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Veröffentlicht am 19.08.2026

Ein berührender Blick in das Seelenleben einer Familie

Alle glücklich
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Alle Familienmitglieder glücklich zu sehen – das ist wohl das, was sich jede Mutter für ihre Familie wünscht. Dass die Realität jedoch oft ganz anders aussieht, beschreibt Kira Mohn in ihrem Roman "Alle ...

Alle Familienmitglieder glücklich zu sehen – das ist wohl das, was sich jede Mutter für ihre Familie wünscht. Dass die Realität jedoch oft ganz anders aussieht, beschreibt Kira Mohn in ihrem Roman "Alle glücklich" überaus eindrücklich. Mit behutsamen Worten und gleichzeitig einem scharfen Blick auf die Geschehnisse und alltäglichen Ungerechtigkeiten widmet sie sich einer vierköpfigen Familie. Aus der Perspektive aller vier Protagonisten schildert sie feinfühlig, wie sehr jeder Einzelne mit seinem Leben hadert.

Zitat: „Doch in Wahrheit waren nicht nur die Kinder, sodern auch Alex in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, und wenn sich die Aufmerksamkeit tatsächlich mal auf ein anderes Familienmitglied richtete, dann oft nur um zu sticheln oder sich gegenseitig Vorwürfe zu machen.“ (Kira Mohn: Alle glücklich. Seite 50)

Die Autorin:

Kira Mohn hat vielseitige Talente. Sie gründete eine Musikfachzeitschrift, veröffentlichte unter dem Namen Kira Minttu vier Bücher im Verlag ink rebels (Rezension zu Me Without Words), deren Mitbegründerin sie ist. Sowie bei Kyss ihre Leuchtturm-Trilogie (Rezension zu Show me the Stars) und ihre Kanada-Reihe Wild like a River und Free like the Wind. Außerdem die Island-Reihe The Sky in your Eyes und The Sea in Your Heart. Du irgendwo ist ein weiterer Reihenauftakt, welcher mit der kürzeren Vorgeschichte Ein einziges Versprechen geteasert wurde. Wir irgendwann ist der zweite Teil.2024 erschien Die Nacht der Bärin, eine Geschichte, die sich von ihren bisherigen Büchern unterschied und eine sehr ernste Thematik einfühlsam behandelt. Mit Alle glücklich (2026) legt sie wieder einen Roman vor, der in die Tiefen der menschlichen Seele blickt. Inzwischen lebt die Autorin mit ihrer Familie in München.

Inhalt:

Die Geschichte beleuchtet das Leben einer nach außen hin perfekten vierköpfigen Familie, hinter deren Fassade sich allerdings Überforderung, Sehnsüchte und Krisen verbergen. Obwohl Nina, Alexander und ihre beiden Kinder eigentlich alles für ein erfülltes Leben haben, fühlen sie dieses Glück nicht, da jeder für sich alleine agiert, was dazu führt, dass die heile Welt der Familie Stück für Stück bröckelt.

Gedanken zum Roman:

Auf dem Cover sehen wir eine Frau von hinten dargestellt, die in einem Café zu sitzen scheint und aus dem Fenster schaut. Die Farben sind recht dunkel gehalten und haben etwas bedrückendes, während der Titel in leuchtend gelben Lettern das Gegenteil suggeriert und damit bereist hier verdeutlicht, dass eben nicht alle glücklich sind.

Jedes einzelne Kapitel wird durch eine Frage an das eigene Ich eingeleitet – Fragen direkt aus dem Leben gegriffen, voller Selbstzweifel und Ehrlichkeit. Alle vier Charaktere sind zunächst auf ihre Art liebenswert, doch ihre Tragödie liegt im Schweigen: Sie kommunizieren nicht wirklich miteinander, bewahren Geheimnisse voreinander und wagen es nicht, ihre eigenen Bedürfnisse auszusprechen. Statt gemeinsam zu leben, existieren sie nebeneinander her und driften im Hamsterrad des Alltags immer weiter auseinander. Besonders greifbar wird diese Entfremdung in den einzelnen Schicksalen.

Zitat: „Sie hatte keine Extrawünsche. Alles, was sie wollte, war Ruhe, Frieden und ein bisschen Aufmerksamkeit von Seiten ihres Mannes.“ (Kira Mohn: Alle glücklich. Seite 93-94)

Nina, die Mutter, steckt tief in ihrem Leben fest. Ihre Kinder sind selbstständig und brauchen sie scheinbar nicht mehr, nehmen ihre Mühen aber genauso selbstverständlich hin wie ihr Ehemann, der ihre Ressourcen nutzt und nur für den Job lebt. Doch Nina wird aktiv: Inspiriert durch eine neue Kollegin und Freundin beginnt sie, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Ihre Abwesenheit zwingt Alexander zwar zu einer gewissen Reflexion, doch von seinem hohen Ross steigt er leider nicht herunter.

Zitat: „Und wenn es ihm vielleicht gar nicht gefallen hat?“ (Kira Mohn: Alle glücklich. Seite 62)

Emilia, die Tochter, ist mit einem älteren Jungen zusammen und leidet unter der ständigen Sorge, zu jung, unerfahren oder uncool zu sein. Aus Angst vor Ablehnung fehlt ihr der Mut, Dinge zu hinterfragen, sodass sie sich zu Entscheidungen überreden lässt, die eigentlich nicht ihre sind.

Zitat: „Bin ich eigentlich … richtig?“ (Kira Mohn: Alles glücklich. Seite 26)

Ben, der Sohn, ist einsam und schüchtern. Auf der Suche nach Verbindung hört er einem Online-Coach zu – jemandem, der sehr von sich überzeugt ist. Die Inhalte geben Ben den Anstoß zur Veränderung und und den Antrieb seine Angebetete anzusprechen. Doch ob sein Mut belohnt wird, sei hier nicht verraten.

Zitat: „Er hatte immer das Richtige getan, über zwanzig Jahre lang. Natürlich hatte er hin und wieder einmal mit dem Gedanken an eine andere gespielt, aber das war eben der Punkt: Er hatte diesen Gedanken nie umgesetzt. Nie.“ (Kira Mohn: Alle glücklich. Seite 229)

Alexander, der Vater, macht sich zwar Gedanken über die Veränderungen, sucht aber nicht ernsthaft nach den Ursachen. Er verhält sich wie ein typischer „Halbgott in Weiß“ – und das nicht nur in der Klinik. Seine Selbstverständlichkeit ist erschreckend: Normalerweise verbringt er die Zeit nach dem Abendessen mit Arbeit, als er einen Abend allein zu Hause ist – weil Nina ausgegangen ist – genießt er die Zeit für sich, hat auf einmal keinen Drang, zu arbeiten.

Als Leser wird man zum stillen Beobachter dieses schleichenden Unglücks. Die Geschichte spitzt sich Stück für Stück zu, wartet mit Wendungen auf, die man nicht kommen sieht, und lässt Befürchtungen im Raum stehen, die glücklicherweise nicht eintreffen. Am Ende erwartet einen kein klassisches Kitsch-Happy-End, aber ein realistischer, positiver Ausblick.

Fazit:

"Alle glücklich" ist eine extrem emotionale und aufwühlende Lektüre. Kira Mohn verknüpft vier unterschiedliche Schicksale zu einer Geschichte, die authentisch, berührend und manchmal auch wütend machend ist. Ein absolut empfehlenswertes Buch über das Schweigen, das Ausbrechen und die Hoffnung auf ein echtes Miteinander.

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Veröffentlicht am 31.07.2026

Klein aber Oh là là

Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn? Ein Mäusekrimi (Band 1)
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Monsieur Mausebart mag zwar eine Maus sein, doch als weltberühmter Meisterdetektiv tritt er mit großem Selbstbewusstsein auf. Kaum ist er in Bath angekommen, wartet auch schon sein erster Fall auf ihn: ...

Monsieur Mausebart mag zwar eine Maus sein, doch als weltberühmter Meisterdetektiv tritt er mit großem Selbstbewusstsein auf. Kaum ist er in Bath angekommen, wartet auch schon sein erster Fall auf ihn: Der Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn ist verschwunden. Gemeinsam mit seinem neuen Gehilfen Mopsi folgt Mausebart den Spuren des Bösewichts – und gerät dabei selbst immer wieder in brenzlige Situationen. Mir hat diese originelle Geschichte von Anfang an Spaß gemacht, denn sie verbindet einen unterhaltsamen Kriminalfall mit herrlichem Wortwitz und vielen überraschenden Ideen.

Die Autorin:

Charley Rabbit findet ihre Ideen in schlichten Formen und alltäglichen Geschichten. Ihre Illustrationen entstehen aus einer Mischung von Acryl, Tinte und Buntstiften. Arbeitet sie nicht gerade an ihrem Schreibtisch im Dachstudio, widmet sie sich der irischen Fiedelmusik, hört True-Crime-Podcasts oder denkt an ihren Traum, irgendwann nach Japan zu reisen. Zu Hause ist sie in Bath, einer besonders romantischen und märchenhaften Stadt. Dort lebt sie mit ihrem Mann Adam und ihrer zotteligen Dackeldame Doris, die sie beide liebevoll unterstützen.

Inhalt:

„Kaum ist der berühmte Mäusedetektiv Monsieur Mausebart in Bath angekommen, wird er schon mit seinem ersten Fall konfrontiert: Der bekannte Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn ist plötzlich verschwunden. Mausebart macht sich sofort auf den Weg zum Ort des Geschehens, doch dort nimmt alles eine unerwartete Wendung. Seine Tasche wird gestohlen, jemand stößt ihn zu Boden und sogar sein Monokel geht zu Bruch. Schnell wird klar, dass nicht alle erfreut darüber sind, einen so berühmten Detektiv in der Stadt zu haben. Zusammen mit seinem neuen Helfer Mopsi nimmt Mausebart die Verfolgung des Übeltäters auf. Doch dieser scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Ob es den beiden gelingt, das Rätsel rechtzeitig zu lösen, bevor sie selbst in Gefahr geraten?“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Comic-Roman:

Mit seinem kräftigen Gelb zieht das Cover sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Besonders gelungen ist die runde Ausstanzung, die als Lupe gestaltet ist. Dadurch scheint es, als würden wir bereits durch sie einen ersten Blick in das Innere der Geschichte werfen. Monsieur Mausebart steht mit Monokel, Lupe und gelbem Mantel direkt im Mittelpunkt und macht sofort neugierig auf seinen ersten Fall.

Der Comic-Roman überzeugt mit viel Humor, liebevollen Details und zahlreichen sprachlichen Einfällen. Beim Lesen kann man mitfiebern, mitraten und immer wieder schmunzeln. Besonders schön finde ich, wie bekannte Begriffe und Marken spielerisch verdreht werden. So trägt ein Blechbüchsenauto beispielsweise den Namen „Bohn-M-W“. Solche Ideen passen wunderbar zur Mäusewelt und sorgen dafür, dass es beim Lesen immer wieder etwas zu entdecken gibt.

Auch der Schreibstil passt hervorragend zur Geschichte. Die Texte sind gut verständlich und abwechslungsreich gestaltet. Geräusche, Ausrufe, Sprechblasen und unterschiedliche Schriftarten verleihen den Szenen zusätzlich Dynamik und lassen sie beinahe hörbar werden. Dadurch bleibt das Lesen leicht, kurzweilig und unterhaltsam.

Die Illustrationen von Charley Rabbit machen den besonderen Reiz des Buches aus. Sie sind ausdrucksstark, detailreich und auf wenige Farben reduziert. Vor allem Schwarz, Weiß und Gelb prägen die Seiten und geben dem Comic-Roman einen unverwechselbaren Look. Meinem Kind und mir hat es besonders gefallen, gemeinsam durch die Seiten zu blättern und immer wieder neue Details zu entdecken.

Monsieur Mausebart ist eine herrlich eigenwillige Figur: ein bisschen eitel, sehr überzeugt von sich selbst und trotzdem unglaublich charmant. Zusammen mit seinem neuen Gehilfen Mopsi entsteht ein Ermittlerduo, von dem ich sehr gerne noch mehr lesen würde.

Fazit:

"Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?" ist ein rundum gelungener Comic-Roman, der mit seiner einfallsreichen Geschichte und seinen liebenswerten Figuren bestens unterhält. Die Geschichte lädt zum Miträtseln ein, überrascht immer wieder mit originellen Einfällen und macht einfach gute Laune. Besonders schön ist, dass der Kriminalfall kindgerecht erzählt wird, ohne dabei zu schlicht zu wirken. Für uns war das gemeinsame Lesen ein echtes Highlight, denn wir wollten jeden Abend unbedingt wissen, wie der Fall weitergeht. Darum wir hoffen sehr, dass Monsieur Mausebart bald in ein neues Abenteuer stolpert.

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Veröffentlicht am 08.07.2026

Schwarmzauber im Riesenformat ist ein Sachbuch-Schatz, der die Natur lebendig macht

Schwarmzauber: Magische Choreografien der Natur
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Manchmal läuft man über die Leipziger Buchmesse, schlendert an den unzähligen Ständen vorbei und bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. Genau so ging es mir bei "Schwarmzauber – Magische Choreografien ...

Manchmal läuft man über die Leipziger Buchmesse, schlendert an den unzähligen Ständen vorbei und bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. Genau so ging es mir bei "Schwarmzauber – Magische Choreografien der Natur", dessen außergewöhnliches Format mich sofort neugierig gemacht hat – es stach aus der Masse einfach komplett heraus. Ich habe ja ohnehin eine riesige Schwäche für Kindersachbücher – besonders für die, die es schaffen, komplexe wissenschaftliche Inhalte in einer wunderbar einfachen und bildhaften Sprache zu vermitteln. Es stand also schnell fest, dass ich mir dieses Buch unbedingt näher anschauen musste.

Die Autorin und Illustratorin:

Núria Solsona arbeitet als Illustratorin für verschiedene Verlage und Grafikstudios. Ihre Arbeiten wurde international ausgestellt sowie mehrfach prämiert. Sie lebt und arbeitet in Barcelona.

Inhalt:

Wenn Stare den Himmel verdunkeln, Sardinen im Meer Formationen bilden und Bienen komplexe Botschaften tanzen, sehen wir Schwarmintelligenz pur. Das faszinierende Phänomen dahinter? Tausende Tiere bewegen sich absolut synchron und präzise – meist ohne Hierarchien. Ein instinktives Miteinander, das wie eine geheime, perfekt einstudierte Choreografie wirkt.

Gedanken zum Bildersachbuch:

Das Cover zieht einen mit seinem tiefblauen Himmel über einer weiten Wiese mitten hinein in die Natur. Ein riesiger Vogelschwarm formt sich dort zu einem eleganten „S“, das perfekt auf den Titel Schwarmzauber einstimmt, dessen gelbe Lettern von einem kleinen, auf dem „M“ rastenden Vogel belebt werden. Das absolute Highlight ist das Format mit einer Höhe von ca. 40cm. Im Innern des Buches verbirgt sich die aufwendige Gestaltung, denn das Buch lässt sich auf allen sechs Seiten jeweils zu einem großen Panorama zur beschriebenen Tierart ausklappen. Mit einer beeindruckenden Größe von 60 x 40 cm entfaltet sich so die ganze, faszinierende Weite des Himmels, der Erde und des Meeres direkt vor den Augen des Betrachters.

Jedes dieser Kapitel rund um die verschiedenen Verhaltensweisen startet zunächst ganz entspannt auf einer bunten Doppenseite mit einer kurzen Einleitung, die einen in das jeweilige Thema einführt. Sobald man die Seiten dann aber zu den riesigen Panoramen aufklappt, gibt es unheimlich viel zu entdecken. In den Bildern verteilt findet man jeweils 7 bis 11 kleine Textpassagen, die einem die verblüffenden Besonderheiten der Tiere lebendig erklären.

Man erfährt zum Beispiel, wie Gänse in ihrer V-Formation clever Energie sparen, bestaunt die synchrone Luftakrobatik der Stare und lernt, was hinter dem faszinierenden Tanz der Bienen steckt. Auch unter Wasser und am Boden geht die Entdeckungsreise weiter. Das Synchronschwimmen der Sardinen im schimmernden Strudel wird genauso erklärt wie die hocheffiziente Vernetzung der Ameisen oder das Verhalten der Pinguine, die in Reih und Glied im ewigen Eis stehen und gehen.

Fazit:

"Schwarmzauber" ist ein absolut herausragendes Bilderbuch, das Kunst und Wissenschaft auf spektakuläre Weise miteinander verbindet. Das riesige Format der Ausklappseiten gibt den beeindruckenden Verhaltensmustern den Raum, den sie verdienen. Ein visuelles Sachbuch, das Kinder ab dem Grundschulalter ins Staunen versetzt und auch erwachsene Naturliebhaber begeistert. Ein echtes Schmuckstück für jedes Bücherregal! Für mich ist dieses Buch ein echter Glücksgriff, weil es die Wunder der Natur nicht nur beschreibt, sondern sie durch die Ausklappbilder regelrecht erlebbar macht.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Jede sechste Frau: Eine Kampfansage an Krebs und Schönheitsideale

Punk mit Brust
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Brustkrebs ist kein Nischenthema, kein fernes Schicksal – es ist eine Realität, die statistisch jede sechste Frau im Laufe ihres Lebens trifft. "Punk mit Brust" ist eine radikal offene Aufklärung, die ...

Brustkrebs ist kein Nischenthema, kein fernes Schicksal – es ist eine Realität, die statistisch jede sechste Frau im Laufe ihres Lebens trifft. "Punk mit Brust" ist eine radikal offene Aufklärung, die dort hinsieht, wo es wehtut: Sie bricht das Tabu des vermeintlich perfekten, makellosen Frauenkörpers und prangert ein gesellschaftliches Schönheitsideal an, das Frauen selbst in der schwersten existentiellen Krise mit ihrem Körper hadern lässt. Doch dieses Buch ist eine Liebeserklärung an das nackte, unperfekte Leben.

Die Illustratorin und Autorin:

Magali Le Huche (geboren 1979) studierte an der Kunsthochschule in Straßburg. Nach ihrem Abschluss begann sie sofort ihre ersten zwei Bilderbücher zu illustrieren. Seitdem sind viele weitere gefolgt. Inzwischen arbeitet sie für verschiedene Kinderbuchverlage sowie Zeitschriften und lebt in Paris.

Inhalt:

Kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag wird bei Magali Brustkrebs diagnostiziert. Auf der Suche nach Halt abseits klassischer Krankheitsberichte entdeckt sie die wütende, humorvolle Energie der Punkband The Clash und ihres Sängers Joe Strummer für sich. Dessen rebellische Dringlichkeit wird zu ihrem mentalen Wegbegleiter und sie nutzt die ungezähmte Kraft des Punk, um der Krankheit entschlossen entgegenzutreten.

Gedanken zur Graphic Novel:

Das Cover fängt die Dualität des Buches perfekt ein: Der dunkle Hintergrund symbolisiert die Angst und das bedrohliche Schattenwesen, das stets im Hintergrund lauert. Doch mitten aus dieser Finsternis bricht die Autorin und Protagonistin im pinken Scheinwerferlicht hervor – im dynamischen Sprung, mit freiem Oberkörper nach der Brustamputation und einem roten Stern im Hintergrund. Die Typografie unterstreicht diesen rebellischen Akt: Am linken Rand zieht sich das Wort „Punk“ in knalligem Pink von oben nach unten, während am unteren Rand von links nach rechts „mit Brust“ in kontrastierendem Grün steht. Ein kraftvolles, unübersehbares Statement für das Leben und gegen das Verstecken.

In ihrer Graphic Novel Punk mit Brust verarbeitet Magali die wohl schwerste Krise ihres Lebens mit einer entwaffnenden Mischung aus Rebellion und schonungsloser Ehrlichkeit. Der Einstieg in die Geschichte wirft die Leser:innen mitten in den medizinischen Apparat: Ein zermürbender Ärztemarathon beginnt. Magali fängt die Absurdität und das Gefühl der Ohnmacht perfekt ein – die vielen entwürdigenden Untersuchungen, bei denen man das Gefühl hat, den eigenen Körper an fremde Menschen auszuliefern. Zwischen existentiellen Ängsten und tiefen Selbstzweifeln steuert alles auf die unvermeidliche Operation zu.

Besonders berührend und intim ist die Phase um die Mastektomie: Die quälende Frage, was eigentlich mit ihrer abgenommenen Brust passiert, verdeutlicht den schmerzhaften Verlust der eigenen Weiblichkeit. Visuell meisterhaft umgesetzt wird Magalis psychischer Ausnahmezustand durch einen inneren Dämon in Gestalt eines schwarzen Schattenwesens, das sie auf Schritt und Tritt verfolgt und ihre tiefsten Ängste füttert. Auch die Dynamik zu ihrem Umfeld verändert sich radikal. Nach der OP schleichen sich bittere Gefühle ein: Ein leiser, aber quälender Neid auf die unversehrten Freundinnen, deren Leben einfach normal weitergeht, während das eigene in Trümmern liegt.

Doch inmitten dieser emotionalen Trümmerlandschaft blitzt das Thema des Buches auf. Auf Seite 131 prangt der alles verändernde Satz, der wie ein Befreiungsschlag wirkt:

„Vergiss nicht, dass du am Leben bist.“

Dieser Satz ist kein plumper Kalenderspruch, sondern ein radikaler Weckruf. Er markiert den Wendepunkt, an dem die Energie von The Clash und Joe Strummer eine große Stütze sind. Magali weigert sich, nur Opfer zu sein.

"Punk mit Brust" ist weit mehr als eine individuelle Lebensgeschichte. Das Buch öffnet sich für die Erzählungen anderer betroffener Frauen. Diese verschiedenen Schicksale weben ein kraftvolles Netz aus Solidarität. Es sind Geschichten über den unbedingten Willen zu leben, über die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden, und die Suche nach der eigenen Kämpferin in sich.

Am Ende steht kein perfektes Hollywood-Happy-End, sondern die echte, harte Realität: Der Weg zurück ins Leben und die Akzeptanz des eigenen Körpers. Magali zeigt diesen Weg mit allen Höhen und Tiefen – inklusive der Brustrekonstruktion und den bleibenden, sichtbaren Makeln.

Fazit:

"Punk mit Brust" ist ein Meisterwerk, das Mut macht. Es zeigt, dass Akzeptanz nicht bedeutet, sich zu ergeben, sondern Frieden mit den eigenen Narben zu schließen. Eine absolute Leseempfehlung für Betroffene, Angehörige und alle, die eine Graphic Novel suchen, die gleichzeitig das Herz bricht und den Kampfgeist weckt. Laut, wild und lebensbejahend!

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ein funkelndes Winterabenteuer voller Gefühl

Hilda und Hörnchen 2
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Erst kürzlich habe ich den ersten Teil dieser Reihe entdeckt und ich konnte es danach kaum erwarten, auch direkt die Fortsetzung zu erkunden. Im Mittelpunkt steht wieder das zauberhafte Mädchen Hilda, ...

Erst kürzlich habe ich den ersten Teil dieser Reihe entdeckt und ich konnte es danach kaum erwarten, auch direkt die Fortsetzung zu erkunden. Im Mittelpunkt steht wieder das zauberhafte Mädchen Hilda, die uns mitnimmt in eine magische Welt voller unendlicher Möglichkeiten. Begleitet mich also ein weiteres Mal in ein Abenteuer, das nicht nur optisch funkelt, sondern auch mitten ins Herz trifft.

Der Autor und Illustrator:

Luke Pearson ist ein britischer Illustrator und Comiczeichner, dessen kreative Arbeiten bereits von einer Vielzahl renommierter Medien geschätzt wurden. So arbeitete er in der Vergangenheit unter anderem für namhafte Verlage wie Random House, Penguin Books und First Second Books, zeichnete für The New York Times sowie The Guardian und gestaltete Projekte für die Band Weezer. Auch in der Animationswelt hinterließ er seine Handschrift durch Kooperationen mit Disney Television Animation und dem Cartoon Network. Sein Kinderbuch Hilda und der Mitternachtsriese wurde bei den British Comic Awards 2012 als bester Kindercomic ausgezeichnet.

Inhalt:

Hilda wünscht sich vor dem Abschied ihrer wegziehenden Freundin Burku sehnlichst Schnee, um ein letztes Mal gemeinsam spielen zu können. Ihr Haustier Hörnchen nimmt dies wörtlich und weckt den Eismann, den Herrn über Schnee und Eis, allerdings unglücklicherweise viel zu früh. Als der frostige Geselle daraufhin im Sturm auf Hildas Haus zusteuert, ist Hörnchens Schnelligkeit gefragt.

Gedanken zum Kindercomic:

Schon beim ersten Blick auf das Buch fällt die wunderschöne Gestaltung ins Auge. Das Cover ist wieder mit kräftigen Farben versehen und hat dennoch viele helle Töne, die das Winterwetter perfekt unterstreichen. Ein besonderes Highlight sind die schimmernden Elemente: Hildas Haare, ihre Mütze und der Schnee wurden mit feinen Effekten veredelt. Sobald man das Buch bewegt, beginnt das Cover zu schillern und erweckt die Szene regelrecht zum Leben! Auf dem Cover sehen wir auch bereits Hilda und Burku – die beiden Hauptprotagonistinnen – gemeinsam mit Hildas treuem Wegbegleiter Hörnchen.

Die Geschichte berührt ein Thema, das wohl jedes Kind kennt und vor dem sich viele fürchten: das Abschiednehmen. Burku ist nämlich nur noch für ein paar Tage da und es bleibt den beiden Freundinnen nicht mehr viel Zeit zum gemeinsamen Spielen, da sie bald abreisen muss. Deshalb wünscht sich Hilda unbedingt Schnee, um diesen letzten gemeinsamen Tag gebührend zu feiern. Das clevere Hörnchen macht dieses Winterwunder zwar möglich, doch die Dinge laufen nicht ganz wie geplant. Burkus liebevolle Ideen zerstören nämlich Hildas genaue Vorstellung von ihrem letzten gemeinsamen Tag und machen sie traurig. Darüber geraten Burku und Hilda in einen Konflikt, den es nun zu lösen gilt. Als der Tag komplett zu scheitern droht, läuft die Geschichte zur Höchstform auf. Wieder einmal ist Hörnchen der Retter in der Not – und das ausgerechnet, als der Eismann für ordentlich Chaos sorgt!

Die Illustrationen sind auch in diesem Band wieder meisterhaft. Die Bilder sind dynamisch und turbulent gezeichnet und die Emotionen der Charaktere sind in ihren Gesichtern überaus deutlich zu sehen. Dem Illustrator und Autor gelingt es hier auf eine sehr einfühlsame Weise, die schwierige Problematik von Abschieden einzufangen. Gleichzeitig verliert das Buch nie seine Leichtigkeit und bringt ein packendes, neues Abenteuer mit Hörnchen ins Rollen.

Fazit:

"Hilda und Hörnchen – Der Eismann erwacht" ist eine absolut gelungene Fortsetzung, die sowohl das Herz berührt, als auch für reichlich Spannung sorgt. Ich bin begeistert von diesem farbenfrohen, emotionalen Kinderbuch und freue mich schon jetzt auf Band 3, der im Oktober 2026 erscheinen wird!

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