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Veröffentlicht am 07.06.2018

Ein Hamburger Journalist auf gefährlicher Mission

Blue Note Girl
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Die Krimigeschehnisse rund um eine verschwundene Hamburger Sängerin werden hier von den behutsam und detailreich ausgearbeiteten Charakteren ein wenig in den Schatten gestellt.

Die Story des zum unfreiwilligen ...

Die Krimigeschehnisse rund um eine verschwundene Hamburger Sängerin werden hier von den behutsam und detailreich ausgearbeiteten Charakteren ein wenig in den Schatten gestellt.

Die Story des zum unfreiwilligen Ermittler werdenden Journalisten (Eric Teubner) der auf ehemalige Ermittler und Wegbegleiter der Sängerin trifft, ist klassisch aufgebaut, kann aber immer wieder mit Wendungen aufwarten. Teubner sticht unabsichtlich in ein überraschend großes Wespennest und die in Gang gesetzten Ereignisse reißen ihn mit und wirbeln sein Dasein kräftig durcheinander.

Die Stars sind aber die handelnden Personen und die Momente, wo im scheinbaren Plauderton während der vielen Gespräche, die Teubner gekonnt führt, viele menschliche Schichten und auch Abgründe aufgedeckt werden. Der Leser kann wie selbstverständlich seine eigenen Antennen ausfahren und erfühlen, wer wann die Wahrheit sagt, welche Figur welche Art Mensch ist.

Neben den Befragten und weiteren kuriosen, gefährlichen und amüsanten Hauptpersonen steht auch Teubners (Privat-)Leben im Fokus. Dies kann zwischendurch etwas langatmig werden, dient aber mitunter auch der Vorbereitung auf weitere Bände mit dem hartnäckigen Journalist. “Blue Note Girl” ist der Start einer geplanten Reihe von insgesamt fünf Krimis.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Spannung zwischen Geld, Macht und Drogen

Auf zerbrochenem Glas
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Mehrdeutig ist der Titel des neuen Krimis von Alexander Hartung, der mit diesem Buch eine neue Hauptperson kreiert hat: den ebenso sturen wie fast schon schizophrenen Nik Pohl, Ermittler beim KDD München. ...

Mehrdeutig ist der Titel des neuen Krimis von Alexander Hartung, der mit diesem Buch eine neue Hauptperson kreiert hat: den ebenso sturen wie fast schon schizophrenen Nik Pohl, Ermittler beim KDD München. “Auf zerbrochenem Glas” ist der Start einer Reihe um Pohl, der sich, als er beginnt, alte ungelöste Fälle näher zu beleuchten, auf gefährliches Terrain begibt.

Gut, auch wenn eigentlich klar ist, dass er sich nicht nur in die (manchmal vorher schon offensichtlich) gefährlichen Situationen hinein- sonder auch wieder hinausmanövrieren wird, sind diese doch durchaus blutig und spannend beschrieben.

Gut gewählt sind auch die Charaktere, denen Nik im Laufe der Ermittlungen begegnet - sowohl die ihm verbündeten als auch seine Gegner. Es bleibt großteils bis zum Schluss rätselhaft, wer nun genau wofür verantwortlich ist. Hartung kann am Ende aber zumindest mit einem kleinen Kniff aufwarten, auch wenn dieser gar nicht direkt zu den Ermittlungen gehört.

Die 283 Seiten bieten auf jeden Fall einiges, was Krimi- oder Thrillerleser gerne haben: Verbale und physische Auseinandersetzungen, Beschattung, Schusswaffen, polarisierende Charaktere und einiges an Blut. Stellenweise klappt einiges vielleicht zu einfach für Nik und seine Verbündeten, was an anderer Stelle wieder ausgeglichen wird, wenn der Gegner allzu allwissend und übermächtig scheint.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Südfranzösische Scheinidylle

Madame le Commissaire und die tote Nonne
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Passend zur Jahreszeit entführt Pierre Martin den Leser zum fünften Mal in die Provence. Im beschaulichen Städtchen Fragolin, wo die ehemalige Top-Polizistin Isabelle Bonnet das Büro der police nationale ...

Passend zur Jahreszeit entführt Pierre Martin den Leser zum fünften Mal in die Provence. Im beschaulichen Städtchen Fragolin, wo die ehemalige Top-Polizistin Isabelle Bonnet das Büro der police nationale leitet, passiert ja eigentlich nie viel. Sobald es aber einen neuen Roman der Reihe gibt, kann der Leser sich sicher sein, in einen spannenden Fall gezogen zu werden.

Und wie meist setzt Isabelle alles daran, scheinbar harmlose Verbrechen oder als Unfälle getarnte Taten aufzudecken und die Gerechtigkeit siegen zu lassen. Dabei legt sie schon das eine oder andere Mal Vorschriften etwas großzügiger aus und bringt sich auch gerne Hals und Kopf selbst in Gefahr. Doch da es die Gewissheit gibt, dass sie als Hauptfigur noch länger unter uns weilt, sind auch diese Stellen mit gewissem Vergnügen zu lesen.

Wer sich von der Atmosphäre und den Charakteren vereinnahmen lässt wird in eine wunderbare Welt voll mildem Klima, gutem Essen und unterhaltsamen Persönlichkeiten entführt. Wenn da nicht noch ein Mörder unterwegs wäre…

Veröffentlicht am 21.05.2018

Blut und Whisky

Der Pate von Glasgow
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Die Polizisten Jim Daley und Brian “Scooty” Scott sind in Schottland relativ bekannt. Sie leiteten eine Operation gegen die Mafia und landeten einen großen Erfolg. Daley, nun im beschaulichen Kinloch stationiert, ...

Die Polizisten Jim Daley und Brian “Scooty” Scott sind in Schottland relativ bekannt. Sie leiteten eine Operation gegen die Mafia und landeten einen großen Erfolg. Daley, nun im beschaulichen Kinloch stationiert, glaubt schon alles in seiner Laufbahn gesehen zu haben. Zwischen illegalem Handel mit Tabak und anderen kleinen Vergehen holt ihn und Scott die Vergangenheit aber wieder ein. Haben sie damals einen folgenschweren Fehler begangen?

Die Ereignisse schreiten voran, die aktuellen Ermittlungen kommen zwischen viel (gutem und schlechterem) Whisky anfangs nur schleppend voran. Der Leser erfährt zwischen den Zeilen mehr und ist der Polizei genau wie der Täter einen Schritt voraus.

Manche Stellen im Buch beziehen sich klar auf den Vorgänger der Reihe, aber der Krimi lässt sich insgesamt auch gut ohne Vorwissen lesen. Positiv zu erwähnen ist auch die richtige Prise “Highland-Humor”, die immer wieder durchblitzt. Zudem schafft er der Autor immer wieder, sobald dem Leser einige Details als stimmig erscheinen, durch wenige Sätze Verwirrung zu stiften, somit wird es nie zu vorhersehbar und es bleiben Fragen offen, anhand derer man mitermitteln kann.

Auch taugt der Krimi nun im kommenden Sommer gut als Abkühlung, spielt er doch nicht alleine in Schottland, sondern auch noch im Winter. Ein rundum solides nordbritisches Abenteuer.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Eine Wiener Mordserie mit und vor historischem Hintergrund

Schönbrunner Finale
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Gekonnt und mit jeder Menge österreichischem Schmäh verbindet Gerhard Loibelsberger Fantasie mit Fakten und kreiert so eine ganz eigene Art von Roman.

Die Hauptfigur des fiktiven Joseph Maria Nechyba, ...

Gekonnt und mit jeder Menge österreichischem Schmäh verbindet Gerhard Loibelsberger Fantasie mit Fakten und kreiert so eine ganz eigene Art von Roman.

Die Hauptfigur des fiktiven Joseph Maria Nechyba, seines Zeichens einer der letzten Oberinspectoren Österreich-Ungarns, ist dabei, eine Reihe von (tatsächlich) verübten Verbrechen aufzuklären - was das Buch zu einem spannenden Wien-Krimi macht. Die genau aufgearbeitete Geschichte des Reiches und die historisch akkuraten Erzählungen und Beschwerlichkeiten der damaligen Zivilbevölkerung geben dem Roman einen Touch in Richtung “unterhaltsames Geschichtsbuch”, was absolut nicht negativ klingen soll.

Auch wenn dieser Band das Finale der Reihe um Nechyba darstellt, lässt er sich auch gut unabhängig davon lesen und verstehen. Wenngleich Nicht-Österreichern dafür zusätzlich zum Glossar am Ende des Buches auch direkt im Text Übersetzungen spezieller (Wiener) Begriffe als Fußnoten zur Verfügung stehen. Manche Redewendungen oder Bezeichnungen sind mittlerweile auch in Österreich nicht mehr in Verwendung oder sehr rar geworden, anderes ist einfach noch immer üblich und verleiht dem Roman ein wunderbares Flair.

Auch die Figur des Oberinspectors, im Büro und im Kaffeehaus ein selbstbewusster Beamter und zuhause etwas unter der Fuchtel seiner Frau - die ebenfalls arbeiten geht - macht einen Großteil der, wenn man so sagen kann, Liebenswürdigkeit des Buches aus. Er ist prinzipientreu ohne stockkonservativ zu wirken und wirkt angesichts des drohenden Umsturzes im Land schlussendlich fast etwas naiv, hat er sich doch beinahe recht gut mit der Lebensmittelknappheit und den Bedingungen während des Krieges allgemein arrangiert.

Er ist allerdings keiner, der die relativ guten Umstände für sich und seine Frau als gegeben hinnimmt, er weiß genau, dass sie dies unter anderem seiner Position und der Verwandtschaft auf dem Lande verdanken, wo die Leute zwar arm, aber noch nicht hungernd leben. Für gute Lebensmittel nützt Nechyba zusätzlich auch zwielichtige Kanäle, erscheint dabei aber nie kriminell oder korrupt, kann er doch für alles, was nicht geschenkt ist, auch bezahlen.

Joseph Maria Nechyba darf sich nach Abschluss seines Falles und dieses Romans nun vor allem auf seinen Ruhestand freuen und die Leser auf weitere, andere Bücher von Gerhard Loibelsberger.