Mehr Tiefgang über Trauer-Thematik
All die Farben zwischen unsIn meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war ...
In meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war zwar schon zu erahnen, dass die Autorin mal etwas anderes ausprobiert und trotzdem habe ich das Buch jetzt auch noch in den Sommer gepackt.
Ich hatte „All die Farben zwischen uns“ als Hörbuch mit der Stimme von Nina-Carissima Schönrock, die mir stimmlich bislang glaube ich nicht begegnet ist. Es ist immer auch mal wieder gut, eine neue Stimme im Ohr zu haben und ich kann wahrlich nicht meckern, weil Schönrock für mich die verschiedenen Seiten der Geschichte, vor allem die Emotionalität, sehr überzeugend angegangen ist. Da konnte ich auf jeden Fall gut mitfühlen.
Mit Louis bringe ich vor allem ganz viel Humor und auch eine gewisse Leichtigkeit in Verbindung. Wenn die Protagonistin aber den Mann an einen Hirntumor verloren hat, dann ist das wahrlich nicht die ideale Assoziation, um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Dementsprechend fand ich doch bis zur Hälfte etwa, dass ich von der Autorin mal eine andere Seite erlebt habe. Sie hat den intensiven Trauerprozess von Ellie nämlich sehr überzeugend dargestellt. Die Idee mit ihr als Künstlerin und die ganzen Metaphern mit den Farben war ein schönes, greifbares Bild, was auch konsequent durchgezogen wurde, sodass man nachvollziehbar mitverfolgen konnte, an welchem Punkt Ellie gerade jeweils ist. Durch die tiefe Trauer und das Bedürfnis nach Isolation war Ellie sicherlich keine Figur, die total leicht ins Herz zu schließen war, aber ich bin mit ihr in die Situation gewachsen. Es war auch wichtig, dass wir viel von der Beziehung mit Phil mitbekommen haben. So war die Trauer besser nachzuvollziehen. Auch wenn Szenen beschrieben wurden, in denen das Paar sich uneinig war, aber trotzdem war die tiefe Liebe füreinander zu spüren.
Mit der Ausgangslage geht es schließlich nach Wales. Ich war noch nie in dem Land und es ist auch kein Sehnsuchtsort von mir, aber ich habe durch das Buch gespürt, wie man alles dort lieben kann, auch wenn es natürlich durch diese Kleinstadt mit doch skurrilen Figuren sicherlich speziell war. Aber durch Ellies Beruf wurde auch viel von der Landschaft beschrieben, was berühren kann. Louis bleibt bei Ellie sehr konsequent, was ich respektiere, aber ich kann auch nicht verhehlen, dass mir dadurch der erste Teil der Geschichte auch schon mal etwas langatmig vorkam. Gerade weil Liam dann auch eher grummelig dargestellt wurde, hat sich die Stimmung zu sehr in eine Richtung geneigt und da hätte ich gerne schon andere Aspekte gehabt.
Insgesamt bin ich mit dem Handlungsverlauf aber zufrieden, vor allem weil in der zweiten Hälfte wieder mehr der übliche Stil von Louis rauskam. Das hat auch die ganze Vorarbeit zuvor nicht zunichte gemacht. Ich fand es nachvollziehbar, dass Ellie sich immer mehr öffnen konnte und mehr ihr eigentliches Ich rauskehren konnte und das war dann verspielter und schlagfertiger. Deswegen hatte ich dann auch echt Spaß an der Dynamik zwischen den beiden Protagonisten, weil man umgekehrt auch bei Liam zunehmend gemerkt hat, wie sie ihn dazu gebracht hat, wieder anders aufs Leben zu schauen. Auch wenn ich geahnt habe, dass es noch ein großes Geheimnis gibt, aber ich hätte diese Auflösung nicht vermutet. Sie war schon fast etwas absurd, aber das ist Saskia Louis für mich. War es jetzt für dieses konkrete Buch, mit dieser ersten Hälfte, das Richtige? Das muss jeder selbst entscheiden, aber ich lese diese Art einfach zu gerne, sodass ich mich sehr amüsiert habe. Ich fand auch, dass in der Absurdität dennoch wichtige Erkenntnisse rüberkamen. Die Charaktere sind mir insgesamt sehr ans Herz gewachsen und ich habe gerade am Ende sehr mitgefiebert.
Fazit: „All die Farben zwischen uns“ ist schon deutlich anders als „Written Into My Heart“ von Saskia Louis und doch sind in der zweiten Hälfte wieder viele positive Parallelen zu erkennen. Ich fand diesen etwas ernsteren Stil auch mal interessant und ich fand den Trauerprozess von Ellie authentisch dargestellt. Mir ging es etwas zu lang, aber spätestens in der zweiten Hälfte kam dann alles so zusammen, wie ich es von der Autorin am liebsten habe. Also wieder ein Buch von Louis, das ich nur wärmstens empfehlen kann.