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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Abschied auf Zeit

Etta und Otto und Russell und James
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„Deshalb möchte ich etwas tun und tun und nie mehr aufhören. Wenn wir etwas tun, dann leben wir, und wenn wir leben, dann siegen wir, oder?"

Seit ihrer Jugend verbindet Etta, Otto und Russell eine ganz ...

„Deshalb möchte ich etwas tun und tun und nie mehr aufhören. Wenn wir etwas tun, dann leben wir, und wenn wir leben, dann siegen wir, oder?"

Seit ihrer Jugend verbindet Etta, Otto und Russell eine ganz besondere Freundschaft, die auch jetzt im Seniorenalter fast ungetrübt weiterbesteht. Einst war Etta die gleichaltrige Lehrerin der beiden jungen Männer, die sich aus ganz verschiedenen Gründen in sie verliebt haben. Doch dann kam der Krieg und erstickte jedwede Zuneigung direkt im Keim. Mit Otto verbindet sie fortan eine intensive Brieffreundschaft, die schon bald ihr beider Lichtblick wird und Russell, der auf Grund seiner körperlichen Behinderung ausgemustert wurde, bleibt vor Ort ihr wichtigster Ansprechpartner und Vertrauter.
Doch als der Krieg zu Ende geht, wandelt sich ihre Beziehung, damit sie allen Beteiligten gerecht wird und was als komplizierte Dreiecksbeziehung hätte enden können, findet einen Kompromiss. Nach all den Jahren gehen die drei immer noch einen gemeinsamen Weg, der sie erst im hohen Alter voneinander trennt, denn da beschließt die nunmehr 83-jährige Etta, sich einen Lebenstraum zu erfüllen: einmal das Meer sehen. Und zurück bleiben die zwei Männer, die nun wiederrum ganz unterschiedlich mit dieser Trennung umgehen.

Der Roman von Emma Hooper kombiniert viele interessante Themen miteinander, denen alles eins gemeinsam ist: Wie nehmen Menschen Abschied, welche Pläne schmieden sie und warum und wie trägt uns die Hoffnung durchs Leben, so dass wir ein Wiedersehen feiern, statt eine Entscheidung zu bedauern. So wird der Leser im Laufe der Geschichte zum Beobachter einer lockeren und doch innigen Freundschaft zwischen drei Menschen, die sich gegenseitig Halt geben und einander die Welt bedeuten. Wir finden hier große Gefühle im Briefwechsel, dann wieder in Rückblenden und berührenden Kindheitserinnerungen und schließlich in uneigennützigen Handlungen, die von Liebe geprägt sind.

Dabei bedient sich die Autorin einer kindlichen, teils naiv wirkenden Sprache, die kurze Leseabschnitte mit verschiedenen Zeitebenen verbindet. Daraus entwickelt sich ein einfühlsamer, stiller Roman mit ganz eigenen, durchaus besonderen Hauptprotagonisten, die einerseits sehr bedeutsam für die Geschichte sind aber andererseits nur durch ihre Interaktion miteinander ihre volle Wirkung entfalten.

Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung für diesen sinnerfassenden Roman über Freundschaft, Liebe, einen trennenden Krieg, eine verbindende Nähe und den Mut und die Kraft einen unerwarteten Neubeginn zu wagen, ganz egal wann der Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das Ungleichgewicht der Liebe

Das Leuchten meiner Welt
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„Jeder Brief zeugt von dem Versuch, die Fehltritte des anderen zu übertreffen, solange, bis sich ein Fehltritt nicht mehr rückgängig machen ließ und ihre Trennung schließlich ihr Leben wurde.“

Inhalt

Mit ...

„Jeder Brief zeugt von dem Versuch, die Fehltritte des anderen zu übertreffen, solange, bis sich ein Fehltritt nicht mehr rückgängig machen ließ und ihre Trennung schließlich ihr Leben wurde.“

Inhalt

Mit 15 Jahren entdeckt Irenie die Geheimkiste ihrer Mutter und weiß plötzlich ganz instinktiv, dass sie nicht mehr lebt, denn wenn sie nur verschwunden wäre, wie es ihr Vater behauptet, dann hätte ihre Mutter die Kiste mitgenommen. Der Inhalt der Box führt die Jugendliche hinein in einen intensiven Briefwechsel zwischen ihrer Mutter Yazmeen und deren Jugendliebe Ahmed, die sich über Jahre hingezogen hat und anscheinend doch keine Erfüllung fand. Um endlich Licht in die lückenhafte Vergangenheit zu bringen, beschließt Irenie nach Pakistan zu reisen, um ihre Großmutter und den Rest der Verwandtschaft nach dem geheimnisvollen Paar zu befragen. Doch weit entfernt von zu Hause muss sie erkennen, dass ihre Mutter eine ganz eigene Wahrheit ihrer Welt vertrat und das sowohl Irenie als auch ihr Vater kaum Anteil hatten an den tragischen Ereignissen, die zum Tod von Yazmeen geführt haben.

Meinung

In ihrem Debütroman entführt uns die junge Autorin Sophia Khan in eine bunte, schillernde Welt voller Geheimnisse und zwischenmenschlicher Stolperfallen. Vor dem Hintergrund einer tragischen Familiengeschichte, die die Hauptprotagonistin bereits im zarten Alter von 10 Jahren ereilt, entwirft sie eine emotionale, ebenso dramatische Liebesgeschichte, der Elterngeneration. Dabei geht es ebenso um Fehlentscheidungen, wie um gesellschaftliche Zwänge, um verletzten Stolz und unsinnige Rachegelüste. Oder einfach nur darum, wie traurig das Leben von Liebenden verlaufen kann, wenn sie sich nicht zueinander bekennen und über Jahre hinweg einer Idee nachtrauern, ohne jemals eine ernstgemeinte Veränderung herbeizuführen.

Dabei entsteht ein äußerst vielschichtiger Roman, der zahlreiche kausale Zusammenhänge schafft und dadurch ein realistisches, sehr menschliches Geschehen abbildet. Mittels zweier Erzählperspektiven wird einerseits das Gedankengut der Tochter und anderseits die Gefühlswelt des verwitweten Vaters offenbar, so dass man immer tiefer in die Geschichte eintauchen kann. Allerdings sorgt hier ein willkürlicher Wechsel der Erzähler dafür, dass man eher verwirrt als informiert ist, gerade zu Beginn des Buches empfand ich diese Wechsel etwas holprig und manchmal sogar störend, doch man stellt sich nach einer Weile darauf ein.

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne für einen intensiven, nachdenklich stimmenden Familienroman, der sich mit Liebe und Schuld beschäftigt aber auch mit Unverständnis und Unglück, dessen Grundaussage aber dennoch eine sehr positive ist, denn am Ende des Romans ist man sich sicher, dass es viel wichtiger ist, auf sein Herz zu hören, als auf die Ansprüche anderer. Ein vielschichtiger Roman mit Potential für ansprechende Lesestunden – empfehlenswert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Hardcore-Thriller in bekannter Carter Manier

I Am Death. Der Totmacher (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 7)
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Denn ich bin der Tod … Mit diesen Worten macht ein brutaler Serienmörder in Los Angeles von sich Reden, denn er hinterlässt immer eine Botschaft direkt in unmittelbarer Nähe der Leiche, damit das Ermittlungsteam ...

Denn ich bin der Tod … Mit diesen Worten macht ein brutaler Serienmörder in Los Angeles von sich Reden, denn er hinterlässt immer eine Botschaft direkt in unmittelbarer Nähe der Leiche, damit das Ermittlungsteam um Robert Hunter und Carlos Garcia die richtigen Schlüsse ziehen kann. Doch die gerade begonnene Mordserie in der Stadt der Engel, vollzieht sich nicht nur dramatisch schnell, sondern vor allem vollkommen willkürlich. Denn während eine erste Leiche brutal gefoltert und vergewaltigt wurde, sieht der modus operandi beim zweiten Mord ganz anders aus und auch die Opfer scheinen abgesehen von der Geschlechtszugehörigkeit, keine weitere Gemeinsamkeit oder Schnittstelle aufzuweisen. Hunter tappt im Dunkeln und muss auf glückliche Umstände oder eine spektakuläre Entdeckung hoffen, um seinen 7. Fall erfolgreich zum Abschluss zu bringen.
Nachdem ich im vergangenen Jahr voller Begeisterung meinen ersten Chris Carter Thriller gelesen habe („Die stille Bestie“), musste ich natürlich mit dem aktuellen Roman nahtlos an meine positiven Erfahrungswerte anknüpfen. Auch Robert Hunters 7. Fall offenbart die Grausamkeiten der menschlichen Seele und noch viel Schlimmeres. Denn detailliert beschriebene Mord- und Folterszenen dominieren den Thriller und gehen hart ans Limit des Erträglichen. Definitiv nichts für einen schwachen Magen und zarte Seelen. Stellenweise empfinde ich die hier geschilderte rohe Gewalt etwas übertrieben und könnte gut und gerne mit mehr psychologischen Raffinessen und weniger Blutrausch leben. Hinzu kommt eine gewisse Gewöhnungshaltung, die sich bei Chris Carter bereits nach dem zweiten Band einstellt. Mir kommt sowohl der Handlungsablauf, als auch die Gewaltbereitschaft und der blutige Thrill äußerst bekannt vor und das nur auf Grundlage des Vorgängerromans. So dass ich dazu neige, mit Chris Carter eine ganz eigene, individuell erkennbare Schreibweise zu koppeln, die mich zu der Aussage verleitet: „Kennst du einen Carter, kennst du alle.“
Fazit: Ich vergebe gute 4 Sterne für einen temporeichen, spannenden und grausamen Thriller, der an die Substanz geht und trotz fehlender psychologischer Komponente einen ganz eigenen Stil entwickelt. Engagierte Ermittler, ein sadistischer Täter und bemitleidenswerte Opfer begegnen dem Leser hier auf knapp 400 Seiten und ziehen ihn mit sich fort in einem Strudel aus Voyeurismus und Abscheu. Rein inhaltlich bietet dieser Hardcore-Thriller aber wenig Neues, es sei denn man möchte sich mit phantasievollen Tötungsmöglichkeiten auseinandersetzen. Dem Hype um den gefeierten Bestsellerautor aus Brasilien schließe ich mich deshalb nur bedingt an.





Veröffentlicht am 15.09.2016

Von der Schicksalshaftigkeit einer Kopfbedeckung

Der Hut des Präsidenten
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„Manchmal führt uns das Leben auf neue Wege, man hat eine Abzweigung genommen, ohne es zu merken, der große Navigator des Schicksals ist nicht der vorgesehenen Route gefolgt, und kein Schild hat uns vor ...

„Manchmal führt uns das Leben auf neue Wege, man hat eine Abzweigung genommen, ohne es zu merken, der große Navigator des Schicksals ist nicht der vorgesehenen Route gefolgt, und kein Schild hat uns vor dem Punkt gewarnt, an dem es kein Zurück mehr gibt.“

Inhalt

Als der französische Präsident Francois Mitterrand seinen geliebten schwarzen Hut in einer Brasserie vergisst, nimmt das Leben von Daniel Mercier eine ungeahnte Wendung. Denn trotz einigen Bedenken nimmt er das gute Stück mit und trägt es fortan voller Stolz, in dem Wissen eine derart bedeutungsvolle Kopfbedeckung zu besitzen. Und wie von Zauberhand bringt der Hut dem neuen Träger tatsächlich Glück, bis er ihn eines Tages im Zug liegen lässt und eine junge Frau, den herrenlosen Hut an sich nimmt. Auch Fanny schafft es mit Hilfe des Hutes, ihrem verheirateten Liebhaber den Laufpass zu geben und eine neue, ehrliche Beziehung anzufangen. Und sie setzt den Hut voller Überzeugung auf einer Parkbank aus, damit er einem anderen ebenfalls Glück beschert. Und so zieht sich die Erfolgsgeschichte des verlorenen Hutes durch alle Schichten, bis Daniel Mercier nach monatelanger Recherche sein Fundstück zurückerobert.

Meinung

Dieser typisch französische Roman besticht mit Leichtigkeit und einer charmanten, unkomplizierten Story, die dem Leser immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Im Mittelpunkt steht hier zur Abwechslung mal nicht eine Person, sondern ein besonders liebevoll gewählter Gebrauchsgegenstand, der so individuell wie anpassungsfähig ist und die jeweilige Lebensgeschichte des aktuellen Trägers auf famose Art und Weise beeinflusst. Mit einem Augenzwinkern gelingt es dem Autor, seine Leser auf eine abenteuerliche Reise quer durch Paris mitzunehmen, die das Augenmerk auf besondere Zufälle, glückliche Umstände und magische Momente legt. Insbesondere die versteckte Botschaft, die ganz eindeutig für ein selbstbestimmtes Leben plädiert, welches man am besten mit einem gut gepolsterten Selbstbewusstsein erreicht, durchdringt den Roman von der ersten bis zur letzten Seite und macht ihn so positiv und ansprechend.

Fazit

Ich vergebe 4 Sterne für dieses locker-leichte, französische Lesevergnügen und eine Leseempfehlung für alle, die gerne von einem glücklichen, schicksalhaften Leben träumen, in dem Dinge möglich werden, die man vorher nicht für möglich hielt. Die Aussage des Buches stimmt froh und macht Mut und hält dazu an, immer die Augen offen zu halten für die kleinen, unscheinbaren Abzweigungen im täglichen Alltagstrott, die vielleicht eines Tages die große Wende bringen. Ein Roman fürs Herz und die schönen Dinge des Lebens.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Geniestreich eines unwilligen Schriftstellers

Mr Gwyn
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„Eines Tages habe ich erkannt, dass mir nichts mehr wichtig war und dass mich alles tödlich beleidigte.“
Jasper Gwyn, ein recht bekannter Autor, befindet sich an einem Wendepunkt seines Lebens und beschließt ...

„Eines Tages habe ich erkannt, dass mir nichts mehr wichtig war und dass mich alles tödlich beleidigte.“
Jasper Gwyn, ein recht bekannter Autor, befindet sich an einem Wendepunkt seines Lebens und beschließt fortan kein Schriftsteller mehr zu sein. Ganz zum Ärgernis seines Agenten, zieht er sich vollkommen aus der Welt der Literatur zurück, um ein äußerst ungewöhnliches Projekt zu starten. In nächster Zeit wird er sich ein Atelier einrichten und dort in ansprechendem Ambiente Portraits anfertigen. Doch seine Modelle werden nicht gemalt, sondern beschrieben, denn Jasper kann sich trotz anfänglichem Widerwillen der Schönheit der Worte und dem Schreiben an sich nicht entziehen. Sein erstes Modell ist eine oberflächliche Bekanntschaft aus seiner bisherigen Agentur und die Aktstudie gelingt beiderseits zur vollsten Zufriedenheit. So scheint es fast, das Mr. Gwyn eine neue, sinnbringende Berufung gefunden hat, indem er andere Menschen mittels Sprache studiert. Doch bei seinem 11. Portrait begeht er einen folgeschweren Fehler, der Jasper zwingt seine Arbeit aufzugeben und fortan in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Alessandro Baricco besticht in diesem äußerst ungewöhnlichen, kreativen Roman mit einer bezaubernden, humorvollen und gleichsam tragenden Sprache und einer fiktiven, spannenden Geschichte. Geprägt von Stille und Intensität entwickelt der Leser ein Gespür für die Handlung und den eher verschrobenen, kauzigen Charakter des Hauptprotagonisten. Auf geheimnisvolle Art und Weise wird man in den Strudel der Ereignisse hineingezogen und möchte ähnlich wie der enttäuschte, ehemalige Agent des Schriftstellers wissen, was Jasper Gwyn denn nun tatsächlich in seinen geschriebenen Portraits festhält. Die Kraft der Literatur treibt die Handlung vorwärts und steuert systematisch auf einen Höhepunkt zu. Doch bevor man diesen erreicht, fällt das Kartenhaus in sich zusammen und hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack. Denn Mr. Gwyn verschwindet auf unerhörte Art und Weise aus dem Roman und nur sein erstes Modell entdeckt eine Möglichkeit, ihm auf die Spur zu kommen.
So greift der Autor in einer zweiten, kleineren Erzählung mit dem Namen „Dreimal im Morgengrauen“ eine weitere, recht unlogische Kurzgeschichtensammlung auf und nutzt dieses Stilelement, um dem Leser eine Antwort darauf zu geben, was denn nun wirklich geschah und wer sich hinter dem Namen Jasper Gwyn tatsächlich verbirgt. Doch dieses Selbstportrait des gefeierten Autors lässt mich unbefriedigt zurück und erzeugt bei mir die Wirkung, dass ich weder den Protagonisten noch die Aussage des Buches so recht verstanden haben.
Fazit: Ich vergebe 4 Sterne für diesen ungewöhnlich, künstlerischen Roman der mit zahlreichen Stilelementen und treffenden Worten jongliert, der weise Sätze aufstellt und den Leser zum Schmunzeln bringt. Eine harmonische Ausgewogenheit durchzieht die gesamte Erzählung und Begriffe wie Identität, Selbstzweck und Lebensaufgabe bekommen einen glänzenden, bedeutenden Schein. Doch das Resümee, welches ich ziehe entzieht sich einer tatsächlichen Grundlage und bleibt sehr undeutlich, fast schwammig. Ich persönlich mag es gerne etwas realistischer und weniger abstrakt.