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Veröffentlicht am 29.07.2026

Mehr Tiefgang über Trauer-Thematik

All die Farben zwischen uns
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In meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war ...

In meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war zwar schon zu erahnen, dass die Autorin mal etwas anderes ausprobiert und trotzdem habe ich das Buch jetzt auch noch in den Sommer gepackt.

Ich hatte „All die Farben zwischen uns“ als Hörbuch mit der Stimme von Nina-Carissima Schönrock, die mir stimmlich bislang glaube ich nicht begegnet ist. Es ist immer auch mal wieder gut, eine neue Stimme im Ohr zu haben und ich kann wahrlich nicht meckern, weil Schönrock für mich die verschiedenen Seiten der Geschichte, vor allem die Emotionalität, sehr überzeugend angegangen ist. Da konnte ich auf jeden Fall gut mitfühlen.

Mit Louis bringe ich vor allem ganz viel Humor und auch eine gewisse Leichtigkeit in Verbindung. Wenn die Protagonistin aber den Mann an einen Hirntumor verloren hat, dann ist das wahrlich nicht die ideale Assoziation, um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Dementsprechend fand ich doch bis zur Hälfte etwa, dass ich von der Autorin mal eine andere Seite erlebt habe. Sie hat den intensiven Trauerprozess von Ellie nämlich sehr überzeugend dargestellt. Die Idee mit ihr als Künstlerin und die ganzen Metaphern mit den Farben war ein schönes, greifbares Bild, was auch konsequent durchgezogen wurde, sodass man nachvollziehbar mitverfolgen konnte, an welchem Punkt Ellie gerade jeweils ist. Durch die tiefe Trauer und das Bedürfnis nach Isolation war Ellie sicherlich keine Figur, die total leicht ins Herz zu schließen war, aber ich bin mit ihr in die Situation gewachsen. Es war auch wichtig, dass wir viel von der Beziehung mit Phil mitbekommen haben. So war die Trauer besser nachzuvollziehen. Auch wenn Szenen beschrieben wurden, in denen das Paar sich uneinig war, aber trotzdem war die tiefe Liebe füreinander zu spüren.

Mit der Ausgangslage geht es schließlich nach Wales. Ich war noch nie in dem Land und es ist auch kein Sehnsuchtsort von mir, aber ich habe durch das Buch gespürt, wie man alles dort lieben kann, auch wenn es natürlich durch diese Kleinstadt mit doch skurrilen Figuren sicherlich speziell war. Aber durch Ellies Beruf wurde auch viel von der Landschaft beschrieben, was berühren kann. Louis bleibt bei Ellie sehr konsequent, was ich respektiere, aber ich kann auch nicht verhehlen, dass mir dadurch der erste Teil der Geschichte auch schon mal etwas langatmig vorkam. Gerade weil Liam dann auch eher grummelig dargestellt wurde, hat sich die Stimmung zu sehr in eine Richtung geneigt und da hätte ich gerne schon andere Aspekte gehabt.

Insgesamt bin ich mit dem Handlungsverlauf aber zufrieden, vor allem weil in der zweiten Hälfte wieder mehr der übliche Stil von Louis rauskam. Das hat auch die ganze Vorarbeit zuvor nicht zunichte gemacht. Ich fand es nachvollziehbar, dass Ellie sich immer mehr öffnen konnte und mehr ihr eigentliches Ich rauskehren konnte und das war dann verspielter und schlagfertiger. Deswegen hatte ich dann auch echt Spaß an der Dynamik zwischen den beiden Protagonisten, weil man umgekehrt auch bei Liam zunehmend gemerkt hat, wie sie ihn dazu gebracht hat, wieder anders aufs Leben zu schauen. Auch wenn ich geahnt habe, dass es noch ein großes Geheimnis gibt, aber ich hätte diese Auflösung nicht vermutet. Sie war schon fast etwas absurd, aber das ist Saskia Louis für mich. War es jetzt für dieses konkrete Buch, mit dieser ersten Hälfte, das Richtige? Das muss jeder selbst entscheiden, aber ich lese diese Art einfach zu gerne, sodass ich mich sehr amüsiert habe. Ich fand auch, dass in der Absurdität dennoch wichtige Erkenntnisse rüberkamen. Die Charaktere sind mir insgesamt sehr ans Herz gewachsen und ich habe gerade am Ende sehr mitgefiebert.

Fazit: „All die Farben zwischen uns“ ist schon deutlich anders als „Written Into My Heart“ von Saskia Louis und doch sind in der zweiten Hälfte wieder viele positive Parallelen zu erkennen. Ich fand diesen etwas ernsteren Stil auch mal interessant und ich fand den Trauerprozess von Ellie authentisch dargestellt. Mir ging es etwas zu lang, aber spätestens in der zweiten Hälfte kam dann alles so zusammen, wie ich es von der Autorin am liebsten habe. Also wieder ein Buch von Louis, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 27.07.2026

Karlas Happyend

Wie das Schweigen vor der Flut
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Ich lese die Bücher von Brittainy Cherry wirklich gerne, aber sie hat doch oft sehr ähnliche Strukturen, weswegen es mir bei ihr extrem schwer fällt, die einzelnen Paare einem Titel zuzuordnen oder dann ...

Ich lese die Bücher von Brittainy Cherry wirklich gerne, aber sie hat doch oft sehr ähnliche Strukturen, weswegen es mir bei ihr extrem schwer fällt, die einzelnen Paare einem Titel zuzuordnen oder dann sofort den Inhalt nacherzählen zu können. Dementsprechend hat die Ankündigung, dass „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ fortgesetzt wird, eher Fragezeichen bei mir ausgelöst als sofortige Vorfreude. Also habe ich ein wenig in meinen Rezensionen gestöbert und dann meine eigene Einschätzung gelesen und dann kamen doch einzelne Erinnerungen hoch. Ich habe zwar keine intensiven Details ausgraben können und konnte mich beispielsweise an Ash nicht mehr erinnern, aber ich war doch nun gespannt auf Karlas Geschichte.

Wenn ich wenig Abstand zwischen zusammenhängenden Büchern habe, dann bin ich kein großer Fan davon, wenn viele wiederholende Elemente dabei sind, das ist einfach langweilig. Da aber zwischen dem ersten Band und „Wie das Schweigen vor der Flut“ bei mir so ein großer Abstand war, war es dann ein Geschenk. Ich konnte mich durch Karlas Perspektive wieder an einige Momente erinnern, aber es war eher dieser schöne Wiedererkennungseffekt, kein monotones Lesen, weil ich schon alles kannte. Das hat sich also gut zusammengefügt, zumal es auch sehr einnehmend war, nach all den Jahren in Karlas Gefühle einsteigen zu können. In dem Alter die Mutter zu verlieren, ist ein schweres Schicksal und gerade im Kontrast zu ihrer viel jüngeren Schwester wurde das sehr gut ausgearbeitet. Ich finde auch immer wieder, dass Cherry ein Händchen dafür hat, dass sie einen Unterschied zwischen den jugendlichen und erwachsenen Versionen erzeugt. Ich kann zwar nicht mehr beurteilen, ob Karla exakt wie eine 15-Jährige fühlt. Aber ich habe gemerkt, dass es einige junge Figur ist und gerade auch ihr Sehnen nach sozialer Integration war sehr gut nachzuvollziehen. Das Thema Mobbing war für mich teilweise schlimmer zu ertragen als ihren Trauerprozess zu verfolgen. Auch wenn es wirklich schlimmes Mobbing gibt, aber ich fand es fast ein wenig zu übertrieben dargestellt, gerade wenn es sich dann fast schlimmer anfühlt als die eigene Mutter zu verlieren.

Ash hat ebenfalls wie ein Jugendlicher gewirkt, aber er hatte im Gegensatz zu Karla mehr den Eindruck, als wäre er eine alte Seele. Es wurde gut dargestellt, dass der Tod seines jüngeren Bruders sein großer Aha-Moment war, sodass er völlig anders auf die Welt blickt und er schaut tief in alle Menschen herein. Ich habe Ash sehr gemocht und fand ihn als Ausgleich zu Karla sehr gelungen. Trotzdem hatte auch er seine Momente, wo er einfach ein Kind ist, das in die Arme genommen werden müsste. Ich fand die Annäherungen der beiden sehr, sehr gut gemacht. Es war süß und es war so angenehm, dass es nicht gleich intim aufgeladen war. Stattdessen war es sehr angemessen für das Alter und vor allem für die Situation, dass die beiden ganz andere Sorgen haben und einfach jeweils jemanden brauchten, der sie verstehen kann und der mit ihnen die Herausforderungen des Lebens angeht. In all dem waren die Stärken des ersten Buchs dann auch clever eingebaut, denn Eleanor als Kindermädchen, die tollen Momente kamen wieder durch, aber auch die Wiederannäherung von Karla und ihrem Vater war nochmal schön mitzuverfolgen.

Für mich hatte die Geschichte dann einen Bruch, bevor wir den Zeitsprung erreichen. Ich fand das neuerliche Schicksal für Ash einfach zu viel und ich fand dann auch seine Reaktion, hmm, unnötig. Da war mir einfach zu deutlich zu merken, dass Cherry hier einen Grund für einen Zeitsprung brauchte. Vielleicht hätte ihr da noch etwas anderes einfallen können. Trotzdem war danach deutlich zu erkennen, wir sehr Karla und Ash jeweils gereift sind. Es war schön zu sehen, wie weit Karla gekommen ist, wie sie ihren Weg gemacht hat und durch sie auch zu erleben, wie es ihren Eltern seitdem ergangen ist. Bei Ash war es natürlich auch schön, dass er wieder Freude am Leben gefunden hat, aber ich fand es trotzdem schwierig, ihn noch so unbelastet wie vor dem Zeitsprung wahrzunehmen. Trotzdem ist es Cherry gelungen, dass ich die neue Annäherung der beiden fühlen konnte. Karla hat sich zurecht erst gesperrt, aber durch den Blick anderer auf Ash konnte sie sich wieder öffnen und gerade eine Szene war auch extrem lustig, zumal sie Dynamik der beiden als Paar auch mal umgekehrt hat, was eine schöne Abwechslung war. So habe ich das typische Happyend dann auch richtig genießen können.

Fazit: Es hat sich in jedem Fall gelohnt, dass Brittainy Cherry nach all den Jahren mit „Wie das Schweigen vor der Flut“ Karlas Geschichte nachgelegt hat. Sie passte stilistisch sehr gut zum Vorgänger „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ und hat auch vieles ergänzt, um dann eine ganz neue Geschichte zu erzählen. Es war thematisch zwar sehr schwer und der Trennungsgrund war mir zu künstlich forciert, aber alles in allem habe ich das bekommen, was ich von Cherry immer wieder gerne bekomme.

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Veröffentlicht am 13.07.2026

Reife und zarte Liebesgeschichte

Mornings in Boston - The Games We Play
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Mit „The Games We Play“ findet die “Mornings in Boston”-Reihe bereits wieder ihr Ende. Während sich manche Reihen von den Veröffentlichungsdaten sehr ziehen, war hier richtig Zug drin und das war auf jeden ...

Mit „The Games We Play“ findet die “Mornings in Boston”-Reihe bereits wieder ihr Ende. Während sich manche Reihen von den Veröffentlichungsdaten sehr ziehen, war hier richtig Zug drin und das war auf jeden Fall gut. Die Reihe hat mich mit den ersten beiden Bänden nicht restlos abholen können, aber durch die Veröffentlichungsspanne war ich gerne dabei, weil so nicht viel Zeit verging und für mich alles präsent war.

Für den finalen Band, der sich um Harper und Everett dreht, hat sich Anna Lane ein bisschen Anleihen bei Alicia Sommer genommen. Das wird auch in den Dankesworten bewusst angesprochen und da auch die LA Vipers angesprochen wurden, war die Verbindung auch sehr augenscheinlich. Ich finde es ja ohnehin immer süß, wenn sich Kolleginnen dann so verstehen, dass sie sich auch eine gemeinsame fiktive Welt teilen. Jetzt ist Football hier kein extrem dominantes Thema, speziell weil Everett durch seinen Unfall gar nicht mehr spielen kann, aber durch das neu geschaffene Format geht es um Football und ich fand das gut rübergebracht. Es geht vor allem darum, in der Preseason die Zuschauer schon mit dem Team vertraut zu machen, es geht also weniger um die Leidenschaft der Spiele, sondern viel mehr Analysen, persönliche Porträts, also das, was wir durch die aktuelle WM im Fußball an allen Ecken und Kanten finden. Dieses Format im Rahmen von Mornings in Boston zu haben, war auf jeden Fall eine clevere Idee, weil es sich organisch ergeben hat. So konnten die Welten gut verschmelzen, weil eigentlich Harper und Everett nicht intuitiv in die Welt von Penelope, Scarlett und Co. gepasst haben.

Ich fand, dass für mich die Handlung zu lange brauchte, um zu starten. Die Frage, ob sich Harper überreden lässt, für das Interview-Format zu arbeiten, hat sich gezogen. Auch wenn es rüberkam, warum sich Harper so lange gewunden hat, aber gleichzeitig wäre es clevrer gewesen, sie regelrecht dort hinein zu zwingen, dann wäre die eigentliche Handlung schneller los gegangen und man hätte über den Verlauf des Buchs hinweg auch mehr Arbeitsplatz-Situationen bringen können. Denn das war für mich wieder das Problem: Es gab tolle Ansätze, gerade wenn die beiden auf dem Gelände der Kingfishers waren, aber dann gab es wieder so lange Passagen abseits davon. Gerade in diesem Band hätte ich mir dann da auch mehr gewünscht, weil Harper sowohl für ihr eigenes Projekt als auch für den Job bei der Morningsshow als kritische Stimme inszeniert wird. Das ist doch so spannend. Ich habe da auch ein wenig an den Stil von Mounia Jayawanth denken müssen, die über das fiktive Magazin Purple Cloud viel dazu abwickeln konnte. Die Plattform hat sich Anna Lane auch geschaffen, hat sie dann aber nicht konsequent genug genutzt. Dass Harper beispielsweise mit Cherry in einen wichtigen Dialog kam, super, aber warum nicht mehr. Die Welt rund um Football hat sicherlich sehr viel dazu zu bieten.

Jetzt muss ich nochmal an den Anfang springen: Dafür dass der vermeintliche Verrat an Aiden, Harpers Bruder, so viele Jahre Funkstille verursacht hat, da ging es mir zu einfach, dass sie ihm auf einmal bereit war zu glauben, dass Everett ihren Bruder nicht verpfiffen hat und dass sie gemeinsam recherchieren wollten, wer es eigentlich gewesen sein könnte. Wenn es so schnell ging, dann ist für mich die Gewichtung des Dramas nicht nachzuvollziehen. Denn angeblich waren sie als Jugendliche enge Freunde und da wäre es doch viel sinniger gewesen, wenn Harper Everett dort geglaubt hätte, als nun all die Jahre später. Das waren zusammengenommen ein paar Sachen gleich zu Anfang, die nicht ideal waren, denn man will doch gut ins Leseerlebnis starten. Dann wiederum will ich aber auch festhalten, dass sich die Geschichte danach gefangen hat. Harper und Everett haben mir als Charaktere gut gefallen. Sie hatten beide genug Ballast, aber sie sind menschlich doch immer fair geblieben. Gerade bei Everett ist es mir extrem positiv aufgefallen. Zumal er auch trotz seines Rufs bei Frauen nie als Macho inszeniert wurde. Stattdessen hat er riesigen Respekt vor Harper gehabt und ihr jede Bühne gegönnt und er hat sie auch nicht ständig bevormundet, wie es andere männliche Protagonisten gerne tun. Deswegen fand ich die Liebesgeschichte sehr auf Augenhöhe. Es war zwar keine Geschichte mit übertriebener Chemie, aber es war eine sehr innige Entwicklung, bei der man doch gemerkt hat, dass sie sich vor langer Zeit schon mal kannten und daher auch flott eine andere Basis hatten.

Ein wiederkehrendes Thema ist auch die Einbindung von älteren Figuren. Harper hat quasi zwei ältere Mitbewohnerinnen und Everett bekommt in seinem Komplex eine neue Nachbarin. Das waren jeweils sehr schöne Szenen fürs Herz. Ich komme mit älteren Menschen auch immer gut klar und ich finde, dass man aus dem Miteinander so viel ziehen kann und das wurde hier rübergebracht. Ich fand auch Harpers Familiendrama sehr einnehmend. Ich habe richtig mit ihr gelitten. Auch wenn für mich offensichtlich war, was die Auflösung mit dem Verrat war, aber das war richtig aufgebaut, dass es einen belasten konnte, weil es so authentisch gemacht war. Daher fand ich es auch super, dass Lane uns hier keine Romantisierung am Ende aufgedrückt hat. Da habe ich dann auch wieder das gesehen, was ich mir für Harpers Arbeitsstimme mehr gewünscht hätte. Anna Lane kann authentisch und echt schreiben und will es nicht immer nur rosarot. Aber das kann sie noch konsequenter gestalten.

Fazit: „The Games We Play“ startete für mich nicht ideal, weil die Schwächen des Abschlussbandes ausgerechnet dort platziert waren. Gut, dass es schon der dritte Band war, da bin ich selbstverständlich dran geblieben. Anna Lane bringt die Reihe dann auch sauber über die Ziellinie. Ich habe viele Highlights bekommen, aber insgesamt lässt sich auch sagen, das sichtbare Entwicklungspotenzial wird sich hoffentlich in kommenden Reihen richtig entfalten.

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Veröffentlicht am 09.07.2026

Hoffnungsstiftend mit realen Schicksalen

Pina fällt aus
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„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst ...

„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst eintauchen.

Das Hörbuch wird von Elisabeth Günther gelesen und das war für mich schon ein erster Aha-Effekt, weil sie auch eine sehr bekannte Synchronsprecherin ist, die schon viele Größe gesprochen hat. Als Hörbuchstimme hatte ich sie noch nicht, deswegen war es schön, so eine vertraute Stimme im Ohr zu haben. Dennoch fand ich das Hörbuch von „Pina fällt aus“ nicht ideal produziert. Wer ansonsten vor der Wahl steht, dem würde ich wohl zum gedruckten Buch oder zum Ebook raten. Auch wenn es gut gelesen war, aber die Geschichte wird aus der Perspektive vieler Figuren erzählt und die Übergänge waren oft so fließend, dass es mit nur einer Hörbuchsprecherin nicht immer einfach war. Mal kurz abdriften wird hier schnell fatal, aber auch konzentriert bei der Sache war es definitiv eine Herausforderung. Ich empfinde Hörbücher lieber als entspannt.

Kommen wir jetzt zum Inhalt und auf der Ebene hat mich „Pina fällt aus“ in jedem Fall überzeugt. Ich habe und hatte im eigenen Umfeld auch Fälle, wo ein Kind eine Behinderung hat und es viel um akute und zukünftige Sorgen geht. Daher fand ich die Situation von Pina und ihrem Sohn Leo sehr nahbar und einnehmend. Da wir am Anfang so eng am Lebensalltag von den beiden sind, waren die Sympathien schnell geweckt. Es wird deutlich, wie beschwerlich Pinas Alltag als alleinerziehende Mutter ist und gleichzeitig wird aber auch ein Eindruck erzeugt, wie eingespielt die beiden sind und wie viel Liebe füreinander existiert. Mit dem Schicksalsschlag für Pina geht dann der nächste Teil des Buchs los, denn auf einmal ist die ganze Nachbarschaft involviert, denn Leo kann sich alleine nicht versorgen, ist aufgrund seines Alters aber ein Fall im System, der nicht reinpasst und für den nichts vorgesehen ist.

Auch die dargestellten Nachbarn sind höchst unterschiedliche Figuren. Es sind sehr echte Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und die alle auf ihre Art im Haus aneinander vorbei gelebt haben. Bis sie eben in die Situation kommen, dass einfach Wegschauen kaum noch möglich ist. Wir haben auch im Krankenhaus bei Pina noch Charaktere und all das läuft parallel. Wir haben dann eben die Nachbarschaft, die irgendwann alles tut, um Leo zu helfen und wir haben Pina im Krankenhaus, der eine andere Perspektive geliefert wird, sodass sie sich mehr Hilfe von außen öffnen kann. Auch wenn „Pina fällt aus“ Spannungsmomente fehlen, so überzeugt der Roman umgekehrt mit der erzeugten Botschaft. Trotz der Tragik der Situation und so mancher Lebenssituationen, die einen nachhaltig beschäftigen, hat für mich die ganze Entwicklung echt Hoffnung erzeugt. Denn das Thema war letztlich gewählte Familie und wie ein Verbund an Menschen zusammenwachsen kann und das ist das schönste an sozialen Beziehungen.

Fazit: „Pina fällt aus“ hätte mir als gedrucktes Buch wohl nochmal etwas besser gefallen, aber auch so bin ich froh, dass ich dieses Experiment gewagt habe, denn die Geschichte war sehr authentisch, nachdenklich und am Ende mit einer hoffnungsstiftenden Botschaft, die man in diesen Zeiten gut gebrauchen kann.

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Veröffentlicht am 07.07.2026

Risikoreicher zweiter Band

Broken Dove
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„Silver Elite“ hat im vorigen Jahr eine breite Masse erreicht und auch ich fühlte mich bis auf einige Abstriche sehr gut unterhalten. Im vergangenen Jahr klang es auch so, als würde Dani Francis sich bei ...

„Silver Elite“ hat im vorigen Jahr eine breite Masse erreicht und auch ich fühlte mich bis auf einige Abstriche sehr gut unterhalten. Im vergangenen Jahr klang es auch so, als würde Dani Francis sich bei ihrer Mod und Prime-Welt auf eine Dilogie verlassen, aber inzwischen ist klar, es wird mindestens drei Bände geben. Es wäre auch verwunderlich gewesen. Mit der Realisation, dass „Broken Dove“ jetzt nicht das Ende ist, war ich doch etwas angespannt, was mich jetzt wohl erwartet.

Man muss schon sagen, dass man bei „Broken Dove“ den Mittelband-Status anmerkt. Die Handlung war bei den bald 800 Seiten niemals langweilig und gleichzeitig hat man doch gemerkt, dass Francis auch etwas gewagt hat, dass ihr sicher auch klar war, sie kann etwas provozieren und leidenschaftliche Shipper vor den Kopf stoßen, weil sie noch mindestens einen Band bekommen wird, um alles aufzuarbeiten. Und ich habe es auch bei mir gemerkt. Ich bin keine Jugendliche mehr, ich bin dementsprechend nicht mehr in dem Alter, in dem ich mich in einer Liebesgeschichte auf eine Seite vertiefe. Und doch bin ich einfach ein loyaler Mensch und in dem Sinne habe ich doch gemerkt, dass einige Entscheidungen der Autorin mich verärgert haben. Wenn man weiß, dass genau das auch hervorgerufen werden soll, dann kann man das vielleicht auch verzeihen, aber ich muss hier doch auch festhalten, dass es mir manchmal inhaltlich auch nicht geschickt genug aufgebaut wurde. Ein Liebesdreieck teilt die Lager immer ein, aber ich finde es dann besonders schwierig, wenn die Gegengeschichte aus dem Boden gestampft wird und es sich nicht authentisch anfühlt und das war hier mit Wren und Gray leider der Fall. Dabei will ich positiv hervorheben, dass die Charaktergestaltung von Gray (ehemals Kaine) mich echt überrascht hat. Er hat mich immer mehr gepackt, aber nicht wegen seiner Gefühle für Wren.

Auch wenn ich jetzt kein Fan von dem Liebesdreieck bin, aber Francis ist in meinen Augen ein noch größeres Wagnis damit eingegangen, dass sie die Welt rund um Cross nahezu komplett aussperrt. Wir haben in Band 1 so viel über diese Welt aus der Sicht Primes gelernt, wir haben so viele Charaktere kennenlernt und jetzt haben wir einfach einen harten Cut und haben im Grunde kaum etwas an Interaktion und das betrifft sogar auch Cross. Wer hätte gedacht, dass die zweitwichtigste Figur des ersten Bandes einfach im Nichts verschwindet? Ich habe schon immer wieder darauf gewartet, dass er wieder auftaucht, aber gerade zum Ende hin habe ich das Fazit gezogen, dass sich das zerrissene Gefühl in mir in Respekt gewandelt hat. Band 1 hat funktioniert, weil die dargebotene Welt funktioniert hat und dann einfach alles zu riskieren und sich voll auf die Welt von Uprising zu konzentrieren? Das ist mutig und im Endeffekt ist es für mich aufgegangen. Denn es ging schließlich darum, dass wir die mit den Primes und den Reddens die eine Seite haben und jetzt lernen wir die andere Seite genauso intensiv kennen, denn so haben wir für das mögliche Finale alle Karten in der Hand, die unterstreichen, dass es kein Schwarz/Weiß gibt. Deswegen hat für mich auch die Vorstellung der neutralen Völker sehr geholfen, denn es ist ein Gegengewicht zu zwei Parteien, die feste Ziele haben. Aber wenn man so feste Ziele hat, dann gibt es immer Opfer und vor allem auch Machtmissbrauch. Es hat für mich einander gegenübergestellt in jedem Fall bewiesen, dass wir noch einiges Spannendes zu erwarten haben.

Wir lernen in „Broken Dove“ so viele neue Figuren kennen und es ist Francis erneut gelungen, so viele unterschiedliche, unterhaltsame Beziehungen aufzubauen. Wir haben also ähnliche Erfolgszutaten wie in Band 1. Es ist eine erzwungene Gemeinschaft, es gibt ständig neue Gefahren und Entdeckungen und dadurch entsteht untereinander so viel, was es zu entdecken gibt. Insgesamt finde ich, dass es zu erwartbare und nicht zu erwartende Wendungen gab. Generell war die Dichte an Überraschungen sehr hoch, ohne aber gekünstelt zu wirken. Hier hat sehr geholfen, dass wir nur Wrens Perspektive haben, weil wir mit ihr gemeinsam die Welt entdecken und dementsprechend gibt es auch ständig Neues. Erst ganz am Ende dachte ich, so jetzt ist aber doch gut und da war dann tatsächlich der finale Showdown gekommen. Positiv war aber erneut, dass jederzeit alles passieren konnte, weil nichts tabu war. Mir hat auch die Entwicklung von Wren gefallen. Sie bleibt impulsiv und sehr emotional, aber man hat gleichzeitig auch gemerkt, dass sie mehr strategisch denkt, aber dass sie auch in einem Umfeld ist, wo sie mehr sie selbst sein kann, sodass Beziehungen entstanden sind, für die sie alles getan hätte und dementsprechend haben sich für mich ihre empathischen Züge mehr in den Fokus gedrängt. Das hatte dann wiederum zur Folge, dass ich mit ihr fühlen konnte und das ist mit ihrer Solo-Perspektive so wichtig.

Fazit: „Broken Dove“ geht in meinen Augen viele Risiken ein. Manche haben mir nicht gefallen, manche haben sich für mich erst im Nachhinein als Plus herausgestellt und andere wiederum haben auch aus diesem zweiten Band einen wilden, guten Ritt gemacht. Trotz kleinerer Kritik steht für mich nämlich fest, dass ich weiterhin ganz aufgeregt angesichts dieser Reihe bin und diese lange Wartezeit auf den dritten Band nun einfach aushalten muss.

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