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Veröffentlicht am 17.07.2026

Küstenwind und Schicksale

Sturmland
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Miriam Georg hat es wieder geschafft! Mit Sturmland, dem Auftakt ihrer neuen Saga, hat sie mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Obwohl der Roman rund 600 Seiten umfasst, gab ...

Miriam Georg hat es wieder geschafft! Mit Sturmland, dem Auftakt ihrer neuen Saga, hat sie mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Obwohl der Roman rund 600 Seiten umfasst, gab es für mich keinen einzigen Moment, der sich in die Länge gezogen hat. Im Gegenteil, ich hätte stundenlang weiterlesen können.
Die Geschichte führt die Lesenden auf die Nordseeinseln Borkum und Norderney um das Jahr 1860. Bereits dieses Setting hat mich sofort begeistert. Statt einer Großstadt erleben wir in diesem Buch das raue, spannende und wunderschöne Inselleben mit all seinen Herausforderungen. Miriam Georg beschreibt die Landschaft, das Meer und den Alltag der Menschen so lebendig, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, selbst den Wind auf der Haut zu spüren. Am liebsten wäre ich sofort nach Norderney oder Borkum gereist.
Was diesen Roman für mich aber besonders macht, ist die unglaubliche Recherchearbeit. Historische Fakten und fiktive Handlung greifen nahtlos ineinander. Wir erfahren unglaublich viel über das Leben auf den Inseln zur damaligen Zeit. Es geht um die Fischerei, die harten Lebensbedingungen ohne Strom und moderne Medizin, die eisigen Winter, den aufkommenden Badetourismus und die enorme Bedeutung, die das Meer für die Menschen hatte - nämlich sowohl als Lebensgrundlage aber auch als ständige Bedrohung. Besonders spannend fand ich die Einblicke in die Zeit, bevor es eine organisierte Seenotrettung gab, den Umgang und die Recht der Frauen zur damaligen Zeit und damit einhergehend auch mit der medizinischen Versorgung. All diese Details sind so selbstverständlich in die Handlung eingewoben, dass sie die Geschichte noch authentischer machen.
Auch die Figuren sind Miriam Georg hervorragend gelungen. Sie fühlen sich echt an, mit all ihren Ecken, Kanten, Hoffnungen und Ängsten. Besonders Cora hat mich sofort für sich eingenommen. Ihre Geschichte hat mich berührt und gerade zum Ende bleiben rund um ihre Vergangenheit und ihre Zukunft noch so viele Fragen offen, dass ich den zweiten Band am liebsten sofort beginnen würde. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrucksvoll die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich sowie das enorme Machtgefälle zwischen Männern und Frauen.
Miriam Georg besitzt für mich eine ganz besondere Gabe, sie schreibt gefühlvoll, bildhaft und mit einer Leichtigkeit, die einen vollkommen in die Vergangenheit eintauchen lässt. Ich lese nicht einfach nur etwas über diese Zeit, sondern lebe während des Lesens mit.
Für mich ist Sturmland ein grandioser und herausragender historischer Roman mit großartigen Charakteren, einer fesselnden Handlung und einem Setting, das lange nachhallt und bewegt. Ein Buch, das mein Herz im Sturm erobert hat und für mich zu den bisherigen Jahreshighlights zählt. Ich kann den zweiten Band kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Eine Reise durchs Leben

Die Mitternachtsreise
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„Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig ist nach „Die Mitternachtsbibliothek“ mein zweites Buch des Autors. Dabei stellt dieses Buch keine Fortsetzung der „Mitternachtsbibliothek“ dar. Beide Bücher stehen ...

„Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig ist nach „Die Mitternachtsbibliothek“ mein zweites Buch des Autors. Dabei stellt dieses Buch keine Fortsetzung der „Mitternachtsbibliothek“ dar. Beide Bücher stehen quasi nebeneinander und behandeln unterschiedliche Fragen des Lebens.
Was beide Bücher verbindet, ist dieser besondere Schreibstil, der so ruhig, warm und voller kluger Gedanken und wunderschöner Zitate ist. Wieder stellt sich beim Lesen ganz automatisch die Frage, ob ich eigentlich das Leben lebe, das ich wirklich führen möchte?! Oder lasse ich mich von Erwartungen, Leistungsdruck und Ängsten einengen? Wofür möchte ich meine Zeit, Liebe und Energie wirklich einsetzen und welche Menschen dürfen mich dabei begleiten?
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Wilbur, der seit seiner Jugend Gefühle für Maggie hat. Der Prolog führt die beiden nach Venedig, direkt im nächsten Kapitel wird deutlich, dass Wilbur im Alter stirbt. Um in die Endlichkeit übergehen zu können, muss er sein Leben noch einmal durchleben, diesmal als Geist. Dabei wird ihm bewusst, welche Entscheidungen ihn geprägt haben, wo er Fehler gemacht hat, was schön war und was er vielleicht anders gemacht hätte, wenn er die Chance dazu gehabt hätte.
Gerade dieser Gedanke vom Reisen in die Vergangenheit und Dinge nochmal verändern zu können, macht das Buch so berührend. „Die Mitternachtsreise“ greift genau dieses Gefühl auf und vermittelt dabei gleichzeitig Mut das eigene Leben zu hinterfragen, sich zu entschuldigen, neue Wege einzuschlagen oder sich von Dingen zu lösen, die nicht mehr guttun.
Besonders gefallen haben mir die Figuren. Wilbur und Maggie waren sehr greifbar und nahbar geschrieben, aber auch Charlie ist mir unglaublich ans Herz gewachsen. Außerdem mochte ich, dass Bücher und das Lesen erneut eine große Rolle spielen - als lesender Mensch fühlt sich das einfach besonders schön an.
Für mich war „Die Mitternachtsreise“ eine wunderbare, tiefgründige und gleichzeitig leicht lesbare Geschichte, die sich überhaupt nicht gezogen hat. Ein Buch über Sinn, Reue, Liebe und die Frage, wie wir wirklich leben möchten. Ich habe jede Seite genossen und vergebe ganz klar fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Haus voller Herz

Pina fällt aus
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Nach meiner großen Begeisterung für „Ava liebt noch“ bin ich mit ein klein wenig skeptisch an „Pina fällt aus“ herangegangen. Meine Sorge bestand vor allem darin, ob dieses Buch mithalten kannst und die ...

Nach meiner großen Begeisterung für „Ava liebt noch“ bin ich mit ein klein wenig skeptisch an „Pina fällt aus“ herangegangen. Meine Sorge bestand vor allem darin, ob dieses Buch mithalten kannst und die Antwort ist ein klares: Ja!
Vera Zischke entführt uns in eine Hausgemeinschaft in der Hansastraße, die auf den ersten Blick vor allem eines ist: skurril. Die Bewohner wirken eigen, ein bisschen verschroben. Doch genau darin liegt die Stärke dieses Romans, denn je tiefer man eintaucht, desto mehr bröckelt dieser erste Eindruck. Hinter jeder Besonderheit steckt eine Geschichte, hinter jeder Eigenart ein Gefühl, das plötzlich ganz nah und verständlich wirkt.
Im Zentrum steht Leo, ein autistischer Jugendlicher, der mit seiner Mutter Pina in einer Wohnung innerhalb der Hausgemeinschaft lebt. Als Pina unerwartet ausfällt und ins Krankenhaus muss, wird die Hausgemeinschaft vor eine Herausforderung gestellt - Wer kümmert sich nun um Leo? Was zunächst Überforderung auslöst, entwickelt sich nach und nach zu etwas sehr Berührendem. Die Bewohner wachsen über sich hinaus, begegnen Leo - und letztlich auch sich selbst - mit immer mehr Offenheit, Geduld und Wärme.
Dabei erzählt der Roman nicht nur von Leo, sondern vor allem von den Menschen um ihn herum. Von Unsicherheiten im Umgang mit Autismus, von Vorurteilen, aber auch von der Fähigkeit, diese zu überwinden. Es geht um Inklusion im besten Sinne, nämlich als gelebte Menschlichkeit im Alltag. Um das Bemühen, Barrieren abzubauen und einander wirklich zu sehen.
Der Schreibstil ist dabei sanft, emotional und zugleich wunderbar zugänglich. Die Autorin schafft es, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich sofort aufgehoben fühlt. Auch wenn manche Szenen vielleicht etwas zugespitzt wirken, bleibt die Geschichte in ihrer Wirkung authentisch, insbesondere weil sie so viel Herz hat.
Besonders schön ist, dass die Figuren ausnahmslos an Herz wachsen. Selbst Charaktere, die zunächst schwierig erscheinen (z. B. der Busfahrer Harry) gewinnen an Tiefe und Sympathie.

„Pina fällt aus“ ist ein warmherziger Roman über Gemeinschaft, Verständnis und das leise Glück, wenn Menschen aufeinander zugehen. Ein Buch, das berührt, nachklingt und den Wunsch weckt, selbst Teil dieser Hausgemeinschaft zu sein.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Zeitzeugen aus Papier

Lebensbande
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„Lebensbande" von Mechthild Borrmann ist eines jener Werke, die an etwas erinnern, das niemals vergessen werden darf. Ich habe bereits viele Bücher gelesen, die während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ...

„Lebensbande" von Mechthild Borrmann ist eines jener Werke, die an etwas erinnern, das niemals vergessen werden darf. Ich habe bereits viele Bücher gelesen, die während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielen. Jedes davon berührte mich tief. Auch dieses Buch hat mich wieder spüren lassen, dass hinter jeder Erzählung ein Stück Wahrheit steckt. Quasi ein Echo echter Schicksale, die niemals nur Fiktion sind. Gerade deshalb fällt es mir immer schwer, ein solches Buch zu bewerten. Denn allein die Tatsache, dass AutorInnen wie Mechthild Borrmann diese Geschichten aufgreifen und bewahren, verdient höchste Anerkennung.
„Lebensbande" basiert auf realen Zeitzeugenberichten und das macht es umso bedeutsamer in einer Zeit, in der diese Stimmen nach und nach verstummen. Ich bin Anfang dreißig, und schon meine Großeltern können nur noch ein Teil dessen erzählen, was sie im Krieg oder ihre Eltern im Krieg erlebt haben, da sie noch Kinder waren. Umso wichtiger, dass solche Bücher existieren, damit die Erinnerung nicht versiegt.
Inhaltlich hat mich besonders die Geschichte von Lene und Leo bewegt - eine junge Frau, die um ihr Kind kämpft, dem in der damaligen Zeit „Schwachsinn“ diagnostiziert wurde. Als Sonderpädagogin hat mich dieses Thema besonders berührt, weil ich täglich mit Kindern arbeite, die Förderbedarf haben. Es ist erschütternd, sich vorzustellen, wie wenig Wert man damals auf das Leben solcher Menschen legte.
Daneben fand ich die zweite Ebene des Romans – die um Nora und Lotte – sehr spannend. Das Motiv, unter falschem Namen zu leben und sich eine neue Identität zu schaffen, um Schuld oder Vergangenheit zu verbergen, war für mich neu in dieser Form. Es zeigt, wie tief der Krieg in Biografien eingreift, selbst lange nach seinem Ende.
Trotz der inhaltlichen Stärke hat mich das Buch emotional nicht ganz so gepackt wie andere Romane ähnlicher Thematik. Das liegt weniger an der Geschichte selbst, sondern an der Erzählweise. Die Autorin erzählt vieles rückblickend, aus einer eher distanzierten Perspektive, mit wenig unmittelbarer Handlung. Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Tiefe, mehr „Dabeisein“ gewünscht, stattdessen weniger Bericht, mehr Erleben. Dadurch blieb manches für mich etwas oberflächlich.

Dennoch ist „Lebensbande“ ein wichtiges Buch, welches man lesen sollte. Und dies nicht vorrangig, um eine berührende Geschichte zu erleben, sondern um sich zu erinnern. An Menschen, die gelitten, überlebt und weitergegeben haben, was wir heute wissen dürfen. Es ist ein stilles, respektvolles Mahnmal in Romanform.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Psychospiel im Eigenheim

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Als langjähriger Fan von Arno Strobel habe ich mich sehr auf sein neues Buch „Welcome Home“ gefreut. Da mich sein vorheriges Werk nicht völlig überzeugen konnte, war die Hoffnung umso größer, diesmal wieder ...

Als langjähriger Fan von Arno Strobel habe ich mich sehr auf sein neues Buch „Welcome Home“ gefreut. Da mich sein vorheriges Werk nicht völlig überzeugen konnte, war die Hoffnung umso größer, diesmal wieder ein fesselndes Leseerlebnis zu bekommen. Genau das hat Strobel geliefert, denn schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte gefangen.
Der Roman entfaltet eine düstere, fast beklemmende Stimmung. Die Handlung spielt in den Herbst- oder Wintermonaten, was die Schwere und Dunkelheit zusätzlich verstärkt. Es ist ein Buch, das ist nur ungern im Dunkeln gelesen habe, da sich das Grauen zu sehr einschleicht. Die Handlung spart nicht mit unheimlichen und auch blutigen Momenten. Für mich hat genau das den Thrill ausgemacht. Gerade weil Strobel die Grenze zwischen subtiler Angst und expliziter Gewalt so geschickt auslotet.
Besonders gelungen fand ich die detailreiche Aufmachung. Die beigefügte Karte verschafft Orientierung über die Nachbarschaft, die Häuser und ihre Bewohner. Dadurch wird das Geschehen greifbarer, fast so, als wäre man selbst Teil dieser Siedlung.
Zudem versteht es Strobel seine Leser:innen in die Irre zu führen. Immer wieder streut er falsche Hinweise, baut Verdachtsmomente auf und zerstört sie gleich darauf. Bis zum Schluss blieb unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Dieses permanente Rätselraten hat mich so sehr gefesselt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte, wenn dann nur aus Selbstschutz vor der düsteren Stimmung.
Die Geschichte wird vor allem aus Marcos Perspektive erzählt, ergänzt durch geheimnisvolle Einblicke aus einer zweiten Sicht. Diese Wechsel steigern die Spannung zusätzlich und machen die Handlung vielschichtig. Die Figuren sind nicht bloß Randgestalten, sondern haben Hintergründe und Verbindungen, die nach und nach aufgedeckt werden.
Wie gewohnt ist Strobels Stil rasant, klar und bildhaft. Das Buch liest sich flüssig, fast filmisch. Die falschen Fährten, die überraschenden Wendungen und die stetig wachsende Bedrohung machen es zu einem echten Pageturner.

Insgesamt hat Arno Strobel mich mit „Welcome Home“ wieder voll überzeugt. Ein packender Psychothriller, der alles bietet, was man von diesem Genre erwartet: Nervenkitzel, düstere Atmosphäre, ein clever konstruiertes Rätsel und eine tolle Auflösung.

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