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Veröffentlicht am 02.04.2018

Eine besondere Geschichte mit vielschichtigem Tiefgang

Die Insel der Zitronenblüten
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"Die Insel der Zitronenblüten" ist ein ganz wunderbarer Roman, bei dem man hofft, das er nicht enden möge. Wir begleiten zwei Schwestern, die so völlig verschieden sind. Was steckt hinter dem Geheimnis ...

"Die Insel der Zitronenblüten" ist ein ganz wunderbarer Roman, bei dem man hofft, das er nicht enden möge. Wir begleiten zwei Schwestern, die so völlig verschieden sind. Was steckt hinter dem Geheimnis der Bäckerei? Wer war die Verstorbene?

Dieser Roman spielt im Hauptteil auf Mallorca, wir lernen jedoch Marina bei ihrem Einsatz für Ärzte ohne Grenzen in Äthiopien kennen. Betroffen liest man über ihren Kampf gegen Krankheiten, über Armut und die schwierige medizinische Versorgung in diesem Land. Marina begleitet eine Geburt, bei der die junge Mutter kurz nach der Entbindung verstirbt. Das Baby überlebt und Marina schliesst das kleine Wesen sofort in ihr Herz, übergibt sie an ein Waisenhaus und hofft auf eine erfolgreiche Adoptionsvermittlung.

Als sie die Nachricht des Erbes auf Mallorca erhält, fliegt sie in ihre Heimat. Ihr Freund Mathias bleibt als Helfer in Afrika zurück.

Gerade die Einblicke von Marinas und Mathias beruflichem Einsatz im Kampf gegen Seuchen und Krankheiten bei den Ärmsten der Armen haben mich sehr beeindruckt. Man merkt ihnen ihr enormes Engagement und ihr Herzblut für ihre Arbeit an und das macht sie sofort sympathisch. Ich war ergriffen von der geschilderten Geburt, aber auch dem verzweifelten Kampf gegen Ebola. Solche Schilderungen allein machen ein Buch unvergesslich.


Doch auch die anderen Charaktere und die Szenen auf Mallorca sorgen für unterhaltsame Lesezeit und nehmen den Leser mit zu den schönen Plätzen der Insel, aber auch in die Backstube, nebst einigen mallorquinischen Rezepten für Brot und Zitronenkuchen. Gemeinsam mit Marina erlebt man diese schönen Eindrücke und erkennt, wie sehr sie ihre Heimat vermisst hat. Allmählich kommt sie auch ihrer älteren Schwester Anna und Nichte Anita näher, während Schwager Armando ein fieser raffgieriger Charakter ist, den man von Anfang an nicht leiden kann. Entgegen Marinas eigenständiger Art ist Anna eher eine devote Frau, sie lässt sich von ihrem Mann bevormunden, nimmt seinetwegen eine Brusvergrößerung vor und ersetzt wahre Gefühle durch ein Leben in Luxus.


Anita ist ein junges Mädchen mit einer burschikosen, kräftigen Figur und wenig Selbstbewusstsein. Anna schickt Anita ohne deren Interesse zum Ballett. Das passt überhaupt nicht zu Anita und es wird sie auch nicht zu einem zarten Schwan werden lassen. Marina wendet sich dem Mädchen aufmerksam zu und geht auf ihre Gefühle und persönlichen Wünsche ein. Ein wichtiger Schritt für Marinas Entwicklung.

Das sorgsam gehütete Geheimnis um die Besitzerin der Bäckerei wird zu einem Hauptpfeiler des Buches, doch erst die kleinen Nebengeschichten geben dem Ganzen die entscheidenden Informationen und die entscheidende Würze für den Romanverlauf.


Auch wenn man zwischendurch glaubt, den roten Faden verloren zu haben, liest sich das Buch ganz wunderbar. Die Themenvielfalt ist eventuell etwas zu hoch angesetzt, bei einem Debüt entschuldige ich das aber gern.

Die Autorin bringt vielschichtige Themen in die Handlung ein und ihre Charaktere sind fesselnde Figuren mit besonderen Lebenswegen und auch die atmosphärischen Schauplätze bauen sich stimmig in die Handlung ein.


Mir hat nur die Idee mit Ursula und ihrem Roman nicht gefallen, es war im Grunde unwichtig, hier noch eine Geschichte aufzumachen.



Eine besondere Geschichte mit vielschichtigem Tiefgang, interessanten Charakteren und tollen Schauplätzen, die man sich gut vorstellen kann und die noch nachhallt.

Veröffentlicht am 30.03.2018

Es geht spannend sehr aktuell weiter

Mord auf der Hallig
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Kuno Knudsen und Arne Zander wollen ein paar Tage ausspannen und fahren auf die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer. Doch aus der geplanten Erholung wird nichts, denn eine Sturmflut überschwemmt ...

Kuno Knudsen und Arne Zander wollen ein paar Tage ausspannen und fahren auf die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer. Doch aus der geplanten Erholung wird nichts, denn eine Sturmflut überschwemmt die Halligen und man findet am Morgen danach eine Frauenleiche. Ist sie ein Opfer der Flut oder steckt ein skrupelloser Mörder dahinter? Kuno und Arne beginnen zu ermitteln und stossen auf einen ungelösten alten Fall, bei dem es um das rätselhafte Verschwinden einer Dänin geht. Gibt es hier eine Verbindung zu dem aktuellen Geschehen?


Von Ulrike Busch habe ich bereits viele Krimis gelesen, die Wattenmeer-Reihe vollständig. Da durfte der vierte Band dieser Reihe natürlich nicht fehlen. Und wieder hat die Autorin es geschafft, mich mit ihrem Buch zu begeistern. Man kann diesen Band übrigens auch ohne Vorkenntnisse der bisherigen Bücher lesen.

Bei diesem Fall für Kuno und Arne bringt Ulrike Busch eine aktuelle Thematik mit in ihre Handlung ein. Es geht um die Überflutung von Küstengebieten durch den ansteigenden Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels.
Davon sind über kurz oder lang alle Inseln und auch die Halligen in der Nordsee mit ihren Warften betroffen.

Wie es bei Sturm auf diesen Warften aussieht kann man sich kaum vorstellen, es gehört schon viel Durchhaltevermögen der Bewohner dazu, hier auszuharren und den Kampf gegen die Wetterbedingungen aufzunehmen. Im Buch bekommt man einen vagen Eindruck von der Härte der Naturgewalten und dem Leben auf einer Hallig. Zusammengehörigkeit wird hier groß geschrieben, aber auch hier gibt es Menschen, die nur ihre eigenen Vorteile im Kopf haben.

Der Krimi hat mich mal wieder mitgerissen und ich habe gespannt gelesen. Der Plot ist geschickt aufgebaut, die Ermittler sind ein eingespieltes Team und auch ein ganz besonderer Reporter hat es aufgrund von Informationen auf die Insel geschafft. Ein paar raffiniert eingebaute Wendungen sorgen für Überraschungen beim Lesen und man kann mehrere Personen als Täter verdächtigen.


Mit reichlich Spannung, nordfriesischen Charakteren und viel Hintergrundinformationen über das Leben auf einer Hallig kann man diesen Krimi nur genießen. Es ist ein weiterer gelungener Band der Reihe, den ich gerne weiter empfehle.

Veröffentlicht am 23.03.2018

Ein unterhaltsamer Wohlfühlroman über Neuanfänge, Glück und neue Wege

Mitte 40, fertig, los
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Auf diesen Roman habe ich mich sehr gefreut, war doch das erste Buch der Autorin ein humorvolles Lesevergnügen.
Franka Bloom hat sich mit diesem Buch noch gesteigert, es gefällt mir ausgesprochen gut und ...

Auf diesen Roman habe ich mich sehr gefreut, war doch das erste Buch der Autorin ein humorvolles Lesevergnügen.
Franka Bloom hat sich mit diesem Buch noch gesteigert, es gefällt mir ausgesprochen gut und ich kann kaum aufhören zu lesen. Witzig ist, wie die Rollenverteilung Mutter-Tochter getauscht werden.

Rieke wurde von ihrem Mann betrogen, ihr Haus soll verkauft werden und so zieht sie kurzerhand bei ihrer gerade verwitweten Mutter ein, um sie ein wenig aufzuheitern. Doch es kommt ganz anders.

Es ist schon merkwürdig, wenn man als gestandene Frau wieder aufgefordert wird, sein Zimmer aufzuräumen und das Bett zu machen. Rieke fügt sich, und als ihre Mutter auf einmal neu durchstartet und ihr eigenes Leben lebt, scheint es so, als ob Rieke ihre Rolle als Kind gegen die Mutterrolle austauscht. Ihr Sohn Flo lebt beim Vater, doch auch dort läuft nicht alles glatt.

Diese Geschichte liest sich wunderbar unterhaltsam, es ist fast wie ein Blick zurück in die eigene Jugend. Der Neuanfang bei Mama im Kinderzimmer ist nicht gerade lustig, aber Rieke kommt damit ihrer Mutter wieder näher und erkennt, dass auch ältere Menschen ein Anrecht auf Glück und Geselligkeit haben. Auch mit ihrem Sohn erlebt sie so manche Aufregung, die sie dank dem Einzelgänger Schmiddi wieder ins rechte Lot rücken kann. Überhaupt ist Schmiddi trotz seines altmodischen Aussehens eigentlich ein hilfsbereiter Freund, aber da sind auch noch die anderen Kumpel von früher, für die Rieke früher geschwärmt hat.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, flott und locker und liest sich so weg. Die nachfühlbaren Gefühle der Protagonistin und ihre überraschenden Erlebnisse sorgen für beste Lesestimmung und machen neugierig auf den Ausgang der Geschichte. Dieser hat mich zwar nicht überrascht, aber doch erfreut.


Dieser Roman soll Frauen in erster Linie gut unterhalten, er soll ihnen aber auch Mut zusprechen, in Krisensituationen nicht zu verzagen, sondern auf das Glück zu hoffen und es gegebenenfalls auch zu ergreifen.

Veröffentlicht am 20.03.2018

Humor, Wortwitz und herrlich durchgeknallte Figuren bringen einfach Spaß.

Eiskalter Hund
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Fellinger ist eine echte Type, er wäre lieber Polizist geworden, als Lebensmittelkontrolleur geht er aber auch wichtigen Dingen auf die Spur und das mit reichlich Sarkasmus und Humor. Ein anonymer Anrufer ...

Fellinger ist eine echte Type, er wäre lieber Polizist geworden, als Lebensmittelkontrolleur geht er aber auch wichtigen Dingen auf die Spur und das mit reichlich Sarkasmus und Humor. Ein anonymer Anrufer bringt Fellinger zur Kontrolle des ortsansässigen Chinesischen Restaurants, dort wird eine übel aussehende schwarze Soße serviert und im Kühlraum hängt ein toter Hund, angeblich für den Besuch aus China. Er findet heraus, dass die Halterin des Hundes vermisst wird.
Fellingers Ermittlungsneugier ist geweckt, er geht der Sache nach.


"...dass hier in der Gegend immer ein leichter Hauch von Jauche in der Luft hängt. ...Mit geschlossenen Augen sauge ich die niederbayrische Frische in mich hinein. Es ist nicht der Lavendelduft der Provence..., aber es ist Heimat..."Zitat Seite 137

Berti Fellinger ist schon ein ganz besonderer Charakter, ein Grantler wie er im Buche steht. Sein kaputtes Knie verhinderte seine Karriere als Polizist, nun jagt er als Hygieneinspektor die Bakterien und Keime in Restaurants. Dabei spürt er es zwischen den Schultern, wenn ein Verbrechen in der Luft liegt. Fellinger bezeichnet sich selbst als tolerant gegenüber anderen Volksgruppen und liefert andauernd Gegenbeispiele,so hat er ein besonderes Auge auf Chinesen, Russen und Tschechen und mit Preußen kann er auch nicht viel anfangen. Sein Verhalten und seine Ansichten sind so überzeichnet und offensichtlich anders, dass es für den Leser eine wahre Freude ist. Aber Fellinger erkennt auch Fehler im Verhalten seiner eigenen Landsleute, die er ihnen aber gerne verzeiht.

"Dieser Vorfall zeigt, dass der Niederbayer aufgrund seiner infantilen Reaktion auf vermeintliche Nichtigkeiten durchaus noch zu den Naturvölkern gezählt werden darf." Zitat S. 195

Auch wenn man hier nicht unbedingt eine hochspannende Krimihandlung erleben kann, kommt dafür der Spaßfaktor voll zum Zuge. Es ist sehr lebendig zu beobachten, wie Fellinger hier den Ermittler spielt und dabei auch einiges einstecken muss. Mit reichlich Lokalkolorit und einigen Brocken Dialekt kommt man dem Bayrischen Wald näher, Verständnisprobleme muss man nicht befürchten, ein kleines Glossar gibt Übersetzungshilfe am Ende des Buches.


Neben Fellinger gefallen mir auch die anderen teilweise recht schrägen Figuren im Buch sehr gut. Zum Beispiel Max Aschenbrenner, auch besser bekannt als Texmäx, weil er vor Jahren im Rausch ein Kettensägenmassaker angerichtet hat. Oder der Chinese Luang, für den das "R" unaussprechlich ist und deshalb häufig Wörter mit "L" benutzt. Man findet hier immer wieder Charaktere, die für jede Menge Unterhaltung sorgen und kann gespannt mitraten, wer wohl hinter allem steckt.

Der Schreibstil von Oliver Kern sorgt für ein flüssiges Dahingleiten durch das Buch, die kurzen Kapitel mit treffenden Überschriften sorgen für zusätzlichen Lesesog.
Kern trifft mit seinen Beschreibungen die menschlichen Besonderheiten zwar etwas überspitzt, aber herrlich humorig. Wie er seinen Fellinger arbeiten, ermitteln und leben lässt, ist einfach eine Freude.


"Eiskalter Hund" konnte mich wunderbar unterhalten und ich freue mich auf weitere Fälle mit Fellinger. Er könnte ein entfernter Verwandter vom Eberhofer Franz sein, das müsste man mal recherchieren! Humor, Wortwitz und herrlich durchgeknallte Figuren bringen einfach Spaß.

Veröffentlicht am 13.03.2018

Einfach wunderbar geschrieben

Tulpengold
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1636 Amsterdam: Der Maler Rembrandt van Rijn nimmt den 17-jährigen Pieter gegen gute Bezahlung als neuen Malerlehrling an. Pieter ist ein Sonderling, der kauzig redet, blitzgescheit ist und neben der Malerei ...

1636 Amsterdam: Der Maler Rembrandt van Rijn nimmt den 17-jährigen Pieter gegen gute Bezahlung als neuen Malerlehrling an. Pieter ist ein Sonderling, der kauzig redet, blitzgescheit ist und neben der Malerei auch noch ein Talent für Mathematik hat. Auf dem Weg zu seiner neuen Stelle findet er einen toten Tulpenhändler, scheinbar ist er entweder erstickt an einer Makrele oder aber vergiftet. Während der Lehrzeit gibt es weitere ermordete Tulpenhändler, alle hatten den Wunsch, sich von Rembrandt portraitieren zu lassen. Doch warum sollte Rembrandt potentielle Kunden ermorden?

In Amsterdam blühte zu dieser Zeit der Tulpenhandel, Tulpen wurden als wertvolle Währung angesehen und jeder investierte was er erübrigen konnte in die Zwiebeln und es entwickelte sich eine gewaltige Spekulationsblase, die sich auf Dauer nicht halten konnte.


Im Roman begleitet man den jungen Pieter, einen kauzigen, aber hochintelligenten Jungen, der aus heutiger Sicht wohl Asperger-Syndrom hat. Seine mathematische Auffassungsgabe ist enorm, sein Talent auch aus Sicht von seinem Meister Rembrandt van Rijn grandios und er hat es sich in den Kopf gesetzt, die Morde unter den Tulpenhändlern aufzuklären.
Man hat Pieter richtig gern, folgt ihm durch das Amsterdam des Mittelalters und gewinnt interessante Einblicke in die Malerei und den Tulpenhandel dieser Zeit.

Eva Völler hat einen wunderbaren Schreibstil, der einerseits bildhaft beschreibt, aber auch lehrreich erklärt wie der spekulative Tulpenboom funktionierte. Aber auch die kriminalistische Handlung ist logisch aufgebaut, fesselt und erstaunt am Ende mit der Aufklärung des Täters. Nebenbei bekommt der Leser einen Blick von der etwas schwierigen Person des Rembrandt van Rijn und kann interessante Dinge über die Malerei der flämischen Kunst erfahren. Es geht um die spezielle Farbgebung, Komposition und die zu der Zeit übliche Portraitmalerei. Wer sich für Kunst interessiert, sollte sich diesen Roman näher ansehen.

Auch wenn Pieter etwas schwierig wirkt, so bringt seine nüchterne und sehr direkte Sichtweise auf manche Dinge eine besondere Art von Humor mit sich. Er wirkt in seinem Verhalten durchgängig glaubhaft, es ist nicht einfach, solch einen Charakter immer stimmig darzustellen, Eva Völler ist das gelungen.

Die anderen Figuren erscheinen ebenfalls absolut authentisch, sie sind vielseitig gezeichnet. Ob reicher alter Händler und dessen junge geltungssüchtige Ehefrau, resolute Schankwirtin, hart arbeitende Köchin oder Saskia van Rijn, man glaubt, genau so müssten die Menschen damals gewesen sein. Sie sind voller Leben und sind Charaktere ihrer Zeit.

Insgesamt gesehen wirkt der Roman sehr ausgewogen, weder sticht die Krimiermittlung hervor, noch langweilen überlange Handlungs-Sequenzen.
Mich hat der Roman sehr beeindruckt und ich wurde von Anfang bis Ende vom Buch gefesselt.


Für Kunstinteressierte und Liebhaber von historischen Romanen ist dieser Roman ein Muss, aber auch genrefremde Leser werden hier ihre Freude am Buch haben.
Von mir eine volle Leseempfehlung!