können. Und dann endlich begreift.

Den Love Interest Mael fand ich nicht schrecklich wie ein paar Leserinnen, weil er von Anfang an kommuniziert hat, dass er nichts Festes will. Aber ich fand es schön, dass Zoe sich eingestanden hat, dass sie  nun doch etwas anderes will, völlig legitim, und dass kein happy end erzwungen wurde, sondern jeder in einem anderen Status Quo seiner Entwicklung und Bedürfnisse steht, die sich eine Weile überschneiden, dann nicht mehr.
Liebs, dass diese Bedürfnisse nicht aneinander, sondern an sich selbst angepasst wurden.

Der Vater war ja mal schrecklich omg, hätte am liebsten für Zoe den Kontakt abgebrochen. Schön zu sehen, wie sie ihrer Schwester letztlich die Augen öffnen konnte. Ich habe verstanden, weshalb sie sich von der Familie distanziert hat.

Auch die Buchbranche spielt eine Rolle. Zoe hat einen Bestseller gelandet und soll nun weiter in einem Genre schreiben, das sie nicht mehr fühlt. Sie will sich nicht mehr für den schnelllebigen Markt verbiegen und entscheidet sich dagegen, ein wahnsinnig mutiger Schritt, auch das ganze Manuskript zu löschen, help. Hab es so sehr gefühlt, dieses aktuelle "Wir suchen Ghostwriter für Mainstream, die im Monatstakt abliefern", das so viele in den Burnout treibt.

Sehr stark fand ich, wie ggü ignoranten toxic boys über Feminismus, S3xismus, H0mophobie, Rass1smus aufgeklärt wurde. Und leider viel zu realistisch, dass es die Typen nicht interessiert hat. Man kennts.

Der Schreibstil ist deep, zugänglich, aufwühlend, fesselnd, zT poetisch. Ich habe alles daran geliebt.
Der Roman hat mir unglaublich gut gefallen und ich kann nur eine riesige Leseempfehlung aussprechen ♡

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Veröffentlicht am 03.07.2026

Skurril, fesselnd

She’s a Star!
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In einigen Rezensionen habe ich gelesen, der Roman würde in der zweiten Hälfte in fiebertraumartige Wahnvorstellungen wanken, weshalb ich es mir metaphysischer vorgestellt habe als es war. Ich fand es ...

In einigen Rezensionen habe ich gelesen, der Roman würde in der zweiten Hälfte in fiebertraumartige Wahnvorstellungen wanken, weshalb ich es mir metaphysischer vorgestellt habe als es war. Ich fand es tatsächlich überhaupt nicht wirr, im Gegenteil, mMn zeichnet der Roman von Anfang bis Ende eine klare Linie.
Jess träumt davon, als Star auf der Musical Bühne zu stehen und internationalen Erfolg zu erreichen. Dafür gibt sie alles: ihr Geld, jede freie Minute, ihre mentale Gesundheit, ihren Körper.
Wie die Autorin sagt, wirft das Buch ein schlechtes Licht auf die Branche, was wohl nicht kollektiv gemeint ist. Jess wird bis zuletzt ausgenutzt - physisch, psychisch, monetär. Sie fühlt sich wie ein Esel, dem man eine Karotte an einer Schnur hinhält, genau so habe ich es auch empfunden. Sie kämpft für ihren Traum, wobei es niemand wagt, ihr die Wahrheit zu sagen, dass sie nicht singen kann, nicht einmal die Gesangslehrerin, die den letzten Cent aus ihr herausquetscht. Die Hinhaltetaktiken der Vorgesetzten waren schlicht grausam. Jessamyns Verhalten wurde immer fanatischer, wobei man nachvollziehen konnte, weshalb ihre Nerven irgendwann reißen. Natürlich nicht in diesem Ausmaß, weshalb mich ein Epilog brennend interessiert hätte, es bleibt halbwegs offen.

Ihre Beziehung zu Männern wurde mMn wahnsinnig spannend dargestellt. Vidhal, der sie kaufen will, aber nicht wirklich unterstützen, denn sie soll nicht unabhängig von ihm sein können oder gar besser. Anton, der fanatische Fan, der sie anbetet, aber nur, wenn sie ist wie er es gern hätte. Während Vidhal physische G3walt auf sie wirkt, benutzt Anton physische. Zwei Seiten einer Münze, die grausamer nicht sein könnten.
Zwar sagt sie sich nicht los, doch verschwindet zumindest aus unangenehmen Situationen. Leider scheinen die Männer ihre einzigen Ansprechpersonen zu sein.

Auf den ersten Blick wirkt Jess egozentrisch, narzisstisch und schwierig. Auf den zweiten Blick hingegen wie eine verletzte Frau, die nichts anderes kennt, als sich gegenüber Männern, die sie nur ausnutzen und kleinmachen, zu behaupten. Unschön fand ich ihr Verhalten gegenüber Samantha, verstand aber auch, dass sie es unfair fand, dass Sam überhaupt nicht geübt hat, ihren Text nicht konnte und nur auf ihr Handy gestarrt hat, während Jess sich derart ins Zeug gelegt hat.
Ihr heftiges Verhalten zum Ende hin habe ich nicht erwartet und gleichzeitig hat es nicht überrascht, die Fanatik rund gemacht.
Sprachlich hat es mir unglaublich gut gefallen. Es war emotional, direkt, übertrieben, skurril, eitel, narzisstisch, verletzlich, besonders und vor allem heftig in vielerlei Hinsicht.
Meine Erwartungen wurden definitiv erfüllt. Ein Roman über eine Frau, die alles gibt, um über sich und die Grenzen der Gesellschaft hinauszuwachsen - einschließlich sich selbst.

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Veröffentlicht am 26.06.2026

Reale Begebenheiten

Eigentlich wollte ich das nicht schreiben
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Zunächst: Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. In THE TIDAL YEAE verarbeitete die Autorin den plötzlichen T0d ihres Bruders in einem Memoir, das unerwartet großen Erfolg in der Buchbranche genoss.
Über ...

Zunächst: Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. In THE TIDAL YEAE verarbeitete die Autorin den plötzlichen T0d ihres Bruders in einem Memoir, das unerwartet großen Erfolg in der Buchbranche genoss.
Über diesen Prozess schreibt sie nun:

Trotz des sommerlichen Covers ist der Ausgangspunkt tragisch: nach dem T0d ihrer Schwester schreibt Nola ein Buch über ihren Kummer, wie sie damit umgeht, wobei ihre ganze Familie zwischen den Zeilen eine zunehmend größer werdende Rolle spielt.
Nola ist jemand, der Gefühle und Gedanken nicht offen anspricht, sondern Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Das kann man jetzt so oder so sehen, aber ich finde nicht, dass sie als schwieriger Charakter abgestempelt werden sollte, weil sie nicht einer Normvorstellung entspricht. Dass sie sich eher schriftlich ausdrücken kann, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Und wenn man sich die Familie anschaut, hat sie ein gesundes Miteinander auch nie gelernt.
Ein Familienmitglied erhebt Klage, als es zur Buchverfilmung kommen soll, und nun gilt es herauszufinden, wer dahinter steckt. Und genau das meine: Warum nicht Nola direkt darauf ansprechen? Warum muss immer alles hinter dem Rücken geschehen?
Gerade wegen diesen menschlichen "Schwächen" war der Roman für mich so greifbar und authentisch. Besonders die Schwesternbeziehung hat mir ein bisschen sehr das Herz gebrochen.
Spannend fand ich auch die moralische Frage, wer bei einer solchen Verfilmung/Verschriftlichung Mitspracherecht hat. Natürlich erlebte jeder die Verstorbene anders und ist nun verletzt oder wütend, dass diese eine ganz bestimmte Perspektive an die Öffentlichkeit dringt. Obwohl Erinnerungen nun einmal verzerrt sind und es hier kein richtig oder falsch geben kann und man sich auch ganz sicher intern nicht einig würde. Da denke ich mir auch so ein bisschen, dann schreibt doch eure eigene Denkweise auf oder bringt es als Medium heraus, anstatt Nola für ihre zu kritisieren. Ich glaube, letztlich waren alle einfach nur wahnsinnig verletzt und konnten werder damit umgehen, noch es richtig ausdrücken.
Die Trauerbewältigung hat mir Tränen in die Augen getrieben. All das Ungesagte, all das, was zwischen einem stand und nicht mehr gelöst werden kann. Ich fand es von Nola sehr mutig, den Weg der Verschriftlichung zu gehen, fast schon als Therapieform.
Ich konnte mir auch einige Zitate markieren. Der Stil war teils zugänglich, teils das komplette Gegenteil (zT hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit dem Text), aber genau deswegen hat es mich beschäftigt und zum Nachdenken angeregt. Weil ich letztlich nicht sagen konnte, das ist ein großartiger Roman oder er hätte mir nicht so gut gefallen, sondern stattdessen ein Gefühl zurückgeblieben ist, das in keine Schublade passt, aber mich bewegt hat, und ich glaube, genau das macht  es aus und gut.
Beim Lesen sollte man auf jeden Fall Abstand davon nehmen, Figuren und deren Denkweise in eine moralische Schublade sortieren zu wollen, weil Gefallenwollen im klassischen Sinne nicht das ist, was das Buch mMn möchte :)

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Veröffentlicht am 26.06.2026

still, schwer, tief

Herzflut
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Inmitten der Spice-Bluten fand ich die Idee eines Romans, in dem sich die Protas 3 Monate lang nicht berühren dürfen, um sich auf mentaler Ebene kennenzulernen, erfrischend.
Miles begegnet Saras Berührungsängsten ...

Inmitten der Spice-Bluten fand ich die Idee eines Romans, in dem sich die Protas 3 Monate lang nicht berühren dürfen, um sich auf mentaler Ebene kennenzulernen, erfrischend.
Miles begegnet Saras Berührungsängsten von Anfang an mit Verständnis und schenkt ihr alle Zeit, die sie braucht. Er ist einfach ein Schatz & der Mensch, den man nach schrecklichen Erfahrungen an seiner Seite haben möchte ♡

Beide Charaktere waren für mich neighbours next door, also authentisch und echt geschrieben, als wäre es genau so passiert.
Dieses Prozedere des Heilens und sich Öffnens wurde mMn sensibel und tiefsinnig aufgegriffen und dargestellt. Ein ruhiger, nach innen ausgerichteter Roman - z.T. hat mir dann doch etwas das Pacing gefehlt.
Ich  bin noch hin- und hergerissen, ob ich es gut oder schwierig fand, dass jedes noch so kleine Körnchen Gefühl genaustens betrachtet und interpretiert wird. Das wird von Therapiesitzungen ergänzt, die nach und nach den Kern hinter Saras Ängsten aufdecken. Diesbezüglich war das das Buch für mich heftiger als erwartet, weil die Lovestory und auch ein bisschen der Klappentext lockerer klangen als es letztlich war, mehr dieses experimentierfreudig-leichte "mal sehen, was passiert, wenn wir uns ganz anders daten/kennenlernen als man es gewöhnt ist". Die Content  Notes spoilern zwar, aber ich empfehle sie dennoch vorab.

Der Schreibstil ist einfach und zugänglich gehalten, ich mochte die Gedichte zwischendrin. Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, in einem Café zu sitzen und Menschen beim Leben zu beobachten. Es war  nicht in dem Sinne "aufregend", aber echt. Die Sprache hat Lovestory-Charakter. Die Dialoge waren hingegen schonungslos ehrlich, oft fast brutal und beklemmend.
Insgesamt gibt es hier nicht diesen einen spannungsgeladenen roten Faden, dem man verbissen folgen möchte, aber der Fokus auf die subtile, ungeschönte Aufarbeitung eines heftigen Traumas, bei der der Betroffenen auf liebevolle Weise die Hand gereicht wurde, hat es für mich zu einem unverzichtbaren, relevanten Roman in der Bücherwelt gemacht.

Erst durch seine Stille konnte er laut werden - und nachhallt.

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