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Veröffentlicht am 11.02.2020

Recht gut konstruierte obsessive Beziehung

Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich.
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Elisabeth will ihren Exfreund zurück. Dieser hatte mit ihr Schluss gemacht, weil er mehr Freiraum braucht. Nach etwa einem Jahr, das sie wartend und Pläne schmiedend verbracht hat, beschließt Elisabeth, ...

Elisabeth will ihren Exfreund zurück. Dieser hatte mit ihr Schluss gemacht, weil er mehr Freiraum braucht. Nach etwa einem Jahr, das sie wartend und Pläne schmiedend verbracht hat, beschließt Elisabeth, dass er genug Freiraum gehabt hätte und setzt alles daran, sich in sein Leben zurück zu mogeln. Sie ändert ihren Namen in Juliette, wird Stewardess in der gleichen Fluggesellschaft, für die ihr Exfreund als Pilot arbeitet und setzt ihren minuziös ausgearbeiteten Plan, wie sie ihn zurückerobern will, in die Tat um. Mit jedem Rückschlag werden ihre Aktionen verzweifelter, realitätsferner, obsessiver, auch wenn es überraschend ist, mit wie vielen ihrer Taten/Überlegungen sie tatsächlich ihrem Ziel näher kommt (oder zu kommen scheint?).

Meinung: Es ist sehr leicht, in die Geschichte hineinzukommen und die Erzählung aus der Ich-Perspektive aus Juliettes Sicht ist sehr gelungen, weil man dadurch sehr nahe an ihren Gedanken und Überlegungen dran ist, die einen Großteil des Romans ausmachen. Zunächst ist das Buch noch sehr interessant und durch die ungewöhnliche Sichtweise und die ungewöhnliche Protagonistin entsteht beim Lesen eine Art Sog, man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht und wie weit sie gehen würde, aber irgendwann lässt diese Sogwirkung nach und es kommt auf weite Strecken zu Längen und Wiederholungen, die ziemlich ermüdend sein können. Juliette als Protagonistin ist gut ausgearbeitet, ihre Obsession und ihre Taten sind so krankhaft, dass man sie als Leser nicht sympathisch finden kann, aber Karen Hamilton beschreibt sie so, dass man zumindest nachvollziehen kann, was in ihrem Hirn, in ihrer Welt ihrer Meinung nach vorgeht. Die anderen Charaktere bleiben leider sehr blass, was natürlich der Erzählperspektive geschuldet ist, andererseits den Roman sehr einseitig werden lässt und die Reaktionen auf Juliettes Verhalten oft unverständlich bleiben lassen. Ich hätte als Leser gern mehr darüber erfahren, wie Nate, Juliettes Exfreund, die Situation wahrnimmt, ab wann er merkt, dass da was aus dem Ruder läuft und wie er seine Reaktionen rechtfertigt. So aber bleibt er seltsam passiv. Irgendwie kann man ihn schlecht verstehen und er wirkt unglaubwürdig in seiner Opferrolle.
Richtige Spannung kommt nicht auf, daher wundert es mich ein bisschen, dass es oft als Thriller bezeichnet wird (Stadt Radio Göttingen, Freiburger Wochenbericht).
Am wenigsten hat mir allerdings das Ende gefallen. Es wirkt, als wären der Autorin die Ideen ausgegangen, als müsste man sich deshalb als Leser ein eigenes Ende ausdenken. Die Geschichte ist einfach mitten drin abgebrochen, weder Erfolge noch Konsequenzen werden aufgezeigt. Es scheint, als hätten Juliettes Taten einfach stattgefunden, ohne dass sich jemand groß dafür interessiert. Für dieses Ende gibt es Punktabzug und auch für die Längen in der Mitte, sodass ich insgesamt gut gemeinte 3 von 5 Punkten vergebe.

Veröffentlicht am 24.07.2018

Irreführender Klappentext

Racheopfer
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Ackermann jr. ist wegen mehrfachen Mordes verurteilt worden und sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis ein. Schon in der ersten Szene lernt der Leser, dass er es nicht mit einem „normalen“ Serienmörder ...

Ackermann jr. ist wegen mehrfachen Mordes verurteilt worden und sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis ein. Schon in der ersten Szene lernt der Leser, dass er es nicht mit einem „normalen“ Serienmörder zu tun hat, sondern dass Ackermann kaltblütig und sehr gerissen ist und außerdem über eine unglaubliche Beobachtungsgabe und Anpassungsfähigkeit verfügt. Genau diese Eigenschaften machen ihn so gefährlich, aber auch zu einem begehrten Forschungsobjekt für Dr. Kendrick, der mithilfe von Korrekturen im Hirn Psychopathen heilen will. Als Ackermann dann in die Anstalt von Dr. Kendrick verlegt wird und dort auf eine alte Bekannte trifft, die noch eine Rechnung mit ihm offen hat, beginnt er sein Spiel.
Dieser Kurzthriller aus der Feder von Ethan Cross verspricht laut Klappentext die Vorgeschichte von Serienkiller Francis Ackerman jr. Wenn man mit dieser Erwartung an das Buch herangeht, wird man enttäuscht werden. Man erfährt über die Kindheit/Jugend von Ackermann nicht mehr, als man nach dem ersten Buch der Shepard-Reihe nicht sowieso schon weiß. Es ist in keinster Weise die Erklärung dafür „wie das Töten begann“, sondern erzählt lediglich eine Episode aus Ackermanns Leben, als er schon für mehrfachen Mord verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt. Was dieses Buch aber ist, ist ein unterhaltsamer Kurzthriller für alle, die Francis Ackermann jr. noch nicht kennen und so den Einstieg in die Reihe suchen oder aber ein kurzer Appetithappen für alle eingefleischten Fans der Reihe. Der Schreibstil ist typisch für Ethan Cross, er liest sich flüssig, die Spannung wird aufgebaut, ohne dass es an irgend einer Stelle zu Längen kommt und die Charakterisierung von Ackermann fällt so aus, dass man ihn als Leser unglaublich faszinierend findet. Die Tatsache, dass Cross es schafft, dass einem als Leser dieser grausame, kaltblütige Serienmörder (beinahe) sympathisch wird, spricht für sich. Ein Kritikpunkt in der Geschichte ist Jenny, die zu naiv, zu unüberlegt handelt, um in irgend einer Weise ein würdiger Gegner für Ackermann zu sein, sodass sich das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden nicht so richtig entfalten kann. Da hätte ich mir eine etwas raffiniertere Persönlichkeit gewünscht. Auch Dr. Kendrick und seine Forschung am Gehirn von Schwerverbrechern bleiben eher blass, sie ist nur Rahmenprogramm für die „Ackermann-Show“, obwohl sie definitiv Stoff für mehr geboten hätte. Das mag der Kürze des Buches (etwa 150 Seiten) geschuldet sein, bewirkt aber auch, dass dem Ganzen „das gewisse Etwas“ fehlt. Dem ganzen Kurzthriller fehlt etwas die Raffinesse, die man sonst von Ethan Cross gewöhnt ist, und vieles wird so schnell und so überhastet abgearbeitet, dass einige Handlungen und Entscheidungen total unlogisch sind. Manche Details der Geschichte sind sehr vorhersehbar, andere nicht richtig ausgearbeitet.
Fazit: Punktabzug gibt es erstens einmal für den Klappentext. Selten einen so irreführenden und unpassenden Text zu einem Thriller gesehen, dem jeder Bezug zum tatsächlichen Inhalt fehlt. Trotz einiger Schwächen ist der Kurzthriller gut zu lesen und macht Lust auf mehr (vorallem weil ich ja weiß, dass Ethan Cross es noch besser kann!).

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  • Tempo
Veröffentlicht am 19.03.2018

Wahnhafte Suche nach der "Wahrheit"

Das Flüstern der Insel
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Alice ist mit ihrer Jugendliebe verheiratet, sie haben eine Tochter und Alice ist hochschwanger mit dem zweiten Kind. Sie führen eine glückliche Beziehung, die geprägt ist durch Vertrauen und dadurch, ...

Alice ist mit ihrer Jugendliebe verheiratet, sie haben eine Tochter und Alice ist hochschwanger mit dem zweiten Kind. Sie führen eine glückliche Beziehung, die geprägt ist durch Vertrauen und dadurch, dass sich die beiden sehr gut kennen. Als Alice eines Nachts einen Anruf bekommt, dass ihr Mann verunglückt ist, stellt dass alles in Frage. Denn zusätzlich zu seinem Tod muss sie sich damit auseinander setzen, dass er sich zur Zeit des Unfalls wo anders aufgehalten hat als er ihr gesagt hatte. Um die bohrenden Fragen loszuwerden und sich auch von ihrem Schmerz abzulenken, beginnt Alice mit Nachforschungen: Woher kam ihr Mann? Was wollte er da? Sie steigert sich in diese Suche nach „der Wahrheit“ hinein, bis es zu einem Wahn wird und die Mittel werden immer extremer. Bald scheint sich ihr ganzes Leben daran auszurichten. Sie verliert dabei zum Teil ihre Pflichten als Mutter aus den Augen und macht sich selber unfähig, soziale Bindungen zu anderen Menschen einzugehen.


Für diese Rezession habe ich lange überlegen müssen, was ich schreiben sollte. Beim Lesen fand ich das Buch sehr langatmig, die wirren Gedankengänge von Alice, die sehr ausführlich beschrieben werden, haben mich gestört und die Charakterbeschreibung von Olivia, der älteren Tochter, war zerrissen und unverständlich. Die Entwicklung von Alice fand ich zunächst noch recht spannend, wie sie sich immer weiter in den Wahn hineinsteigert, doch irgendwann wurde es mir zuviel, zu unglaubwürdig. Teilweise war es echt abstrus und weit von einer künstlerischen Überzeichnung entfernt. Das ging so weit, dass ich während des Lesens richtiggehend genervt war und das Ende herbeigesehnt habe.


Trotzdem hat es Daniel Sánchez Arévalo geschafft, eine Art Sog zu generieren, der es mit der Zeit immer schwerer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Man hofft immer auf den großen Moment, die Überraschung. Außerdem hat mich der Roman nachhaltig zum Nachdenken gebracht. Ich werde dieses Buch wahrscheinlich nicht so schnell vergessen, auch wenn das Lesen selbst kein richtiges Vergnügen war.
Das Ende, so schlicht es auch war, fand ich richtig gut gelungen. Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und dort kam oft Kritik zum Schluss, aber ich finde, gerade weil es dann doch so banal war, rückt es die Besessenheit von Alice noch einmal ins Rampenlicht. Auch die emotionale Ausarbeitung fand ich gelungen.

Alles in allem ein Buch, dass mich sehr zwiespältig zurück gelassen hat und bei dem ich es unglaublich schwer finde, eine Sternewertung zu vergeben. Würde ich nur den Stil und das Leseerlebnis bewerten, gäbe es wohl 2 Sterne von mir, für das Thema und die nachdenklichen Töne gäbe es 4, daher habe ich mich auf 3 Sterne festgelegt, obwohl ich finde, dass es dem Roman nicht richtig gerecht wird. Es ist mit Sicherheit kein Buch für jedermann, aber wenn man einmal etwas jenseits der üblichen Themen lesen will und sich auf dieses Buch und den Stil des Autors einlassen kann, ist man mit „Das Flüstern der Insel“ gut beraten.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Schöne idee, mittelmäßige Ausführung; mehr was für zwischendurch

Close to you
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Violet zieht von Florida nach Maine zum Studieren, wobei der Neuanfang eher einer Flucht gleicht. Sie beendet beinahe jeden Kontakt zu Leuten aus ihrer alten Heimat, nur ihr bester Freund Jackson nimmt ...

Violet zieht von Florida nach Maine zum Studieren, wobei der Neuanfang eher einer Flucht gleicht. Sie beendet beinahe jeden Kontakt zu Leuten aus ihrer alten Heimat, nur ihr bester Freund Jackson nimmt da eine Sonderstellung ein, eine Stellung, die er wohl auch schon vor ihrem Umzug gehabt hat. Schon bei der Ankunft trifft Violet auf Aiden, der zwar schön ist, aber sehr abweisend. Trotz seines wenig einladenden Verhaltens geht er ihr nicht mehr aus dem Kopf und irgendwie scheinen die beiden immer wieder zusammenzustoßen. Auch mit Dorian, den sie auf einer Party trifft und Cloe, die wie ein Wirbelwind in ihr Leben stürmt, freundet sie sich bald an.

Meinung:
Erst einmal muss ich sagen, dass ich es sehr schade fand, dass im Klappentext schon so viel von der Handlung verraten wurde. Meiner Meinung nach hätte nicht erwähnt sein müssen, dass sie durch Zufall in der Wohnung von Aiden landet, weil es ein Überraschungsmoment schon vorwegnimmt!

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht, weil man direkt in die Handlung hineinkommt, ohne dass eine lange Einleitung nötig wäre, aber ich hab mich etwas schwer getan, Violet im ersten Abschnitt zu verstehen. Ihre Handlungen und Gedanken waren oft sehr zwiespältig: Einerseits hat sie Panikattacken und lässt keinen Menschen an sich heran, auch schon, bevor sie nach Maine gekommen ist, andererseits zieht es sie zu dem abweisendsten und aggressivsten Jungen an ihrem College hin, bevor sie auch nur die leiseste Ahnung von seiner „guten Seite“ hat. Ich hätte es glaube ich besser verstanden, wenn sie ihm am Anfang etwas skeptischer gegenüber gestanden hätte und erst nach der ersten Schlüsselszene (Milchszene :)) ihre Einstellung überdacht hätte. Auch ging es mir „zu schnell“ dass die beiden von Liebe sprechen, weil sie irgendwie keine schönen, keine einfachen Momente erleben können, immer scheinen sie von einem Problem, von einem Missverständnis ins nächste zu schlittern.
Was mich an der Beschreibung von Violet richtig gestört hat, war das plötzliche Ausbleiben ihrer Panikattacken und auch die Willkürlichkeit mit der sie auftreten. Situationen, die sie einmal nicht handhaben kann, die sie erstarrt zurücklassen sind beim nächsten Mal plötzlich kein Problem mehr. Schade eigentlich, weil es schön gewesen wäre, wenn Aidens Probleme nicht immer Violets überdeckt hätten und nur, wenn Aiden grade mal „normal“ war, sind Violets Attacken wieder aufgetreten, damit es ja nicht zu einfach zwischen den beiden wird.
Aiden als Charakter hingegen fand ich gut gezeichnet. Er hat lange gebraucht, um sich zu öffnen, aber nicht so lange, dass es langatmig geworden wäre. Auch die Erklärung, warum er ist, wie er ist, fand ich gelungen und nachvollziehbar. Insgesamt ist er ein viel durchgängiger und beständigerer Charakter als Violet. Seine Gewaltausbrüche fand ich etwas verharmlost dargestellt.
Ab dem zweiten Drittel des Buches fand ich die Interaktion der beiden sehr gut beschrieben, die Gefühle waren gut formuliert, ohne in den Kitsch abzurutschen.
Schön beschrieben waren auch die Nebencharaktere Chloe und Dorian, vorallem in der ersten Hälfte. Ab der Mitte haben beide etwas gelitten, weil sie sehr in den Hintergrund geraten sind. Chloe als der selbstbewusste Wirbelwind war mein Lieblingscharakter, war dann aber zu sehr mit sich selbst beschäftigt und Dorian hätten vielleicht ein paar Ecken und Kanten gut getan, so war er doch etwas zu perfekt. Von Chloe hätte ich gern noch mehr gelesen. Von den Charakteren hat mir Jenna am wenigsten gefallen, weil sie so klischeehaft war und so wenig Innovatives bereithielt.
Die Geschichte ist ganz nett zu lesen, und gut für zwischendurch geeignet, die Hinweise auf Klassiker und die Andeutungen von aktuellen Serien und Musik haben mir sehr gut gefallen, aber aus den guten Ansätzen ist meines Erachtens nach zu wenig gemacht worden. Sowohl die Panikattacken gehen unter wie auch die ganze Stalkergeschichte, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte, weil sie mal was Neues ist, etwas, das ich so noch nicht gelesen hatte. Aber erstens stand leider schon viel zu früh fest, wer der Täter sein muss und zweitens ist sie am Anfang zwar stark angefangen, in der Mitte dann fast gar nicht mehr präsent und am Ende dann viel zu schnell und zu überhastet aufgeklärt. Es wird dabei dann auch gar nicht mehr auf Violets Gefühle eingegangen, obwohl es für sie eigentlich schon ein Schock gewesen sein dürfte.

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  • Charaktere
  • Gefühl
  • Geschichte
Veröffentlicht am 06.02.2018

Liebe mit Ablaufdatum

Cape Town Kisses
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Inhalt: Angela, alleinerziehende Mutter eines 12-jährigen Sohns, bekommt die Diagnose Hirntumor, unheilbar. Vor allem die Sorgen um ihren Sohn, den sie alleine zurücklassen wird, werfen sie dabei aus der ...

Inhalt: Angela, alleinerziehende Mutter eines 12-jährigen Sohns, bekommt die Diagnose Hirntumor, unheilbar. Vor allem die Sorgen um ihren Sohn, den sie alleine zurücklassen wird, werfen sie dabei aus der Bahn. Der Vater des Jungen ist ein Südafrikaner, mit dem sie während eines Urlaubs einen One-Night-Stand hatte und zu dem sie seither keinerlei Kontakt hat. Trotzdem macht sie sich auf, um ihn zu suchen, kehrt zurück nach Afrika, ein Land das sie damals schon total begeistert hat.
Die Beschreibungen von Südafrika, von der Atmosphäre und den Tieren haben mir wahnsinnig gut gefallen, davon hätte es sogar gern noch mehr geben dürfen. Man merkt, dass die Autorin dieses Land kennt und liebt und es wunderbar schafft, diese Liebe zu dem Land zu übermitteln, sodass man sich als Leser am liebsten gleich ins Flugzeug setzen möchte. Die Beschreibungen des Landes, aber auch aller Personen sind in einfacher, aber eindrücklicher Sprache verfasst, Kopfkino inklusive. Der Schreibstil war sehr flüssig, einfach lesbar und so konnte man den Roman sehr schnell durchlesen. Der Perspektivenwechsel zwischen Angela und George ist gut gelungen und lässt die Gefühlswelt beider Protagonisten aufleben.
Was ich auch sehr schön war, war die Tatsache, dass sich Angela an so vielem noch mal erfreut, dass sie auf Kleinigkeiten achtet (vor allem zu Beginn, seit sie dann George kennen gelernt hat, fehlt dieser Aspekt etwas, zu groß, zu wichtig ist ihr da die Liebesgeschichte...), etwas, das ich gern von ihr lernen will und das mir hoffentlich noch lange im Gedächtnis bleibt, quasi als die Quintessenz des Buches ;)
Einige Charaktere fand ich super (Hans z.B. und auch Renate, so klischeehaft sie am Anfang auch gewirkt haben mochte), mit anderen bin ich weniger warm geworden (zB den Pflegeeltern, die haben mich zu sehr an die Obermöllers erinnert - hysterische Frau, ruhiger Mann - und ich finde, diese Konstellation hätte einmal im Buch gereicht). Die Beschreibungen und Interaktionen von Angelas kleiner Familie, die nur aus ihrem Sohn Jasper und ihrem Bruder Carl besteht, waren herzerwärmend und absolut nachvollziehbar, eine kleine, eingeschworene Truppe, die sehr vertraut und liebevoll miteinander umgeht.
Charakterlich fand ich George recht gut, die körperliche Beschreibung und die Beschreibung der Beziehung war mir etwas zu "teeniemädchenmäßig", zu soap-haft. Ihm hätten einige Ecken und Kanten ganz gut getan, er war zu perfekt. Angela fand ich da schon besser, sie war etwas facettenreicher: Kämpferin, liebende Mutter, fürsorgliche Schwester, Geliebte, naiv auf der einen Seite (zB Suche nach Mojo), lebensklug auf der anderen (zB ihr Umgang mit dem Thema tod). Georges einzige Rolle war die des Geliebten, etwas zu einseitig für meinen Geschmack.
Was mich gestört hat, war die zeitliche Abfolge. Alles ging zu schnell. Ich kann ja verstehen, dass Angela keine Zeit mehr zu verlieren hat und sich daher mit Herz und Seele in die Affäre mit George stürzt, aber nach 3 Tagen schon von Liebe zu sprechen, war mit etwas zu viel. Auch die Tatsache, dass Angela und George dann nur 3 Tage zusammen verbringen, in denen es George gelingt, die Familie restlos von sich zu überzeugen, finde ich übertrieben. Beide Male hätten einige weitere Tage nicht geschadet. Es ist weniger die Handlung, die fehlt, sondern einfach Zeit. Dann wären die Tierbegegnungen auch plausibler gewesen, so aber schien Angela einfach unverschämt viel Glück zu haben in so kurzer Zeit so viele Tiere aufgespürt zu haben.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt war die Naivität, mit der Angela an die Suche nach Mojo herangeht, wie fest sie davon überzeugt ist, dass der leibliche Vater die Lösung ihrer Probleme sein könnte und wie schnell sie die Suche dann nach einem Rückschlag aufgibt.

Schöne Atmosphäre, Kopfkino, vorallem beim Afrikateil, es weckt das Fernweh und lässt einen sogar nachdenklich zurück, aber ganz realistisch ist das Ganze nicht, es ist zu idealisiert, um wirklich Eindruck zu hinterlassen meines Erachtens nach. Das Ende, das kein typisches Happy-End ist, schafft es aber dennoch, den Leser versöhnt zurückzulassen.