Hin und her gerissen...
HerzflutHerzflut ist ein Roman, der sich einem wirklich schwierigen Thema widmet. Es geht vor allem um Sara, Mitte 20, lebt und arbeitet in London. Als sie Miles kennenlernt, fühlen sich beide sehr voneinander ...
Herzflut ist ein Roman, der sich einem wirklich schwierigen Thema widmet. Es geht vor allem um Sara, Mitte 20, lebt und arbeitet in London. Als sie Miles kennenlernt, fühlen sich beide sehr voneinander angezogen. Doch Sara hat ein großes Problem mit körperlicher Nähe und so lassen sie sich sehr, sehr viel Zeit, sich aufeinander einzulassen und darauf, welche Intensität welche Form von körperlicher Nähe in ihrer Beziehung funktionieren kann.
Zunächst einmal ist das Buch vom Stil her durchaus gut geschrieben. Allerdings wirken manche Sätze und Beschreibungen auf mich leider etwas zu gewollt, als habe die Autorin unbedingt poetisch(er) klingen wollen und das wirkt ab und an etwas aufgesetzt.
Ein Plus des Romans sind die Figuren Anji, die beste Freundin Saras, und auf jeden Fall auch Miles. Vor allem am Anfang ist er wirklich fast "zu gut", um wahr zu sein. Er ist unfassbar geduldig und einfühlsam - und das, obwohl selbst mich als Leserin Sara mehr und mehr genervt hat. Diese Figur ist auch leider eins meiner Minuspunkte des Buches. Saras Schicksal, das erst recht spät im Buch aufgedeckt wird, ist furchtbar und ein Thema, das mich üblicherweise sehr mitnimmt. Aber - an dem Punkt, als es dann soweit war, dass es "raus" kam, habe ich es erstens schon sehr klar vermutet und nicht verstanden, warum es so lange dauern musste, es endlich aufzudecken. Und zweitens - war mir Sara zu dem Zeitpunkt schon so unsympathisch, dass mein Mitgefühl praktisch nicht mehr aktivierbar war, was mich total erschreckt hat.
Sara ist eine Protagonistin, die mich nicht erreicht hat. Sie ist ungeduldig und unfair, sie fordert, gibt aber nichts, sie wirft vor, nimmt sich selbst aber nicht zurück und sie ist auch in den (vielen!) Streitereien mit Miles eine Person, die ich einfach nicht mochte. Aus diesem Grund hat mich das Ende des Romans auch durchaus zufriedengestellt, denn es ist definitiv keine Romanze, die wir hier lesen. Es geht um Sara und ihre Probleme und ihr Trauma, das aber leider durch die Art und Weise, wie die Figur konstruiert wurde, mich nicht mehr erreichen konnte.
Das finde ich sehr schade! Auch aus diesem Grund habe ich länger für das Buch gebraucht, als ich erwartet hatte, da ich oft nicht "in der Stimmung war", wieder in Saras Gedanken und Gefühle abzutauchen und mehr und mehr einen Widerwillen gegen sie entwickelt habe.
Eine eingeschränkte Leseempfehlung von mir.