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Veröffentlicht am 17.10.2024

Es gibt keine zwei gleichen Regenbögen

Die Goldene Schreibmaschine
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Emily ist ein sympathisches, fantasiebegabtes Mädchen, das Bücher und Tiere liebt. Sie wohnt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern in Dubai arbeiten. Obwohl sie Oma Rose und Martin, ihren Glücksgroßvater, ...

Emily ist ein sympathisches, fantasiebegabtes Mädchen, das Bücher und Tiere liebt. Sie wohnt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern in Dubai arbeiten. Obwohl sie Oma Rose und Martin, ihren Glücksgroßvater, sehr liebt, vermisst Emily ihre Eltern schmerzlich. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, flüchtet sie an ihren Lieblingsort, die Anna-Amalia-Bibliothek. Eines Tages entdeckt sie dort den goldenen Schlüssel zu einer geheimen Bibliothek.

Mit diesem geheimnisvollen Fund beginnt ein magisches Abenteuer für Emily. Nach und nach erfasst sie die Macht, die ihr die Goldene Schreibmaschine, das Herzstück der Geheimbibliothek, verleiht. Wenn sie neue Textpassagen auf dem magischen Gerät anfertigt und damit Buchseiten ersetzt, verändert sie die Bücher und letztlich die Welt und auch sich selbst. Zunächst agiert sie vorsichtig, wird dann aber immer forscher. Sie erschafft sich glamouröse Freundschaften und neue Karrieren für ihre Eltern, die dadurch nicht auswandern müssen. Aber ihr Handeln hat auch negative Folgen. Oma Rose verliert ihren geliebten Job in der Bibliothek und Emily vernachlässigt ihre treuen Freunden Charly und Frederick sträflich. Obwohl sie bemerkt, dass ihr sadistischer Lehrer Dr. Dresskau der Geheimbibliothek auf der Spur ist, verliert sie den goldenen Schlüssel an ihn. Dresskau kennt Emilys Skrupel nicht. Er erschafft sich eine sagenhafte Karriere, macht sich zum Fürsten und befehligt eine paramilitärische Miliz, mit der er seine Mitmenschen schikaniert. Seine Traumfrau, Emilys Mutter, wird zu seiner Trophäe, die ihre Tochter jetzt mit Dresskaus Augen sieht. Emilys Unbehagen wächst ständig, doch die Geheimbibliothek wird so scharf bewacht wie Fort Knox. Gibt es noch eine Rettung vor Dresskaus Willkürherrschaft?

Carsten Henn hat wieder eine fantastische Geschichte geschrieben, die uns in ein spannendes Abenteuer entführt. Mühelos gelingt es ihm, eine wundervolle Welt zu erschaffen, in die er seine Lesenden hineinzieht. Mit seiner farbigen, bildhaften Sprache verbindet er Realität und Magie vortrefflich und verleiht seinen Charakteren Individualität. So findet Emily in ihrem ausgeprägten Ordnungssinn Halt, obwohl sie für ihre Eigenart gemobbt wird. Opa Martin leidet an beginnender Demenz, gleichzeitig ist er der Einzige, der spürt, dass die Welt aus den Fugen gerät. Überhaupt finde ich die Hauptcharaktere bis auf eine Ausnahme sehr gelungen. Den Bösewicht, den die Geschichte benötigt, finde ich zu eindimensional gezeichnet. Emily, aber auch die anderen Kinder sind der Willkür und den Launen Dresskaus von Beginn an wehrlos ausgesetzt. Niemand beschützt sie vor seinen Grausamkeiten, schon bevor er die Macht der Goldenen Schreibmaschine beherrscht. Andrerseits empfindet der Leser keinerlei Mitleid für ihn, obwohl er eine abscheuliche Kindheit und Jugend hatte.

Henn greift wichtige Themen auf wie Macht und ihr Missbrauch, das wahre Wesen von Freundschaft, die Konsequenzen, die unsere Taten nach sich ziehen und die Verantwortung, die wir dafür haben. Diese Pfeiler unseres sozialen Lebens bindet er so geschickt in seine Geschichte ein, dass die Folgen richtigen oder falschen Handelns an Emilys und Dresskaus Beispiel gut erklärt werden. Letztlich ergibt sich daraus auch die Lösung für Emilys Wunsch, ihre Welt zu retten.

Das zauberhafte Cover hat mich sofort angezogen. Es wirkt märchenhaft und stimmt gut auf die Geschichte ein. Jedes Kapitel beginnt mit dem Bild einer altmodischen Schreibmaschine mit eingespanntem Papierbogen.

Ich habe mich gern vom Autor in diese so reale und gleichzeitig so magische Welt entführen lassen. Hoffentlich folgen noch viele fantastische Erzählungen, die Junge und Junggebliebene bezaubern. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Louisianas vergessene Frauen

La Louisiane
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Der 18. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, Louisiana, war von Ende des 17. Jahrhunderts bis 1803 eine Kolonie Frankreichs. 1699 wurde das Gebiet erstmals dauerhaft besiedelt. Dazu wurden ...

Der 18. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, Louisiana, war von Ende des 17. Jahrhunderts bis 1803 eine Kolonie Frankreichs. 1699 wurde das Gebiet erstmals dauerhaft besiedelt. Dazu wurden dringend „Ehefrauen für die Kolonie“ benötigt. Im Pariser Hospital La Salpêtrière, einem Sammelbecken unangepasster Frauen und Mädchen, für die es in der französischen Gesellschaft keinen Platz gibt, werden sie rekrutiert. Hier beginnt Julie Malyes Roman.

Im ersten Teil, der 1720 spielt, wird die Selektion der neunzig Frauen für Louisiana beschrieben, ihre Reise von Paris bis zum Meer, dann die beschwerliche Schiffspassage. Die Ereignisse sind aus der Sicht der Freundinnen Geneviève, Petronille und Charlotte beschrieben, deren Vorgeschichte wir hier erfahren. Sie überstehen die beschwerliche Reise und überleben einen Piratenüberfall. Die Gefahren und Entbehrungen schweißen sie zusammen. Im sumpfigen Louisiana erwartet sie eine Seuche, der einige der Frauen zum Opfer fallen. Teil 2 erzählt, was die Frauen in der neuen Welt erwartet. Die Überlebenden werden wie geplant mit Siedlern verheiratet, die händeringend nach Ehefrauen suchen. Die Freundinnen verlieren sich aus den Augen. Geneviève lebt mit ihrem Mann, einem Pelzhändler, in Illinois. Charlotte und Petronille bleiben in Louisiana, leben aber an verschiedenen Orten. Nachdem Genevièves erster Mann stirbt, kehrt sie zu ihren Freundinnen zurück. Im 3. Teil kommt eine wichtige vierte Stimme zu den Dreien dazu. Utu’wv Ecoko’Nesel ist eine Heilerin des indigenen Volks der Natchez und schildert die Lage aus Sicht der Ureinwohner.

Julie Malye schreibt die Geschichte längst vergessener Frauen, die große Gefahren auf sich nahmen, um zu überleben. Sie versteht es, mit ihrem lebendigen Schreibstil die Leser zu fesseln. Dank ihrer anschaulichen Beschreibungen fiel es mir sehr leicht, in die Geschichte hineinzufinden. Ich fühlte mich seekrank, habe mich vor den Piraten gefürchtet und spürte die Willkür und Unsicherheit, denen die Frauen konstant ausgesetzt waren. Der Autorin gelingt es mühelos, Spannung aufzubauen. Die Geschichte hat mich sofort gepackt.

Die drei Hauptcharaktere sind sehr verschieden. Da ist Petronille, die verarmte Adlige, die durch ein großes Muttermal im Gesicht gezeichnet ist. Geneviève, die ungewollt Schwangeren hilft und Frauen liebt und Charlotte, die zarte zwölfjährige Waise mit der schönen Singstimme, die bisher nur die Welt von La Salpêtrière kennt. Gemeinsam überwinden sie alle Schwierigkeiten, werden immer stärker und tun, was sie tun müssen, um zu überleben in einer Welt, in der sie kaum mehr als eine Ware sind. Die gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Charaktere in den Haupt- und Nebenrollen verleihen der Erzählung Authentizität und Tiefe.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es zeigt das Porträt einer jungen Frau, die angespannt, ja fast erschrocken wirkt. Sie könnte eine der ausgewählten "Ehefrauen für die Kolonie" sein (s. "Junge Waise auf dem Friedhof" von Eugène Delacroix ). Die Idee, die Kapitel mit einem Pelikan, dem Wappentier Louisianas, zu schmücken, passt sehr gut.

Julie Malye hat ein wichtiges Buch geschrieben, das den längst vergessenen mutigen Frauen Louisianas und stellvertretend auch anderen in ähnlicher Lage, ein Denkmal setzt. Ich habe das Buch verschlungen und vergebe 5 von 5 möglichen Sternen.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

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Die außergewöhnlichen Abenteuer der Alice Tonks
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Sie hätte es wissen müssen! Nach dem misslungenen Willkommenstag ihrer neuen Schule bezweifelt Alice, dass die Pebblewood School das richtige Internat für sie ist. Sie fühlt sich verloren und einsam. Doch ...

Sie hätte es wissen müssen! Nach dem misslungenen Willkommenstag ihrer neuen Schule bezweifelt Alice, dass die Pebblewood School das richtige Internat für sie ist. Sie fühlt sich verloren und einsam. Doch dann findet sie unverhofft Freunde. Und plötzlich kann sie mit Tieren sprechen ...

Die elfjährige Autistin Alice kommt ins noble Internat Pebblewood School. Zunächst plagt sie dort Heimweh, da sie sich mit Veränderungen schwertut und auch nicht leicht Freunde findet. Doch dann wendet sich eine Möwe in Not an Alice und bittet sie um ihre Hilfe. Zahlreiche Tiere sind spurlos verschwunden und es werden immer mehr. Alice kann Agent T, so nennt sich der Vogel, verstehen und mit ihm reden. Auch mit anderen Tieren kann sie jetzt kommunizieren, was sie gleichermaßen verwirrt und fasziniert. Alice will Agent T helfen und den Tierkidnapper entlarven. Als sie in Tim und Ottie auch zwei menschliche Freunde findet, fühlt sie sich nicht mehr einsam an der neuen Schule. Doch je näher sie dem Tierdieb kommt, desto größer wird die Gefahr, in der sie schwebt.

Emily Kenny hat mit Alice Tonks eine wunderbare Heldin geschaffen, die gleichzeitig ängstlich und mutig ist. Sie fühlt sich von ihren Mitschülern gemobbt und abgelehnt, weil sie anders ist als diese. Trotzdem hat sie die Fähigkeit entwickelt, Freundschaften zu schließen. Die Autorin beschreibt die Schwierigkeiten, die ein autistisches Kind hat, sehr anschaulich. Sie weiß, wie Alice sich fühlt, denn Emily Kenny ist selbst Autistin. Auch ihre anderen Charaktere sind durchweg glaubwürdig und gut getroffen, ob die Freunde Tim und Ottie, die gemeinen „Teuflischen Schwestern“ oder Constance, die kapriziöse Internatskatze.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Kennys Schreibstil macht Spaß und fesselt die Lesenden. Scheint der Verbrecher zunächst schnell entlarvt, so erweist sich eine Spur nach der anderen als kalt. Hinter den Tierdiebstählen steckt weit Größeres als vermutet. Um das Rätsel zu lösen, muss Alice über sich hinauswachsen und ein gut gehütetes Geheimnis lüften. Auch Tim und Ottie haben ernsthafte Probleme und müssen dafür eine Lösung finden. Für Spannung ist also gesorgt. Das freche Cover rundet den positiven Gesamteindruck hervorragend ab.

„Die außergewöhnlichen Abenteuer der Alice Tonks“ sind ein großer Lesespaß für alle jungen und jung gebliebene Menschen. Ich hoffe, bald neue Abenteuer mit Alice, Tim, Ottie, Granny und der LGPVT, der loyalen Gesellschaft zur Prävention von Vergehen an Tieren, zu erleben.

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Veröffentlicht am 17.07.2026

Die Prinzessin und der Fluch

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
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Prinzessin Tanadelle de Courcy, genannt Tandy, ist die jüngere Tochter des Königspaars von Widdenmar. Während ihre ältere Schwester als Thronfolgerin das Regieren lernt, übernimmt sie die Repräsentationspflichten ...

Prinzessin Tanadelle de Courcy, genannt Tandy, ist die jüngere Tochter des Königspaars von Widdenmar. Während ihre ältere Schwester als Thronfolgerin das Regieren lernt, übernimmt sie die Repräsentationspflichten des Königshauses. Im Dienst der Monarchie befindet sich Tandy mehr als 30 Wochen im Jahr in Kutschen und hetzt von einer Brückeneinweihung zum nächsten langweiligen Event. Eigentlich bereitet ihr nur das Lesen während der Reisen Vergnügen. Als sie in Little Pepperidge ihr letztes Buch beendet, benötigt sie dringend Nachschub. Glücklicherweise entdeckt sie Beulah Bonecrushers Bücherwarenhaus und eilt hinein, um sich neue Lektüre zu kaufen. Der urige Laden gefällt ihr so gut, dass sie ihn vor ihrer Abreise noch einmal besucht - mit fatalen Folgen.

Mit „Cursed for Good“ startet Amy Coombe ihre Karriere als Romanautorin. Mich hat die gelungene Mischung aus Fantasy, Romanze und Bücherparadies gut unterhalten

Nachdem Tandy der Fluch trifft, den Buchladen nicht mehr verlassen zu können, arrangiert sie sich überraschend gut mit ihrer neuen Situation. Sie macht es sich in der zugehörigen kleinen Wohnung gemütlich und stellt eine Aushilfe, die Drakonin Sasha ein. Mit ihrer Hilfe versucht sie für Beulahs Bücherwarenhaus neue Kunden zu finden. Prompt erscheint Bash, der attraktive Scheunenpirat. Aber der klaut Bücher, statt sie zu kaufen und nervt ziemlich. Tandy fühlt sich wohl in ihrem kleinen Reich, doch sie weiß, dass ihre Familie nicht auf ihre Dienste verzichten will. Also schicken sie Prinzen, die den Fluch brechen sollen.

Tandy ist sehr sympathisch und zuvorkommend. In ihrem kleinen Laden fühlt sie sich seltsam frei, obwohl sie doch eingesperrt ist. Der Fluch beunruhigt sie nicht sehr, vielmehr sorgt sie sich, nicht herauszufinden, was ihr erlösender Herzenswunsch ist. Kleiner Spoiler: Prinzen zu küssen ist es nicht. Tandy entwickelt sich weiter, wird reifer und lernt sich selber besser kennen. Dass sie ihr früheres Leben inzwischen kritisch sieht, wundert nicht. Ich sage nur Taillendisziplinierung. Die Geschichte ist aus Tandys Perspektive geschrieben und bietet Einblicke in ihre Gedankenwelt, sodass man sie immer besser kennenlernt. Auch die anderen Charaktere, vor allem die pubertierende Sasha und der leicht fiese, aber äußerst attraktive Bash, haben mich überzeugt.
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Die Geschichte lebt von ihren sympathischen Protagonisten, der märchenhaften Atmosphäre und dem anheimelnden Ort in den Tandy ihren Buchladen verwandelt. Auch die Komik kommt nicht zu kurz. Ich fand die Prinzenparade sehr amüsant.

Amy Coombe erzählt ihre Cosy Fantasy flüssig, mit viel Charme und amüsanten Einfällen. So lernen die Lesenden u. a. Trugkatzen, Drakonen, Blaukappen und Schleichende Schrecken kennen. Das Geschehen entwickelt sich allmählich, ebenso wie die Romanze und verzichtet auf große Action. Fast das komplette Buch spielt im Buchladen, was mich nicht gestört hat. Zwar ergeben sich im Mittelteil kleine Längen, doch werden viele Themen angesprochen, obwohl dramatische Wendungen fehlen. Besonders gut gefallen hat mir Tandys Entscheidung.

„Cursed for Good“ wurde mir von einer Freundin empfohlen. Die Geschichte hat mir überraschend gut gefallen. Sie ist als leichte, amüsante Sommerlektüre für Fans des Genres Cosy Fantasy sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 05.07.2026

Der erste Schein kann trügen

Der vergessene Wald
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Bauleiter Owen Elliot wartet schon seit über einer Stunde bei der abgelegenen Ruine von Schloss Gair. Seine potenzielle künftige Auftraggeberin scheint nicht viel von Pünktlichkeit zu halten. Als Saskia ...

Bauleiter Owen Elliot wartet schon seit über einer Stunde bei der abgelegenen Ruine von Schloss Gair. Seine potenzielle künftige Auftraggeberin scheint nicht viel von Pünktlichkeit zu halten. Als Saskia Tilbury-Martin endlich auftaucht, bestätigt sie Owens Vorurteile. Fettes BMW-Cabrio, teures Business-Kostüm und High Heels. Sie hat die Ruine samt großem Grundstück gekauft und plant jetzt Gair zu sichern und schonend zu renovieren. Keiner der Handwerker, die sie bisher gefragt hat, wollte sich auf das ambitionierte Vorhaben einlassen. Owen findet Saskias Plan reizvoll und er benötigt dringend einen Auftrag. Als sie ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann - zehntausend Pfund Vorschuss - übernimmt er den Job trotz Vorbehalte gegenüber seiner neuen Chefin.

Die Autorin und Journalistin Sharon Gosling hat mit „Der vergessene Wald“ einen atmosphärischen Roman über eine vom Leben gezeichnete junge Frau geschrieben, die einen Neustart wagt. Meine Erwartungen hat das Buch erfüllt und mich gut unterhalten.

Zunächst wirkt Saskia wie eine taffe, selbstbewusste Frau, die genau weiß, was sie will. Erst nach und nach wird klar, warum und vor wem sie von London nach Cumbria geflüchtet ist. Nach Gair ihrem Sehnsuchtsort, wo sie zusammen mit ihrem geliebten Vater wunderbare Tage verbracht hat. Obwohl eine Baugenehmigung vorliegt und die Planungsbehörde alle notwendigen Unterlagen hat, regt sich Widerstand gegen Saskias Vorhaben. Die örtliche historische Gesellschaft vermutet römische Ruinen unter dem Fundament von Gair und lässt sich von dieser fixen Idee nicht abbringen. Die ständigen Anfeindungen schweißen Saskia und ihren Bauleiter zwangsläufig enger zusammen. Owen erkennt mit der Zeit, dass sein erster Eindruck von der Chefin falsch war. Doch die Schwierigkeiten häufen sich und Saskias Traum droht zu scheitern.

Mir gefallen Goslings Charaktere. Die so selbstbewusste Saskia ist in Wahrheit unsicher und musste sich immer gegen ihre manipulative Mutter behaupten. Der frühe Tod ihres Vaters hat sie zu falschen Entscheidungen veranlasst mit entsprechenden Folgen. Doch seit Jahren hat Saskia ihr Leben im Griff und bekommt jetzt das Erbe ihrer Großeltern ausbezahlt. Sie glaubt, mit der Restaurierung von Gair ihre Aufgabe im Leben gefunden zu haben und den Traum ihres Vaters zu realisieren. Owen fällt es schwer, sich einzugestehen, dass seine in jungen Jahren geschlossene Ehe gescheitert ist. Unbedingt wollte er seiner kleinen Tochter Hannah ersparen, was die eigene Kindheit geprägt hat. Doch er muss die Realität erkennen und akzeptieren. Sein cooler Freund Stuart und Vivian, Saskias Begleiterin seit Kindertagen, sind weitere wichtige und sympathische Protagonisten. Das trifft auf Saskias Mutter Elsa nur teilweise zu. Wichtig für die Geschichte ist sie. Denn sie versteht es meisterhaft, die eigene Tochter kleinzumachen und ihr Schuldgefühle und Zweifel einzuimpfen.

Die Erzählung wird wechselweise aus Owens und Saskias Perspektive erzählt, was der Geschichte gut bekommt. Beide finden in dieser Erzählung zu sich selbst. Sie lernen aus Fehlern und erkennen ihren Weg. Die zarte Romanze ist das Sahnehäubchen der Geschichte, aber nicht mehr. Inzwischen erzählt die Autorin, welch zerstörerische Folgen Vorurteile, unreflektierte Vorbehalte gegenüber Fremden und die strikte Ablehnung neuer Ideen haben können. Doch sie berichtet auch über die Stärke der Empathie, die heilsame Kraft der Natur und die Vorzüge eines friedlichen Miteinander.

Stets präsent ist ein weiterer wichtiger Protagonist, der eigentlich die Hauptrolle spielt. Gair, ein verzauberter Ort mit magischer Atmosphäre und märchenhafter Ausstrahlung. Mit seiner schiefen, alten Eiche im Zentrum, die allen Widrigkeiten getrotzt hat und immer noch da ist.

Ich kann diesen Wohlfühlroman trotz kleiner Längen zwischendurch als Sommerlektüre empfehlen.

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