Platzhalter für Profilbild

fredhel

Lesejury Star
offline

fredhel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit fredhel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2018

Tödlicher Baumschmuck

Tannenglühen
0

Franziska Ferstl, eine Wiener Strafverteidigerin, Ende 50, gerade von einer schweren Erkrankung genesen, plant den beruflichen Ausstieg mit einer ausgiebigen Südfrankreichtour auf der geliebten Harley ...

Franziska Ferstl, eine Wiener Strafverteidigerin, Ende 50, gerade von einer schweren Erkrankung genesen, plant den beruflichen Ausstieg mit einer ausgiebigen Südfrankreichtour auf der geliebten Harley Davidson einzuläuten. Der plötzliche Mord an einem Kanzleipartner macht allem einen Strich durch die Rechnung, da ein anderer Seniorpartner direkt von zwei Personen als Mörder beschuldigt wird und sie ihren Max Frank nach all den Jahren freundschaftlicher Zusammenarbeit nicht im Stich lassen kann und will. Da sie einige Zeit aus dem Geschäft aussen vor war, tun sich nun wahre Abgründe vor ihr auf, als sie sich in die Vorgänge einarbeitet. Hinter ihrem Rücken wurden zwielichtige Geschäfte mit den Russen abgewickelt. Mit denen ist alles andere als gut Kirschenessen und auch die Schlinge um Franks Hals zieht sich immer fester zu, während er versucht, seine Franziska im Dunklen tappen zu lassen und irgendwie seine geldverschwendende junge Frau nicht zu verlieren. Nichts ist, wie es scheint, und dann dreht sich alles noch einmal herum.....

Die Handlung ist facettenreich erdacht und die Charaktere schön herausgearbeitet. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin das Wiener Flair in den Text einarbeitet. Sie kommt ohne plumpe Dialekt-Dialoge aus. Auch so weiß der Leser durch Feinheiten in der Satzstellung, dass er sich auf österreichischem Terrain befindet. Der Erzählstil unterstützt den Spannungsbogen, schweift nie ab und ufert nicht aus. Überhaupt: der Spannungsbogen hat es in sich, nie kann man seiner Vorahnung trauen, denn ständig kommen neue Indizien ans Licht und schon wechselt die Beweislage wieder. Toll.

Zum kleinen Star in einer Nebenrolle mutiert für mich die junge Kanzleihelferin Nathalie, die sich von Kapitel zu Kapitel vom mürrischen Gothicgirl in eine attraktive und tüchtige Mitarbeiterin verwandelt und hinterher wieder Richtung Gothic tendiert.

Ich finde, die Familiengeschichten rund um Franziskas Schwester hätten ruhig etwas weniger intensiv ausfallen können. Die waren zwar auch bunt und quirlig, auch nicht richtig langweilig, aber irgendwie lief dieser Erzählstrang nebenher ohne wirklich relevant zu sein.

Trotzdem: Tannenglühen ist ein sehr lebendiger Krimi, der Wienliebhaber und Krimifans gleichermaßen anspricht.

Veröffentlicht am 28.05.2018

Mutige Cora

Schwarzbubenland
0

An der Journalistin Cora Johannis ist nichts konventionell. Sie hat lange freischaffend aus gefährlichen Krisengebieten berichtet, aber nun muss sie ihren Lebensmittelpunkt wieder im heimatlichen Solothurner ...

An der Journalistin Cora Johannis ist nichts konventionell. Sie hat lange freischaffend aus gefährlichen Krisengebieten berichtet, aber nun muss sie ihren Lebensmittelpunkt wieder im heimatlichen Solothurner Umland einrichten, damit sie ein Auge auf ihre anstrengend pubertäre Tochter Mila werfen kann. Zum Glück lebt noch der erwachsene Sohn Julian mit im Haushalt, der als ausgleichendes Element zwischen den aufbrausenden Frauen fungiert. Die Auftragslage ist schlecht, die Lebenskosten hoch, so schätzt Cora sich glücklich als sie von Herrn vom Staal auf einen Cold Case angesetzt wird. Elisabeth vom Staal ist vor Jahren spurlos verschwunden, und da sie vor der Ehe in einem Bordell gearbeitet hatte und ursprünglich aus Russland stammt, wurde damals der Fall schnell ad Acta gelegt. Man glaubte, Elisabeth hätte nur das Ziel gehabt, ihren Ehemann auszunutzen.

Kein Wunder also, dass sich vom Staal beim Auftauchen von neuen Hinweisen einen privaten Ermittler sucht und eine üppige Bezahlung garantiert. Cora findet tatsächlich eine heiße Spur, die aber nicht nur zwei wichtigen Zeugen den Tod bringt, sondern auch sie selbst allerhöchster Gefahr aussetzt.

"Schwarzbubenland" ist mehr als ein Regionalkrimi, denn trotz der gemütlich schweizerischen Ausdrucksweise, die wirklich äußerst dezent zwischen den Zeilen durchschimmert, entwickelt sich ein Spannungsbogen, der nur hin und wieder durch häusliche Erziehungsscharmützel unterbrochen wird. Auf dem Cover prangt ganz zu Recht ein roter "Bestseller"-Button.

Veröffentlicht am 28.05.2018

Ergreifend

Karolinas Töchter
0

Ungefähr 17 Jahre ist Lena alt, bislang behütet in einer wohlhabenden Kauflandsfamilie aufgewachsen, als die Nazis ihre kleine Heimatstadt besetzen und der jüdischen Gemeinde das Leben zur Hölle machen. ...

Ungefähr 17 Jahre ist Lena alt, bislang behütet in einer wohlhabenden Kauflandsfamilie aufgewachsen, als die Nazis ihre kleine Heimatstadt besetzen und der jüdischen Gemeinde das Leben zur Hölle machen. Lena überlebt als einzige ihrer Familie und emigriert nach dem Krieg mit ihrem Ehemann in die Vereinigten Staaten. Sie ist hochbetagt, als sie Privatdetektiv Liam und seine Frau Catherine als Rechtsanwältin engagiert, um nach dem Verbleib der Töchter ihrer besten Freundin zu forschen. Lenas Sohn Arthur will durch eine Eilverfügung seine Mutter entmündigen lassen, um die Verfügungsgewalt über deren Vermögen zu erlangen. Es beginnt ein cleveres Gerichtsverfahren, das aber nur die Rahmenhandlung des Romans darstellt. In erster Linie geht es um die Erzählungen von Lenas schrecklichen Erlebnissen in der Nazizeit. Ein Schicksal, das jedem Leser zu Herzen geht.

Ich finde es immer wieder aufs Neue wichtig, dass die Opfer der Judenverfolgung einen Namen und ein Gesicht bekommen, selbst wenn es nur ein fiktives ist. Nur so wird das Entsetzliche vorstellbar.

Allerdings finde ich auch, dass der hier vorliegende Roman doch in Puncto Aufbau und Stil recht einfach geschrieben ist, deswegen möchte ich nicht die volle Punktzahl geben, auch wenn mich Lenas Lebensweg tief bewegt hat.

Veröffentlicht am 28.05.2018

Ein Prinz für Mama

Ein Weihnachtsmann fürs Leben
0

Angela Ochel hat hier einen ganz reizenden Weihnachtsroman rund um die kleine Luisa geschrieben, die mit kindlichem Ernst und 7 Euro in der Tasche klammheimlich zum Kaufhaus Wunder läuft, um ihrer Mutter ...

Angela Ochel hat hier einen ganz reizenden Weihnachtsroman rund um die kleine Luisa geschrieben, die mit kindlichem Ernst und 7 Euro in der Tasche klammheimlich zum Kaufhaus Wunder läuft, um ihrer Mutter zu Weihnachten eine Prinzen zu kaufen. 

Sie ist ziemlich kess, dabei treffen ihre naiven Fragen doch oft genau den Punkt und bringen die Erwachsenen zum Nachdenken. Allerdings gibt es da noch den bösen Geschäftsführer, der die ganze Belegschaft tyrannisiert und nun an Luisa ein Exempel statuieren will. Der Schuss geht nach hinten los und stürzt alle und alles in heilloses Durcheinander....

Das Ende löst sich in heiteres Wohlgefallen auf und lässt den Leser mit einem zufriedenen Lächeln zurück.

Was will man mehr von einem Weihnachtsmärchen?

Veröffentlicht am 28.05.2018

Die weisse Frau

Funkenflug
0

Dieses Buch ist kein rein historischer Liebesroman, denn die Autorin lässt die englische Journalistin Faye auf den Spuren der Ahnin ihres Lebensgefährten wandeln und bedient sich dafür spannender Rückblicke ...

Dieses Buch ist kein rein historischer Liebesroman, denn die Autorin lässt die englische Journalistin Faye auf den Spuren der Ahnin ihres Lebensgefährten wandeln und bedient sich dafür spannender Rückblicke in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Clara Henriette heißt die Vorfahrin, die ein bewegtes Leben hatte. Als blutjunge Adlige muss sie ihre Pflicht erfüllen und kann nicht den Mann ihres Herzen heiraten. Viele Jahre später kommt sie hinter ein Komplott, das sie in die Arme ihres geltungssüchtigen Ehemanns getrieben hat. "Funkenflug" dient in meinen Augen einfach nur der Unterhaltung und hat keinen Anspruch auf Authentizität. Der Leser fiebert und leidet mit der jungen Frau, ist empört über die zu erleidenden Ungerechtigkeiten und hofft bis zuletzt auf ein gutes Ende. Ich glaube, das Buch hätte mir ohne die Ausflüge in die Gegenwart und damit verbunden mit dem nichtssagenden Schicksal Fayes, die einfach viel zu gut für diese Welt ist, besser gefallen.