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Veröffentlicht am 01.05.2023

Wenn man auf den Täter angewiesen ist

Einvernehmlich
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Donna wächst in einer behüteten katholischen Umgebung auf. Schon in der Schulzeit, zeichnet sie sich durch ihre Intelligenz aus. Die Tochter von Einwandern soll einmal ein besseres Leben haben, meinen ...

Donna wächst in einer behüteten katholischen Umgebung auf. Schon in der Schulzeit, zeichnet sie sich durch ihre Intelligenz aus. Die Tochter von Einwandern soll einmal ein besseres Leben haben, meinen ihre Eltern. Sie sind zwar zuerst nicht mit der Wahl ihres Studienfachs einverstanden, doch sie sind sehr stolz auf ihre intelligente Tochter.

Voller Begeisterung ergreift sie die Chance ihren Doktor an einer renommierten Universität zu machen. Wie es ihre Gewohnheit ist, sucht sie oft nach dem Unterricht ihre Lehrer auf, um weiter mit ihnen zu diskutieren. Einer ihrer Professoren genießt das Zusammensein sehr. Der Priester lädt sie eines Abends zu einer Theatervorstellung ein. Ab diesem Zeitpunkt drängt er sich immer mehr in Donnas Leben ein. Er ruft täglich an, schreibt unzählige Briefe, und er beobachtet sie – in der Universität, auf dem Parkplatz und selbst durch die Fenster ihrer Wohnung.

Donnas „nein“ ist zuerst zögerlich, denn ihre Karriere hängt vom Wohlwollen dieses Professors ab. Doch mit zunehmender Dringlichkeit seines Werbens, ist ihr das egal. Ihr „nein“ ist deutlich, doch nichts ändert sich. Schließlich leitet sie rechtliche Schritte ein, um Ruhe vor ihrem Stalker zu haben.

In diesem Buch berichtet Donna ausführlich über ihre Erlebnisse. Sie erzählt kurz von ihrer Kindheit, um dann alle Schritte des erlebten Missbrauchs aufzuzeigen. Sie macht deutlich, wie harmlos die Freundschaft am Anfang war, und wie auch sie das Zusammensein genoss, bis ihr die erhöhte Aufmerksamkeit unheimlich wurde.

Es scheint, dass dieses Buch ein Versuch ist, dieses traumatischen Erlebnis zu verarbeiten. Das ist gut, das Lesen fällt allerdings streckenweise schwer. So berichtet sie sehr eingehend über kleinste Erlebnisse, prüft dabei gedanklich ihre und seine Motive. Ihre große Enttäuschung wird deutlich. Nie hört sie eine Entschuldigung, weder vom Institut noch von ihrem Professor. Innerlich hat sie mit diesem ganzen Thema nicht abgeschlossen. Ihre Wut und ihr Hass sind beim Lesen deutlich zu spüren. Das legt den Schluss nahe, dass es vielleicht zu früh war darüber zu schreiben.

Und doch ist dieses Buch lesenswert, da es die Gedanken und Gefühle einer gestalkten Frau aufzeigt. Besonders interessant sind Donnas Überlegungen über die Schwierigkeit etwas zu unternehmen, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Täter und Opfer besteht, weil das Opfer auf den Täter angewiesen ist.

Fazit: Ein lesenswertes Buch über das Erleben eines seelischen Missbrauchs durch einen katholischen Priester. An einigen Stellen zu ausführlich und mit recht vielen Wiederholungen, ist dieses Buch trotzdem gut geschrieben und aufschlussreich. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.05.2020

Eine Mutter versucht ihre Töchter zu retten

Die verlorene Tochter der Sternbergs
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Die achtzigjährige Elise Duval erhält einen überraschenden Besucher, der ihre eine Schachtel voller Briefe überreicht. Dieser kostbarer Schatz ist der Schlüssel zur Identität der alten Frau. Dabei liegen ...

Die achtzigjährige Elise Duval erhält einen überraschenden Besucher, der ihre eine Schachtel voller Briefe überreicht. Dieser kostbarer Schatz ist der Schlüssel zur Identität der alten Frau. Dabei liegen die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens so weit zurück.

Die Geschichte, die hinter diesen Briefen steckt, beginnt in den Vorkriegsjahren. Amanda Sternberg betrauert den Verlust ihrer geliebten Bücher. Ihr ganzer Buchladen wird leergeräumt, und alle Bücher verbrannt. Ihr Mann Julius, ein Herzspezialist, tröstet sie über diesen großen Verlust hinweg. In den nächsten Jahren bekommt die Familie zwei innig geliebte Töchter. Doch in Deutschland sieht die Zukunft für die kleine jüdische Familie immer düsterer aus.

Julius wird festgenommen und stirbt bald in der Haft. Amanda erfährt, dass er die Rettung seiner Familie schon vorbereitet hat. Amanda soll bei einer Familienfreundin in Frankreich unterkommen und die beiden Mädchen sollen zu ihrem Onkel nach Kuba, denn es war nur möglich für zwei Personen eine Einreiseerlaubnis zu bekommen. Kurzentschlossen schickt Amanda nur das älteste Kind auf die Reise, doch es ist bald aussichtslos ihre kleinere Tochter in Europa zu beschützen.

Abgesehen vom kurzen Prolog und einem ebenso kurzen Epilog, geht es in diesem Buch um den Zweiten Weltkrieg. Der Hauptteil beginnt mit der Bücherverbrennung im Jahr 1933 und endet mit den Jahren nach dem Krieg.

Die Schauplätze sind Berlin, ein kleines französisches Dorf und ein Gefangenenlager. Einige Ereignisse beruhen auf wahre Begebenheiten, erschreckend ist dabei vor allem das Massaker in Oradour-sur-Glane kurz vor Kriegsende.

Dieses Buch wirft wichtige Fragen auf, beispielsweise über Identität, Opfer und Mutter-Tochter Beziehungen. Beim Lesen verwirrt der häufige Perspektivenwechsel manchmal. Die Beschreibungen der Charaktere sind am Anfang des Buchs noch etwas schwach, wodurch es schwerer fällt sich mit ihnen zu identifizieren.

Die grausamen Geschehnisse werden sehr anschaulich beschrieben. Es ist nicht leicht darüber zu lesen, doch es gelingt dem Autor die Entsetzlichkeit dieser Verbrechen zu schildern. Es ist schade, dass der Leser wenig über den Verbleib der älteren Tochter erfährt. Auch die Erfahrungen der jüngeren Tochter enden abrupt.

Fazit: Eine gute historische Erzählung mit einigen Mängeln. Die unmöglichen Entscheidungen, die Menschen während des Kriegs treffen mussten, werden eindrücklich beschrieben. Empfehlenswert für Menschen, die gern historische Romane lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Thema
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 28.11.2019

Ein alternder Entertainer wünscht sich ewige Jugend

Herbstbunt
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Wie schön waren früher die Samstagabende vor dem Fernseher. Die beliebte Sendung „Wetten dass“ bot Unterhaltung für jedes Alter. Familienfreundlich, und vor allem durch die gewinnende Persönlichkeit des ...

Wie schön waren früher die Samstagabende vor dem Fernseher. Die beliebte Sendung „Wetten dass“ bot Unterhaltung für jedes Alter. Familienfreundlich, und vor allem durch die gewinnende Persönlichkeit des Moderators amüsant. Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Anzahl von Unterhaltungsangeboten. Und der allseits beliebte Entertainer wurde von anderen Mediengrößen ersetzt.

Dieses Buch enthält ganz unterschiedliche Überlegungen und Gedanken von Thomas Gottschalk. Der gemeinsame Nenner ist, wie der Untertitel verrät, das Alter. Die Kapitelüberschriften sind englishce Songtitel, und der Inhalt passt mal mehr, mal weniger gut zum Titel.

Ein paar Beispiele: In „Everbody hurts“, geht es um einen Sturz Gottschalks. Die Verletzung führt ihm vor Augen, dass er nicht mehr der Jüngste ist. „Knockin‘ on Heaven’s Door“ ist ein merkwürdiger Traum von dem „Wetten dass“ Sofa im Jenseits, natürlich mit dem Moderator und seinen Gästen. Im Kapitel „Everlasting Love“ finden sich ausschweifende Betrachtungen über zwei verschiedene Liebesarten, die beide nicht ideal sind. Die vielen Worte leiten über zu dem Bekenntnis des Autors, dass er sich unerwartet noch einmal verliebt hat, was das Scheitern seiner 46jährigen Ehe zur Folge hatte.

Neben vielen besorgten Blicken in den Spiegel, mit der Trauer über die wachsenden Zeichen des Alters, erzählt Gottschalk, wie er gelernt hat umzudenken, was Ernährung und Sport betrifft. Weniger Goldbären und stattdessen Intervallfasten. An mehreren Stellen betont er, dass er zwar lange leben möchte, aber nicht alt werden. Sehr ausführlich wird das besondere Anwesen in Malibu betrauert, das den Flammen Kaliforniens zum Opfer fiel.

Ob teure Uhren, die schmerzhafte Erfahrung der Kinder im Flugzeug einmal Economyklasse fliegen zu müssen, oder dem kostbaren Inhalt seines Anwesens; der Autor hat Sorgen, von denen die meisten nur träumen können. Damit kann sich der Leser, der sich vielleicht fragt, wie er beispielsweise die Reparaturkosten seines Autos bezahlen soll, nicht identifizieren.

Aber trotzdem ist dieses Buch gut geschrieben und lesenswert. Die Überlegungen über die neuen Medien aus der Sicht eines Menschen, der eine große Rolle in den herkömmlichen Medien spielte, sind interessant. So schreibt Gottschalk über seinen zwiespältigen Umgang mit Twitter, oder den Problemen mit der Reparatur seines Telefons.

An manchen Stellen macht sich Gottschalk mit seiner Offenheit angreifbar und verletzlich. Positiv ist auch, dass sein Humor immer mal wieder durchblitzt. Es ist auch interessant zu lesen, was hinter den Kulissen einer Show geschieht. Wenn auch manches wie Angeberei klingt, zum Beispiel, mit wem er in Hollywood befreundet ist, so erfährt der interessierte Leser ein paar Wissenshappen über verschiedene Prominente.

Fazit: Melancholische Gedanken über das Älterwerden, gemischt mit ein paar Anregungen zu einem bewussten Leben im Alter, machen dieses Buch lesenswert. Trotzdem bleibt das Gefühl zurück, dass der Autor sich nicht damit abfinden kann alt zu werden und gar auf dem Abstellgleis zu landen. Vielleicht wäre es einfacher für ihn mit einer Prise weniger Selbstverliebtheit und ein wenig Verzicht auf ein luxuriöses Leben, denn die Erfahrung zeigt: Wer sich für andere einsetzt, ist auch im Alter glücklicher und mit seinem Leben zufriedener.

Veröffentlicht am 20.08.2018

Wenig Tiefgang

Unbrauchbar?
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Steven Furtick ist Gründer und Pastor der amerikanischen Elevation Church, eine schnellwachsende Gemeinde, die vor allem durch ihre im Internet ausgestrahlte Gottesdienste bekannt geworden ist. Er hat ...

Steven Furtick ist Gründer und Pastor der amerikanischen Elevation Church, eine schnellwachsende Gemeinde, die vor allem durch ihre im Internet ausgestrahlte Gottesdienste bekannt geworden ist. Er hat schon mehrere Bücher geschrieben, die auf seine Predigten zurückgehen.

In diesem Buch geht es um unseren Selbstwert. Der Autor beschreibt wie er einmal zufällig im Internet auf ein Video stieß, in dem ein bekannter Theologe über ihn sagte, er sei unqualifiziert. Ausgehend von dem Schmerz dieser Beurteilung, stellt Furtick sich die Frage, ob wir nicht alle unqualifiziert sind, und nur mit Gottes Hilfe in der Lage sind etwas zu tun.

Im ersten Teil geht es um „das dritte Wort“. Wenn wir die Worte „ich bin“ so ergänzen würden, dass die Aussage zu uns passt, was würden wir sagen? Das, was nach „ich bin“ kommt, ist unser drittes Wort. Unqualifiziert, faul, begabt, intelligent…? Wie sehen wir uns? Der Autor stellt fest, dass es vor allem darauf ankommt wie Gott uns sieht. Und Gott liebt uns einfach. Nicht erst nachdem wir uns verbessert haben, er liebt uns jetzt schon.

Der zweite Teil trägt die Überschrift, „Akzeptieren, um zu verändern.“ Furtick zeigt, dass unsere Schwäche nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Gott ersetzt nicht unsere Schwäche mit seiner Stärke, sondern er ist in unserer Schwachheit stark.

Der dritte Teil ist am umfangreichsten. Anhand der biblischen Geschichte von Jakob, zeigt der Autor welche menschliche Neigungen wir mit Jakob gemeinsam haben. Wir täuschen etwas vor, wir manipulieren und wir vergleichen. Dabei bringt uns das nicht weiter. Letzten Endes geht es nur darum, was Gott von uns denkt.

Zum Schluss geht es um erreichbare Ziele. Furtick schreibt, „Das Ziel unserer Existenz ist nicht Perfektion, sondern Beziehung.“

Es gibt einige gute Ansätze in diesem Buch, vor allem für Menschen, die sich Gedanken über ihren Selbstwert machen. Während es in der ersten Hälfte des Buchs zu lange dauert, bis der Autor auf seinen Punkt kommt, geht die zweite Hälfte etwas mehr in die Tiefe. Die Sprache ist manchmal witzig, an einigen Stellen grenzt der Humor jedoch an Respektlosigkeit geistlichen Dingen gegenüber.

Steven Furtick ist ein beliebter Prediger, vor allem unter jungen Leuten. Einige kritisieren, dass seinen Predigten Tiefgang fehlt, das ist vielleicht auch der Hintergrund von John MacArthurs Beurteilung: „unqualified“. Im Mittelpunkt seiner Predigten steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen, und die Botschaft wird auf spielerische und dramatische Art vermittelt; fast wie wenn eine „light“ Version des Christentums vermittelt werden soll.

Fazit: Das Buch enthält einige gute Gedanken, aber es gibt bessere Bücher zu dem Thema Wert und Identität aus christlicher Sicht.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Teenie-Romanze und viel mehr

Tell me three things
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Jessie leidet so sehr unter dem Tod ihrer Mutter, dass sie auch nach zwei Jahren die Tage zählt, seit ihrem großen Verlust. Da ist es überhaupt keine Hilfe, dass ihr Vater sie vor vollendete Tatsachen ...

Jessie leidet so sehr unter dem Tod ihrer Mutter, dass sie auch nach zwei Jahren die Tage zählt, seit ihrem großen Verlust. Da ist es überhaupt keine Hilfe, dass ihr Vater sie vor vollendete Tatsachen stellt: er hat erneut geheiratet, und die beiden werden weit weg ziehen, nach Kalifornien. Jessie muss nun auch ihr Zuhause und ihre beste Freundin zurücklassen.

Sie zieht zu ihrer reichen Stiefmutter, und zu einem Stiefbruder, der seinen verstorbenen Vater vermisst, und sich an den Familienzuwachs stört. Sie besucht nun eine neue Schule, eine teure Privatschule. Jessie kann sich nicht vorstellen wie sie sich durch den Dschungel dieser neuen Schule kämpfen soll. Da bekommt sie eine anonyme Nachricht. SN (somebody nobody) bietet ihr an, dass er ihr helfen kann, sich an der neuen Schule zurechtzufinden. Jessie ist erst kritisch; will jemand sich auf ihre Kosten einen Spaß erlauben? Oder ist dieser anonyme Kontakt sogar gefährlich? Aber da sie Hilfe braucht, lässt sie sich darauf ein. SN und Jessie tauschen mehr und mehr Nachrichten aus. Sie haben einiges gemeinsam. Zu ihren regelmäßigen Nachrichten gehört auch die Aufzählung von drei Dingen, die sie dem anderen von sich erzählen wollen – darum der Titel dieses Buchs.

Einerseits ist das Buch jugendgemäß, an manchen Stellen witzig, und es macht Spaß es zu lesen. Jessie ist sehr sympathisch, und der Leser fühlt mit bei der Bewältigung ihrer Trauer und der schweren Anfangszeit in ihrer neuen Schule. Sie wächst an den Herausforderungen, und sie entdeckt wie sie selbst eine bessere Freundin und Tochter sein kann.

Andererseits ist es wohl nicht empfehlenswert auf eine anonyme Bekanntschaft einzugehen. Auch wenn bei Jessie alles gutgeht, kann das heutzutage sehr gefährlich sein. An einigen Stellen wird auch in einer nicht altersgerechten Weise über Sexualität gesprochen. Ein Nachteil ist auch, dass das Ende schon bald für die meisten Leser vorhersehbar ist.

Fazit: Durch den Wechsel zwischen Erzählung und Textnachrichten, ist das Lesen aufgelockert und macht Spaß. Es werden wichtige Botschaften vermittelt, daneben werden aber Gefahren verharmlost.

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