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Veröffentlicht am 10.09.2018

Chastity Riley ist zurück

Mexikoring
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„Mexikoring“ von Simone Buchholz ist bereits der achte Fall für die unkonventionelle Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, der dritte bei Suhrkamp Nova. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, ...


„Mexikoring“ von Simone Buchholz ist bereits der achte Fall für die unkonventionelle Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, der dritte bei Suhrkamp Nova. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Einem mysteriösen Einstieg folgt ein Wiedersehen mit Chas Riley. Sie wird zu einem Tatort gerufen: Nouri Saroukhan ist in seinem Auto verbrannt, am Mexikoring. Geboren in Bremen, gestorben in Hamburg. Mord oder Selbstmord?
Schauplatz ist Hamburg - und Bremen. Bremen gilt als Hochburg für kurdisch-libanesische Familienclans, die Mhallamiye. Die Clans sind eng mit der Organisierten Kriminalität verwoben, in der Regel handeln sie mit Drogen.
„Mexikoring“ ist die Geschichte einer großen, aber verbotenen Liebe, denn Nouri und Aliza gehören zu verschiedenen Clans. Um nicht zwangsverheiratet zu werden wie ihre Schwestern, flüchtet Aliza nach Hamburg. Nouri folgt ihr wenig später, um Jura zu studieren. Doch dann bricht er sein Studium ab und heuert bei einer Versicherung an. Was war geschehen?
Simone Buchholz hat ihren neuen Kriminalroman gewohnt schnoddrig mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Chas erzählt. Auch Rileys Privatleben nimmt wieder einen breiten Raum ein. Die Welt der Mhallamiye ist bestens recherchiert.

Fazit: Ein Blick in dunkle Ecken. Spannend und humorvoll zugleich. Unbedingt lesenswert.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Die Stimme des Bösen

Der Schmetterling
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Henna wird vom Weihnachtsmann ermordet. Vor den Augen ihrer beiden Kinder. Ihr Ehemann, Måns Sandin, war ein berühmter Fußballer. Die Familie ist gerade erst aus Italien nach Schweden zurückgekehrt. Eigentlich ...

Henna wird vom Weihnachtsmann ermordet. Vor den Augen ihrer beiden Kinder. Ihr Ehemann, Måns Sandin, war ein berühmter Fußballer. Die Familie ist gerade erst aus Italien nach Schweden zurückgekehrt. Eigentlich sollte Måns den Weihnachtsmann geben, doch er wurde aufgehalten.
Kommissar Johan Rokka ermittelt. Er ist nach zwanzig Jahren in Stockholm heimgekehrt und kennt Måns von früher. Kennt er womöglich auch den Täter? Als ein weiterer Mord geschieht, vermutet Johan, dass das Motiv in der Vergangenheit liegen muss.
Gabriella Ullberg Westin hat mit „Der Schmetterling“ einen wirklich spannenden und komplexen Krimi geschrieben. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Hauptschauplätze sind Hudiksvall in Nordschweden und Florenz.
Hudiksvall ist ein Dorf. Jeder kennt jeden. Und fast jeder hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Es geht um Einsamkeit und Rache - und um Sex. Unerbittlich dreht die Autorin an der Spannungsschraube. Nur scheibchenweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Auch der Titel erschließt sich einem erst ganz zum Schluss.
Kapitel in Kursivschrift, erzählt in der Ich-Perspektive, verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Die Geschichte nimmt viele überraschende, dramatische und auch brutale Wendungen, bis zum unerwarteten Ende.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Johan mit seiner direkten und unverblümten Art, der immer nur an das eine denkt. Kollegin Janna Weissman kämpft mit ihren inneren Dämonen und versucht, Berufliches und Privates zu trennen.

Fazit: Ein Krimi, der einen nicht mehr loslässt. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Schwedisch. Schnell. Spånnend.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Bis der Tod uns scheidet

Der Abgrund in dir
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Seit „Shutter Island“ bin ich ein großer Fan von Dennis Lehane und habe fast alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen. Auch „Der Abgrund in dir“ hat mich überzeugt. Der erste Satz des Buches schockiert: ...


Seit „Shutter Island“ bin ich ein großer Fan von Dennis Lehane und habe fast alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen. Auch „Der Abgrund in dir“ hat mich überzeugt. Der erste Satz des Buches schockiert: „An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ Wie konnte es dazu kommen?
Rachel Childs ist ohne Vater aufgewachsen. Angeblich hatte er die Familie verlassen, als Rachel noch ganz klein war. Mit siebzehn Jahren verliert Rachel auch noch ihre Mutter, eine berühmte Autorin, bei einem Autounfall - und damit die Chance zu erfahren, wer ihr Vater ist. Erst in einem Tagebuch findet sie Hinweise auf seine Identität.
Auf ihrer zwanghaften Suche nach Antworten lernt Rachel den Privatdetektiv Brian Delacroix kennen. Er ist fortan immer zur Stelle, wenn sie eine Enttäuschung zu verkraften hat. Zufall? Eines Tages werden beide ein Paar, scheinbar füreinander gemacht. Doch nichts ist, wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint. Denn Brian hütet ein dunkles Geheimnis. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
„Der Abgrund in dir“ ist ein Slow Burner. Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf, kommt dann aber umso gewaltiger. Dennis Lehane ist ein psychologisch raffinierter Thriller gelungen. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen der Autor die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Rachel ist ein komplexer Charakter. Sie ist Fernsehjournalistin, bis ein Einsatz auf Haiti zu einem Nervenzusammenbruch führt. Seitdem leidet sie unter Agoraphobie, verlässt kaum noch das Haus. Aber als sie unvermittelt an den Rand des Abgrunds getrieben wird, wächst sie über sich hinaus.

Fazit: Fesselnd, abgründig, raffiniert - einfach meisterhaft.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Zwischen Stockholm und Kabul

Vier Tage in Kabul
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Was für ein heftiger Einstieg: ein Feuergefecht in Kabul und die schwedische Kriminalkommissarin und Unterhändlerin Amanda Lund ist mittendrin. Doch dann wird sie zu einem Sondereinsatz abkommandiert: ...


Was für ein heftiger Einstieg: ein Feuergefecht in Kabul und die schwedische Kriminalkommissarin und Unterhändlerin Amanda Lund ist mittendrin. Doch dann wird sie zu einem Sondereinsatz abkommandiert: Zwei schwedische Diplomaten werden vermisst, vermutlich wurden sie entführt.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Bill Ekman kennen. Er arbeitet bei der Reichskriminalpolizei in Stockholm und ermittelt im Fall eines Mannes, der erstochen wurde. Schnell ist klar, es handelt sich um einen Regierungsmitarbeiter, der in Kabul stationiert war. Wo ist die Verbindung?
Amanda befindet sich unmittelbar in einem unheilvollen Netz aus Sex, Drogen und Mord wieder, in das auch der schwedische Botschafter in Kabul verstrickt zu sein scheint. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Anna Tell hat eine packende Mischung aus Krimi und Politthriller geschrieben. Wer sich mit dem Thema Afghanistan beschäftigen möchte, der liegt hier richtig. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt.
„Vier Tage in Kabul“ hat letztendlich alles, was einen guten Thriller ausmacht: Eigenwillige, originelle Charaktere (an vorderster Front natürlich Amanda), einen nachvollziehbaren wie spannenden Plot, eine gute Schreibe und mit Afghanistan ein Setting, das nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern für die Handlung sogar zwingend erforderlich ist.
Kurze Kapitel und zumeist auch ebensolche Sätze. Das treibt die Leser voran und verhindert im vorliegenden Fall das Aufkommen jeglicher Form von Langeweile. Bleibt abschließend festzustellen, dass man auf den nächsten Einsatz für Amanda Lund gespannt sein darf.

Fazit: Ein unglaubliches Debüt! Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Vier.Zwei.Eins.
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Vier.Zwei.Eins“ ist mein erstes Buch der englischen Autorin Erin Kelly und hat mich begeistert. Doch worum geht es?
Im Sommer 1999 reisen Kit und Laura zu einem Festival ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Vier.Zwei.Eins“ ist mein erstes Buch der englischen Autorin Erin Kelly und hat mich begeistert. Doch worum geht es?
Im Sommer 1999 reisen Kit und Laura zu einem Festival nach Cornwall, um eine totale Sonnenfinsternis zu erleben. Kit hat seit 1991, da war er gerade mal 12 Jahre alt, schon viele Sonnenfinsternisse erlebt. Laura dagegen hat noch nie zuvor eine gesehen.
Kit und Laura sind jung und verliebt, scheinbar füreinander gemacht. Aber im fahlen Licht danach, stolpert Laura über einen Mann und eine Frau. Jamie und Beth. Schlagartig ist ihr klar, dass sie etwas Schreckliches gesehen hat. Jamie wird wegen Vergewaltigung angeklagt - und verurteilt. Eines Tages steht Beth vor Kit und Lauras Tür.
15 Jahre später leben Kit und Laura in ständiger Angst, verbergen ihre Identität und sind auch nicht in den sozialen Medien aktiv. Was war damals geschehen? Als Laura schwanger ist, reist Kit alleine zu einer Sonnenfinsternis auf die Färöer Inseln…
„Vier.Zwei.Eins“ gliedert sich in fünf Teile. So wie eine totale Sonnenfinsternis aus fünf Phasen besteht. Wobei die dritte Phase, die Totalität, die dramatischste und unheimlichste ist. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen mit wechselnden Perspektiven aus Sicht von Kit und Laura erzählt. Zudem punktet die Geschichte mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen die Autorin die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Laura ist eher der emotionale Typ, Kit rational und logisch. Allerdings hüten beide ein dunkles Geheimnis. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
Eine Sonnenfinsternis als Metapher für Wahrheit und Lüge. Licht und Dunkel. Doch es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern Vielschichtigkeit. Der Leser kann nie sicher sein, wer im Recht ist und wer im Unrecht, bis zur allerletzten Seite.

Fazit: Atmosphärisch, soghaft und von höchster Spannung. Ein Psychothriller, der einen am Ende sprachlos zurücklässt. Hammer!