Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein interessanter Roman

Nach einer wahren Geschichte
0

Die Schriftstellerin Delphine beschreibt ihr Schreiben und Leben und ihre Freundschaft zu L., einer Frau, mit der sie auf einer Wellenlänge zu sein scheint.
Bei diesem Roman wird dem Seelenleben der Frauen ...

Die Schriftstellerin Delphine beschreibt ihr Schreiben und Leben und ihre Freundschaft zu L., einer Frau, mit der sie auf einer Wellenlänge zu sein scheint.
Bei diesem Roman wird dem Seelenleben der Frauen und ihren Übereinstimmungen viel Raum gegeben. Anfangs sind sie mir nicht besonders nahe, zu diffus bildet sich die Persönlichkeit ab. Man fragt sich, wohin der Roman einen führt. Aber allmählich steht man inmitten der Personen und erlebt ein seltsames Spiel mit.

Die Gedanken kreisen um die Delphines Kinder, den Freund und natürlich L.
Aber was geschieht wirklich? Die einseitige Betrachtung aus der Sicht von Delphine verwehrt uns den wahren Blick. Nichts kann für wahr hingenommen werden.

Delphine hat eine Art Verrücktheit. "Ich dachte, L. habe meine kleine Verrücktheit erkannt und ich ihre. Vielleicht ist eine Begegnung, ob nun eine amouröse oder freundschaftliche, genau das, zwei Funken Wahnsinn, die sich erkennen und gefangen nehmen." Zitat S. 129

In der Beschreibung von L. erklärt Delphine sie so tief verstehend, dass man sich fragt, ob sie nicht doch ein und dieselbe Person sein könnten. Oder ist es nur ein Teil von Delphine, die sich nach einer solchen Person und guten Freundin sehnt? Hier meint man eventuell eine schizophrene Ausprägung bei Delphine zu sehen, es bleibt jedoch ungewiss.


Als L. bei Delphine einzieht, übernimmt sie die Kontrolle über Delphine, diese erlebt eine Schreibblockkade und verliert die Kontakte zur Außenwelt. Die Korrespondenz erledigt nun L.

Von diesem Moment an fragt man sich, was hat L. vor?

Das kann ich nun nicht weiter ausführen, der weitere Inhalt würde sonst verraten.


Die Geschichte wirkt empathisch und detailliert aus der Sicht von Delphine erzählt. Der Schreibstil ist angenehm und klug und man ist in einem Spiel um Wahrheit und Fiktion gefangen.


Ein interessanter Roman mit tiefen Einblicken in die wahre Geschichte, bei der man erstaunt liest.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Sprachlich fast teilnahmslos erzählt, fesselt die Geschichte mit Dramatik und verstörender Abhängigkeit Maris.

Hotel Iris
0

Dieses Buch zog mich magisch in einen Lesesog. Auch wenn ich Maris Gefühle für den alten Übersetzter nicht verstehen kann und einige Szenen mir ekelhaft und abschreckend erscheinen, wollte ich dennoch ...

Dieses Buch zog mich magisch in einen Lesesog. Auch wenn ich Maris Gefühle für den alten Übersetzter nicht verstehen kann und einige Szenen mir ekelhaft und abschreckend erscheinen, wollte ich dennoch wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Außerdem fasziniert mich die Ausdruckskraft der Erzählweise Ogawas. Die knappe, einfache und doch voller Sinnlichkeit fesselnde Sprache ist ein einziger Lesegenuss.

Dabei beschreibt dieses Buch echte Tabuthemen - Sado-Masochismus und Sexualität zwischen Partnern mit hohem Altersunterschied.
Hier erkennt man die beiden verlorenen Seelen. Da sind die zwei Seiten des alten Mannes und Maris Sehnsucht nach Liebe, die sie ihm entgegen bringt. Denn in seinen Briefen zeigt er sich voll verzehrender Liebe nach ihr, besucht sie ihn in seinem Haus, ist er der Bestrafer. Er will sich vergewissern, ob es ihn noch gibt. Sie geniesst die neu erweckte Lust und ein Leben neben ihrer Rolle als Tochter und Arbeitskraft.

Die perversen sexuelle Neigungen drücken den Schmerz beider Figuren aus, es wird aber niemals anzüglich oder obszön. Hier schafft Yoko Ogawa es, die unverständliche Zuneigung Maris auszudrücken.

Der Erzählstil in einer zurückgenommenen, knappen, fast kargen Sprache wirkt wie eine Beobachterrolle. Das erweckt einen kargen traurigen Eindruck, die Aussicht auf die herrische Mutter oder den kranken Alten, wo ist hier Hoffnung?
Ist es wirklich eine Liebesbeziehung oder fliehen hier zwei verlorene Seelen vor ihrem tristen Alltag?


Ein Roman, der abschreckt und dennoch fesselt, weil man lesen möchte, wie die Figuren enden.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Hier wird Lissabon spürbar und der Krimi unterhält mit vielen körperlichen Einsätzen des Protagonisten!

Portugiesisches Erbe
0

Es geht um Henrik Falkner, der ein Haus in Lissabon erbt, in dem er wichtigen Beweismitteln auf die Spur kommt, die zu einem Verbrechen führen, das vor Jahrzehnten vertuscht wurde.
Henrik ist ehemaliger ...

Es geht um Henrik Falkner, der ein Haus in Lissabon erbt, in dem er wichtigen Beweismitteln auf die Spur kommt, die zu einem Verbrechen führen, das vor Jahrzehnten vertuscht wurde.
Henrik ist ehemaliger Polizist aus Deutschland, der seinen Dienst nicht mehr ausübt, mit seiner Berufserfahrung ist er jedoch der geeignete Kandidat für die spannende Ermittlung. Das wusste scheinbar auch sein Onkel, der ihm das Erbe vermacht hat.

Immer wieder befindet sich der Protagonist in brenzligen Situationen, die tödlich enden können. Doch ihn verlässt nie der Mut, wenn er sich erst einmal in etwas verbissen hat, zieht er es auch durch.

Der Autor schreibt versiert und flüssig und entwickelt seine Geschichte allmählich, so fügt sich Steinchen für Steinchen aneinander und endet logisch.
Generell gesehen ist die Handlung hauptsächlich eine kriminalistische Ermittlung, aber bei den Streifzügen des Protagonisten durch das malerische Lissabon erklärt der Autor nebenbei die touristischen Sehenswürdigkeiten, aber auch allgemeine Informationen über das Alltagsleben in Lissabon. Den berühmten Fado, Vinho Verde und die berühmten Pastéis de Nata lernt man so näher kennen und damit wird der Krimi fast zu einem Urlaubsbuch. Es ist allerdings nicht so, dass wir hier einen Reiseführer vor uns haben. Aber das Interesse an einem Besuch wird definitiv geweckt. Mich haben die ausführlichen Beschreibungen von Plätzen, Sehenswürdigkeiten und allgemeinen Eindrücken gerne an meinen eigenen Aufenthalt erinnert, nicht jeder wird aber diese detaillierte Stadtansicht mögen.

Diese Mischung aus actionreicher Verfolgung sowie umfangreicher Recherche vor dem eindrucksvollen Hintergrund der einzigartigen Stadtatmosphäre hat mich gefesselt mitermitteln lassen. Es gibt aber auch einige Längen, viele Ausführungen sind vielleicht zu umfangreich ausgearbeitet.



Dieses Buch macht richtig Lust auf einen Trip nach Lissabon und die spannende Kriminalgeschichte unterhält wunderbar lebendig! Ein tolles Urlaubsbuch!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein fesselnder Krimi mit Beziehungsklüngel

Totensommer
0

Skandinavische Kriminalromane sind beliebt und belegen oft vordere Plätze auf Bestsellerlisten. Das liegt sicherlich daran, dass die Schriftsteller genauesten über die gesellschaftlichen Strukturen und ...

Skandinavische Kriminalromane sind beliebt und belegen oft vordere Plätze auf Bestsellerlisten. Das liegt sicherlich daran, dass die Schriftsteller genauesten über die gesellschaftlichen Strukturen und die herrschenden Sozialstrukturen ihres Landes informieren und die Handlung vor diesen Hintergrund stellen.

Trude Teige hat auf dem deutschen Buchmarkt keinen bekannten Namen, aber auch sie beschreibt im vorliegenden "Totensommer" eine bestimmte Haltung in der Gesellschaft. Sie zeigt, wie sich über die Jahrzehnte nach dem Krieg die Abneigung und der Haß auf Kriegsgegner, in diesem Fall deutsche Soldaten, weiter entwickelt und bei den Bewohnern des kleinen Ortes nicht in Vergessenheit gerät.

Es geht um eine unerlaubte Liebe während der letzten Kriegsjahre.

Die Protagonistin Kajsa Coren steht für eine emanzipierte junge Frau. Sie ist beruflich erfolgreich, geschieden und verbringt den Sommer mit ihren beiden Kindern in Losvika, dort hat sie ein Häuschen geerbt und möchte die Zeit für das Schreiben eines Buches nutzen.
Ihr Freund Karsten ist Polizist und untersucht den Mordfall. Gemeinsam stellen sie Nachforschungen an und kommen der Vergangenheit und den Beziehungen der Menschen zueinander immer näher.
Die Ermordung eines deutschen Urlaubers, der im Ort seit Jahren allen bekannt war, lässt sie die Menschen befragen. Warum kommt bei einigen Bewohnern immer noch die abwehrende Haltung gegenüber den Deutschen hoch. Was geschah in den Kriegstagen, können die Menschen die alten Zeiten nicht endlich vergessen?

Überaus geschickt verknüpft die Autorin die verwandtschaftlichen Bande der Bewohner und stellt ein mörderisches Motiv auf die Beine. Die Erzählweise besticht durch häufige Wechsel zwischen der Vergangenheit um 1942/43 und der Gegenwart mit der Mordermittlung. Das treibt die Spannung kräftig voran und man bekommt ein Bild der alten Zeiten.

Die Auflösung erfolgt schliesslich bei einem spannenden Showdown, sie erscheint logisch und nicht sehr konstruiert. Auch der Täter überrascht, die Gründe möchte ich hier aus Spoilergründen nicht offen legen.

Die norwegisch-deutsche Kriegsgeschichte wird glaubhaft und spannend erzählt, und die daraus entstandenen Feindbilder und Verstrickungen machen den Menschen immer noch zu schaffen.
Mich hat die Handlung mitgenommen, gerade, wenn man bedenkt, dass der Krieg mittlerweile 70 Jahre her ist und immer noch in den Köpfen der Menschen herum spukt und Hass und Abneigung erschreckende Wirkung mit sich bringen.



Ein fesselnder Krimi, der in die jüngste Vergangenheit eintaucht und über eine unerlaubte Liebe und Geheimnisse während des Krieges, von Eifersucht, Neid und Verlustgefühl erzählt.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein sommerlich humorvolles Unterhaltungsvergnügen!

Ausgeschifft
0

Diese Krimireihe hat mir schon mit "Ausgeplappert" schöne Lesestunden geschenkt und so war es auch mit der ersehnten Fortsetzung der Fall!

Besonders die Figuren sind mit so lebhaften und ausgefallenen ...

Diese Krimireihe hat mir schon mit "Ausgeplappert" schöne Lesestunden geschenkt und so war es auch mit der ersehnten Fortsetzung der Fall!

Besonders die Figuren sind mit so lebhaften und ausgefallenen Charakterzügen versehen, dass man sie sofort wiedererkennt. Über Lissies Ungeschicklichkeit kann man sich herrlich amüsieren, wie üblich tritt sie außerdem in jedes Fettnäpfchen.

Der trockene Humor und die vielen lustigen Szenen mit Lissies Eltern sorgen zusätzlich für beste Unterhaltung und das Auftauchen von Lissies Traummann Loch macht romantischen Gefühlen Platz. Auch er ist eigentlich im Urlaub und ist sofort ermittelnderweise zur Stelle, als Lissie die Leiche findet. Die Eltern sind wirklich der Knaller, auf welche Ideen sie so kommen, sorgt für Lachanfälle und ihre Verkupplungsversuche sind einfach nur köstlich. Auch der völlig unfähige Privatdetektiv Georg Schneider gibt sich in diesem Personenreigen zwar völlig unprofessionell, aber dafür gibt er eine tolle Lachnummer ab.

Die zufälligen Treffen auf dem Schiff nehmen etwas Überhand, Lissie hat neben einer Menge Glück auch ihre Rettung aus höchster Not einigen Zufällen zu verdanken. Aber bei so einer spritzigen "Krimödie" kann man diese mangelnde Authenzität verzeihen. Die Krimihandlung kommt erst schleppend in Gang, ein Verdacht dagegen recht schnell. Am Ende klärt sich alles auf und man ist nicht sehr überrascht. Doch dieser Krimi will ja auch mehr die Unterhaltungsschiene bedienen. Hier geht man als Leser mit auf Kreuzfahrt über den Atlantik, erlebt Travestieshows und begleitet Lissie auf ihren Landausflügen. Man bekommt Whale Watching-Erfahrung und kann Segway fahren. Von den üppigen Köstlichkeiten auf dem Büffet wird sicherlich nicht nur Lissie verführt. Man ist einfach dabei und fühlt sich mitgenommen auf diese Reise.

Ein leichter Sommer-Krimi mit viel Humor, bester Unterhaltung und schrulligen Charakteren, die einem ans Herz wachsen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Lissie Sommer und ein Wiedersehen mit den Figuren aus diesem Buch.