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Veröffentlicht am 18.08.2026

Was du nicht aussprichst, kannst du nicht vergessen

Nelka
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„Nelka“ von Svenja Leiber hatte mich vom ersten Satz an in den Bann gezogen:
„Sie werden sich nicht an mich erinnern. Mein Gesicht würden Sie nicht erkennen, wenn wir uns auf einer beliebigen Straße begegneten. ...

„Nelka“ von Svenja Leiber hatte mich vom ersten Satz an in den Bann gezogen:
„Sie werden sich nicht an mich erinnern. Mein Gesicht würden Sie nicht erkennen, wenn wir uns auf einer beliebigen Straße begegneten. Ich aber erinnere mich an Ihr Gesicht. Alles daran sehe ich noch heute vor mir. Nichts habe ich vergessen.“

Erzählt wird die berührende Geschichte von Nelka. Mit 16 Jahren wird sie im Jahr 1941 aus dem damals polnischen Lemberg (Lwów/Lwiw) von Soldaten mit zahlreichen Mädchen und Frauen zur Zwangsarbeit in den Westen verschleppt.

„Es scheint möglich, auf einer einzigen Reise um Jahre zu altern. Diejenigen, die als junge Mädchen in Królewska in den Waggon gestiegen waren und die für einige Tage in einem Sammellager bei Krakau bleiben mussten, sehen beim Aussteigen und Hinübergehen zum Desinfektionslager in der Nähe der Reichshauptstadt wie sehr blasse Frauen aus.“

Auf einem Gutshof in Norddeutschland müssen sie unter menschenunwürdigen Umständen körperlich schwere Arbeit verrichten. Als der junge Gutsverwalter Marten auf Nelka aufmerksam wird, nützt ihr das große Fachwissen über Obstbau, das ihr Vater ihr als erfahrener Obstbaukundler beigebracht hatte. Nelka hilft Marten, eine profitable Apfelplantage zu planen und kann sich so vor seinen Zudringlichkeiten erweren; doch die Angst ist unterschwellig immer präsent. Durch enge Freundschaften versuchen die Frauen, den permanenten Machtmissbrauch und die Gewalt zu überstehen.

„‘Was können wir tun?’, flüstert Margaryta endlich und fasst nach Nelkas Hand.
‘Hoffnung verlieren’, sagt Nelka nur. Sie zieht die Hand weg und dreht sich zur Wand. Sie hört Margaryta schluchzen.
‘Ich meine, was sollen wir tun, Nel?’
Nelka schweigt. Denkt nach. Und dann sagt sie endlich leise zur Wand: ‘Hoffnung wiederfinden, Ryta.’“

Etwa fünfzig Jahre später kehr Nelka als alte Frau aus der Ukraine zurück auf den Gutshof, um den gealterten Marten mit der Vergangenheit zu konfrontieren – in der Hoffnung, sich von dem Trauma der Vergangenheit zu befreien.

„Es kostet zu viel, denkt sie. Diese Reise wird meine Zeit verkürzen. Aber hatte ich eine Wahl? Jede Wahl wird falsch gewesen sein. Die Sache selbst war falsch. Sie hat mich für immer erschöpft. Ich bin, denkt sie, seit damals nie wieder ganz zu Kräften gekommen. Ich habe nur weitergelebt.“

Svenja Leibers präziser, feinfühliger Stil hat mir ebensogut gefallen wie ihre Charaktere.
Erst im Laufe der Erzählung fügen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem Gesamtbild zusammen.

„Über das Wichtigste hatte sie nie gesprochen. Über das, was war und was nicht hätte sein sollen, nie ein Wort.“

„Nelka“ ist ein sehr intensiver, bewegender Roman über die Schrecken des Krieges, Ausbeutung und Machtmissbrauch, der mich stark berührt hat. Nelkas Geschichte und das Schicksal der Zwangsarbeiter*innen wird sicher noch lange in mir nachhallen.

„Nelka“ ist zu Recht für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert – von mir gibt es 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Suhrkamp Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 02.07.2026

Körper sind niemals verhandelbar!

Unshame
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Dem Buch „Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen“ von Louisa Dellert habe ich schon lange sehnsüchtig entgegengefiebert und ich muss sagen: zu Recht, denn es gehört ...

Dem Buch „Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen“ von Louisa Dellert habe ich schon lange sehnsüchtig entgegengefiebert und ich muss sagen: zu Recht, denn es gehört definitiv zu meinen diesjährigen Sachbuch-Jahreshighlights!

Die Autorin und Aktivistin rechnet hier gnadenlos mit toxischen Schönheitsidealen ab.
Sehr offen und ehrlich erzählt sie anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte, was viele von uns selbst auch kennen: wir finden uns zu dick, zu dünn, zu untrainiert, zu alt, zu hässlich, sprich: einfach nicht „perfekt“.
Von klein auf „lernen“ wir, wie Frauenkörper aussehen sollen – dass dahinter eine riesige Schönheits- und Diätindustrie steckt, die Milliarden mit der Scham und den Selbstzweifeln der Frauen verdient, kann gar nicht oft genug betont werden.
Neben diesem Aspekt deckt das Buch ein großes Themengebiet ab, von der Auseinandersetzung mit dem „Pretty Privilege“ und „White Privilege“, Modetrends und sich wandelnde Schönheitsideale, Body Positivity, dem Einfluss von sozialen Medien bis hin zu Diäten und Schönheitsoperationen.

Louisa Dellert gibt tolle Empfehlungen für weiterführende Literatur und Social-Media-Accounts und baut nach jedem Kapitel „Mitmach-Elemente“ ein, die ich besonders wertvoll fand:

„.... denk daran, dass dein Wert nie von einer Zahl auf einer Waage abhängt.
.... denk daran, dass dein Körper dich bis hierher m getragen hat - auch durch Zeiten, in denen du ihn nicht mochtest.
... denk daran, dass dein Körper kein Projekt ist, sondern dein Zuhause
... denk daran, dass Scham ein Geschäftsmodell ist.
.... denk daran, dass du dein Leben nicht in Kalorien erinnern wirst.“

Durch die Mischung aus Fakten und persönlicher Geschichte ist das Buch besonders wertvoll. Ich werde es sicher noch öfter lesen; ich habe mir so viele Stellen markiert, dass ich hier wirklich nur ein paar Ausschnitte zitieren kann, um den Rahmen nicht zu sprengen.

„Erst heute, viele Jahre später weiß ich: ich hätte mich für all das niemals schämen müssen. Niemand hatte jemals das Recht, mir einzureden, dass mein Körper eine Dauerbaustelle ist. Oder dass ich erst schrumpfen muss, um geliebt zu werden. Und überhaupt: Mein Körper hätte verdammt noch mal niemals verhandelbar sein dürfen!“

„Unshame“ ist ein gleichermaßen persönliches wie politisches Manifest von Louisa Dellert, das den gesellschaftlichen Optimierungswahn anprangert: Ein sehr wertvoller und ermutigender Aufruf, sich von unrealistischen Schönheitsidealen zu lösen und dem eigenen Körper mit Respekt und Versöhnung zu begegnen.

„Und vielleicht ist es das, was wir uns immer wieder vor Augen führen sollten: dass die eigentliche Größe eines Menschen nichts mit seinem Umfang zu tun hat.“

„Ich versuche, jede Falte in meinem Gesicht als Mittelfinger ans Patriarchat zu betrachten.“

Von mir gibt es 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Ullstein/Allegria Verlag und an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 09.06.2026

Wie lebt man mit einem Erbe, das man sich nicht ausgesucht hat?

Die glücklichste Familie der Welt
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Die 28jährige Sara ist schwanger, aber sie und ihr Partner Elias wollen das Kind nicht behalten; sie hat bereits einen Abtreibungstermin. Dennoch reist sie kurzfristig gemeinsam mit ihrem Onkel Mats und ...

Die 28jährige Sara ist schwanger, aber sie und ihr Partner Elias wollen das Kind nicht behalten; sie hat bereits einen Abtreibungstermin. Dennoch reist sie kurzfristig gemeinsam mit ihrem Onkel Mats und ihrer 16jährigen Cousine Evi für ein Wochenende nach Berlin. Dort wollen sie den neu verlegten Stolperstein mit ihrem Familiennamen besuchen. Doch auf der Reise werden sie nicht nur mit ihrer jüdischen Vergangenheit, sondern auch mit persönlichen Lebenskrisen konfrontiert.

„Wenn man geboren wird, ist alles, wie es sein soll, dann wird es langsam immer schlechter. Gegen Ende des Frühlings waren die Dinge noch zu einem gewissen Grad, wie sie sein sollten, die Sonne schien gleißend vom Himmel, als wäre bereits Sommer. Alles, wovon Sara spürte, dass es geschehen würde, trug sie bereits in sich, all die kleinen und großen Katastrophen, deren Konsequenzen sie nicht exakt absehen konnte, deren Konturen sie aber bereits zwischen den Handflächen zu spüren glaubte.“

Die kürzlich verstorbene Großmutter von Sara und Evi war damals zusammen mit ihrer Schwester mit einem Kindertransport aus Berlin nach Schweden gerettet worden. Ihre Briefe möchte Mats nun dem Jüdischen Museum übergeben; Evi ist davon nicht begeistert. Und Mats weiß nicht, wie er ihr beibringen soll, dass er sich von ihrer Mutter trennen wird.

„So vieles während der Tage in Berlin ließ Sara an den Marsch der Lebenden in Auschwitz denken, [...] an andere Reisen, die sie im Laufe der Zeit im Zeichen des Judentums unternommen hatte und deren Konturen bereits verschwammen. Reisen, die sie auf unterschiedliche Weise beeinflusst hatten – wenn auch nicht immer so, wie eigentlich angedacht.
[...]
Zum ersten Mal war sie gegen Ende der Schulzeit in Berlin gewesen, und das nicht aus freien Stücken, sondern im Rahmen einer Klassenfahrt. In Deutschland ist die Asche immer noch warm, ein Satz, den sie irgendwo gelesen hatte und der ihr nicht mehr aus dem Sinn ging. Sie versuchte, Berlin wie London oder Paris zu sehen, wie eine x-beliebige Stadt.
Sie war [...] die einzige Jüdin in ihrer Klasse gewesen, und als sie mit den Händen über die eckigen Blöcke des Holocaust-Mahnmals strich, hatte sie an niemanden aus ihrer Familie gedacht, es gehörte in keiner Weise zu ihr. Die Geschichte steckte nicht in dem dämlichen, toten Mahnmal, die Geschichte steckte in ihren Eltern, ihren Geschwistern, in Anne, in Mats und Evi, nicht im Marsch der Lebenden, nicht im Stockholmer Forum für lebendige Geschichte, nicht im Holocaust-Gedenktag, der im Übrigen zu einer Art Black Friday für die Woke-Generation geworden war, während sich gleichzeitig niemand nennenswert dafür interessierte, wenn jemand Hakenkreuze auf den Spind einer jüdischen Gymnasiastin schmierte.“

„Und Sara würde mit etwas matter Stimme antworten müssen, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hatte, dass alles bloß Zufall ist. Dass man früh dem Irrglauben erliegt, im Leben gäbe es eine Form von Symmetrie, alles Schiefe werde geradegerückt, von fest gespannten magischen Bändern gelenkt.
Vielleicht hätte Evi ihr beigepflichtet. Nur langsam gezwinkert, in dem Ton erwidert, den sie immer hatte, wenn sie etwas selbstverständlich fand: Natürlich haben Alt und Neu nichts miteinander zu tun. Sonst wäre es ja nichts Neues, sondern bloß eine Fortsetzung. Das Neue ist etwas Eigenes, genau wie alles andere: Das Neue beginnt damit, dass ein Moment sich an einen anderen fügt.“

„Die glücklichste Familie der Welt“ ist ein leiser, berührender und tiefgründiger Roman, der sich vor allem mit der schwierigen und persönlichen Frage beschäftigt, wie man mit einer Vergangenheit, einem Erbe umgeht, das man nicht selbst gewählt hat. Mich hat das Buch sehr berührt, vor allem die Rückblenden in die Vergangenheit waren unfassbar intensiv.

Vielen Dank an den Fischer Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Aufruf zum Widerstand: Veränderung ist nur durch ein NEIN möglich

Ich möchte lieber nicht
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„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!

Das Sachbuch setzt sich ...

„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!

Das Sachbuch setzt sich kritisch und kompromisslos mit dem zeitgenössischen Diktat der Selbstoptimierung und des „Dauerglücks“ auseinander:

„Die einzige sinnvolle Antwort auf einen Zeitgeist, der dem Terror des Positiven unterworfen ist, lautet Verweigerung. In einer Welt, in der man aus jedem Problem und jeder Krankheit etwas lernen muss, in der die exzessive Nabelschau alle in den Wahnsinn treibt, kann es nur eine richtige Haltung geben: die Haltung des nein. Nein, wir können nicht alles sein, wenn wir nur fest genug daran glauben. Und nein, nicht jeder ist seines Glückes Schmied. Es gibt viele Ungerechtigkeiten und Tragödien, für die der Einzelne nicht verantwortlich ist. Nur wer das erkennt, kann überhaupt die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern.“

Die Autorin nimmt den berühmten Satz „Ich möchte lieber nicht“ (von Herman Melvilles Figur Bartleby) als Leitmotiv für die bewusste Verweigerung einer toxischen Wohlfühlkultur.
Der „Terror des Positiven“ begegnet uns überall: Selbst Tee und Duschbäder fordern uns zu Fröhlichkeit und Selbstoptimierung auf.

„Wir leben in einer Kultur des Kommandos, die und sagt: Du musst glücklich sein! Selbst das Duschbad und der Tee im Supermarkt fordern uns getreu der Kultur des Kommandos auf, voll guter Laune spritzig in den Tag zu starten. Glück ist zum Statussymbol geworden, daher wollen wir uns selbst und allen anderen ständig unser hohes Glückprestige zeigen, am besten mit Fotos vom Traumurlaub und der Traumhochzeit. Wir wollen überall das Beste herausholen und gleichzeitig unser echtes, wahres, wirkliches Selbst finden. Mithilfe von Therapeuten und Coaches ändern wir unser "Mindset", um jede Niederlage als Chance zu begreifen und aus jedem Schnupfen etwas zu lernen. Doch man kann in unserer spätkapitalistischen Gesellschaft nicht alles schaffen, wenn man nur genug an sich glaubt.“

Die Ideologie der „Positiven Psychologie“ suggeriert, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Politische, wirtschaftliche oder strukturelle Krisen wie Jobverlust oder Krankheit werden dadurch oft zu einem persönlichen Versagen umgedeutet.
Der Druck der Positivität erzeugt eine dreifache Belastung. Man fühlt sich schlecht, schämt sich für die negativen Gefühle und muss gleichzeitig eine künstliche Glücksfassade für das Umfeld und soziale Medien aufrechterhalten.
Die Autorin plädiert für den „depressiven Realismus“ sowie das Schimpfen. Für sie sind negative Gefühle, Wut und schonungslose Ehrlichkeit keine Schwächen, sondern gesund und realistisch. Mehr noch: Nur mit dem Mut, „Nein“ zu sagen, ist es überhaupt möglich, ungerechte gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen.

„Wer in dieser Zeit des sozialen Zwangs, des erdrückenden Überangebots von Konsumgütern und des ewigen Stroms von Ablenkungen ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss viel öfter "Nein" als "Ja" sagen. Denn ohne "Nein" kann es keine individuelle Freiheit geben. Nein zu sagen und sich zu verweigern ist eine grundlegende Voraussetzung für unsere menschliche Autonomie und Unabhängigkeit.
[....]
Wir brauchen viel mehr Akzeptanz für Negativität statt kuscheligen Neobiedermeier, bei dem man sich selbst Harmonie vorgaukelt, ins Private zurückzieht und einfach wartet, bis alles vorbei ist. Zum authentischen Leben gehört Negativität immer dazu. Die dunkle Seite der menschlichen Existenz ist wichtig. Sie macht uns autonom und selbstbestimmt. Die Dunkelheit bildet uns.“

„Ich möchte lieber nicht“ ist ein Buch, das mir direkt aus der Seele gesprochen hat; ich habe unendlich viele Stellen markiert und habe mich SO SEHR verstanden gefühlt!
Juliane Marie Schreiber schreibt einzigartig: Oft wirklich herrlich amüsant („Haben Sie sich auch schon etwas wegcoachen lassen, ihren Blinddarm oder ihre unpassende Meinung?“), dabei jedoch auch herzlich, mit viel Tiefgang und immer genau auf den Punkt.

„Zum Leben gehört Negativität immer dazu. Negatives ist der Motor der Geschichte. Den Fortschritt verdanken die Menschen den unzufriedenen. Ohne nein kann es keine Freiheit geben. In unserer Kultur des Ja ist das Nein eine wohltuende Entzauberung. Weil das Nein den berühmten Vorhang der Selbsttäuschung aufreißt und auch das dreckige Fenster ans Licht bringt. Und nur, wer einen unerschrockenen, klaren Blick hat, kann seine Lebenszeit selbst bestimmt nutzen, nach den eigenen Überzeugungen. In anderen Worten: Nein - oder Nichtsein.
[...]
Am besten, indem man sich dabei in aller Ruhe sagt: Ich möchte lieber nicht!“

Von mir bekommt dieses Buch 5 Sterne & eine unbedingte Leseempfehlung, denn:
„Die Welt wurde nicht von den Glücklichen verändert, sondern von den Unzufriedenen.“

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Stille Menschen haben den lautesten Geist: Must-Read!

Wir sind Dynamit
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„Wir sind Dynamit“ ist mein zweites Buch von Juliane Marie Schreiber und ich finde es genauso großartig wie ihren Vorgänger „Ich möchte lieber nicht“ (unbedingt lesen!). Beide Bücher sprechen mir aus der ...

„Wir sind Dynamit“ ist mein zweites Buch von Juliane Marie Schreiber und ich finde es genauso großartig wie ihren Vorgänger „Ich möchte lieber nicht“ (unbedingt lesen!). Beide Bücher sprechen mir aus der Seele, ich habe mich so unendlich gut verstanden gefühlt. Juliane Marie Schreiber schreibt einzigartig, oft herrlich amüsant, dabei aber auch herzlich, mit viel Tiefgang und immer genau auf den Punkt.

Mit „Wir sind Dynamit – Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung“ kritisiert die Politologin und Autorin eine Gesellschaft, die systematisch laute Selbstdarsteller*innen belohnt und leise, nachdenkliche Menschen benachteiligt.

Permanente Performance im Beruf und auf den Sozialen Medien, Reizüberflutung im Alltag, … ich habe das beim Lesen so sehr gefühlt!
Es ist doch leider wirklich so: Wer sich laut vermarktet, erhält Gehör und Status - unabhängig von der eigentlichen Substanz. Dabei haben stille Menschen oft den lautesten Geist: viele wichtige Erfindungen und Neuerungen entstanden „alleine im stillen Kämmerchen“.

Dieses Buch ist ein Aufruf zur gesellschaftlichen Abkehr von der permanenten Selbstdarstellung und eine Einladung zu einer radikalen Rückkehr nach innen.

„Zivilisation lebt nicht nur von denen, die die Bühne füllen. Sondern von denen, die ihre Ideen so lange aufstauen, bis sie Form gewinnen.
Innenmenschen sind diese unsichtbare Verdichtung. Sie tragen Gedanken, die nicht sofort sichtbar sind, die sich dem schnellen Urteil entziehen, die oft lange in der Tiefe brodeln – bis der Moment kommt, in dem sie das ganze Verhältnis verschieben. Das Innenleben der Innenmenschen ist die Sprengkraft für den Fortschritt.
Ohne Alfred Nobels Dynamit gäbe es keinen Nobelpreis, verliehen hier schon for the greatest benefit to humankind. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Disziplinen, die dort geehrt werden, auch den Fähigkeiten der Innenmenschen entsprechen: Ohne Reflexion gibt es keine Wissenschaft, ohne Kreativität keine Literatur, ohne Diplomatie keinen Frieden. Und ohne Autonomie gibt es überhaupt keine originellen Impulse – nur höflich vorgewärmte Erwartungen. Diese Stärken der Innenwelt sind die inneren Träger einer Kultur, die sonst zerfällt.“

„Darum ist dieses Buch auch ein Plädoyer für Unverzichtbarkeit. Es geht nicht darum, zu sagen: »Die Innenmenschen haben all das gemacht, erfunden, entdeckt, geschrieben.« Sondern: »Ohne sie bricht alles zusammen, auch wenn man es nicht sofort sieht.« Wenn wir sie weiterhin unterschätzen, trifft es uns alle. Denn sie verkörpern das Menschsein in einer Art, die uns als Gesellschaft abhandenzukommen droht. Sie sind der Gegenpol in einer Welt der Selbstdarstellung.
Deshalb: Follow the Silence. Innenmenschen sind eine stille Revolution – und mit ihnen die Eigenbrötler und Außenseiter, die Erfinder und Tüftler, Künstler, Nerds und Sonderlinge. Und schon Stephen Hawking sagte: ‚Quiet people have the loudest minds.‘ Stille Menschen haben den lautesten Geist.“

Ich habe das Buch geliebt – ein Muss für alle „Innenmenschen“ wie mich.
Daher vergebe ich natürlich 5 Sterne & eine eindeutige Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Piper Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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