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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2019

Düster-bedrohliche Saga

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Die alte Welt ist in viele große und kleine Archen zerbrochen, die sich stark voneinander unterscheiden. Auf Anima leben die Animisten, die die Fähigkeit haben sich mit Gegenständen zu verbinden und deren ...

Die alte Welt ist in viele große und kleine Archen zerbrochen, die sich stark voneinander unterscheiden. Auf Anima leben die Animisten, die die Fähigkeit haben sich mit Gegenständen zu verbinden und deren Geschichte zu "lesen". Ophelia ist eine besondere junge Frau, die die Geschichte ihrer Arche in Ehren hält, sich jedoch vor jedem Heiratsangebot mit einem ihrer Cousins drückt. Ausgerechnet sie wird einem Adligen auf dem fernen Pol versprochen, der einer brutalen und intriganten Familie angehört. Für Ophelia beginnt eine unglaubliche sowie erschütternde Reise.

Ophelia ist eine spannende und starke Hauptfigur. Sie ist tolpatschig, kleidet sich wie eine alte Jungfer und macht den Eindruck eines einfachen Gemüts. Doch egal was Andere denken, Ophelia ist sehr klug, hat eine genaue Beobachtungsgabe und eine unfassbare Stärke und Selbstherrschung. Das macht sie zu einer starken Identifikationsfigur für junge Leserinnen, die sich gegen Widerstände in ihrem Leben behaupten müssen. Es ist bemerkenswert, dass sogar die brutalen und unsymphatischen Figuren (der Verlobte Thorn, seine Tante Berenilde, u.a.) den Lesenden ans Herz wachsen. Im Laufe der über 500 Seiten schafft es die Autorin vielfältige und undurchschaubare Charaktere zu erschaffen, die sowohl Stärken als auch Schwächen zeigen.

In ihrem ersten von vier Bänden der Spiegelreisenden-Saga hat Christelle Dabos eine unglaublich, magische und brutale Welt erschaffen. Liebevoll ausgestaltet zeigen sich die beiden Archen unerklärlich, eindrücklich und spektakulär. Dabei unterscheidet sich die Arche Anima stark vom Pol. Vor allem ist es die düstere fast kriegerische Stimmung, die auf dem Pol herrscht. Diese Stimmung wird es wohl sein, die junge Leserinnen abschrecken und auch Erwachsenen auf Dauer zu sehr auf den Magen schlagen könnte. Es ist schwer, das ganze Leid zu ertragen, dass Ophelia und auch den anderen unsymphatischen Charakteren widerfährt. Jeder ist ein potentieller Feind, es kommt zu brutalen Übergriffen und grausamen Intrigen.

Anfänglich braucht es Geduld, um in die Geschichte rein zu kommen. Die ersten 200 Seiten ziehen sich und nicht jedes Dateil erscheint interessant. Die Geschichte entwickelt danach eine starke Sogwirkung und lässt die Zeit beim Lesen der über 500 Seiten nur so verfliegen.

Frau Dabos beschäftigt sich in ihrem Drama mit gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Dynamiken. Diese werden übertrieben und stark zugespitzt von ihr widergegeben. Der Vergleich mit den Harry Potter Bänden scheint nicht ganz fern. Immerhin gibt es einige Parallelen und die Welt der Archen steht Harrys Welten in nichts nach. Jedoch ist die Hauptfigur in diesem Fall eine junge Frau und schon dieser erste Band dermaßen brutal und hoffnungslos.

Es ist schwierig eine passende Zielgruppe für diese Sage zu bestimmen. Für viele junge Frauen mag die Geschichte und die Ausgestaltung zu brutal und feindlich sein, jedoch ist Ophelia eine starke Identitfikationsfigur und die Welt der Archen wahrlich spannend und einmalig. Für Lesende mit starken Nerven mag dies der gelungene Auftakt zu einer unglaublich schillernden Saga sein.

Ein spektakulärer und ebenso dramatischer Auftakt zur Spiegelreisenden-Saga mit einer starken weiblichen Hauptfigur.

Veröffentlicht am 23.02.2019

Berührende und kluge Fabel

Liebende
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In "Liebende" schreibt der koreanische Dichter Jeong Ho-seung von der Liebe und dem Erkennen des eigenen Wesens. Die Geschichte ist wunderschön bebildert.

Blauperlenauge und Schwarzperlenauge sind zwei ...

In "Liebende" schreibt der koreanische Dichter Jeong Ho-seung von der Liebe und dem Erkennen des eigenen Wesens. Die Geschichte ist wunderschön bebildert.

Blauperlenauge und Schwarzperlenauge sind zwei Karpfen, die Windspiele schmücken. Ein Mönch kauft sie und hängt sie an jeweils eine Ecke eines Tempels. Dort sind sie in tiefer Liebe verbunden, bis Blauperlenauge Fernweh bekommt und davon fliegt, um nach seiner Bestimmung zu suchen.

In der sich entwickelnden Suche nach sich selbst geht es um die existenziellen Fragen des Lebens. Blauperlenauge begegnet verschiedenen Wesen, lernt Freundschaft und Liebe kennen, bekommt tiefe Wunden und kommt immer wieder in schwierige Situationen. Am Ende macht die Geschichte einen Bogen und wird rund.

Wie in Fabeln üblich bekommen Tiere und Gegenstände Leben, können Fühlen und Sprechen. Alles scheint möglich und auf existenzielle Fragen folgen kluge und poetische Antworten. Als Dichter hat der Autor sich sichtbar ausgelebt. Der Text ist sehr poetisch und gespickt mit Lebensweisheiten. Zeitweise fühle ich mich an die Geschichten von Paulo Coelho erinnert. Gleichzeitig ist das Geschehen sehr berührend und macht nachdenklich.

Störend war zwischenzeitlich, dass die Geschichte kitschige Züge hat und auf wenigen Seiten (etwas über 100) inhaltlich sehr kompakt ist. So war es schwer immer hinterher zu kommen. Womöglich zeigen sich auch darin Eigenschaften von Fabeln. Also nicht für Jeden was.

Eine berührende und kluge Fabel - ein fliegender Karpfen auf der Suche nach sich Selbst.

Veröffentlicht am 31.01.2019

Fortsetzung folgt...?

Saligia
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Mit "Saligia" hat Swantje Oppermann erneut ein Jugendbuch geschrieben, in dem es darum geht sich als Außenseiter zu fühlen und seinen Platz zu suchen.
Keira muss mit ihrem ständigen unkontrollierbaren ...

Mit "Saligia" hat Swantje Oppermann erneut ein Jugendbuch geschrieben, in dem es darum geht sich als Außenseiter zu fühlen und seinen Platz zu suchen.
Keira muss mit ihrem ständigen unkontrollierbaren Zorn leben, der auch Fremde dazu bringt sich unerwartet zu Prügeln. Der Vater wurde von der Mutter, in Notwehr getötet, als sie erst drei Jahre alt war. Seitdem lebt Keira mit einer großen Schuld. Als ihr ein Fremder folgt und ihr erklärt, dass sie mit ihrer "Gabe" nicht alleine ist, sondern viele "Saligia" eine der Todsünden in sich tragen, eröffnet sich ihr eine neue Welt.

Das Buch ist schön gestaltet, hat einen logischen Aufbau. In vier Teilen mit interessanten Überschriften und 59 nummerierten Kapiteln ist die Erzählung übersichtlich gestaltet. Der Text liest sich fließend und ist, bis auf die Vermenschlichung von Gegenständen sowie Sprachbildern, einfach gehalten. Ebenjene sorgen dafür, dass das Geschehen anschaulicher wird.

Keira ist eine sympathische Hauptfigur, die wegen ihrer Einsamkeit und Außenseiterrolle, dem "kaputten" Elternhaus das Mitgefühl der Lesenden weckt. Und das trotzdem sich die Spuren ihrer Zerstörungswut durch ihr Leben und das der Anderen ziehen. Sie wirkt stark und gleichzeitig hilflos, ermöglicht es den Lesenden sich mit ihr zu identifizieren. Ihr Leid ist spürbar und ebenso ihre Orientierungslosigkeit. Umso erleichternder ist es, als sie von den anderen Saligia erfährt.

Thematisch ist die Geschichte auf die Todsünden ausgerichtet. Es geht um Hochmut, Habgier, Lust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Es ist spannend mitzuerleben, wie sich diese Laster in einzelnen Personen ausprägen und sich Dynamiken untereinander entwickeln. Die Erzählung hat durch dieses fantasievolle Thema und die Jugendliche-in-einem-Internat-Atmosphäre geeignete Eigenschaften für ein Jugendbuch zum Eintauchen.

Die Geschichte hat eine Sog-Wirkung und das Buch ist schnell gelesen. Die Geschichte hat trotz der simplen Thematik eine starke Wirkung. Doch das Ende ist offen und etwas holprig. So endet die Erzählung unerwartet und lässt Fragen offen. Das macht etwas unzufrieden, auch wenn es auf einen Nachfolgeband hoffen lässt.

Simple Geschichte zum Eintauchen und Abtauchen.

Veröffentlicht am 17.10.2018

Unerwartet spannend und berührend

Die wundersame Mission des Harry Crane
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Harrys Frau Beth wird vor einer Baustelle von einem Kran erschlagen und alles nur weil er sie hat stehen lassen, um ein Los zu kaufen. Die Trauer und die Schuld setzen ihm zu und so flieht er in die Wälder. ...

Harrys Frau Beth wird vor einer Baustelle von einem Kran erschlagen und alles nur weil er sie hat stehen lassen, um ein Los zu kaufen. Die Trauer und die Schuld setzen ihm zu und so flieht er in die Wälder. Dort begegnet er der zehnjährigen Oriana, die fest an das Wunder von Märchen glaubt. Es beginnt eine wunderliche Freundschaft.

Die Geschichte läuft schleppend an, beginnt nichtssagend. Die Erzählung um Harry und seine Trauer wirkt nüchtern und distanziert. Zu Beginn lässt sich kaum erahnen, welche Spannung die Geschichte noch mit sich bringen wird. Ist man über den trockenen Teil hinweg nimmt die Erzählung an Fahrt auf. Die Spannung steigert sich zunehmend und wird durch die ausführlichen Beschreibungen der Umgebungen, Gedanken und Situationen gebremst. Irgendwann wird die Aufregung zu groß, um den detaillierten Ausführungen in Ruhe folgen zu können. Es kommt der Drang auf, Absätze und Seiten zu überspringen. Einige Situationen wirken sehr bedrohlich, erinnern an einen Thriller. Die Geschichte lässt die Lesenden letztendlich atemlos und gehetzt zurück.

Die ausgedehnten Natur- und Personenbeschreibungen sorgen besonders in den ersten zwei Dritteln des Buches für Atmosphäre, lassen die Erzählung tiefer und lebendiger wirken. Der Schreibstil ist eher klar. Poetische und kluge Gedanken sowie humorvolle Aussagen passen sich gut in das Textgefüge. Das Lesen macht Spaß und es gibt immer wieder absurd witzige Situationen.

Die Charaktere werden im Laufe der Erzählung interessant, der Leidensdruck und die Hoffnungen der Einzelnen werden spürbar. Harry, Oriana, Amanda und die Bibliothekarin sind sehr liebenswert. Es wird eine Nähe zu den Charakteren hergestellt, die mitleiden und mitfreuen lässt. Ähnlich einem Märchen gibt es passenderweise „gute“ und „böse“ Personen, die aufeinanderprallen. Die Geschichte hat einen moralischen und lehrreichen Anklang. Ganz märchenhaft wird am Ende alles Gut. Auf Dauer ist es jedoch zu viel des Guten/ bzw. des Bösen.

Ein berührendes Erwachsenenmärchen. Erst trocken, dann spannend bis zu atemloser Aufgeregtheit.

Veröffentlicht am 13.10.2018

Eindrucksvolle Biografie

Queen Victoria
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Julia Baird beschäftigt sich in diesem 600 Seiten starken Werk mit Queen Victoria. 1819 geboren, rückt sie in der Thronfolge immer weiter nach oben, bis sie mit 18 Jahren den Thron besteigt. Als eigenwillige, ...

Julia Baird beschäftigt sich in diesem 600 Seiten starken Werk mit Queen Victoria. 1819 geboren, rückt sie in der Thronfolge immer weiter nach oben, bis sie mit 18 Jahren den Thron besteigt. Als eigenwillige, engagierte Königin prägt sie ein ganzes Zeitalter und gerät immer wieder mit den vorherrschenden Konventionen in Konflikte.

Königin Victoria ist die spannende Hauptfigur dieses Romans. Die Autorin beschreibt ihr Leben und ihre Person sehr feinfühlig und interessant. Es ist berührend von Victorias Verlusten, Erfolgen, schweren Entscheidungen, Zerwürfnissen und ihrem Glück zu Lesen, dass sie in der Ehe mit Albert erfährt. Die Erzählung ist logisch aufgebaut, beschäftigt sich kapitelweise mit den Lebensabschnitten der Queen. Zusätzlich werden das Wirken des Prinz Albert, der Angehörigen und politischen Weggefährten eindrücklich geschildert.

Als Sachbuch bzw. Biografie hat dieses Werk seine Stärken in der tiefgründigen und sehr ausführlich inhaltlichen Ausgestaltung. Es entsteht ein umfassendes Bild der viktorianischen Epoche. Die Erzählung um die Queen ist eingebettet in die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse dieser Zeit. Baird lässt die Atmosphäre Englands im 19. Jahrhundert aufleben, in der eine Frau zur Monarchin wird, neun Kinder großzieht und ein ganzes Land führt. Das Geschriebene lässt sich gut nachvollziehen. Durch die vielen Zitate aus den Tagebüchern der Queen und Aussagen anderer Personen wird die Erzählung sehr lebendig. Dadurch bleibt es bis zum Ende spannend.

Die meisten Kapitel sind schnell gelesen. Einige Teile des Buches sind dagegen langatmig und zu ausführlich erzählt. Es fällt zeitweise schwer die ganzen Personen einzuordnen und den Zeitsprüngen zu folgen. Neben der Begeisterung, die das Buch mit sich bringt, braucht es schon auch Interesse vonseiten der Lesenden, um dran zu bleiben.

Eine begeisternde und lehrreiche Biografie. Eindrucksvolle Einblicke in die viktorianische Epoche und das Leben und Wirken Queen Victorias.