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Veröffentlicht am 15.04.2018

Fantasy-James-Bond-Tier-Spionage-Agenten-Abenteuerroman

Kamikatze
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Das Buch so komplett anders, als ich erwartet habe. Gut, im Klappentext steht „James Bond kann einpacken. Die iCats decken auf.“ Aber ich wäre doch nie auf die Idee gekommen, dass das wörtlich gemeint ...

Das Buch so komplett anders, als ich erwartet habe. Gut, im Klappentext steht „James Bond kann einpacken. Die iCats decken auf.“ Aber ich wäre doch nie auf die Idee gekommen, dass das wörtlich gemeint ist!

Indy, Top-Agentin beim KGB (KatzenGeheimBund), wird auf einer Mission mitten in Berlin von Ratten entführt. Ihr Bruder Ian, eigentlich ein ängstlicher Wohnungskater, will sie unbedingt retten, traut sich aber allein nicht und bittet den IT-Spezialisten Maxim, einen Norwegerkater, um Hilfe. Auch der BND (Bund neugieriger Dobermänner) sucht Indy und schickt den Luftaufklärer Kilo Foxtrott (einen Spatzen) und den Undercoveragenten Honeyball (einen Papillon-Hund) los. Die beiden Suchtrupps begegnen sich in Berlins Unterwelt und werden bald durch den Guerilla-Regenwurm 3.1 und die Sprengstoffexperten-Ratte Xplode ergänzt. Man verbündet sich unter dem Motto: „Für Indy. Für die Freundschaft. Für das Gute.“ (S. 52)

Ihr merkt schon, das Ganze ist ziemlich abgedreht. Zum einen werden den Tieren ihre spezifischen Eigenschaften gelassen, aber auf der anderen Seite stellen sie James Bond echt in der Schatten. Zusammen geht es gegen das Böse, den König der Unterwelt – Prof. Sumo – einen fetten Maulwurf. Dieser hat seine Pfoten anscheinend in jedem Bauprojekt der Republik, das gerade schief geht. Sei es der BER oder der Stuttgarter HBHF, Sumo hängt da irgendwie drin. Wie genau, das sollte Indy beweisen, aber mehr als eine kryptische Nachricht an Ian konnte sie den iCats nicht hinterlassen.

Ich habe ja schon einige Tierkrimis gelesen, bin mir aber ehrlich gesagt nicht sicher, ob das Buch wirklich unter der Bezeichnung Krimi laufen sollte. Ok, es geht darum, Indy zu finden und Sumos Machenschaften aufzudecken, aber eigentlich ist die Handlung eine Abwechslung verrückter Jagdszenen durch Berlins Katakomben und brutaler Kämpfe gegen verschiedene Bösewichte. Dabei kommen Waffen und Techniken zum Einsatz, die jeden menschlichen Geheimagenten blass aussehen lassen.
Versteht mich nicht falsch, die Handlung ist sehr kurzweilig und oft auch witzig, mit sehr anspruchsvollen Hintergründen wie Drogenmissbrauch und Tierversuchen, aber eben kein Tierkrimi im herkömmlichen Sinne. Ich würde es als Fantasy-James-Bond-Tier-Spionage-Agenten-Abenteuerroman bezeichnen .

Wer einen Katzenkrimi sucht, der eigentlich ein sehr originelles Actionspektakel ist, dem lege ich „KamiKatze“ sehr ans Herz. Das Buch wird nie langweilig und ist mal was ganz anderes.

Veröffentlicht am 05.04.2018

Warum musste Sisi sterben?

Sisis letzte Reise
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Wer kennt die Sisi-Filme nicht?! In ihnen ist die Kaiserin jung, in ihren Franz verliebt und ficht so manchen Kampf mit ihrer herrischen Schwiegermutter aus. Aber wie war Sisis Leben wirklich und vor allem, ...

Wer kennt die Sisi-Filme nicht?! In ihnen ist die Kaiserin jung, in ihren Franz verliebt und ficht so manchen Kampf mit ihrer herrischen Schwiegermutter aus. Aber wie war Sisis Leben wirklich und vor allem, wie ging es zu Ende? Ich muss gestehen, dass ich darüber bisher so gut wie gar nichts wusste.

Uwe Klausner hat diese Wissenslücke mit seinem historischen Krimi nun beseitigt. Aus der Sicht verschiedener realer und fiktiver Persönlichkeiten beleuchtet er „Sisis letzte Reise“ und geht dabei auch auf die verschiedenen Verschwörungstheorien rund um ihren Tod ein. Ach ja, falls ihr es auch noch nicht wusstet, Sisi wurde in Genf von dem italienischen Hilfsarbeiter Luigi Lucheni erstochen, welcher damit ein Zeichen gegen die Adeligen setzen wollte und sich Jahre später in seiner Zelle erhängte (sein Selbstmord ist auch umstritten).

Der Autor lässt u.a. Luigi Lucheni, den Attentäter, mit seinem Gnadengesuch zu Wort kommen und Sisis ehemalige Hofdame, die in Briefen von Sisis letzten Stunden berichten. Aber auch einen Fotografen (Cesare Monteverdi), der sie ablichten soll und dessen Freund (Auguste Beaulieu) – einen Lebemann, Pianisten und Privatdetektiv – der zufällig vor Ort ist.
Er zeichnet das Bild einer sehr umstrittenen Persönlichkeit. Angeblich sah Sisi ihren Tod voraus „Elisabeth ... war eine Frau, die des Lebens überdrüssig geworden war. Eine Frau, die den Tod förmlich herbeisehnte.“ (S. 128). Sie litt an Depressionen (wegen dem frühen Tod von zweien ihrer Kinder), Rheuma, Hungerödemen und spritze sich Kokain. Sisi hielt nichts von der Ehe im Allgemeinen und ihrer mit Franz im Besonderen: „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ (S. 33), darum war sie fast das ganze Jahr auf Reisen.

Eigentlich ist die Kaiserin am 10.09.1898 inkognito in Genf, aber natürlich ist ihr Besuch an die Presse durchgesickert.
Cesare wird von seinem Chef damit beauftragt, ein Foto von ihr zu schießen und drückt ausgerechnet in dem Moment auf den Auslöser, als Lucheni zusticht. Als er die Fotos später entwickelt, entdeckt er etwas Ungeheuerliches.
Auch sein Freund Auguste ist vor Ort und beobachtet die Tat. Er verfolgt Lucheni, der nicht mal wegrennt, und kann ihn mühelos festhalten, bis die Polizei kommt – Lucheni wehrt sich nicht. Das alles zusammengenommen kommt den beiden Freunden sehr mysteriös vor und sie ermitteln auf eigene Faust – und bringen sich dabei in ernsthafte Gefahr!

Trotz des der Handlung angepassten altmodischen, manchmal etwas sperrigen Stils lässt sich das Buch erstaunlich flüssig lesen. Durch die verschieden sich abwechselnden Perspektiven auf das Geschehen ist die Handlung sehr kurzweilig und spannend. Uwe Klausners Interpretation der Hintergründe und Hintermänner der Tat haben mich fasziniert.

Ergänzt wird das Buch durch eine Tatortskizze und das historische / fiktionale Personenregister.

Veröffentlicht am 04.07.2026

Wenn ein Traum Wurzeln schlägt

Der vergessene Wald
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„Es ist … ein ambitioniertes Projekt.“ (S. 12) – das ist noch einer der freundlicheren Kommentare, die Saskia von Bauunternehmern zu hören bekommt, wenn sie die Ruine von Schloss Gair besichtigen. Vor ...

„Es ist … ein ambitioniertes Projekt.“ (S. 12) – das ist noch einer der freundlicheren Kommentare, die Saskia von Bauunternehmern zu hören bekommt, wenn sie die Ruine von Schloss Gair besichtigen. Vor allem die alte Eiche mitten im Schlosshof sehen, die unbedingt erhalten werden soll, sorgt für skeptische Blicke und Ablehnung.

Mit ihrem neuestem Roman entführt Sharon Gosling ihre LeserInnen ins Grenzgebiet zwischen England und Schottland zu einer romantisch verfallenen Schlossruine, eingebettet in einem verwunschen wirkenden Wald.

Saskia kennt diesen Ort seit ihrer Kindheit. Es war der Lieblingsplatz ihres Vaters, eines Architekten, der stets davon träumte, das Schloss wiederaufzubauen, ohne die alte Eiche fällen zu müssen. Gemeinsam suchten sie jahrelang nach einer Lösung. Nun möchte Saskia diesen Traum endlich mit ihrem hart erkämpften Erbe verwirklichen.
Doch die abgelegene Lage und der zu schützende Baum schrecken nahezu alle Baufirmen ab. Auch Owen, der letzte Bauunternehmer auf ihrer Liste, sagt erst zu, nachdem Saskia ihm einen ordentlichen Vorschuss anbietet. Für ihn ist nicht nur das Bauprojekt eine Herausforderung, sondern auch seine Auftraggeberin. Dass sie in einem Tiny House direkt neben der Ruine wohnt, hält er zunächst für einen Spleen und vermutet, sie wolle ihn ständig kontrollieren. Er findet Saskia überheblich und ihre Vorstellungen kaum umsetzbar – doch letztlich ist es ihr Geld, das sie investiert. Außerdem braucht er den Auftrag dringend, um nach dem Scheitern seiner Ehe finanziell über die Runden zu kommen und weiterhin Zeit mit seiner Tochter verbringen zu können.

Als wären die Spannungen zwischen den beiden noch schon genug, sorgen protestierende Anwohner und Umweltschützer zusätzlich für Schwierigkeiten. Auch Archäologen und eine historische Gesellschaft versuchen, einen Baustopp zu erwirken. Der gemeinsame Kampf gegen diese scheinbar übermächtigen Widerstände schweißt Saskia und Owen schließlich zusammen. Doch wird ihr Traum am Ende Wirklichkeit?

„Der vergessene Wald“ ist eine schöne Geschichte über (Wahl-)Heimat, das bewusste Leben im Einklang mit der Natur, sowie den Spannungsbogen zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und persönlichen Träumen. Besonders gefallen hat mir das Geheimnis der alten Höhlen, das der Handlung eine zusätzliche mystische Note verleiht.
Lediglich die ausführlichen Schilderungen der Bauarbeiten haben meinen Lesefluss gelegentlich gebremst. Ich habe selbst zehn Jahre in einer Baufirma gearbeitet und kann bestätigen, dass die geschilderten Probleme durchaus realistisch sind. Für meinen Geschmack wirkten diese Passagen jedoch stellenweise etwas zu technisch und erinnerten eher an ein Sachbuch als an einen Roman.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Der zweite Zwilling

Tage des Wandels
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„Ich habe das Gefühl, keine Platz mehr im Haus zu haben. Ich bin … wie ein Gast, der nicht mehr willkommen ist.“ (S. 128)
1585 werden auf dem Kalmule-Hof die Zwillinge Adam und Eva geboren. Aufgrund seines ...

„Ich habe das Gefühl, keine Platz mehr im Haus zu haben. Ich bin … wie ein Gast, der nicht mehr willkommen ist.“ (S. 128)
1585 werden auf dem Kalmule-Hof die Zwillinge Adam und Eva geboren. Aufgrund seines Geburtsrechts ist Adam, obwohl der zweitgeborene Zwilling, ein freier Mensch und nicht erbberechtigt. Eva dagegen ist – wie ihre Eltern – eigenbehörig. Da mit dem ältesten Bruder Anton bereits ein Hoferbe vorhanden ist, scheint das zunächst keine Rolle zu spielen. Doch als der Achtzigjährige Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden auch das Münsterland erreicht und Opfer fordert, wird Eva plötzlich zur Hoferbin. Um Adam dennoch die Übernahme des Hofes zu ermöglichen, tauscht sie mit ihm ihren Status und ihr Geburtsrecht. Allerdings gelingt es Adam zunächst nicht, sich gegen die übrigen Hofbewohner durchzusetzen oder für Eva einzustehen. Deshalb vermittelt ihre Patin sie als Haushälterin an eine kleine Pfarrei.

„Tage des Wandels“ ist der zweite Band von Ulrike Renks Reihe und setzt mehr als 30 Jahre nach dem ersten Teil ein. Die Bewohner des Hofes kämpfen inzwischen nicht mehr nur gegen Missernten und Naturgewalten, sondern auch gegen marodierende Söldner aus Spanien und den Niederlanden, die den Achtzigjährigen Krieg bis ins Münsterland tragen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Eva, die sich nie ein anderes Leben als das im Kreis ihrer Familie vorstellen konnte. Dennoch verzichtet sie auf ihr Erbe und verlässt den Hof. In der Pfarrei erlebt sie, wie die Religion zunehmend an Bedeutung gewinnt und sich das kirchliche Leben verändert. Viele Geistliche leben zwar weiterhin offen mit Frauen und Kindern zusammen, doch im Laufe des Krieges werden die Regeln der Kirche immer strenger durchgesetzt. Das Zölibat soll um jeden Preis eingehalten werden, ebenso die Rückkehr zu lateinischen Gottesdiensten – obwohl die Bevölkerung diese kaum versteht.

Ein weiteres bedrückendes Thema ist die sich ausbreitende Hexenverfolgung. Extremes Wetter und schlechte Ernten treiben die Menschen dazu, Schuldige zu suchen. Als eine Freundin und Förderin Evas der Hexerei beschuldigt wird, wächst ihre Angst, unter der Folter ebenfalls belastet zu werden.

Ulrike Renk schildert das harte und entbehrungsreiche Leben der Bauern jener Zeit in klaren, ungeschönten Worten. Eindringlich beschreibt sie die Abhängigkeit der Menschen von Grundherren, Kirche und Natur sowie die ständige Unsicherheit durch Krieg und Hunger.
Insgesamt ein interessanter und atmosphärischer historischer Roman. Die politischen Hintergründe, Glaubensfragen und kriegerischen Entwicklungen nahmen für meinen Geschmack stellenweise allerdings etwas zu viel Raum ein und wirkten gelegentlich wiederholend.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Das schwarze Schaf der Familie

Widdersehen
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„Was soll so ein Schaf schon tun? Glauben Sie, er ruft die Polizei?“ (S. 262) Kaum ist die Herde rund um Miss Marple mit ihrer Schäferin Rebecca aus Frankreich auf die heimische Weide in Glennkill in Irland ...

„Was soll so ein Schaf schon tun? Glauben Sie, er ruft die Polizei?“ (S. 262) Kaum ist die Herde rund um Miss Marple mit ihrer Schäferin Rebecca aus Frankreich auf die heimische Weide in Glennkill in Irland zurückgekehrt, verschwindet Rebecca. Zurück lässt sie ihre Schafe ohne Kraftfutter und Geschichten (die sie doch so sehr lieben), dafür mit einem Zaun um die Weide, drei neuen Schafen und der Ziege Madouc, einem Schaf auf Probe. Als Maple im Schäferwagen einen Brief und einen abgeschnittenen Finger findet – zum Glück keinen von Rebecca – wird ihnen klar, dass sie ihre Schäferin unbedingt finden müssen.

Wie schon in „Glennkill“ und „Garaou“ stehen auch im dritten Band der Reihe die Schafe im Mitteltpunkt. Menschen sind meist nur nützliches Beiwerk oder aber Bösewichte, die es zu entlarven gilt. Dabei greifen die Schafe auf ihre besonderen Fähigkeiten zurück: Miss Maple ist die Klügste, Mopple the Whale hat das beste Gedächtnis, Othello führt als Leitschaf die Herde an, Maud ist die beste Spürnase und der alte Ritchfield liebt Duelle – mit lebenden und unbelebten Gegnern. Dass sie von den Menschen konsequent unterschätzt werden, erweist sich dabei als unschätzbarer Vorteil.

Auf der Suche nach ihrer Schäferin wachsen die Tiere körperlich und geistig über sich hinaus. Sie erkunden das Dorf, stürmen Läden und Gärten, durchwaten das Meer und wagen sich über Bergepässe und gefährlich Straßen. Dabei finden sie einem Hilfs-Schäfer, dem sie nicht ganz trauen, stoßen auf weitere Finger – mal mit, mal ohne passende Leiche – und verlieren trotz aller Gefahr nie ihren Sinn für philosophische Fragen: über das Leben, über Erinnerung, über den Zusammenhalt der Herde und darüber, warum ihre Weide plötzlich kleiner und weniger grün erscheint als zuvor.

Ein unterhaltsamer Cosy Crime mit tierischem Charme, feinem Humor und einer Herde, die einem schnell ans Herz wächst.

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