Düster, fesselnd und voller Gänsehautmomente
Die Klippe - Ort ohne WiederkehrManche Bücher schaffen es, einem einen wohligen Schauer über den Rücken zu jagen. Dieses hier hat mich irgendwann an den Punkt gebracht, an dem ich ernsthaft überlegt habe, ob der Gang in den dunklen Keller ...
Manche Bücher schaffen es, einem einen wohligen Schauer über den Rücken zu jagen. Dieses hier hat mich irgendwann an den Punkt gebracht, an dem ich ernsthaft überlegt habe, ob der Gang in den dunklen Keller wirklich sein muss.
Karenza trägt den Verlust ihrer kleinen Tochter wie einen Schatten mit sich herum. Als sie sich auf einen Fall einlässt, bei dem zwei schwer traumatisierte Geschwister im Mittelpunkt stehen, ahnt sie noch nicht, dass sie nicht nur mit menschlichen Abgründen konfrontiert wird. Je tiefer sie in die Geschichte der Familie eintaucht, desto stärker beschleicht einen das Gefühl, dass an diesem abgelegenen Ort etwas ganz und gar nicht stimmt. Und genau diese stetig wachsende Ungewissheit hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
»Wissen Sie, Karenza, vielleicht ist es an der Zeit, dass Sie sich fragen, ob es das wert ist.«
»Soll heißen?«
»Soll heißen: Sie haben getan, was Sie konnten, und ich weiß, Sie hätten sehr gern geholfen, aber ich frage mich, ob Sie’s nicht lieber sein lassen sollten. Uns sein lassen. Lassen Sie das Geheimnis Geheimnis sein.“ (Zitat)
Die Figuren wirken unglaublich authentisch. Vor allem Karenza mochte ich sehr, weil sie trotz ihrer eigenen Vergangenheit versucht, rational zu bleiben und allem mit wissenschaftlicher Logik zu begegnen. Gerade deshalb treffen die immer seltsamer werdenden Ereignisse umso härter.
Auch Grace und Solomon haben mich berührt. Hinter ihrem Verhalten steckt so viel Schmerz, dass ich sie am liebsten einfach in den Arm genommen hätte.
Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch und erzeugt eine Spannung, die sich langsam, aber unaufhaltsam aufbaut. Statt auf billige Schockmomente setzt der Autor auf eine bedrückende, düstere Stimmung, die sich nach und nach unter die Haut schleicht. Ständig habe ich mich gefragt, ob das alles noch logisch erklärbar ist oder ob hier tatsächlich etwas Übernatürliches sein Unwesen treibt. Immer wieder glaubte ich, die Wahrheit endlich erkannt zu haben, nur um im nächsten Kapitel erneut komplett ins Wanken zu geraten. Genau dieses Spiel mit Wahrnehmung und Wirklichkeit hat mich begeistert.
Fazit: Ein atmosphärischer Psychothriller, der gekonnt mit der Grenze zwischen Realität und Übernatürlichem spielt. Düster, fesselnd und voller Gänsehautmomente hat mich die Geschichte bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Für alle, die mysteriöse Spannung mit einer ordentlichen Portion Grusel lieben, ist dieses Buch ein Muss.